Literaturgefluester

2014-07-29

Reisevorbereitungen und andere Erledigungen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:09

Ich bin ja nicht besonders reiselustig, erstens lebe ich so etwas wie Konsumverzicht, das Notwendige nicht das Überflüßige und dann will ich in meiner freien Zeit ja schreiben und nicht von einem Touristenort zum anderen hetzen und eine Menge Geld für Parkplätzte, Hotelzimmer etc ausgeben, so habe ich schon lange meine “Sommerfrische in Harland bei St. Pölten”, da kann ich meine praxisfreien Sommertage und die kann man auch zusammenlegen, verbringen, Radfahren an der Traisen, auf der Terasse sitzen und schreiben oder bloggen, in der Badewanne lesen, ect.
Leider oder zum Glück, damit ich nicht verkomme, habe ich einen sehr reiselustigen Mann und drängt mich meistens schon im Februar “Sag mir Eva, wo fahren wir heuer hin?”
In den frühen Nullerjahren sind wir eine Zeitlang in die Toskana und sogar bis Rom gefahren, dann kam die hohe Tatra an die Reihe, wandern, beziehungsweise bergsteigen mag ich nämlich auch. Fünfmal waren dort, vor drei Jahren dann in den Masuren, vor zwei in den baltischen Staaten und voriges Jahr wurde im August die WU umgesiedelt, also keine Gefährdung der Sommerfrische und so habe ich mir diesbezüglich sogar ein ein sogenanntes Stadtschreiberprogramm entworfen, aber heuer ging es wieder los und da sagte ich wohl im Februar oder vielleicht schon früher, ins Elsaß.
“Warum dorthin?”, wurden wir vorige Woche im Waldviertlerhof vom Martin gefragt. Ja, warum? Wahrscheinlich weil ich gehört habe, daß es dort schön sein soll, es gibt das Quiche Lorraine, eine entfernte Cousine, die, wie Psychologie studiert hat, war mit ihren Mann vor dreißig oder vierzig Jahren eine Zeit lang dort, die Petra van Cronenburg, deren Blog ich manchmal verfolge, hat ein Buch darüber geschrieben, deshalb also und warum eigentlich nicht? Irgendwohin muß man ja fahren, wenn man schon muß und ein Badetyp bin ich ja nicht.
Also hat mir der Alfred, ich glaube, schon im Februar ein Buch darüber gekauft “Gebrauchsanweisungen fürs Elsaß”, ich habs auf meine Liste gesetzt und ins Badezimmer gelegt, denn ich schaue in die Reiseführer erst, wenn ich vor Ort bin, was ich manchmal auch bereue, wie beispielsweise vor zwei Jahren, als wir in Riga den Campingplatz suchten, ich das Buch aufschlug und las, daß die “Hunde von Riga” als Reiselektüre empfohlen wurden und das hatte ich ja im Schrank gefunden. Warum habe ich es nur nicht mitgenommen, warum nicht, warum?
Der Alfred ist da anders, der macht seit Monaten Pläne und war auch lange den Zugabfahrtzeiten auf der Spur, hat ein Klapprad für mich eingekauft und am Sonntag schon das Auto probeweise gepackt und ich fange jetzt auch langsam mit den Reisevorbereitungen an, denn daß ich mir von meinen Leselisten, die Bücher, die in dem Land spielen, in das wir fahren oder von solchen Autoren stammen, mitnehmen, habe ich mir vor einigen Jahren angewöhnt.
Da gibt es also die “Gebrauchsanweisungen”, die sind schon in der Tasche, die mir der Alfred aus Australien mitgebracht hat. Nach Elsaßischer Literatur habe ich auch gegooglet, da habe ich aber nichts auf Vorrat, aber auf meiner Liste sind ganz zufällig jetzt bald ein paar französische Bücher dran. Die Francoise Sagan, die Margarite Duras, die Veronique Olmni und das das Elsaß ja in Frankreich liegt. Ich habe ja gedacht, da spricht man Deutsch, wie in Bozen, scheint aber zumindest, was die Zugfahrpläne, die den Alfred zur Verzweiflung brachten, nicht ganz so zu sein, ich habe aber in der Straßergasse fünf Jahre Französisch gelernt und auch ein französischens Buch, allerdings von einem Amerikaner, auf meine Leseliste gesetzt, wenn ich das mal lesen will, sollte ich ein bißchen üben und im Bücherschrank fand sich vor einiger Zeit auch ein Grundlehrkurs mit entsprechender Cassette.
Ein Wörterbuch habe ich auch und dann habe ich natürlich die beiden schönen schwarzen Bücher eingepackt, die vor einiger Zeit im Schrank waren. Das eine für die Reisenotizen, das andere für die von “Innere Stadt” und da ist eine Reiseunterbrechung von zwei Wochen vielleicht nicht ganz passend, macht aber andererseits auch nicht wirklich viel, aber ich habe vorigen Mittwoch angefangen meinen Roman nicht nur zu konzipieren, sondern auch zu schreiben. Ich bin darin sehr schnell, ich weiß und das macht auch nichts, sondern ist sehr gut. Achtundzwanzig Seiten, zwölf Szenen, 13 296 Worte sind da in der Zeit entstanden, in der ich eigentlich nur Material sammeln wollte, aber wenn ich mal anfange, bin ich sehr flott, auch wenn ich bis September recherchieren wollte.
So gesehen würde ich wahrscheinlich wieder in sechs Wochen mit dem Rohkonzept fertig sein, der Elsaßurlaub unterbrichts, macht nichts, rät man ja immer seine Texte liegen zu lassen, andererseits bin ich so in Fahrt, daß ich vielleicht das Recherchieren oder dran denken mitnehmen könnte, denn vielleicht ist der Albert im August 1914 in Frankreich gefallen.
Und so geduldig die zwei Wochen abzuwarten, bevor ich weiterschreibe, bin ich inzwischen auch, man sieht, ich mache Fortschritte, auch wenn mir das niemand glaubt und bei der “Innere Stadt”, der Titel ist für das Miranda Schutzengelchen vielleicht nicht ganz passend und könnte geändert werden, ist es mir diesmal, glaube ich, auch gelungen, ein bißchen abgehobener zu werden.
Also nicht nur von Büchern und alten Leuten zu schreiben, aber auch, denn eine Ururugroßmutter, die 1914 eine Frühgeburt hatte, gibt es ja, das Miranda Schutzengelchen ist dagegen noch sehr jung und die Urururgroßmutter schaut auch nicht sehr viel älter aus.
Ich glaube, daß inzwischen sogar sowas wie der Handlungsfaden entstanden ist, der könnte jetzt unterbrochen werden, aber ich habe mir sehr viel aufnotiert und nehme mir auch, ein (neues) Notizbuch mit dem alten mit.
Die letzte Szene die ich geschrieben habe, handelt ja vom Bruno, da steht er bei diesem Fest und kämpft ums Spanferkel, der Kampf um die Schwedenbomben soll dann noch kommen. Das ist vielleicht nicht besonders originell, aber inzwischen erzählt die Marija Marjatschuk, der Magdalena, die sie Tante Berta nennt, von den Kämpfen um die Stadt Donetz, sie könnte aber auch nach Wien zum Studium kommen und da Miranda kennenlernen und Miranda bekommt eine Schutzengelkarte zugeschickt. Sowas habe ich heute wirklich von einer Hilfslorganisatzin zugesandt bekommen, kein Schmäh, besucht ihre Mutter, die ihr ein wenig von den Vormüttern erzählt und die Miranda könnte, um ihren Visionen zu entkommen, den Philip heiraten und einen Sohn bekommen und die Valentina freundet sich mit ihrem Kollegen Sepp an.
So weit meine Ideen, ein richtiger Handlungsfaden ist das nicht, könnte sich aber zu einem solchen entwickeln, im August dann, wenn ich zurück bin und im September dann mindestens einen Wien Tag mache.
Ansonsten habe ich schon die Idee für das nächste Buch, vielleicht bekomme ich die aber auch in dieses, denn ich lese ja gerade Ernst Lothars “Die Mühle der Gerechtigkeit”, das ist ein 1931 entstandener Roman über Sterbehilfe, beziehungsweise über die Nöte eines sehr strengen und verzopften Landesgerichtsrat, der 1960 bei Zscolny mit einem Vorwort von Ernst Lothar, daß er sich trotz der Nazis-Euthanasie- Programme entschlossen hat, den Roman wiederaufzulegen und dazu auch steht und auch ein Thema, das mich sehr interessiert und ich mit den Vorschlägen, die man in Klagenfurt beim Bachmannlesen immer wieder hören kann, nicht sehr zufrieden bin.
Denn da werden spannende Schicksale aufgebaut und dann kommt die Hand des Mannes und der Griff zum Polster oder zur Pistole und ich denke “So nicht!” und heurte habe ich gedacht, vielleicht schreibe ich mal was dazu, das ist zwar auch etwas über alte Leute höchstwahrscheinlich, aber da könnte ich das so machen, wie es mir gefällt und dann wirds wahrscheinlich ein Selbstmord werden, denn von der oben geschilderten Sterbehilfe, halte ich ja nicht viel.
Mal sehen, der Bruno Leitner könnte das am 13. 3. 2033 so machen, wie das aber in das Konzept hineinbringen? Obwohl eine Magdalena, die im August 1914 zu früh geboren hat und immer noch mit dem Flugzeug in die Ukraine fliegt, gibt es da ja auch.
Man sieht, ich bin sehr eifrig und nicht aufzuhalten.
“Gut so!”, denke ich und überhöre die, die jetzt vielleicht “Nicht schon wieder!”, stöhnten, aber sehr viele, die das tun, wird es nicht geben und ich habe auch noch was anderes zu tun, bevor ich ins Elsaß fahre, mit dem Klapprad die Alleen entlangzuckle und Quiche Lorraine esse, Zander soll es dort auch geben, es ist nämlich das “Dummie von der “Brüderschaft” gekommen, der Postbote hats am Freitag beim Tierhändler in der Krongasse abgegeben und nicht wie früher aufs Postamt zurückgetragen und ich habe es mir von dort abgholt, aber ein so dünnes Päckchen hätte er mir auch früher in den Postkasten stecken können, bei den neuen Postkästen geht das nicht mehr, ist aber egal und wenn ich das Buch noch vorher durchsehe, keinen Fehler finde und es freigebe, kann es dann gleich erscheinen, wenn wir zurückgekommen sind.
Die “Anna” muß vom Alfred noch durchgeschaut werden und dafür brauchen wir noch das Cover. Ein Foto von einem meiner mit Bücher den vollgestopften Regalen im Krongassenschlafzimmer, könnte das, denke ich, sein und für die “Innere Stadt” wenn es bei dem Titel bleibt, habe ich auch schon eine schöne Vorlage, denn mein Großvater, der Herr Anton Jantschak, wie er sich tatsächlich schrieb, hat meiner Großmutter und seinen wohlgeborenen Kindern Greti und Otti sehr viele und sehr schöne Feldpostkarten vom Krieg nach Hause geschickt und eine Netzkarte, wo man ihn in Uniform sehen kann, hat er auch zurückgelassen. Daist er zwar älter, als der Albert Himmelbauer oder sieht zumindest so aus, vielleicht war er gar nicht so alt, ich habe ihn jedenfalls, glaube ich, nicht kennengelernt und die Großmutter ist Anfang siebzig gestorben.
Das ist sehr spannend und hat gut geklappt, das Buch mit den Briefen der Soldaten aus dem ersten Weltkrieg, das ich mir, glaube ich, im Sommer 1982 beim “Herzog” kaufte, als meine “Hans-Krise” begann und es mit auf eine Wanderung auf den Kahlenberg nahm, habe ich dagegen nicht gefunden.
Das neue Bücherregal bzw. die Bretter hat der Alfred am Samstag abgeholt und müßen noch aufgebaut werden, nach dem Urlaub, wenn der Kasten im Harlander Wohnzimmer an dessen Stelle es kommt, ausgeräumt ist und die wirklich schöne Rezension von Lev Detela über das erfolglose Schreiben, beziehungsweise das Literaturgeflüstertexte-Buch ist jetzt auch im Blog eingestellt. Wer sie lesen will, dem kann ich sie nur empfehlen und bedanke mich sehr dafür und das passt auch gut zu meinen “Feiertagsartikel” und meiner “Laudatio” mit der ich mich selber lobte, als ich mit dem Korrigieren fertig wurde und bevor ich mit dem neuen Konzept begann.

2014-07-28

Perfect Copy

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:53

Es gibt Zufälle, die sehr spannend sind, denn das Jugendbuch “Perfect Copy” von dem 1959 geborenen Fantasyautor Andreas Eschbach, habe ich vor zwei Jahren in einen der Schränke gefunden und es hätte eigentlich schon früher auf meiner Leseliste an die Reihe kommen sollen, aber der Juli galt ja der “Hermagoras Spende” und zwei Bücher aus der “Edition der Kramer Gesellschaft waren auch zu lesen.
Auf Andreas Eschbach bin ich vor einigen Jahren im Internet aufmerksam geworden, vor allem weil er auf seiner Seite Schreibtipps gab, dann habe ich in einem Sommerbuch eine Geschichte von ihm gefunden und bezüglich dieser Urheberdebatte hat er auch einmal eine Geschichte geschrieben, wo es keine Bücher mehr gibt und wenn man welche lesen will, in einem Club Mitglied werden muß, ausgesucht wird, eine Menge Sachen unterschreiben etc.
Ein richtiger Spannungsautor halt, der die Themen anzupacken und entsprechend aufzubereiten versteht und so war ich auf ein Eschbach Buch neugierig, einfach so, egal, um was es dabei geht, aber bei “Perfect Copy” geht es um das Klonen und das ist jetzt mein Thema, das ich in der “Inneren Stadt” angerecht durch diese “Lewitscharoff” Debatte und die “Dresdner Rede”, daß Retortenkinder Halbwesen wären, abgeregt wurde, habe ich ja eine Sendung gehört, wo Sybille Lewitscharoff sagte, sie wünschte sich, daß jemand darüber schreiben.
Andreas Eschbacht hat ihn schon im Jahr 2002 erfüllt und das Buch wirft viele Fragen auf, nicht nur vordergründig abgehobene, was ist, wenn ich entdecke, daß ich ein Klonkind bin?, sondern auch die Frage, was mit den sogenannten Wunderkindern passiert und ob Eltern das Recht haben, ihren Kindern ihre Wünsche aufzuzwingen, ganz egal, ob sie jetzt geklont werden oder auf ganz normalen Weg auf die Welt kommen. Der fünfzehnjährige Wolfgang ist der Sohn eines Chefarztes in einer Krebsklinik, irgendwo in einem Schwarzwaldkaff, die Mutter war Sängerin, hat ihre Karriere aber dem Kind zu Liebe aufgegeben und malt jetzt irgendwelche “scheußliche” Bilder und Wolfgang ist ein Cello Talent und wird von seinem Vater, zwar ganz in der Stille, aber doch als Wunderkind aufgebaut.
Das Buch beginnt mit einem Konzert eines japanischen Genies und Wolfgang erkennt, so gut, ist er nicht und versucht das seinem Vater beizubringen, der das nicht hören will.
In der Schule herrscht das “Klonfieber”, ein kubanischer Experte hat zugeben, er hätte vor sechzehn Jahren mit einem deutschen Wissenschafter ein Klon-Kind gezeugt und die Zeitungen suchen jetzt danach und die Lehrer in der Schule versuchen den Schülern in jeden Fach etwas übers Klonen zu erzählen.
Wolfgang hat aber ganz andere Probleme, da ist nämlich Svenja und sein türkischer Freund Cem redet ihn auch ein, er hätte Chancen, der Mathematiklehrer schlägt ihn und Svenja für die Mathematikolympiade vor, wozu Wolfgang zwar auch keine Lust hat, aber weil Cem ihm rät, Svenja in die Eindiele einzuladen, nimmt er an, so kommt es zum ersten Kuß und auch von einem Foto von einem Detektiven, das am nächsten Tag in der Zeitung steht.
“Ist Wolfgang das Konkind?”, der Religionslehrer veranlaßt, daß er bis zur Klärung von der Schule suspendiert wird, die Polizei kommt, denn das Klonen ist verboten, das Haus wird von der Security abgeschirmt und es stellt sich heraus, Wolfgang ist nicht der Klon seines Vaters, seine Zweifel an seinem Talent bestehen aber nach wie vor. Er findet ein Foto von ihm, an das er sich nicht erinnern kann und seine früheren Musikaufnahmen waren so gut, wie er jetzt nicht mehr spielen kann.
Svenja rät zu einem Experten zu gehen, der Vater sperrt den Sohn aber ein, üben, üben, üben, denn er muß ja das erreichen, was der Vater sich erträumte, der Sohn büchst aus, fährt mit Svenja nach Berlin zu dem Cello Professor. Der spricht ihn mit dem Namen “Johannes” an und es stellt sich heraus, Wolfgang hatte einen Bruder, ein Wunderkind, das aber mit sechzehn einen Badeunfall hatte, aber schon früher seinem Vater erklärte, er spielt nicht mehr.
Jetzt kommt es zur Katastrophe, beziehungsweise zum Spannungsbogen, Wolfgang verlangt nach der Polizei, der Vater dreht durch und greift zur Waffe und Wolfgang hat am Schluß noch eine unlösbare Mathematik Aufgabe gelöst und Svenja bekommt er natürlich auch.
Ein spannendes Buch, das auch ohne die Überhöhung, viele Probleme aufgreift, darf man seine Kinder zu etwas zwingen, was man eigentlich nur selber will?
Leopold Mozart hat seinen Wolferl sicher nicht geklont, aber soviel, ich weiß, höchstwahrscheinlich sehr gedrillt und der wird es ihm wahrscheinlich gedankt haben.
Ich habe ja meine Zweifel mit den Genies und denke es gibt sie nicht wirklich und ich denke auch, wenn diese Familie schon ein talentiertes Kind hatte, hätte sie das zweite nicht klonen, sondern ganz normal in die Wunderkindkarriere drängen können und Wolfgang wäre genauso, wie Johannes ausgebrochen oder auch nicht und am bestens wäre es wohl gewesen, wenn der Herr Dr.Wedeberg, seinem Vater gesagt hätte, er will nicht Arzt, sonder Dirigent werden, aber dann hätte es nicht diesen spannenden Roman gegeben und wie der Ehrgeiz in den ganz gewöhnlichen Arztfamilien ist, wäre es ihm, wie ich fürchte, sowieso nicht gelungen.

2014-07-27

Nach Donezk

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:05

Das mit der bipolaren Schreibhypothese läßt sich nur bestätigen, denn der Freitag war, nachdem ich Donnerstagabend mit der ersten und der zweiten Szene nicht zufrieden war und dachte, daß ich aus dem drei oder vier Personenszenario, das ich habe, nie und nimmer einen Roman zusammenbekomme, wieder ein richtiger Marathontag, manchmal packt es mich, daß ich schreibe und schreibe und so habe ich noch im Bett nach dem Frühstück, die Szene geschrieben, wo der der Bruno Leitner, die im Bücherschrank gefundenen Bücher, die er Dora zum Geburtstag mitbringen will, ich komme ohne den Bücherschrank offenbar doch nicht aus, aber er wird höchstwahrscheinlich nicht zur Anna Jeller gehen, Sybille Lewitscharroffs “Killmousky” und Richard Fords “Kanada” in Packpaper verpackt und dann noch die, wo Magdalena in Schwechat steht, um mit ihren altmodischen schwarzen Kleid, das Flugzeug nach Kiew zu besteigen.
So weit so gut und die weiteren zwei Szenen sind auch geflossen und wurden nach dem Mittagessen geschrieben. Miranda hat sich bei Valentina Himmelbauer für einen Termin angemeldet, sitzt in ihrer Wohngemeinschaft und sieht die Ururgroßmutter im Flugzeug sitzen und mit ihrem Nachbarn, einen ukrainischen Geschäftsmann reden. Dann gehts zu Dora Himmelbauers Geburtstagfeier und da hat Anna Jeller Valentina ausgerechnet den Lewitscharoff Krimi empfohlen und nach dem Radfahren waren Ideen für drei weitere Szenen da, obwohl ich den richtigen Handlungsfanden nach wie vor noch nicht habe und da natürlich, wenn ich vor mich hinschreibe, ohne recht zu wissen, wie es weitergeht, auf meine Grenzen stoße.
Ich schickte den Bruno in seinem schwarzen Anzug also auf ein Fest in einen Museumshinterhof, dort bekommt er ein hellgrünes Band um den Arm gebunden, sieht ein Spanferkel sich drehen und mußsich mit einem Paar, um einen Platz an einem der weißgedeckten Stehtische streiten, so weit so what, dann gings zu Magdalena in die Ukraine und, daß die Marija Marjatschuk Studentin und Friedensaktivistin ist und eine Diplomarbeit über Berta von Suttner schreibt, habe ich auch schon gewußt.
Habe ich, ich glaube, bei der Streeruwitz Vorlesung im Rathaus ja gehört, daß sich in der Ukraine viele Studenten mit Berta von Suttner beschäftigen. Aber wie bringe ich die hundert Jahre tote Magdalena mit der Studentin ins Gespräch? Daß sie sie mit ihrem schwarzen Kleid für die Suttner halten könnte, habe ich schon gedacht, aber eine Tote sehen die anderen ja nicht, so ist die Magdalena jedenfalls ohne Paß und Ticket und ohne aufzufallen in das Flugzeug gekommen.
Ich habe nicht weitergewußt und das getan, was ich meistens tue, wenn ich das nicht weiß, ein paar Sätze vor mich hingeschrieben, die schlecht waren, nicht passten und mich unzufrieden machten und “Ich kann es nicht ich kann es nicht!”, gedacht…
Die habe ich dann und das ist vielleicht neu, wieder hinausgelöscht.
“Man kann keinen Roman in ein paar Tagen schreiben, liebe Eva!”, zu mir gesagt und “Du mußt erst Material sammeln!”
Das habe ich dann getan, in dem ich mir ein paar Videos über den Flugzeugabsturz angeschaut habe und über die Stadt Donezk, die die fünftgrößte in der Ukraine ist und tatsächlich über einige Universitäten verfügt, was ich nicht wußte.
Ich bin dann auch wieder zu den zu den Romanwerkstätten im Internet gegangen, was nicht so gut ist, weil die mich ja, wie ich schon erlebte, hindern können, wenn die von den “Schneeflockenmethoden” schreiben, wo man sich seinen Roman Szene für Szene konzipieren soll, bevor man die erste Zeile schreibt.
Zwei Jahre den Roman im Kopf, macht es der John Irving angeblich so, bevor er loszuschreiben beginnt. Das ist nichts für mich. Über was ich eigentlich schreiben will, sollte ich eigentlich schon Bescheid wissen und die “Innere Stadt”, ob der Titel so stehen bleibt, bin ich nicht so sicher, denn eigentlich passt er gar nicht, ist ja eigentlich kompliziert und viel mehr abgehoben, als meine andere Sachen, wo es um Großmütter am Spielplatz, depressive Frauen oder um Bücher und um alte Menschen gehet. Da geht es um Retortenkinder, der Valentina Strang und um eine 1914 gestorbene Frau, die ihre Urururenkeltochter zum Schutzengelchen macht und das ist zwar, wie ich finde ein tolles Konzept und ich habe auch keine großen Schwierigkeiten, die Visonen mit den Joint der Miranada und den Besuch in der Drogenberatungsstelle in Verbindung zu bringen, aber man muß sich langsam an das Konzept heranpirschen und dieses vorsichtig konzipieren.
Was ich vielleicht nicht so kann, aber lernen will, voila und, daß ich mich vielleicht doch über mein schwarzes Buch setze, auf vier Seiten je Valentina, Magdalena, Miranda und Bruno schreibe und dann ein jeweiliges Handlungskonzept mit Szenenfolgen aufbaue, etc, habe ich schon gedacht und dann erst weiterschreiben, dann ist die Szene in der Ukraine und das Kennenlernen der Marija und der Magdalena doch plastischer geworden und es gibt auch kein Problem mit dem altmodischen schwarzen Kleid der Toten, denn “Das ist ja irrre, Sie sehen wie die Berta aus!”, könnte Marija erstaunt auf Ukrainisch ausrufen und Magdalena antwortet auf Deutsch “Die Berta, das ist meine Tochter!” und dann drückt ihr die Marija das Buch von der Suttner auf der ja ihr Kopf mit den aufgesteckten Haaren und den schwarzen Kleidansatz, zu sehen ist, in die Hand und die Szene ist gerettet.
Dann geht die Miranda in die Beratungsstelle, die Valentina in ihre Retortenkinderruppe und der Bruno beginnt sich vielleicht um das Spanferkel und die Schwedenbomben zu schlagen und ich stehe wieder am Beginn, beziehungsweise taste ich mich an zwei bis drei eher abgehobene Romankonzepte heran, die ich langsam langsam in Versuch und Error Schleifen mit viel Recherchieren aufbauen und zu einem Konzept verbinden will.
So könnte es gehen und das ständige Wechselbad zwischen “Das ist ja toll! und “Das wird schon wieder kein Roman!”, ist natürlich vorhanden. Ein bißchen geduldiger, gehe ich, glaube ich, inzwischen schon damit um und neun Rohszenen, dreiundzwanzig Seiten oder 10640 Worte habe ich inzwischen schon geschrieben.
Da bin und bleibe ich schnell und wie ich mit den zwei Ideen wirklich zu einem Roman komme, weiß ich immer noch nicht so genau, aber vielleicht finde ich es heraus.
Das Ganze ausdrucken wäre auch ganz fein, weil ich mir dann vermutlich mit dem Konzipieren leichter tue, aber damit muß ich bis Montag warten.

2014-07-26

Doberdo

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:37

Jetzt kommt das letzte meiner “Hermagoras-Bücher”, nämlich ein Slowenischer Antikriegsroman aus der “Edition slovenica”, des 1893-1950 lebenden Lovro Kuhar, der sich auch Prezihov Vorac nannte. Zehn Jahre hat er an den Roman “Doberdo” geschrieben, den er dreimal schreiben mußte, weil zwei seiner Handschriften verloren gingen.
Lovro Kuhar, war Teilnehmer am ersten Weltkrieg, so behandelt das Buch auch diesen Krieg, ist aber, wie am Buchrücken steht “in erster Linie eine Botschaft gegen jeglichen Krieg” und in vier Teile gegliedert.
Im ersten Teil “Der Landsturm” wird der Slowene Amun Mohor, weil er als politisch unzuverläßig gilt, in das berüchtigte Strafbataillon Nr. 100 versetzt, wo es lauter politische Unzuverläßige gibt, Juden, Österreicher, Deutsche, Slowenen, etc. Viele waren in Thalhof bei Graz inhaftiert und einige erzählen unglaubliche Geschichten, so der Tscheche Kalivoda, der allen immer “Ich bin ein Wiener!” sagt und der verhaftet wurde, weil in seiner Wohnung in Favoriten revolutionäre Schriften gefunden wurden, die mit ihm nichts zu tun haben, aber von seiner Braut, beziehungsweise von dem serbischen Studenten, mit dem sie ihm betrogen hat, eingeschmuggelt wurden. Dann gibt es noch Popovic, den Serben aus Bosnien, der “vier Monate auf der nackten Erde in der Festung Arad im Ungarischen hatte liegen mußte, bis er auf solche Fragen nur mehr “Ich bin Bosnier” antwortete. Segal, den Juden, der immer viele Freßpakete bekommt, gibt es auch und politischen Unterricht, wo die Soldaten lernen, was sie auf gewissen Fragen antworten sollen. Antworten sie falsch, werden sie ein bißchen “gehängt”, oder anders schikaniert.
Im zweiten Teil “Doberno” geht es 1915 an die “Isonzofront”, hier liegen sie im Graben, haben ein paar Tage lang kein Essen und kein Wasser und malen sich aus, ob sie Rothschilds Tochter um fünfzig Millionen nehmen würden, auch wenn sie einen Schweinekopf hätte?
Sie werden befördert und ausgezeichnet, haben Verluste und überlegen sich, ob sie desertieren oder überlaufen würden und erkennen die Sinnlosigkeit des Krieges, wenn die Italiener vor ihnen sterben und “Mamma mia..” oder “Maladetta la guerra!” ausrufen.
Zu Weihnachten bekommen sie von ihnen unbekannten Frauenhänden gepackte Päckchen mit “Schokolade, Keksen und anderen Naschereien zugeschickt. “Manche der Päckchen enthielten auch die Anschrift oder Nachricht der Schenkenden”, wie beispielsweise, “Ich hoffe, daß Sie mir schreiben werden. Ich bin neundundzwanzig Jahre alt und noch unvermählt. Ich habe einen selbständigen Beruf. Berta Hanzman. Salzburg.”
Eine schrieb nur “Ihr Esel, wie lange werdet ihr euch noch zum Narren halten lassen?”
Im dritten Teil “Lebring” ist es schon Herbst 1917 und wir befinden uns in der Sammelabteilung des zentralen Militärlagers in Lebring bei Graz, wo wir die noch lebenden Verwundeten bei der “schweren Stunde” wiedertreffen, das ist die zwischen acht und neun, wo das klumpige Maisbrot ausgegeben wird, je eins für sechs Mann und die die es aufteilen müßen haben es schwer, weil meistens eine Rauferei darum entsteht. Denn es muß den ganzen Tag reichen, zu Mittag gibt es Suppe, am Abend Kaffee und wir treffen den Wiener Kalivoda wieder, dem das Kiefer zerschoßen wurde, so daß sich nach einigen Operationen, sein Mund nun ein paar Zentimeter weiter befindet. Er bekommt einen Brief von seiner untreuen Braut Pavla, die wieder zu ihm kommen will, der dicke Jude Segal, bekommt immer noch Pakete, ist aber um zwei Drittel abgemagert und zeigt zum Beweis, seine frühere Unterhose her und der schwindsüchtige Bosnier Popvic stirbt. Dafür wird Jan Janoda, dem nichts fehlt, als sein bestes Stück, entlassen und von seiner Frau erwartet, die bald das Unglück begreift, aber “Wenn es sein muß, kann auch eine gewöhnliche Tschechin stark sein!”, antwortet, ansonsten werden die Betten kontrolliert und die die ihre nicht straff gemacht haben, wieder ein bißchen “gehöngt”, der Koporal tut das aber sehr nachläßig und verteilt auch eine Zigarette dabei, während man es drüben bei den russischen Gefangenen viel schärfer angeht, da der dortige Koporal von den Russen verwundet wurde.
Die russische Revolution hat stattgefunden und der Kaiser ist gestorben, das steht nicht in dem Buch, weiß ich aber so, es wird zur Kirche gegangen und die Vorgesetzten haben ihre Nöte mit den Untergebenen denen man mit nichts mehr drohen kann und die sich nichts mehr sagen lassen wollen.
Im vierten Teil wird der Judenburger Aufstand der Slowenen von 1918 geschildert, der vereitelt und mit einer Hinrichtung der Aufständischen endete.
Lovro Kuhar, der selbst an der Insonzofront kämpfte, desertierte aber, wie sein Held der ersten beiden Teile, Amun Mohor und verbrachte den Rest der Kriegszeit in italienischer Gefangenschaft.
Das war mein sehr interessanter Kurzausflug durch die slowenische Literatur, ich danke dem “Hermagoras-Verlag” sehr für die Rezensionsexemplare und verweise auf zwei slowenische Romane, die ich gelesen habe, ein paar andere, wie der von Florjan Lipus stehen noch auf meiner Liste. Einmal war ich auch bei einer “Hermagoras Veranstaltung” im Literaturhaus, die jungen Slowenen habe ich auch einmal da gehört und was den ersten Weltkrieg betrifft, verweise ich auf Erich Maria Remarque und sein “Im Westen nichts Neues”, der genauso eindrucksvoll war, wie Lovro Kuhars-Prezihov Vorancs Slowenischer Antikriegsroman.

2014-07-25

Auf und ab

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:31

Das Schreiben ist wie ein biporare Depression, das habe ich schon öfter geschrieben und auch jetzt wieder festgestellt.
Am Freitag im Hammerpark von St. Pölten vor den eher spärlichen Notizen von “Innerer Stadt” oder “Deja Vue”, wahrscheinlich wird es “Innere Stadt” heißen, gesessen und gedacht, ich kann und kann es nicht, wie soll ich daraus einen Roman machen? Dann ist das erste Handlungskonzept entstanden und am Mittwoch die erste Szene mit dem Miranda Schutzengelchen beim Jointrauchen.
Das ist dann wieder nicht so gelungen, wie ich wollte und ich bin dageseessen, habe die Stirne in Falten gezogen und gedacht “Daraus bekomme ich keinen Roman zusammen, denn wie bekomme ich die Haschpsychose der Miranda mit der Retortenkindkarriere der Valentina zusammen und der Bruno Leitner, der Buffethai ist sowieso ein alter Hut, den nimmt keiner ernst und was mache ich mit der Magdalena Himmelbauer?
Früher bin ich in solchen Situationen panisch oder hilflos geworden, die Wand war da und ich bin nicht durch sie hindurchgekommen, auch wenn ich mich durchschummeln wollte und ich war auch allein und keiner da, der sagte “Weiter so!”, sondern höchstens ein Troll, der rief “Geh doch in eine Schreibseminar!”, aber das war kein gutgemeinter Ratschlag. Jetzt denke ich auch, daß man in zwei Tagen, sechs Wochen etc keinen Roman schreiben kann und, daß es von der ersten Idee, die ich ja habe, bis zum fertigen Werk ein langer Prozeß ist und das Zeitlassen und das geduldig von Stufe zu Stufe klettern ist da ein wichtiger Weg und auch das, was ich immer meinen Klienten sagen, wenn die unzufrieden mit sich sind.
Bei mir ist das auch nicht anders. Das Romanschreiben ist eine Ansammlung von Stolpersteinen, ein try aund error system und wenn man lange schreibt, weiß man das, daß es nur so weitergeht. Fängt man erst an und ist man allein, ist man da blockiert. So war das bei mir sicher vor vierzig dreißig zwanzig Janren. Da habe ich die Sachen dann schnell irgendwie fertiggemacht, weggeschickt, zurückbekommen und weitergemacht, neuangefangen. Immer wieder.
Ein anderer braucht zehn Jahre für einen Roman, ich schreibe zehn oder zwanzig in dieser Zeit und komme damit auch weiter, auch wenn einiges vielleicht unfertig bleibt, das ist schon wahr und viele themen angerissen. Aber es geht weiter, auf und ab, auf das “Ich kann es nicht”, folgt am nächsten oder übernächsten Tag, der Einfall und war ist es auch jetzt.
Wie das genau mit dem Miraranda Schutzengelchen und der Valentina Schneeberger und ihrem Retortenkindproblem ist, weiß ich noch immer nicht, aber die zweite Szene ist geschrieben und damit bin ich zufriedener, als ich am Mittwoch mit der ersten war.
Die Valentina ist Sozialarbeiterin in einer Drogenberatungsstelle, da ruft Miranda an, läßt sich einen Termin geben und fragt, ob man nach einmaligen Jointgebrauch in eine Psychose gleiten kann und die Valentina ist zum Geburtstag bei ihrer Mutter eingeladen. Da kommt auch die Doppelmama Leonie Schwaninger und der Leih-und Samenvater Bruno und das alles erzählt sie ihrem Kollegen Sepp.
Die dritte Szene ist dann mit dem Bruno geplant, der von der Feier zu einem Sommerfest aufbricht und Szene vier wird wahrscheinlich der Magdalena Himmelbauer gehören, die Angst vor dem dritten Weltkrieg hat, nach Donezk geht, dort die Ukrainerin Marija trifft, die Augenzeugin des Flugzeugabschußes war, an ihre Tochter Berta denkt, bei deren Geburt sie im August 2014 gestorben ist und an das Miranda Schutzengelchen, ihre Urururenekltochter, der sie gern die Aufgabe den dritten Weltkrieg zu verhindern übertragen will. Das können auch die Träume und die Visionen von Miranda sein, die sie mit Valentina bespricht und um die drei bis vier Geschichten komme ich nicht herum und auch darum nicht geduldiger zu werden und mir den Plot Stück für Stück, Sezene um Szene aufzubauen, denn in zwei Stunden schreibt man keinen Roman, aber die erste, zweite, dritte Szene und jetzt weiß ich auch, wo und wie man recherchieren muß und wenn ich wo nicht weiterkomme, muß ich etwas ändern, von vorne anfangen, woanders weiterschreiben, etc.
Das sind vielleicht noch meine Schwachstellen, das, wo ich dranbleiben sollte und ich bin auch dabei und mit der zweiten Szene zufrieden.
In den nächsten Tagen werde ich die Dritte, Vierte und vielleicht auch Fünfte Schreiben, dann vielleicht wieder nicht weiterwissen oder auch schon einen Plan haben, wahrscheinlich aber auch auf Urlaub fahren und unterbrechen und Mitte August weitermachen. Zwei Wochen noch in der Sommerfrische, dann bin ich wieder in Wien und kann in der Stadt herumlaufen und recherchieren, obwohl ich das wieder nicht so brauchen werde, denn ein Miranda Schutzengelchen und eine Valentina Himmelbauer finde ich da wahrscheinlich ohnehin nicht, ḿeinen Wien Tourismus Tag werde ich aber im September machen und ansonsten so lange und so geduldig, wie möglich am Plot arbeiten und darüber berichten.
Denn meine Schreibberichte sind, glaube ich, mein Coaching, wenn ich nicht weiter weiß, schreibe ich es auf. Es kommt zwar kaum Feedback, mir aber irgendwie Einfälle und das Schöne ist ja, daß ich nichts zu verlieren habe. Wenn ich schon dreiunddreißig schlechte Romane habe, kommt es auf den vierunddreißigsten nicht an, ich behaupte aber, daß das ohnehin nicht sehr viele Leute beurteilen können, weil die meisten nicht sehr viel von mir gelesen habe. Ich werde also weiterschreiben, beziehungsweise wieder ein bißchen recherchieren, nach den Drogenberatungsstellen beispielsweise googlen und auch nach dem Briefen aus dem ersten Weltkrieg suchen, die ich mir einmal gekauft habe und Feldpostkarten von meinen Großvater sollte ich auch irgendwo haben. Das passende Buch aus meiner Slowenienbibliothek habe ich auch gerade in Arbeit, nämlich Lovro Kuhars oder Previhov Vorancs, wie er sich auch nannte “Doberdo”, ein Antikriegsroman, der im Jahre 1915 und im ersten Weltkrieg spielt.

2014-07-24

Villa am See

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:33

Nach dem Krieg geht das Leben weiter, es wird wieder geliebt, gelacht, gearbeitet, aufgebaut und geträumt, aber manche tun sich dabei, wenn sie mit ihren Traumatisierungen, beispielsweise von Bergen-Belsen 1948 an den Gardasee kommen, an den Ort, wo die Villa steht, in dem der Duce wohnte, bevor er 1945 erschossen wurde und “wie ein Tier” kopfüber an einer Tankstelle aufgehängt wurde, schwer, weil sie an das Vergangene denken müssen und nicht verstehen können, wie die Menschen wieder leicht und fröhlich in den Tag leben und sogar Mitleid mit dem Duce haben und ihn bedauern.
So geht es in dem 1955 geschriebenen Roman “Villa am See” der 2009 bei “Hermagoras” erschienen ist, des 1913 geborenen slowenischen Schriftstellers Boris Pahor, dem dreißigjährigen Triestiner Architekt Mirko Godina, der eigentlich für den Frieden arbeiten und Fischerdörfer bauen möchte, es in seiner Heimatstadt aber nicht aushält und so im April 1948 am Gardasee auftaucht, wo wieder die Ausflugsschiffe fahren und sich nur wenig seit dem Krieg verändert hat.
Er besucht Frau Amalia, die Witwe seines Verstorbenen Freundes Enricos, die ihm zum Mittagessen einlädt, er soll nicht sein Geld in teuren Restaurants ausgeben, wenn er es bei ihr einfach und umsonst haben kann, die ihm schon einmal durch ihr gefühlloses Geschwätz erbost.
Beim Mittagessen lernt er dann ihre Tochter Luciana kennen, die Arbeiterin in einer Spinnerei ist, will mit ihr ins Kino gehen, das im Theater untergebracht ist, dann gehen die beiden aber durch den Ort spazieren, die Arbeiterin fragt den studierten Architekten aus und erzählt ihm, daß sie gerne unterhaltsame Geschichten lese, die von einfachen Leuten handeln und nicht nur von denen, die sich dreimal am Tag umziehen und Luxusreisen machen.
Dann kommen sie zu der Villa und es kommt fast zum Streit zwischen ihnen, denn auch Luciana plappert leichtfertig daher und versteht Mirkos Abneigung gegen Diktaturen nicht, hat sie doch in der Schule nichts anderes, als Respekt vor dem Duce gelernt.
Es kommt aber doch zum Kuß zwischen ihnen und zu einer Verabredung am nächsten Tag, dazwischen geht Mirko in sein kleines Hotel zurück, in dem in der Vorsaison nur ein paar Schweizer wohnen, wird von dem alten rotwangigen Koch in Begschuhen verwöhnt. Er mischt ihm ein extra Stückchen Butter in seine Spaghetti, will dann aber ein Empfehlungsschreiben von ihm, damit er von seinem Chef eine Gehaltserhöhung bekommt.
Es sind die Alltagsbeschreibungen, die in diesem Roman auffallen, die Frau in dem grünen Badeanzug, die er am nächsten Tag während der Dampferfahrt beobachtet und das Gespräch zwischen dem Maschinisten und einer Ausflüglerin.
Das Leben geht weiter, Mirko wünscht sich eine Erziehung zur Liebe in der Schule und diskutiert mit Luciana den Unterschied zwischen Demokratie und Diktatur, will sie davon überzeugen, daß es besser ist Widerstand vor Dikataturen zu leisten und nicht aus Angst alles hinzunehmen.
Es kommt noch zu einem Treffen der beiden, bevor Mirko mit seinem Koffer in den Dampfer steigt, und mit dem Versprechen sie im nächsten Sommer zu besuchen, in sein Alltagsleben und die Zukunft zurückfährt.
Boris Pahor, der am 26.August seinen hundertersten Geburtstag feiert, hat in dem Roman, wie ich dem Klappentext entnehme, viel Autobiografisches verarbeitet, war der in Triest geborene, der bis 1938 das Görtzer Priesterseminar besuchte, auffällig viele Hermagoras-Autoren haben dieses abgebrochen oder sind sogar als Priester tätig, doch ebenfalls in Bergen Belsen inhaftiert.
Von 1953 bis 1975 war als Mittelschullehrer in Triest tätig und lebt seit 1975 als freier Schriftsteller in Triest-Barkovlje. Seine Bücher sind zuerst bei “Kitab” herausgekommen, jetzt scheint sich “Hermagoras” um sein Werk zu bemühen.
Es ist der erste Roman den ich von Boris Pahor gelesen habe, der mich in seinem Ton an Alberto Moravia erinnert, aber auch Ullrich Becher hat in seinem “Kurz nach 4″ kurz nach dem Krieg eine ähnliche Thematik aufgenommen.

2014-07-23

Das erste Kapitel

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:30

Jetzt habe ich mit dem ersten Kapitel angefangen und wieder habe ich mir dabei ein wenig schwergetan.
Dabei hatte ich am Morgen alles so schön konzipiert und sogar eine Gedichtzeile ist mir eingefallen, die ich der zwanzigjährigen Miranda Schutzengelchen, sie ist doch ein wenig älter, sonst geht sich mit dem ersten Weltkrieg und der Urururgroßmama nicht aus, beim Jointrauchen in den Mund legen wollte.
“Und wenn auf dem Feld die Schüße fallen, keine Angst Mütterlein, wir leben noch!”
Sie heißt auch Himmerbauer, nicht Berger, denn die Himmelbauerfrauen haben nach der Frühgeburt der Urururgroßmutter auch keinen Mann mehr genommen, ich weiß das hatte ich schon ein bißchen beim “Haus im Grünen” in der “Absturzgefahr” und die zwanzigjährige Miranda raucht den ersten Joint in der WG mit Philip und Lena, im Hintergrund läuft der Fernseher und da gibt es gerade den Bericht vom Flugzeugabschuß in der Ukraine zu sehen, Lena denkt an den 3. Weltkrieg, Miranda an ihre Urururgroßmama und die junge Augenzeugin, die im Fernseher davon berichtet, sieht Magdalena Himmelbauer auch sehr ähnlich.
So weit die Einstiegsszene, drei Seiten hat sie in etwa oder 1342 Worte, soweit so gut, aber wie geht es weiter?
Das ist es und das ist wohl mein ständiges Problem, das ich schon bei der “Heimsuchung”, der “Wiedergeborenen” der “Paula Nebel” und wahrscheinlich und und… hatte.
Zwar habe ich ja meine drei oder vier Personenstränge, denn da soll es ja mit dem Retortenbaby Valentina Schneeberger und ihrem Leihvater Bruno Leitner, weitergehen und Magdalena Himmelbauer könnte auch eine eigene Stimme bekommen, aber wie bekomme ich das zusammen?
Wie baue ich einen Plot?
Wenn ich mich da in den Schreibschulen umsehe, lese ich etwas von Spannung, der “Heldenreise” und, daß ich im ersten und im zweiten Akt je einen Konflikt einbauen soll und da habe ich wohl schon immer etwas ausgesetzt und denke zwar, wenn ich in die drei bis vier Geschichten, ob die Magdalena Himmelbauer im ersten Weltkrieg jetzt eine eigene bekommt, ist noch nicht so klar, zusammenbaue, müßte es wohl auch gehen, aber wie bringe ich die Großfamlie, beziehungsweise die Frühgeburt der Urururgroßmutter Mirandas, beziehungsweise die Krise, die der erste Joint bei ihr auslöste mit dem Retortenschicksal von Valentina Schneeberger zusammen?
Die ist zwar Sozialarbeiterin, jetzt in der Drogen-oder Krisenberatungsstelle “Change” und Miranda meldet sich, nachdem sie Magdalena nicht mehr aus ihren Kopf bekommt, auch bei ihr an und die besucht dann ihre Mutter und ihre Doppelmutter Leonie Schwanninger, aber das sind dann zwar sehr viele ungewöhnliche Geschichten, aber irgendwo reißt der Faden ab, das Material ist nicht da und wohl das, was ich nicht wirklich kann.
Schwierig schwierig, weil ich wieder mal nicht weiß, ob ich mit den drei Geschichten, die Buffets des Bruno Leitner sind auch noch da, weiterkommen, denn die Valentina ist ja schon erwachsen, und wie bringe ich jetzt ihre Geschichte mit der von der zwanzigjährigen Miranda zusammen und was ist der ihre, daß sie sich nach dem ersten Joint für ihre Großmutter hält und die überall sieht?
Wenn ich in die Plotratschläge schaue, komme ich auch nicht weiter und denke zwar wieder, Geduld haben, recherchieren, Material sammeln, drei Geschichten schreiben und die immer wieder umschreiben, bin damit aber bisher nicht wirklich weitergekommen oder doch natürlich, zweiunddreißig Bücher sind ja fertig geworden, aber vielleicht doch nicht so, wie ich es eigentlich wollte und vorläufig bin ich mit meinen vagen Ideen und den vier Szenenszenario zu Ende, obwohl ich ja noch nicht wirklich angefangen habe.
Aber doch ein bißchen spannend, wenn ich denke, daß ich die Geschichten parallel entstehen lassen kann, bei der Valentina in die Vergangenheit zurückgehen, denn sonst komme ich nicht zu dem Konflikt, den sie mit ihrer Leihfamilie hat und die Valentina ist vielleicht nur eine Nebenfigur, Ihre Klientin eben, die eine zweite Handlungsschiene bringt.
Mal sehen wie es weitergeht, solche Krisen hatte ich schon öfter und meistens bin ich auch über sie hinweggekommen, weil meine Bücher ja fertig geworden sind und das Weiterentwickeln der Anfangsidee ist wahrscheinlich wirklich der Punkt, wo ich stehe und an dem ich arbeiten sollte und dafür habe ich auch das nächste halbe Jahr oder viel länger Zeit, mal sehen ob mir das einmal gelingt?
Ansonsten geht es mir in der Sommerfrische ja sehr gut, ich versuche, was vielleicht ein bißchen ein Eigentor sein könnte, mir selber Schreibcoaching zu geben, weil ich mit dem Vorausskizzieren der Konflikte, nicht wirklich gut bin, da bin ich eher die, die ihre Ideen spontan entwickeln will, aber dann denke ich, ich müßte mir vielleicht ein bißchen mehr Theorie geben, das wäre ja der Sinn einer Schreibwerkstatt und da es mir ja ein bißchen am Feedback und am Interesse der anderen mangelt, wäre es ja spannend nachzusehen, was die Schreibschulen empfehlen?
Aber die raten zur Spannung und warnen gleich auf der ersten Seite, daß der Leser wegläuft, wenn man ihn nicht mit Konflikten an der Stange hält, dann denke ich zwar immer, daß ich das eigentlich nicht will schreibe und die Bücher, die ich lese, scheinen mir meistens auch nicht so am Reißbrett konstruiert. Aber es stimmt ja, es mangelt mir am Erfolg. Also wird schon was Wahres dran sein.
Mal sehen wie es weiter geht, morgen kann ich ja die geplanten Szenen weiterschreiben und dann, wenn es sein muß, jeden Handlungsstrang etxra vornehmen, aber bis ich soweit bin, fahren wir sowieso in den Urlaub und ich werde abelenkt, beziehungsweise kann ich vielleicht im Elsaß ein bißchen bezüglich des ersten Weltkriegs recherchieren.
Sonst gibt es Erfreuliches zu berichten, nämlich eine wirklich schöne und ausführliche Rezension meines “Literaturgeflüsterbuchs” von Lev Detela, der auch ein slowenischer Autor ist und bei “Hermagoras” verlegt, in der Zeitschrift “Log” und als ich heute meine Sommerfrischenradfahrt zur “Seedose” machte, habe ich dort eine ziemlich neusaussehendes “Blindschleichenbuch” gefunden und gedacht, daß ich es vielleicht der Ruth mitbringen könnte, weil die ja immer klagt, daß sie vom Verlag nur sehr wenige Bücher bekommt, es war aber eines mit ihrer Widmung, also auch sehr interessant, wo die Bücher herkommen und hingehen und ich denke ja auch immer, daß man vielleicht auch eine Bücherschrankstudie machen könnte.

Plebanus Ioannes, Thabiti kumi

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:57

Da war ich ja einmal in einer Veranstaltung über Kärntner, italienische und slowenische Literatur im Literaturhaus, wo mein diesbezüglicher Bericht Hans Raimund so gar nicht gefallen hat, die mich aber doch sehr beeindruckte und die Namen der von Erwin Köstler herausgegebener slowenischer Bibliothek haben mich auch sehr beeindruckt, obwohl sie für mich alle unbekannt waren.
Zofka Kveder, Ivan Pregelj, Vladimir Bartol und Marjan Rozanc habe ich geschrieben und mir die Bücher wohl auch angesehen. Jetzt ist bei der sommerlichen “Hermagoras-Spende” Ivan Pregeljs “Plebanus Ionannes” zu mir gekommen, was sowas wie Landpfarrer, Leutepriester heißt, denn das Buch hat glücklicherweise einen ausführlichen Anhang, wo die lateinischen Phrasen, die die Landpfarrer in den slowenischen Gemeinden des sechzehnten Jahrhunderts und wohl auch anderswo verwendeten, ausführlich erklärt werden und der Landpfarrer ist Janez Geiler aus Tolmin, den wir sechzehnjährig in Rom begegnen, wo er aus dem Priesterseminar flüchtet, um vorbei an den aufgehängten Inquisiten, zurück in seinen Heimatort zu gehen und dort die Pfarre, zuerst als Kaplan, dann als Vikar zu übernemen.
In dem expressionistisch geschriebenen Roman aus dem Jahr 1921 des 1883 geborenen und 1960 gestorbenen Gymnasiallehrer und Dichter Ivan Pregelj wird auch einiges autobiografisches enthalten sein, war er doch auch in einem Priesterseminar, ist von dort ausgetreten, um ein illegitimes Kind in die Welt zu setzen und ist trotzdem sein Leben lang gläubig und katholisch geblieben und so beschäftigen ihn, beziehungseise seinen Plebanus Ionnes auch diese Themen.
Bei den “Amazon Rezensionen” habe ich gelesen, daß dieser mittelalterliche Landpfarrer kein angenehmer Bursche ist, nämlich prügelnd, fluchend und auch von den Verlockungen des Leibes geplagt, lebt in seinem Haus außer einer alten Köchin, auch ein junges Mädchen, die Katrica, die er mit seinen Mesner verehelichen will, die er begehrt, aber ein Diener Gottes darf ja keinen Leibesfreuden frönen, nur die Mägde und die Knechte auf der Weide, an der der Gottesmann manchesmal sinnierend vorüber geht.
“Das ist die Gesundheit, das ist Jugend, und sie sind sich Mann und Frau. Und wenn sie es nicht sind, du lieber Gott, dann sündigen sie nicht, wie sogar mein guter Padrone geschrieben hat, mit der Absicht Gott zu beleidigen. Er wird die beiden richten, nicht ich! Sie haben nicht Jungfräulichkeit gelobt! Nur ich habe sie gelobt!”
Es gibt im Pfarrhaus eine Weltkammer, wo der Priester sich mit dem damaligen Wissen der Zeit ausgestattet hat, da wird gelesen und lateinisch gebetet, es gibt auch einen Neffen Peter, Sohn der Schwester, den Studenten, den der Pfarrer neben dem Mesner, der Köchin und Katrica auch noch durchhalten muß, so daß ihm nur wenig zu leben bleibt, mit dem er sehr unzufrieden ist. Und als der Neffe zum Oheim zu Besuch kommt, muß er erleben, daß er Katrica schwängert.
Der erboste Pfarrer sperrt das Mädchen deshalb in die Knochenkammer ein, so rau waren damals die Sitten, daß man das mit den ungetreuen Ehefrauen machte, dann wird er vom Dienst suspendiert “Suspensatus a divinis, a beneficio!”, wahrscheinlich nicht deshalb, sondern weil er sich mit seiner weltlichen und geistigen Obrigkeit, da gibt es ja einige Konflikte, die sich bis heute fortpflanzen, angelegt hat, wandert in die Stadt, um sich die Absolution zu holen. Das geht nicht ohne Entschuldigung an den Widersacher und sein Letztes Geld muß er auch in den Opferstock stecken.
Gott hat trotzdem mit ihm Erbarmen, die Pest, die gerade das slownische Land erreicht, rafft seinen Widersacher hinweg, Peter, der Vikar und die Köchin sind auch gestorben, so kann er mit Katrica bis an sein oder das Ende ihres Lebens zusammenbleiben, Wein trinken und die Heilige Messe halten…
Das Buch ist, wie im Anhang steht in seiner expressionistischen Art nicht leicht geschrieben und auch für die Slowenen nicht unbedingt verständlich. Damals, 1921 hat es in den kirchlichen und sonstigen Kreisen auch großes Aufsehen und Widerstand erregt.
In der 1933 erschienenen Novelle “Thabiti kumi”, was soviel wie “Komm steh auf!”, bedeutend dürfte, stolpert der nun gealterte Priester, gefolgt von einem anderen Mesnerknaben in der Nacht und in der Dunkelheit zu einem sterbenden Mädchen, dem er die Beichte abnehmen soll. Er will aber das Wunder der Unsterblichkeit vollbringen und so findet er sich am Morgen nackt neben der Toten liegen und sein Geist ist dahin.
Eine wahrhaft mächtige Geschichte eines fast geistlichen Herrn aus dem vorigen Jahrhundert.
Wer wissen will, wie das Leben eines heutigen Priester in einer Kärntner Gemeinde aussieht, dem ist das “Fünfzigste Jahr” aus demselben Verlag zu empfehlen.

2014-07-22

Romanschreibwerkstatt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:54

Im Sommer schwebt mir ja immer eine Schreibwerkstatt vor, wahrscheinlich habe ich immer noch das Gefühl nicht vollkommen zu sein und lernen zu müssen, obwohl ich schon lang genug schreibe und auch schon einiges kann, das Feedback fehlt mir wohl zur Überzeugung und so kann ich mich an einen Sommer vor einigen Jahren erinnern, als ich noch nicht bloggte, wohl aber die “Standard Gewinnspiele” eifrig verfolgte und da war auch eines mit einer Schweibwerkstatt in irgendeinem Schloß in NÖ oder sonstwo, ich habe natürlich nichts gewonnen, nur das Angebot erhalten, mit einer Ermäßigung trotzdem teilzunehmen.
Habe gedacht, das kann ich auch allein, bin in die Sommerfrische hinausgefahren, die ich schon damals machte und habe nicht recht gewußt, wie mache ich nun eine Schreibwerkstatt allein für mich?
Ein diesbezügliches Kärtchen von Friedrich Hahns Angeboten und einige Krimis hatte ich als Kursmaterial.
So habe ich mich, glaube ich, noch einmal durch die “Bachmanntexte” gelesen, einen Krimi von Kurt Bracharz, den ich dann 2005 bei der Text und Kritik Werkstatt in Vorarberg persönlich kennenlernen sollte genommen und bin mit ihm die Traisen vorangefahren.
Schreibwerkstätten, ich habe schon geschrieben, daß ich noch aus einer Zeit komme, wo es das nicht gab und man solches nicht kannte, das heißt wohl, in Amerika hat es das schon gegeben, das war aber weit und ohne Internet für mich nicht so leicht erreichbar und das alte sozialistische Leipziger Literaturinstitut und ich glaube auch die “Schule des Schreibens” mit ihren fünzehn goldenen Regeln, sonst war das in den Siebziger- und Achtzigerjahren sehr verpönt, denn schreiben kann man nicht lernen, das bekommt man durch den Musenkuß etc.
Trotzdem ist der “Arbeitskreis schreibender Frauen”, in dem ich, wie ich ja immer schreibe, sozialisiert wurde, soetwas gewesen, obwohl die Kritik die dort geübt wurde, wie ich noch immer glaube nicht sehr konstruktiv war, zumindest habe ich sie nicht so empfunden und sie hat mich damals auch nicht weitergebracht.
Ich habe das Schreiben, glaube ich, wohl wirklich allein gelernt, durch learning by doing, lesen, zu Veranstaltungen gehen und als ich es, wie ich behaupte, schon ein bißchen konnte, im Jahr 2000 etwa, habe ich einen der hinteren Preise beim “Luitpold Stern Wettbewerb” gewonnen und wurde in die Schreibwerkstatt der Gewerkschaft eingeladen, die ich als sehr angenehm empfand, weil da geschrieben und gelesen, aber nicht sehr viel herumgenörgelt wurde.
Inzwischen hat sich das Bild geändert, jetzt gibt es die Schreibkurse in den VHS, wo sich die Autoren ihr Zubrot verdienen, unzählige Schreibwerkstätten und Akademien und auch das Institut für Sprachkunst, Leipzig und Hildesheim, wo man, wenn man genommen wird, im Parnaß ist, weil da wahrscheinlich gleich in Verlagsnähe. Ddie Wochenendschreibschulen oder auch das Writerseminar punkten dagegen mit dem Spaß und der Freude die man haben kann, wenn man sich selbst ein solches Wochenende finanziert.
Seit es das Internet gibt, kann man aber auch sehr viel umsonst mitschnuppern und das Writerseminar bietet auch immer Probeseminare an, die ich sehr produktiv finde, aber wie erwähnt, ich behaupte ja, ich kann schon schreiben.
Trotzdem faszinieren mich diese Angebote immer und ich surfe auch sehr viel in ihnen, da gibt es ja die Anni Bürkl und auch andere, die ihre Online und auch andere Romanschreibwerkstätten haben und meinen, daß man das braucht, weil man im Kämmerlein zu Haus seine blinden Flecken hat und allein nicht wissen kann, was die Leser interessiert, sondern in der eigenen Suppe schwimmt.
Vielleicht geht es mir so, habe ich ja nicht sehr viel Aufmerksamkeit und Feedback bei meinen inzwischen schon fast fünfunddreißig selbstgemachten Büchern.
Da schummelte ich jetzt ein bißchen, denn das Fünfunddreißigste ist noch eher eine Idee, aber es gibt die “Hierarchien” und die beiden Fachbücher, so daß es wieder stimmt und so denke ich immer, wenn ich in den Sommermonaten in die “Sommerfrische” aufbreche und auch, so wie jetzt etwas neues beginne, ich sollte das mit einer Schreibwerkstatt tun.
Wie tue ich das allein? Da bin ich nicht mehr so ganz unbeleckt und naiv, wie damals, als ich eine Schreibwerkstatt machen wollte und nicht wußte, wie das geht?
Jetzt habe ich auch einiges Material, das mir dabei helfen könnte, wenn ich mir den Coach, der mir angeblich oder auch tatsächlich zu einer Verlagsveröffentlichung verhilft, nicht leisten will und ich bin ja ohnehin im Selfpublishing gut unterwegs, bin ich ja eine Pionierin desselben, weil ich das schon seit 2000 praktiziere.
So beginne ich ein neues Werk meist auch mit einem Schreiblernbuch, da haben sich ja auch schon einige bei mir angesammelt, den Fry habe ich mir sogar gekauft, einige andere in den Schränken gefunden, jetzt habe ich kein Buch, aber die Minilektionen der “Schule des Schreibens”, die im Internet monatlich Gratisseminare anbieten, das nächste wird am 26. 8. zum Thema “Dialog” sein und da habe ich sicher einiges zu lernen, denn ich glaube, ich bin nicht sehr gut im Dioalogschreiben. Es wird aber besser und so habe ich gestern, die Miniaufgabe, die man einschicken soll, gemacht und hingeschickt. Jetzt bin ich gespannt und kann mit meiner “Inneren Stadt” beginnen, da war ich schon wieder recht produktiv, habe ich ja schon vor einigen Monaten, als ich noch an meinen beiden noch nicht fertigen Sachen korrigierte, einige diesbezügliche Artikel geschrieben, Notizen gemacht, Ideen gesammelt, von denen ich das “Deja vue” wahrscheinlich verwerfe. Eine Fritzi Jelinek und Einen Theo Hardenberg wird es im neuen wahrscheinlich nicht geben.
Aber dafür könnte sich das Miranda Schutzengelchen vielleicht mit dem dritten Weltkrieg beschäftigen und denken oder fürchten, daß der vielleicht demnächst in der Ukraine beginnt und Magdalena Himmelbauer, die Ururgroßmutter, die 1914 eine Frühgeburt hatte, als sie hörte, daß ihr Albert gefallen sei, könnte einen eigenen, den vierten Handlungsstrang bekommen.
Dazu muß ich natürlich viel recherchieren und sehr geduldig sein, wenn es nicht gleich so läuft, wie ich es will, aber ich habe schon Erfahrung und eigentlich vor, die letzte Sommerfrischewoche, bevor wir auf Urlaub fahren, eher mit dem Recherchieren und den Durchlesen der Miniaufgaben, die ich schon habe, zu verwenden, als mit dem Schreiben zu beginnen, obwohl ich da die ersten vier Szenen schon weiß.
Miranda Schutzengelchen, 18, sitzt im Studentenzimmer, nimmt den ersten Joint und hört vom Flugzeugabschuß in der Ukraine. Das Weitere ergibt sich dann, die Vision des dritten Weltkrieges oder die Vorstellung, die Ururgroßmutter zu sein. Dann gehts zu Valenina Schneeberger, die Sozialarbeiterin in einer Drogenberatungsstelle mit namen “Change” ist, die besucht ihre Mutter und ihre Doppelmutter. Sie hat ja zwei bzw. ist sie in einer WG mit zwei Frauen aufgewachsen und der Lehivater und Samenspender Bruno Leiter macht sich vielleicht auf ein Sommerfest auf. So weit so wahat so könnte es losgehen, das Weitere ist noch ungewiß und sollte sorgfältig erarbeitet werden. Im Elsaß kann ich mich ja vielleicht auch ein bißchen auf erste weltkriegspuren begehen und wenn ich den august in der Sommerfrische gut überstanden habe und mit dem Rohkonzept noch nicht ganz fertig bin oder auch wenn, im September in Wien auf Innere Stadttourismustage gehe um mich weiter inspirieren zu lassen.
So weit so what, ich bin, wie man sehen kann, sehr kreativ und als ich im Juni ein bißchen in das Seminar der “Schule des Schreiben”s über die Ausbildung dort hineinschnupperte, konnte ich eine sehr schöne Unterscheidung lesen, die haben die Schreibenden nämlich in Genies, die brauchen keine Schule und heißen Kafka, Joyce, Bernhard, etc, talentierte, das sind dann die die man später in Klagenfurt und auf den deutschen Buchpreislisten findet und kreative, die, die sich ihr Hobby oder Leidenschaft selbst mit einer Ausbildung finanzieren und später dann auch selberpublizieren und das war es, was mich ja immer etwas störte, drei Leute bekommen einen Preis oder einen Ausbildungsplatz, hundert bewerben sich dafür und was ist mit den 97 anderen, zu denen ich ja auch gehöre, habe ich mich schon immer gefragt?
“Die Schule des Schreibens” und auch das “Writersstudio” und andere scheinen ihren Klienten eine tröstliche Antwort zu geben, obwohl man sich über die Kreativität und das Hobby auch streiten kann und ich mir ja noch immer denke, wenn sich die Leute vielleicht auch für etwas anderes als das, was auf den Buchpreislisten steht, interessieren, wäre das ganze kein Problem.
Und eine Schreibgruppe, seit der ich seit eineinhalb Jahren mehr oder weniger regelmäßig gehe, gibt es inzwischen ja auch, die mit Ruth und Robert, wo sich Fritz Widhalm, Ilse Kilic und auch noch einige andere treffen und ich jeweils ein paar Szenen für die “Brüderschaft”, als auch eine für die “Anna” geschrieben habe.

Die Frauen der Schaurinia

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:16

Jetzt bin ich endlich in Slowenien angekommen und zwar in Istrien, wo in der Zwischenkriegszeit, die Frauen mit Körben auf dem Kopf und wenn sie es sich leisten konnten, einem Esel, durch die Dörfer gingen, Eier gegen ein Stück Leinen, Gewürze, Schnaps etc eintauschten und sie dann am Markt vom Triest verkauften.
Es lebe das Matriachat, die Männer waren bei den Kindern zu Hause, bestellten die Felder, manchmal versoffen sie sich auch.
Katina ist so eine Schaurinka und während sie mit ihrem Esel durch die Gegend zieht, denkt sie an die Zeit zurück, als sie sechzehn war und vom Vater das erste Mal mit ihrer Schwester losgeschickt wurde. Die Mutter hat ihnen den Korb mit der Leinwand, dem Petrolium, dem Pfeffer etc gegeben, die Teta Ursa,die erfahrenste Eiersammlerin, alles genau erklärt.
“Hart verhandeln, ehrlich zahlen!” und der Vater sagte “Ihr werdet euch schon nicht verirren. Alle Straßen führen nach Rom und alle Wege zurück nach Grasice.”
Von der Mutter kommt, glaube ich, noch das “Bei Schlechtwetter gehst du, bei Schönwetter kommst du!” oder umgekehrt.
Es ist ein hartes armes Leben, das die Frauen da auf ihren Wegen führen, es gibt aber eine herzliche Solidarität, sie werden von den Bauern mehr oder weniger freundlich aufgenommen, bekommen was zu trinken und ein Stückchen Brot, können übernachten und haben manche Freundinnen unter den Bäuerinnen, die Teta Nina beispielsweise oder die Teta Fila, deren Männer krank oder geizig sind, sie erzählen sich Geschichten, zum Beispiel von dem Mann der sehr viel trank, dann versprach damit aufzuhören, er verblödete daran, die Frau pflegte ihn, der Arzt kam ihn wöchentlich besuchen, einmal fand er ihn nicht im Bett, sondern im Weinkeller, denn er hatte sich nur krank gestellt.
Ein Zigeuner schenkt Katina ihr erstes Eselchen, sie borgt den armen Frauen manchmal Geld, das sie nicht immer zurück bekommt und manchmal wird ein Kind auf den Weg geboren.
Katina, die in den Nachbarsohn einen guten Mann findet, passiert das nicht, sie bekommt aber jedes Jahr ein Kind, das seine Mutter dann nicht sehr oft sieht, denn sie muß morgens weg und kommt erst, wenn überhaupt, spät nachts nach Haus und fragt sie höchstens, was sie ihr mitbringen wird?
“Kipfel, Feigen, süße Sachen!”
Für viel mehr reicht es nicht und als Katina einmal allen ihren vier Kindern ein Hemd kauft, hat sie alle ihre Lira ausgegeben und ist ihre ersten Wege als junge Frau auch barfuß gegangen, weil kein Geld für Schuhe da war und sie noch beim Schuster waren.
Denn das Leben ist hart, es werden Steuern eingetrieben und die Karabineri erwischen sie manchmal beim Schnapsschmuggeln oder nehmen ihnen ihre Eier weg, weil sie keine Erlaubnis hatten.
Da hilft nur der Wein, die Geschichten oder auch die Zauberei, die in den istrischen Dörfern der Zwischenkriegszeit eine große Rolle spielt. Da wird von Hexen und von Zauberern erzählt und im Anhang wird der 1939 geborene Marjan Tomsic als Vetreter des magischen Realismus genannt und das Buch im Klappentext als “Kollektiver Roman und Dokument des Matriachats, der Grenzüberschreitung in sprachlicher und kultureller Hinsicht” bezeichnet.
Wohl wahr, überschreiten die Frauen ja ständig die italienische und slowenische Grenze, sprechen Italienisch und auch andere Sprachen, obwohl sie wahrscheinlich nicht viel zur Schule gingen.
Die Handlung ist in verschiedene Kapitel gegliedert, die Namen wie “Das schickt euch der Onkel, dem Ihr den Esel gestohlen hat” oder “Soll doch alles beim Teufel sein, die Butte, das Ferkel und der Wein”, tragen und so wird der Roman, der von Johann Strutz aus dem slowenischen Übersetzt wurde, recht form- und plotlos erzählt.
Von Marjan Tomsic, der im Klappentext als “der kongeniale Erzähler Istriens” beschrieben wird, ist im Internet nicht besonders viel zu finden, so gibt es den “Wikipedia-Eintrag” beispielsweise nur auf Slowenisch. Es gibt aber im Anhang ein ausführliches Nachwort von Silvija Borovnik und auch eine Erklärung, die erläutert, wie es “vom “Original zur Übersetzung kam.
Dazu passt gut Veronika Seyrs “Forellenschlachten”, als kleiner Denkanstoß, daß es diese Solidarität und vielleicht auch die ganzen Eierfrauen nicht mehr gibt, das ich zufällerweise knapp vor der “Hermagoras-Verlagsspende” bekommen habe, ansonsten hat mich das Buch sehr an B.Traven und seinen “Karren” erinnert, denn dort sind die “Carreteros” ja auch mit Sack und Pack, über die Paßhöhen gezogen.

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