Literaturgefluester

2014-09-15

Die Lebenspraktikanten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:56

“Die Welt steht ihnen offen, sie sind behütet aufgewachsen, gesund ernährt und bestens ausgebildet, mobil, mehrsprachig, ideologisch unverdorben und informationstechnisch auf dem neuesten Stand”, steht im Klappentext von Nikola Richters, 2006 bei “Fischer TB” erschienenen Büchlein “Die Lebenspraktikanten” und das ist ja ein Thema das mich sehr interessiert.
Habe ich ja, 2006 oder 2007 wird das gewesen sein im Literaturhaus eine Veranstaltung “Arm-reich-Grundeinkommen und prekäre Lebensverhältnisse” unter der Diskussion von Martin Potschka mit Ruth Aspöck und Elfriede Haslehner veranstalten wollen, die dann ohne Martin Potschka im Amerlinghaus stattfand und als ich 2007 bei Ruth Aspöcks Donau-Ratkarawane in Linz vorbeikam, habe ich mir beim dortigen “Thalia” Altonio Incorvaias und Alessandro Rimassas “Generation 2000 Euro” kaufen lassen, auf das, bzw. den entsprechenden Blog ich bei den Recherchen gestoßen bin und im “Wilden Rosenwuchs” habe ich auch darüber geschrieben und bei der Veranstaltung ein Kapitel vorgelesen.
Zuerst wurden alle über Fünfigjährigen als zu alt nicht mehr eingestellt, dann untersuchten Unternehmen wie MC Kinsay die Firmen auf ihre Rentabilität und entließen alle überfüßigen Arbeitskräfte und dann kamen die prekären Arbeitsverhältnisse und die lebenslangen Praktikanten, von denen vielleicht auch die jungen Buchhändlerinnen, Literaturwissenschaftlerinnen,etc, die mit ihren Media-Kit-Sets auf den Buchmessen und Verlagen herumlaufen und deren Blogs ich gerne und regelmäßig lese dazu und Anna Lindner, eine Schulkollegin meiner Tochter Anna, die auch Literaturwissenschaften studierte, in Temesvar Lektorin ist und bei Metro inzwischen schon ihr viertes Buch herausbrachte, von denen das letzte letzten Mittwoch bei “Thalia” auf der Mariahilferstraße vorgestellt wurde, gehört vielleicht auch dazu.
Aber zurück zum Buch, das ich vor einiger Zeit im offenen Bücherschrank fand und zu Nikola Richter, die 1976 in Bremen geboren wurde, Germanistik studierte, als Online-Redaktuerin tätig war und jetzt einen Digital-Verlag hat und das vielleicht auch nicht mehr ganz aktuell ist, obwohl das, was sie da über ihre Lebenspraktikanten Nils, Jasmin, Linn, Viktor, Anika, Chris und Guila in abwechselnden Kapiteln, die Namen, wie “Existenzminimum”, “Beziehungsspünge”, “Netzwerke”, “Elterngespräche” oder “Dönerkuchen” tragen, erzählt, die sich alle mehr oder weniger gut kennen und miteinander in Beziehungen oder befreundet sind und in WGs leben, was sie studiert haben, wird oft gar nicht so genau erzählt und auch ihr Alter, sie dürften, etwa um die Dreißig sein, wird so genau nicht angegeben, sehr spannend ist. Sie erzählen von dem schönen neuen Arbeitsleben der neuen Zeit, wo man sich von Praktikum zu Praktikum hantelt und so ist Linn schon Expertin bezüglich Bewerbungsgespräche und gibt ihrer etwas schüchternen Freundin Annika dazu auch Ratschläge, bzw. übt sie mit ihr in Rollenspielen, daß man nicht “Das kann ich nicht!”, sonder “Ich bin neugierig darauf, darin Erfahrungen zu machen!”, sagen soll.
Linn ist mit dem zielstrebigen Viktor befreundet, der ihr rät sich Visitenkarten anzuschaffen, die sie dann den jeweiligen Vorgesetzten immer in die Hand drücken kann. Weil sie nicht recht weiß, was sie in der Spalte Beruf eintragen soll, läßt sie sich sechs verschiedene Varianten drucken und geht damit zu einem Aluminitreffen, spricht auch den Vortragenden an, der sie kurz abfertigt, ihr erklärt, alle Praktikantinnen würden Julia heißen und ihr den Rat gibt am letzten Tag Kuchen und einen guten Schmampus mitzubringen.
Linn bekommt aber auch ein Praktikum, lernt da ihre Vorgängerin Guila kennen, die sich sogar gegen die schlechten Arbeitsbedingungen wehrt, das Arbeitsrecht studiert und zum Generaldirektor geht, um bei der Krankenkassa angemeldet zu werden, sie mag auch Kinder, obwohl die Generation Praktikum kaum in der Lage ist, solche zu bekommen, schwärmt sie trotzdem davon, sie einmal als Tagemutter abwechselnd je einen Tag in der Woche mit den anderen jungen Eltern zu bertreuen, was aber daran scheitert, daß sie eigentlich kein Geschrei verträgt.
Sie kann aber trotzdem gleich üben weil ihr ein befreundetes englisches Ehepaar ihre fünfzehnjährige Tochter in den Herbstferien schickt. Guila bemüht sich sehr, kommt aber mit der Pubertierenden nicht zurecht und hier wirkt das Kapitel auch ein wenig langatmig, denn wahrscheinlich würde keine Dreißigjährige eine Fünfzehnjährige erziehen wollen und vielleicht spricht Emily auch deshalb sowenig, weil sie noch nicht gut genug Deutsch versteht.
Auch das Kapitel mit Chris, der seine Praktika in Neurobi etc macht und dann mit Malaria zurückkommt und die “www.äerztezeitung.de” braucht, wirkt vielleicht ein wenig übertrieben, aber vielleicht kenne ich mich in der Generation Praktikum nicht genug aus, bin ich ja schon darüber und entstamme eher der Generation von Guilas Eltern, die Achtundsechziger sind, es mit ihren Kindern gut meinen, sie mit selbstgemachten Marmeladen und alten Möbeln unterstützen, aber trotzdem der Meinung sind “Wenn man sich nur wirklich bemüht, findet man schon was”, weil sie, als in in der Pädagogischen Hochschule saßen, gleich die Anstellung beim Stadtschulrat im Hörsaal mitgeliefert bekamen.
Es kommt aber trotzdem zu einer Schwangerschaft, Nils und Margarete trauen es sich zu den kleinen Konstantin in die Welt zu setzten und Nils, ein Immigrantenkind ist auch der Innovativste oder Lockerste in der Gruppe, der, obwohl er auch studierte, seine Dissertation sausen läßt, stattdessen Kuchen herstellt, sich einen Marktstand mietet und dort mit Hilfe seiner Freunde große Eröffnung feiert, zu der auch seine Professorin kommt, die ihn zuerst erstaunt ansieht “Was machen Sie denn hier?”, ruft sie erschrocken.
“Sie sollten doch an Ihrer Dissertation arbeiten!”, aber dann doch begeistert und befriedigt mit ein paar Kuchen abzieht.
“Sehr gut! Ich werde Ihre Stammkundin!”, sagt und Nils in seiner Begeisterung schon an den Partyservice denken läßt, den er sich aufbauen wird…
In Zeiten, wie diesen, ein sehr interessantes Buch, obwohl es schon vor acht Jahren geschrieben wurde, das uns über unsere Gesellschaft nachdenken läßt und ein bißchen auch zu Peter Roseis soeben erschienenen “Globalisten” passt.

2014-09-14

Poet Night im neuen Ambitente

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:47
Amir Peyman

Amir Peyman

Christoph Vivenz

Christoph Vivenz

Monika Schmatzberger

Monika Schmatzberger

Hilde Schmölzer

Hilde Schmölzer

Die Poet Night ist ja die Veranstaltung des ersten Wiener Lesetheater, wo sich einmal im Jahr die Lesenden zusammentreffen und ihre eigenen Texte lesen, von sechzehn Uhr Nachmittag bis zwei Uhr früh am nächsten Morgen, war es das zu Rolf Schwendter Zeiten, seit 2000 gibt es, glaube ich, diese Veranstaltung, wo sich im sieben bis acht Minuten Takt die Lesungen abwechseln und als ich 2009 darüber blogte, mokierte sich Frau Haidegger, daß sich soviele vielleicht nicht so bekannte Dichter vorlasen, denn ich habe damals, glaube ich, bedauert, daß die Lesung ziemlich unter Ausschluß der Öffentlichkeit stattfindet, aber es gibt eben viel mehr, jeseits der Events und der deutschen Buchpreislisten und ich finde das sehr gut und bleibe auch immer möglichst Nonstop um die verschiedenen Leser und Stile kennenzulernen.

Elmar Hanke

Elmar Hanke

Dine Petrik

Dine Petrik

Christa Mitaroff

Christa Mitaroff

Sylvia Petter

Sylvia Petter

Zum zweiten Mal ohne Rolf Schwendter und seither ist die Veranstaltung auch etwas geschrumpft, ab achtzehn Uhr bis open end, was diesmal halb eins bedeutete. Sechsundvierzig Lesende hat Hahnrei Wolf Käfer, der diesmal mit Andrea Pauli moderierte ausgerechnet und die große Überraschung für mich war auch, das “Siebenstern” sah anders aus.

Anita Schaub

Anita Schaub

Eva Jancak

Eva Jancak

Werner Grüner

Werner Grüner

Ruth Aspöck

Ruth Aspöck

Auch das Lokal, aber das Extrazimmer, wo die Lesung stattfand, war völlig umgestellt, die Lesebühne vor einem großen Bild auf der Schmalseite, ein roter Stern als Wahrzeichen an der Wand, wo früher mal die Bühne war, ein Kasten, Sitzmöbel, eine Bar, sehr gemütlich, eher wie ein großes Wohnzimmer und Manfred Loydolt begann gleich mit einer Episode aus seinem Leben, einer großen Begegnung, wie ich sie schon bei Anita C. Schaub hörte, nämlich Rolf Schwendter, der Professor, mit der blauen Hose, wurde wieder mal für einen Sandler gehalten, der zu Manfred Loydolt ins Theater kam, aber kein Autogramm wollte, sondern ihn für das Lesetheater engagierte und das Ganze spielt sich auch am Grab beim Begräbnis ab.

Beppo Beyerl

Beppo Beyerl

Astrid Wiesenöcker

Astrid Wiesenöcker

Jakub Kavin

Jakub Kavin

Rolf Seyfried

Rolf Seyfried

Mechthild Podzeit Lütjen erinnerte dann ebenfalls an das Schwendter Begräbnis und Martin Auer erinnerte sich an einen Freund, der einen Unfall hatte und an den Belgrader Platz, im zehnten Bezirk, bei der Heller Zfuckerlabrik, wo im Jahr 1942 oder 43 die Roma und die Sinti abtransportiert wurden, das kam dann noch einmal viel später und es ging in drei Blöcken wieder rund durch die Vielfalt der Literatur, wie auch Andrea Pauli in ihrem Schlußwort erwähnte.

Karl Kilian

Karl Kilian

Helga Schwaiger

Helga Schwaiger

Susanne Schneider

Susanne Schneider

Jörg Liebscher

Jörg Liebscher

Ein paar Angekündigte fehlten, wie Elfriede Haslehner und Christine Huber, die, wie mir die Ruth erzählte, von ihrer Katze gebissen wurde, die Rizys waren nicht nicht da und auch die Kilics haben nicht gelesen, dafür gab es aber auch neue Gesichter. Christa Kern las glaube ich, ihre Stern Gedichte aus den “Entladungen” und Christa Kempinger Ausschnitte aus einer längeren Arbeit, wo es um ein Kind und wenn ich mich nicht irre, um die Fünfzigerjahre ging.

Ingrid Jantzen

Ingrid Jantzen

Thomas Northoff

Thomas Northoff

Gerhard Ruiss

Gerhard Ruiss

Hahnrei Wolf Käfer

Hahnrei Wolf Käfer

Axel Karner hatte seine kurzen Kriminalgeschichten und lud mich wieder, wie beim Volksstimmefest, sozusagen zu meiner eigenen Lesung ein, allerdings hat er einen Block früher als ich gelesen und war, als ich drangekommen bin, nicht mehr da.
Traude Korosa hatte einen Essay auf die “Faulheit” in dem sie prächtig über den Kapitalismus drüber fuhr und sich über die große Zahl der Arbeitslosen mokierte. Amir P. Peymsan setzte fort mit der Sozialkritik in starken Worten und las vom Wochenarbeitslauf eines schwarzen Migranten, der vom Aufstehen, Brotessen ohne Butter, übers Putzen, bis von der Polizei kontrolliert werden reicht, Montag bis Freitag, um sich dann am Samstag, bis zum nächsten Montag, wie ein König zu fühlen.

Ivana Rauchmann

Ivana Rauchmann

Sonja Traxler

Sonja Traxler

Richard Weihs

Richard Weihs

Jan Zänker

Jan Zänker

Christoph Vivenz hatte in weiblichen Outfit wieder sehr poetische Gedichte und Monika Schmatzberger machte sich über das Begrabenwerden Gedanken und zeigte, daß das auch sehr belacht werden kann.
“Patchwork” ist eine neue literarische Performance von vier zum Teil Englisch zum Teil deutsprachigen Frauen, Daniela Beuren von der Grauenfruppe war auch dabei, dann kamen Elmar Hanke und Christa Mitaroff und die gedachte wieder Rolf Schwendter beziehungsweise einer Lesetheateraufführung, die sie mit ihm erlebte.
Dine Petrik hatte neue Gedichte und Sylvia Petter, die glaube ich zum ersten Mal, hier auftrat, mir einmal von Christel Fallenstein vorgestellt wurde und im Juni eine Prosakonferenz moderierte, las in Deutsch aus einem Buch. Werner Grüner machte es politisch, Hilde Schmölzer las aus ihrem Trakl Buch, das die möglicherweise inzestiöse Liebe zwischen Georg Trakl und seiner Schwester Margarete schildert, die sich beide umgebracht haben.

Christian Katt

Christian Katt

Janus Zeitstein

Janus Zeitstein

Daniela Beuren, Jean Almeida, Ka Rudorfer, Heidelinde Lindorfer

Daniela Beuren, Jean Almeida, Ka Rudorfer, Heidelinde Lindorfer

Ruth Aspöck gedachte Franz Hütterer, der früher auch bei der Poet Night gelesen hat und Beppo Beyerl stellte wieder seine Sttraße mit den sieben Namen vor.
Im dritten Blog folgten Susanne Schneider und Hans Jörg Liebscher, Susanne Schneider hatte einen Brief und Hans Jörg Liebscher seine sehr poetischen Gedichte, Thomas Northoff brachte glaube ich das Programm, mit dem er auch beim Volksstimmefest großen Beifall ernete, seine Einsatz Gedichte, die eigentlich sehr logisch sind und Hahnrei Wolf Käfer hatte eine Litanei was alles privatisiert werden solle, von der Eheschließung bis zur Privatisierung, dann folgten für mich zwei neue junge Frauen, mit sehr starken Stimmen, Ivana Rauchmann, die das ganz normale Glück mit einem “Bürgerlichkeitskondom” beschrieb, zum bürgerlichen Leben gehört ein Mann zwei Kinder und zwei Autos und wer das nicht hat, ist ein Außenseiter und gehört bekämpft und Sonja Traxler hatte drei Texte, wo es in einem um den Tod und den Selbstmord ging und Richard Weihs brachte natürlich wieder eine Auswahl seiner Wunschgedichte, so ging es dahin bis weit nach Mitternacht, am Schluß sagte Andrea Paula dann den Countdown an.
“Noch sechs, noch fünf noch vier Leser!”, einer davon war Christian Katt, der 2005 an der kurischen Nehrung war und um das Thomas Mann Haus lief und darüber dichtete und ich habe jetzt auf mich vergessen, die ich im zweiten Block an die Reihe kam, diesmal nicht Rolf Schwendter gedachte, sondern das “Gruftiemädel” aus der “Brüderschaft” las und wieder begeistert bin, daß es soviele Leute gibt, die sich mehr oder weniger mit Literatur beschäftigten, auch wenn es ein bißchen schade ist, daß es so abseits passiert, aber nächstes Jahr verabschiedeten sich Andrea Pauli und Hahnrei Wolf Käfer wird es wieder eine Poet Night im September geben und Veranstaltungswohnzimmer war eigentlich auch immer gut gefüllt.

2014-09-13

Die Globalisten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

Der 1946 geborene Jurist Peter Rosei, der seit 1972 schriftstellerisch tätig ist und den ich einmal für einen experimentellen Autor gehalten habe, hat mit seinen kürzlich bei “Residenz” erschienenen dünnen Roman “Die Globalisten” seine Trilogie über das Wirtschaftsleben beendet.
“Geld” 2011 erschienen war der erste Band, voriges Jahr kam “Madame Stern” heraus, beide Bücher habe ich gelesen und werden jetzt bei mir vermehrt abgefragt.
In den “Globalisten” geht es um eine Satire um den Kunstbetrieb, habe ich kurz nach Erscheinen des Buches im Radio gehört. Auch, wahrscheinlich, aber nicht nur, denn Peter Rosei macht mit seiner Parabel, die er von einem allwissenden Erzähler leicht und locker von oben drüber erzählen läßt “Zu der in Rede stehenden Zeit lebte in der Wiener Vorstadt, in Ottakring draußen…”, einen Rundumschlag über die korrupte Gesellschaft. Macht sich darüber lustig, deutet das an, was wir schon vom Fernsehen, “Täglich alles” und den “Seitenblicken” wissen und läßt, wie in dem Radiointerview ersichtlich wurde, am Ende alles offen.
Das Leben geht weiter und die Globalisten, die von Kocice bis St. Peterburg über Wien und Zürich leben, das heißt herumfliegen, Geschäfte machen, saufen, mit den schönen blonden juwelenumhängten Mädchen ins Bett steigen, lassen sich nicht aufhalten….
“Wer am Ende Strafe und Gerechtigkeit für moralisches Verfehlen erwartet, den werden die “Globalisten” enttäuschen”, lese ich auf der ORF-Seite.
“Auch wortreiches ausuferndes Erzählen ist Peter Roseis Sache nicht. Stattdessen reiht er auf vergnügliche Art kurze Szenen und pointierte Kommentare aneinander. Ein kurzweiliges Erzählvergnügen in zügigen Tempo.”
Dann steht noch etwas von schalen Nachgeschmack der übrig bleibt, natürlich, das Ganze ist nicht lustig, sondern so korrupt, wie die Gesellschaft eben in der wir Leben und von den Verfehlungen, der großen reichen Mafiabosse im fernen Rußland etwa, aus dem Fernsehen oder aus den Kolportageromanen wissen.
Es beginnt aber in Wien und weil Peter Rosei schön altmodisch ist, im Cafe Imperial, wo der geschwätzige Schweizer Geschäftsmann Adolpe Weill einem anderen, im guten Anzug etwas von seiner Kindheit erzählt.
Dann fährt er auf die Mariahilferstraße, nimmt einen Anruf entgegen und erleidet dabei einen Unfall.
Der abgefrackte Dichter, Josef Maria Wassertheurer, der in der “Wiener Vorstadt”, beim Brunnenmarkt am Yppenplatz lebt und sich dort mit “Tippelbrüdern” umgibt, gibt es das wirklich noch, plant indessen ein großes weltumfassendes Werk zu schreiben, begibt sich dann in ein Cafe, wo seine Freundin, die Polin Eva arbeitet, die ihm einen Hunderter fürs Einkaufen gibt, weil sie der Chef schon ausbezahlt hat.
Dann geht es in die Sommerfrische in das schöne Salzkammergut, dort liegt eine schöne Frau in einer Villa nach einer feuchten Party im Bett und ihr Freund, der besoffene Filmproduzent Alfred Wallauschek ist nach Wien gefahren, rutscht beim Aussteigen aus dem Zug am Westbahnhof aus und kommt ins Spital, wo er den Schweizer trifft.
Pläne werden geschmiedet, für ein großes Filmprojekt, Wassertheurer soll das Drehbuch schreiben und fährt dazu mit Eva in die Villa ins Salzkammergut und die Schöne im Bett, eine abgehalfterte Schauspielerin namens Olga soll die Hauptrolle spielen.
Das geht aber nicht ganz so leicht von dannen, hat Wassertheurer doch eine Schaffenskrise, die er nur mit Alkohol bewältigen kann, obwohl Eva nicht mag, wenn er trinkt und der schöne Alfred wirft schöne Blicke auf die schöne Eva…
Indessen steigen in St. Petersburg die Wolken auf, denn das Geld, das eigentlich zu dem Oligarchen Tschernomyrdin von den Deal mit Weill mit seinen Geschäftsmann im Cafe Imperial fließen sollte, ist nicht gekommen, so schickt er seine rechte Hand nach Wien und fährt selbst nach Kosice, um die ungetreuen Geschäftspartner ein wenig zusammenzuschlagen.
Wie das eben im Wirtschaftsleben so ist. Weill fährt unterdessen ins Salzkammergut und danach mit der Schauspielerin Olga nach Paris, Alfred Wallauschek hat die Villa mit Eva verlassen, die, er weil der Vorschuß aus ist, auf den Strich schickt, indessen sitzt Wassertheuerer alleine in der Villa und schreibt und schreibt….
Szenenwechsel oder weiter voran in die Zukunft der Globalisten nämlich in den fünften und sechsten Teil. Da ist Weill Minister geworden undWassertheurer ein Bestsellerautor, Wallauschkek ist aber ein bißchen von der geraden Bahn abgekommen und hat seine Geliebte erdrosselt, weil sie nicht “spurte”, so wird er gerade aus dem Gefängnis entlassen und geht mit einem Kumpanen in Wassertheurers Villa ein wenig einbrachen, denn er hat in der Gefängnisbibliothek von seinen Aufstieg erfahren.
Man sieht Peter Rosei scheut sich vor keinem Klischee uns die Tücken eines gloablisierten Wirtschaftsleben, für das er keine Lösung und keinen moraralischen Zeigefinger hat, aufzuzeigen und wie man beim Lesen merkt, scheint ihm das auch Spaß gemacht zu haben, den übermächtigen Erzähler, der seine Figuren von St. Petersburg nach Bad Aussee, Wien und Zürich und von dort wieder zurück lenkt.
Mir ist ja schon in den früheren Romanen, der leichte etwas altmodische Ton, der an die Fünfzigerjahre erinnern könnte, aufgefallen, spannend auf diese Weise eine Geschichte über das moderne Wirtschaftsleben zu erzählen. Aber die Villen im Salzkammergut, davon habe ich mich erst vor ein paar Wochen überzeugen können, gibt es noch und sie sehen auch ein wenig altmodisch aus, obwohl sich in ihnen vielleicht die mondänen Damen in den Betten räkeln und Peter Rosei, der selbst viel auf Reisen ist, erzählte in dem Interview auch, daß man am Abend in den Hotels, die Globalisten bei einem Gläschen in der Bar sehen kann und wahrscheinlich trifft man dort auch die Damen aus Kosice, Polen oder Weißrußland, die sich der Einsamen bereitwillig erbarmen und mit ihnen in Bett steigen.
Man könnte sich auch ein wenig über das konventionelle Frauenbild Roseis, wo die Frauen schön geschminkt und mit Juwelen, die von ihren jeweiligen Liebhabern stammen, herumlaufen, mokieren, aber vielleicht ist das in den gehobenen Globalistenkrieisen noch immer so, zumindest ist es das Bild, das man in den Fernsehfilmen sieht.
Es ist vielleicht auch etwas schwierig, einen Roman über Korruption vergnüglich zu nennen, aber wir können die Welt wahrscheinlich genausowenig, wie Peter Rosei ändern, höchstens versuchen ein wenig weniger schwarz zu fahren, fairer einzukaufen, keine Steuern zu hinterziehen, etc und dann hat man vielleicht schon etwas getan.

2014-09-12

Wieder Schreiben im Cafe Ludwig

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:13

Im Mai und im Juni bin ich an den Tagen von Ruth und Roberts Schreibegruppe, glaube ich, in Harland gewesen, so daß die beiden im Mai alleine im Cafe Ludwig gesessen sind und die Themen “Versäumte Gelegenheiten”, “Gewitter” und “Melancholie” brainstormten und dann das erste wählte, im Juni war die Ruth dann ganz allein und hat zum Thema “Religion” glaube ich, nichts geschrieben, dann kam die Sommerpause und heute trafen wir uns wieder zum zwanzigminütigen spontanen Schreiben in der Westbahnstraße.
Die Idee ist ja vor eineinhalb Jahren dem Robert Eglhofer gekommen, weil er gerne in der Gruppe schreibt, ich war zuerst ein wenig skeptisch, konsumiere ich ja nicht gerne, dann habe ich mir aber angewöhnt hinzugehen, wenn ich nicht in Harland bin und nicht gerade eine besonders attraktive literarische Veranstaltung stattfindet, bestelle mir einen Gspritzen und cirka vor einem Jahr habe ich mir angewöhnt, das Thema, das da immer von jeden in die Runde geworfen und schließlich ausgelost wird, wenn gerade angesagt, für eine Szene meines aktuellen Work in Prozess zu verwenden.
So habe ich vorigen September und Oktober zwei Entwürfe für zwei Szenen für die “Brüderschaft” geschrieben und im “März” eine “Anna kämpft gegen das Vergessen Szene”.
Im April warf ich dann das Thema “Kokosnuß” in die Runde und habe dazu frei assoziert und zwischen der Anna und der Brüderschaft, gab es glaube ich noch etwas zum Thema “Irrtum”.
Für mich ist das der persönliche Schreibgewinn, denn ich bin ja eine Viel- und eine Langschreiberin und finde es sehr spannend, wie solche Spontaneinfälle den Schreibprozeß beeinfulußen können.
Dem Robert ist es wichtig in der Gruppe zu schreiben und die Ruth sammelt die Texte immer ein, um sie zu sammeln, da war einmal die Idee einer möglichen Publikation, die sich inzwischen zu einer Veranstaltung umentwickelt hat, die die Ruth bei der GAV-GV einreichen will, um die Gruppe vorzustellen.
Ilse Kilic und Robert Widhalm kommen meistens auch, Doris Kloimstein war ein paar mal da und Peter Cak, eigentlich ein Musiker den Robert Eglhofer mitgebracht hat.
Heute waren wir zu sechst. Robert, Ruth, Peter, Ilse, Fritz und ich. Als Themen sind, glaube ich, “Schule” Herbst” und “Ferien” im Raum geschwebt, wir haben uns für den “Herbst entschieden und ich hatte, da ich ja am “Schutzengelchen” schon wieder korrigiere, vor, mir was erstes für das “Sterbehilfeprojekt” einfallen zu lassen.
Thema war mir da egal, weil ich ja das freie Entwickeln sehr spannend finde, aber der “Herbst”, hat sehr gut gepasst. So ist meine Protagonistin zu einer Lehrerin geworden, die im Schönbrunner Schloßpark in Richtung Gloriette hinaufgeht und gerade von der ihrer Diagnose kommt.
Das Thema Herbst ist ja überhaupt sehr interessant, beziehungsweise wurde das in den Schreibwerkstätten bzw. Schnupperworkshops, wo ich schon war, bei dem von der Evelyne Haas und im Writersstudio jeweils behandelt. Man sammelte zuerst Herbstwörter, suchte sich dann ein paar aus und schrieb jeweils einen Text dazu und in der Schreibschule des Robert Schindel wurde das, habe ich gehört, auch einmal gemacht und alle gesammelten Worte durften dann nicht verwendet werden, um keinen Klischetext zu kreeiren. So unterscheiden sich vielleicht die Profis von den Amateuren, bei den Dialektdichtern ist das, glaube ich so, daß die Profis das Reimbuch verwenden, während sich die Amateure davon distanzieren.
Wir haben aber keine Worte gesammelt und gereimt hat nur die Ilse Kilic “Herbstzeitlose auf kurze Hosen” und das wurde ein sehr spannendes unkonventionelles Gedicht.
Ich habe jetzt den ersten Entwurf für mein neues Projekt und nächsten Samstag ist wieder Schnuppertag im Writersstudio, da werden vielleicht ein paar weitere Entwürfe entstehen.
Im Unterschied zum letzten Jahr werden die aber höchstwahrscheinlich liegen bleiben, bis ich dann im November beim “Nanowrimo” mit dem Schreiben beginne, da ich mit dem Korrigieren des “Schutzengelchens” vermutlich bis zum November brauche, also dann meine Entwürfe zu Tipen anfangen und diesesmal vielleicht nicht so geschummelt habe, wie in den vergangenen zwei Jahren. Mal sehen, ich habe jedenfalls noch sehr viel Korrigierarbeit vor mir, bin ich den Text diese Woche ja eineinhalbmal durchgegangen und habe heute mit dem Szenenkorrigieren begonnen.
Spannend, spannend und die Schreibgruppe ist glaube ich auch sehr gut für mich. Die Ilse Kilic und der Fritz Widhalm sind ja eher experimentelle Schreiber und ich bin die einzige, die da sehr schnell vor sich hinerzählt und die Gruppe für Entwürfe für längere Arbeiten benützt.
Spannend auch, wie sich diese Veranstaltungsidee entwickelt wird, ein Treffen vor der GAV-GV gibt es ja noch und vielleicht auch schon ein Thema, jedenfalls wurde vom Peter schon “Single”, das kann der Beziehungszustand oder die Platte sein, vorgeschlagen, ob ich aber da in Wien und nicht vielleicht in Harland bin, weiß ich noch nicht.

2014-09-11

Kunstplatz SVA

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:47

Die Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft ist ja die, bei der ich, seit 1997 oder 98, glaube ich, als Freiberuflerin versichert bin und seit Dezember eine Pension beziehe, es ist auch die, wo es die Künstlersozialversicherung gibt und deshalb scheint sie sich besonders verpflichtet zu fühlen.
So gibt oder gab es eine Veranstaltung extra für Künstler, bei der ich 2011 war, einen Tag bevor sie mich beim “Alpha” hinausgeschmissen haben und es gibt auch den “Kunstplatz”, das sind regelmäßige Veranstaltungen, wo eine Vernisage eröffnet wird und eine Lesung etc, stattfindet.
Damals, 2011, lag das Programm auf, eine Einladung ist, glaube ich, zu mir auch einmal in Haus gekommen und ich konnte nicht hingehen. Jetzt lag eine solche im Briefkasten und wenn ich mich nicht irre, war sie nicht persönlich an mich addresiert, sondern an die Bewohner des fünften Bezirkes, eine Einladung zu einer Vernissage von Werken von Christine Stangl und einer Lesung von Thomas Raab letzten Werk “Der Metzger kommt ins Pardies” mit dem er im Vorjahr den “Leo Perutz Preis” gewonnen hat. Nun bin ich kein so besonderer Raab-Fan und habe, muß ich gestehen, auch keinen seiner Krimis gelesen, war aber bei mehreren Lesungen, so daß ich mich durch den Willibald Adrian Metzger durchhörte oder auch nicht, denn Thomas Raab, der ehemalige Lehrer ist ein begnadeter Smalltalker und so erzählt er zwischendurch mehr als er liest, wo er in die Schule ging, wo er mit seinen Kindern auf Urlaub fährt, etc und wenn man nicht aufpasst, merkt man vielleicht gar nicht, daß man von seinen Krimis nicht viel mitgebkommen hat.
Wenn ich mich weiter nicht irre, habe ich einige Male aus “Der Metzger muß nachsitzen” gehört, einmal im Rahmen einer Kriminacht in einem sehr überfüllten Radio-Kulturcafe, ich bin bei der Tür gestanden und habe sie immer für Ein- und Austretende auf und zu gemacht und Thomas Raab fragte “Gibt es wer der kein Handy hat?” und ich habe aufgezeigt.
Nachdem er das dann nochmals tat, ich weiß jetzt gar nicht mehr wo, habe ich ihn bei der letzten Buchwoche im Rathaus 2007 vorher gefragt, ob ich aufzeigen soll, wenn er das fragt und inzwischen sind weitere “Metzgers” entstanden.
“Der Metzger sieht rot”, “Der Metzger geht fremd” “Der Metzger holt den Teufel”, “Der Metzger bricht das Eis” und “Der Metzger kommt ins Paradies”, von denen ich wegen der begnadeten Erzählkunst des Autors jetzt gar nicht so genau weiß, wo und was ich daraus hörte.
2009 war ich jdedenfalls beim “Thalia” auf der Mariahilferstraße, einen Tag nachdem Eva Rossmann dort gelesen hat und ich Elisabeth von “leselustfrust” traf, die mir die gewonnene “Kafka-Schokolade” gab und ich ihr das “Haus”, das sie dann besprochen hat.
Voriges Jahr im Bestattungsmuseum den “Leo Perutz Preis” und jetzt gab es wieder einen sehr redefreudigen Thomas Raab, aber zuerst eröffneten die Herren von der Sozialversicherung und weil ich etwas früher dran war, konnte ich auch das etwas verkrampfte feierliche Gehabe der Chefetage mit den jungen lächelnden Frauen in den Businesskostümen beobachten.
Bei den Lesungen im Literaturhaus und in der “Alten Schmiede” geht es anders zu und ich habe auch niemanden im Publikum gekannt, denn es war keine extra Künstlerveranstaltung sondern eine, die sich an die Bewohner des vierten und fünften Bezirkes wandte, weil sich die SVA ja auf der Wiednerhauptstraße befindet.
Nach der Eröffnung kam eine lächelnde Moderatorin und dann Frau Magister Fröhlich aus Linz, die das Werk der Künsterlin, die eine Autodidaktin ist, vorstellte.
Die Künstlerin war anwesend, wurde aber nicht extra vorgestellt und Thomas Raab führte smalltalkend durch seinen Roman, in dem der Metzher an die Adria, nach Jesolo von seiner Daniela Turkovic entführt wird. Dazwischen gibt es einen Toten in einem Teich und einen telefonierenden Polizisten, ein Hund verschwindet und wird tot aufgefunden und Thomas Raab erzählte auch etwas von den Verkäufern, die ihm am Strand von Bibione nerven, weil sie immer “Billig!”, schreien und ihm ein Handtuch verkaufen wollen und wenn sie nicht aufpassen, entführt werden und dann irgendwo ohne Niere und Leber aufwachen.
Das Leben ist hart und nicht so lustig, wie es die Dame neben mir offenbar empfand, die ständig sehr laut lachte, dann kam noch einmal der stellvertretende Generaldirektor oder ein anderer wichtiger Herr von der SV, erzählte von einem Service, die die Versicherung seit neuesten anbietet und eröffnete das gesunde Buffet.
Brötchen und Obstspieße gab es da und eine burgendländische Weinverkostung und ich müßte jetzt einmal einen der “Metzger” im Schrank finden, damit ich eine Ahnung habe, wie sich das Lesen vom Hören eines Raabs unterscheidet und was den “Alpha” betrifft, zu dem ich schon eine Art Voreinladung bekommen habe, die waren schneller als es mir Christian Jahl gestern erzählte, denn die Shortlist war schon vor zwölf bei http://www.buecher.at aufzurufen. Zehn Bücher von Autoren, von denen ich einige nicht kenne. Aber Eva Menasse mit ihren “Quasikristallen” ist dabei, was manche wundert, weil sie ja keine Newcomerin mehr ist. Margareta Kinstner mit ihrem “Mittelstadtrauschen”, was ich mir schon dachte und mir vielleicht ganz egoistisch wünsche, daß sie nicht gewinnt, weil ich Buch schon habe. Theodora Bauers “Tante Meri”. was ich ja gerne lesen würde, Daniel Wissers “Weisser Elefant” und und…
Der “Keiper Verlag” hat mir heute auch das neue Buch von Mike Markart geschickt und auf Charles Lewinskys “Kastelau” warte ich immer noch, so daß ich bei einer endlos langen Leseliste keine Zeit habe, mich intensiver in die “Alpha Shortlist” einzulesen.
Kerstin Pistorius von “Atalantes Historien” hat aber wieder einen schönen Artikel darüber geschrieben und ich freue mich auf die Preisverleihung am 10. November, wo es ja keine Schwierigkeiten mehr geben sollte.

2014-09-10

Leo Perutz Preis und andere literarische Ereignisse

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:05

Die Saison geht wieder los und das merkt man unter anderem, das heute um zehn die Shortlist des dBp bekanntgegeben wurde. Da war ich heuer ganz entspannt, habe aber doch gedacht, daß Michael Köhlmeier, Marlene Streeruwitz, mein Lieblingsbuch, das ich mir jetzt doch zum Geburtstag wünschen muß, Sasa Stanisic, der ja schon in Leipzig gewonnen hat, Lutz Saier, Ulrike Draesner, Thomas Melle, etc daraufstehen würden und dann war ich mit der Auswahl Heinrich Steinfest, Thomas Hettche, Angelika Klüssendorf,Thomas Melle, Gertrud Leutenegger und Lutz Sailer, wirklich sehr erstaunt und hätte das nicht gedacht, aber macht ja nichts, die Jury entscheidet nach ihren Geschmack oder anderen Gesichtspunkten und die Leser entscheiden, was sie lesen und ob einmal was davon auf meine Leseliste kommt, bin ich sehr gespannt und am Abend begann die literarische Saison für mich sozusagen mit der Vergabe des “Leo Perutz Preises”, der heute zum fünften Mal vergeben wurde und zum vierten Mal bin ich dabei und finde diesen österreichischen Krimipreis, der vom Hauptverband des Buchhandels und der Stadt Wien vergeben wird, sehr spannend, obwohl ich Leo Perutz ja nicht für einen Krimiautor halte, aber zugeben muß noch nichts von ihm gelesen zu haben.
Fünf Autoren auf der sogenannten Shortlist, Jürgen Benvenuttis “Schrottplatz blues”, da habe ich “Kolibiri” vor kurzem im Schrank gefunden und einmal war ich bei einer Lesung in der “Alten Schmiede” und in der Krimi Nacht bei “Rund um die Burg” habe ich den Autor auch einmal gehört.
Daß Antoni Fians “Polykrates Syndrom” ein Krimi ist, hat mich auch zuerst überrascht, er stand aber auf der Longlist des dBp und ist nicht auf die Shortlist gekommen, ich habe ihn aber schon bei zwei Lesungen gehört.
Anne Goldmann, die als Bewährungshelferin arbeitet, war schon einmal für den Preis nominiert, ihr aktuelles Buch heißt “Lichtschacht” und Eva Rossmanns “Männerfallen” ihr fünfzehnter Mira Valensky Krimi habe ich gelesen, jetzt gibt es schon einen sechzehnten mit Namen “Alles rot” und der letzte nominierte ist der erste “Perutz-Preisträger” nämlich Stefan Slupetzky mit “Polivka hat einen Traum”.
Da ich etwas früh daran war, konnte ich ein bißchen den Insidergesprächen lauschen und die Küßchen der Prominenz beobachten, denn das ist ein Preis, der in der Szene vergeben wird. Die Buchhändler und die Wichtigen des Literaturbetriebs erscheinen und ich stehe ein bißchen daneben, diesmal war es aber nicht so arg, denn ich konnte Christian Jahl von der Hauptbibliothek nach der Shortlost des “Alpha Literaturpreises” fragen, die morgen um zwölf bekanntgegeben wird. Jemand sagte, er wünsche Eva Rossmann alles Gute und sie antwortete, es gäbe noch so viele andere gute Autoren.
Zwei der Nominierten waren außer ihr noch da und Günter Kaindldorfer, der wieder moderierte, bekannte diesmal, daß er den Namen des Preisträgers schon wisse, sonst hat er immer gesagt, er hätte keine Ahnung, aber zuerst interviewte er die Gemeiderätin Anica Matzka-Dojder, was sie vom Krimi hält, die, wie jedes Jahr erzählte, daß sie welche in den Urlaub nimmt und dann von Eva Rossmanns Qualität zu erzählen anfing, hier unterbrach sie Günter Kaindlsdorfer “Nicht zuviel verraten!”, aber sie wollte nur auf “Unterm Messer” hinweisen, wo es um die Schönheitschirurgie geht und, daß sie daran als Gesundheitspolitikerin besonders interessiert sei.
Dann gab es kurze Lesungen der drei anwesenden Autoren nämlich von Anne Goldmann, Eva Rossmann und Stefan Slupetzky und danach verkündete Erwin Riedesser, daß Eva Rossmann, die auch schon mal nominiert war, die Auserwählte sei, Applaus für sie, danach gab es wieder ein Buffet, im vorigen Jahr, wo die Veranstaltung im Wiener Bestattungsmuseum stattfand, hat das gefehlt, dafür gab es eine Führung, jetzt wieder Brötchen und Wein und Gespräche und da habe ich mich diesmal mit Christian Jahl angeregt über die Shortlist des dBp unterhalten, der auch meinte, daß ich mit der Shortlist des Alphas zufrieden sein würde und Anne Goldmann sprach mich auch an, weil sie sich an mich noch vom letzten Jahr erinnern konnte, dann konnte ich noch den Präsident des Hauptverbandes und Chef des “Czernin Verlages” verraten, daß ich Nadine Kegeles Bücher gerne lesen würde und den “Posamentenhändler”, Leo Perutz Preis von 2011 habe ich auf meiner Leseliste, wenn nicht zuviele Rezensionsexemplare dazwischen kommen, habe ich eine Chance ihn demnächst zu lesen und bin gespannt.
Sonst gab es heute noch einige andere literarische Veranstaltungen, wie die Präsentation der von Gerhard Loibelsberger herausgegebenen Anthologie “Wiener Seele” in der Wien Bibliothek, wo Zdenka Becker, Franzobel, Ekatharina Heider, Cornelia Travnicek, Emily Walton, etc ihre Texte drinnen haben und Anna Lindner, eine Schulkollegin meiner Tochter Anna hat ihr viertes, bei “Metro” erschienenes Buch bei “Thalia auf der Mariahilferstraße vorgestellt. Da ist der Alfred, um es für die Anna zu kaufen und die heurige “Erich Fried Preisträgerin” wurde heute auch bekanntgegeben, es ist Judith Hermann, deren “Nichts als Gesprenster” und “Alice” noch auf meiner Leseliste stehen und von der vor kurzem ein Roman erschien, der auch auf der Longlist vermißt wurde.

2014-09-09

Unbarmherziges Glück

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:51

Wie sagte schon die Tante Rosa zu dem Helden von Max Blauelichs neuen Roman “Das Leben ist unbarmherzig. Das Glück auch. Das Unglück ist die einzige Barmherzigkeit! Merk dir das Bubchen”.
Es ist ein herrlich altmodischer Roman, der da dem 1952 in Salzburg Geborenen, der bei “Literatur und Kritik” Redakteur war oder ist und mir in dieser Eigenschaft einmal eines meiner Manuskripte zurückschickte, wahrscheinlich, weil es ihm zu wenig hintergründig war, gelungen ist.
Das “Unbarmherzige Glück” ist das aber und hat es, könnte man so sagen, faustdick hinter den Ohren, so daß einer das Gruseln und vielleicht, wenn man genügend hintergründigen Humor besitzt, auch das Lachen kommen könnte.
An Canettis “Blendung”, hat es mich zeitweilig erinnert, einige Passagen an “Angela `s Ashes”, nämlich die, wo das Aufwachsen der Frau Berta in dem rumänischen Städtchen, das Rum holen müssen für den Vater, während der die Mutter prügelt, geschildert werden.
Thomas Bernhard Stimme ist, auch ein paar Mal zu vernehmen und um die “Scherzhauser-Siedlung, wo der ja wohnte oder arbeitete, geht es auch.
Es ist mein erstes Blaeulich-Buch, das mir, da ich ja gerade selber über das Sterben und Sterbehilfe schreiben will und mich das Leben in Altersheimen sehr interessiert, in die Hände gefallen ist, aber bei ihm heißen die Seniorenresidenzen ja Asyle, sehr hintergründig und das Bubchen, der Geschichtenerzähler bzw. Archivar von Frau Bertas Lebenserinnerungen, beginnt diese mit den verkrüppelten Händen, der alten, in Rumänien geborenen Frau, die er kennenlernte, als er seine Tante Rosa in dem Asyl besuchte.
“Lainz schau her!”, könnte man da sagen, aber das ehemalige Versorgungsheim, das später “Geriatriezentrum Wienerwald” hieß, gibt es, glaube ich, ja auch nicht mehr.
Die Geschichte spielt jedenfalls in Salzburg und da hatte die Tante Rosa eine Repassieranstalt, da wurden die Nylons repariert, bis sich das Maschenauffangen nicht mehr lohnte und alles weggeworfen wurde.
Das Bubchen wuchs jedenfalls in ihrem Geschäft auf und wurde im Gegensatz zum Onkel Adi, dem Lebensgefährten der Tante, nicht weggeschickt, wenn die Damen ihre Hüllen fallen ließen…
Die Tante ist jedenfalls gestorben und Bubchen, der ein verkrachter Schriftsteller ist, übernimmt die Aufgabe, Frau Bertas, die an Einsamkeit leidet, Lebensgeschichte aufzuzeichnen.
Dazu quartiert er sich in der “Adlerischen Pension” ein, die mich auch sehr an Canetti erinnerte. Da gibt es die Frau Niederle und den einarmigen Gottlieb, vor allem aber, die schwedischen Hausmädchen Olli und Puppi, die immer die Betten der Zimmerherren aufwärmen, ja die Männer haben eben Phantasien und schreiben auch davon, weil sie zu glauben scheinen, daß die die Leserinnen, die ihre Bücher bevorzugt kaufen oder sich schicken lassen, interessieren und in dem Asyl gibt es den Herrn Giacomuzzi als Pfleger und Karli den Großen, einen ehemaligen Boxer und Giacomuzzi hat hochfliegende Wünsche. Er will nämlich eine Fliegerschule besuchen und so heuert er das Bubchen an, für ihn die Nachtdienste zu übernehmen.
Er verschwindet dann nach und nach und das Bubchen schlupft mehr oder weniger nahtlos in seine Rolle, ärgert sich zwar ein wenig, daß er sein Zimmer in der Pension, wenn er vom Nachtdient zurückkommt, aufgewärmt vorfindet. Beginnt aber genauso gut mit den Tabletten, wie der Pfleger zu hantieren und sie den Asylanten, wenn sie zu unruhig werden in den Mund zu stopfen. Er beginnt sie auch mit Alkohol ruhigzustellen und übt vor dem Spiegel Drohgrimassen und in der Direktion weit oben, werden Wetten abgeschlossen, wer von Asylanten als nächstens voranggehen wird.
Dazu stellt die Sekretärin Christin das Belladonnafläschen vorsorglich bereit und ein hundert Jahre Fest des Asyls wird auch gefeiert. Das wird natürlich, man ahnt es schon, eine Farce und ein Glanzstück des Galgenhumors und Frau Berta, die immer vergesslicher und dementer wird und am Schluß auch noch einen künstlichen Ausgang bekommt, den sie nicht haben will, so daß sie alles mit Kot verschmiert, erzählt dem Bubchen, nach und nach aus ihrem Leben, in dem wirklich nicht sehr viel barmherzig war.
In Rumänien wurde sie geboren, die Mutter wurde bald von dem Vater in den Tod geprügelt, der war ein Trinker und die zweijährige Schwester Mela, weigerte sich von der Muttermilch zu trinken, dafür sagte sie aber zur Stiefmutter “Mama”, was Frau Berta verweigerte, wofür sie auch verprügelt wurde.
Vergewaltigt wurde sie auch recht bald und nach 1945 siedelte sich der Vater mit seinen Kindern in Salzburg an.
Mela kam zu einer Tante in die Schneiderlehre, die sie zur Prostitution verwendete, Frau Berta wurde Putzfrau, aber vorher noch als Pflegekind und deutsches Mädel ausgenützt und öfter vergewaltigt. Das tat dann auch ihr Mann, der eine entsprechende Kriegsvergangenheit hatte und die Schwester, die nach Amerika auswanderte, fand auch dort nicht ihren Frieden, nur ihr Sohn, der von ihrem Ehemann verprügelt wurde, flüchtete sich in den Vietnamkrieg und sandte über dort Berichte in das Asyl, das das Bubchen von einem alten Shakespeare-Forscher, der im Krieg Dolmetscher war, übersetzen läßt.
In dem Asyl gibt es noch andere merkwürdige Bewohner, so zum Beispiel, die die sich über Esparanto oder den wahren Kommunismus streiten. Einen Kegelklub gibt es auch und am Schluß sitzen die ruhiggestellten Veteranen im Aufenthaltsraum und trauern ihren Kriegserlebnissen nach.
Wie schon erwähnt, ein herrlich altmodischer Roman, denn bald werden die, die in den heutigen Seniorenresidenzen ruhiggestellt werden, den Krieg nicht mehr erlebt haben und daher von etwas anderes schwärmen und das Bubchen, das sollte ich noch erwähnen, hat von der Direktion, als der alte Direktor längst schon in einem der Pflegezimmer verschwunden ist, die Zusicherung bekommen, daß er nach dem Ableben der Frau Berta, ihr Stübchen übernehmen kann, denn das Leben und das Sterben geht ja weiter und Barmherzigkeit, das denke ich mir manchmal auch, gibt es nicht sehr viel…

2014-09-08

Wilde Worte im September

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:29

Zur Saisonbeginn gleich ins “Amerlinghaus”, das letzte Mal war ich bei den “Wilden Worten” ja am Pfingstmontag und wäre fast zu spät gekommen, weil wir von Harland zurückgefahren sind und da hat es einen Stau auf der Autobahn gegeben, so daß mein Gedichtwunsch “Pfingstmontag – Rettungsgasse – Stau auf der Autobahn – zu spät kommen” lautete.
Interessant, was Richard Weihs daraus machte:

“Es war einmal ein Stau auf der Autobahn
und ich steckte samt Auto mittendrin
und fürchtete zu spät zu Lesung zu kommen
also kurbelte ich das Seitenfenster hinunter
…und schrie so laut ich konnte
“Rettungsgasse bilden, Reetttungsgasse bilden”
Zuerst geschah einmal nichts und später auch nichts
in meiner Verzweiflung zog ich das Lenkrad ruckartig zu mir
und siehe da das Auto bäumte sich auf zog steil nach oben
und mit sanften Brausen flog ich über den Stau gen Wien
der Hubschrauber der Verkehrsüberwachung überkreiste mich mehrmals
und gesäumt von rötlich fladckernen Feuerzungen
schwebte ich über die Stadt
und kam gerade rechtzeitig zur Lesung ins Amerlinghaus
Kein Wunder – es war ja Pfingsmontag”

In Wahrheit war alles viel weniger dramatisch, aber die Dichter heben eben gerne ab und diesmal gab es auch ein besonderes Programm, nämlich “Die Gulaschhütte” ein Stadtroman aus Graz, bei “Styria” erschienen von Hans Martin Willnauer in “35 Short Stories und 15 Fotografien”, ein alter Freund von Richard Weihs und in Heidelberg geboren, der zwischendurch einen Parkschein in sein Auto stecken mußte und auch ein Klavier aufgebaut hatte, denn es war eine musikalische Buchpräsentation und Hans Martin Willnauer offenbar ein Kabbarestist, obwohl es schon das vierte Buch war, das er geschrieben hat und seine zweite Lesung bei den “Wilden Worten” und er begann auch gleich mit einer Beschimpfung der zweitgrößten Stadt, die in allem übertreibt, mehr Nazis, mehr Feinstaub, etc und im Jahr 2003 Kulturhauptstadt, so daß sich das Magistrat immer noch mit diesen Slogan meldet.
Das ist lange her und damals war ich viermal dort, weil ich ja beim Ö1-Quiz gewonnen habe und am den Sonntagen mit dem Alfred hingefahren bin, so daß ich meine erste Klasse Fahrkarte extra einlöste
2007 war dann dort GAV-Vollversammlung und als die Anna ein Baby war, war ich einmal dort bei einer Supervision und kann mich erinnern, daß ich da auf den Uhrturm ging und danach einen Text über die Grazer Dichter schrieb.
“Graz ist nicht mehr Literaturhauptstadt”, behauptete Hans Martin Willnauer, aber die “Manuskripte” und den Kolleritsch gibt es noch immer und wenn man sich die Leseliste des letzten Bachmannpreises ansieht, sieht man, es gibt Nachfolger von Gerhard Roth und Peter Handke, der ja dort studierte, die Olga Flor ist von dort, obwohl sie bald den Veza-Canetti Preis bekommt.
Aber zurück zum “Stadtroman in fünfzig Bildern”.
Hans Martin Willnauer wechselte die Geschichten mit Liedern ab, hatte ein Stadtlied und erzählte, daß ihn der “Styria-Verlag” gleich genommen hat, als er verküńdete, es würde ein Bestseller werden.
Vielleicht sollte man es so machen und ich habe ja auch einen “Stadtroman” geschrieben und von der Stadtbeschimpfung ging es zur “Anni Wirtin”, die ein Musikwirtshaus in der Babenbergerstraße mit Interieur aus den Fünfzigerjahren hat und eine “Brunzstelle” gibt es auch, in dem feuchten Haus der “Schwester Resuluta” ein ehemaliges deutsches Mädel, die es vier Studenten vermietete und ihnen dann das Klo absperrte und den Garten mit einem Zaun umstellte.
Die Kapitel “Finnische Sauna” und “Graz 2045″ gab es auch zu hören. Da sind dann in Graz die letzten Nazis ausgestorben, nur von der “Gulaschhütte” wurde nichts vorgetragen, das muß man wohl selber lesen, denn Hans Martin Willnauer improvisierte, bekam für seine Lieder viel Applaus und ich habe wieder einen mir unbekannten Autor kennengelernt, obwohl ich mich mit den Grazer Autoren ja gut auskenne und auch Andrea Stifts Blog mehr oder weniger regelmäßig lese, die auch einmal bei den “Wilden Worten” aufgetreten ist.
Nachher gab es kein Gespräch Richard Weihs mit dem Autor, aber der hatte schon viel von sich erzählt und das Buch und die fünfzehn Fotos konnte man sich auch noch anschauen.

2014-09-07

Bücherreihen oder zuviel der Ehre

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:13

20140906-231243

Die literarisch Interessieren leben ja jetzt in einer Buchpreizeit, dem Longlistenlesen und dem Hangen und dem Bangen, wer da am Mittwoch auf die Shortlist kommt und was man zu Weihnachten als das angeblich beste Buch des Jahres der Schwiegermutter unter dem Christbaum legen kann?
Meine Schwiegermutter interessiert sich sehr für Krimis und die “Reader Digest Proben” und liest, glaube ich, mehr als ich und wenn ich in den Schränken mal was Doppeltes finde oder was, das doch nicht passt, nimmt sie es und ich bin nicht nur eine lesende sondern auch eine schreibende Frau, beziehungsweise denke ich manchmal, daß ich soviel lese, um endlich mal herauszubekommen, was die anderen denn besser können als ich?
Gibt es ja inzwischen dreiunddreißig selbstgemachte Bücher, zwei in der Werkstatt und ein drittes ist für den “Nanowrimo” geplant, dann die “Hierarchien” und die beiden Fachbücher übers Stottern für die die großen oder Publikumsverlage, “Fischer TB” und “Orac”, nie ein Problem waren und jede Menge Texte in Anthologien, die berühmteste ist wohl das Jugend und Volk Buch “Mädchen dürfen weinen, Buben dürfen pfeifen” wo ich mit der “Güler” gewonnen habe, ein Erfolg, an dem ich dann nicht mehr anschließen konnte, obwohl er schon 1980 war.
Daher der Schmerz bei diesem Bücherreihen des deutschen Hauptverbandes, bei dem ich ja eifrig mitfiebere, um das Leseprobenbüchlein rannte, jetzt beim Longlistenlesen, wie ich kürzlich erfuhr, den Charles Lewinsky gewonnen habe, Buch und Autor waren mir bisher völlig unbekannt, jetzt habe ich das Buch bei “Kuppitsch” liegen gesehen und denke es ist sehr interessant und freue mich schon darauf.
Die “Streeruwitz”, das habe ich ja schon geschrieben, werde ich mir zum Geburtstag wünsche, wenn ich sie nicht bei “Buzzaldirin” gewinnen sollte und, ich glaube, es ist auch eine Satire auf den Buchpreisbetrieb.
Da hat Michael Ziegelwagner einen sehr entspannten Artikel darüber geschrieben, dem ich in fast allen zustimmen kann, denn wenn man in der Wiener Löwelstraße, wo sich ja die SPO Parteizetrale befindet, einen Anschlagzettel sieht “Junges Akademikerpaar sucht Wohnung oder Haus, fleißig, Nichtraucher, ordnungsliebend, sich vor keiner Renovierungs scheuend!”, ist das doch ein wenig arg und dieses Castingdenken, ist etwas, was ich nicht mag und das Buch, das dann Anfang Oktober am Siegerpodest steht, wird, ganz egal, um welches es sich handelt, nicht das Beste des Jahrgang 2014 sein, denn jedes Buch ist so individuell, wie der Autor und man sollte weder Äpfel mit Birnen, noch Tauben mit Automobilen vergleichen!
Trotzdem rätsle ich gerne mit, denn ich interessiere mich ja sehr für Literatur und das Schreiben der anderen und leide dann ein bißchen, weil meine schönen selbstgemachten Bücher nie auf einer dieser Liste stehen werden. Warum eigentlich nicht? Weil sie in keinem Verlag erscheinen und von keiner Buchhandlung vertrieben werden, ganz klar, aber das sagt nichts aus über ihre Qualität und mit Herzblut und mit viel Engagement sind sie geschrieben, was eigentlich das Literaturgeflüster beweisen sollte. Tut es wahrscheinlich nicht, denn ich flüstere ja sehr verborgen, aber eigentlich habe ich gedacht, könnte ich mir auch so eine Bücherliste mache. Ich nehme meine dreiunddreißig, reduziere sie erst auf zwanzig, dann auf sechs und am Ende hole ich mir ein Buch heraus und schreie “Hurra, Trommelwirbel, es ist das Beste!”
Gesagt, getan, aufgereiht und geht natürlich nicht, wie es wahrscheinlich auch am Montag vor der Frankfurter Buchmesser im “Römer” nicht gehen wird und fünf enttäuschte Männer oder Frauen überbleiben werden, die vielleicht nicht den Mut, wie Clemens Meyer im letzten Jahr haben werden, wütend die Veranstaltung zu verlassen und die Türen hinter sich zuzuknallen, sondern lächelnd sagen werden “Die Trauben sind mir ohnehin zu hoch!”
Und nächsten Mittwoch wird das vierzehn anderen Autoren passieren, es wird dann empörte Aufschreie geben “Was Daniel Kehlmanns “F” ist nicht dabei, Skandal!” oder Verwunderung über das eine oder andere Buch und so ist es mir jetzt auch gegangen, als ich meinen dreiunddreißig Bücherstapel zu meinen Wohnzimmertisch trug und zwanzig aussortieren wollte.
Geht nicht, denn eigentlich sind ja alle schön und von mir, obwohl, das weiß ich schon, einige Wiederholungen drinnen sind und sicher auch einiges was nicht so gelungen ist und ich trotzdem veröffentlichte, weil ich mir nach den “Wiener Verhältnissen” sagte, ab jetzt wird jedes Buch von mir erscheinen.
Trotzdem gibt es natürlich Lieblingsbücher, “Tauben füttern”, mag ich zum Beispiel sehr und die “Mimi” obwohl das von der JuSophie zerrissen wurde, obwohl ich da nicht ganz sicher bin, ob das ganz objektiv oder aus der Freude am Zerreißen geschah.
Den “Wiener Stadtroman” mag ich, die “Radiosonate”, das “Haus” ist sicher eine besondere Geschichte und dann natürlich das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” obwohl ich das jetzt von meiner “Longlist” nahm, weil die inzwischen ohnehin schon fünfzehn Bücher hat und eigentlich kein erzählender Text, sondern die Printform des Literaturgeflüsters und von da von einigen, wie zum Beispiel, dem Gerhard Jaschke, sehr gelobt wurde.
An der Shortlist nage ich noch herum, denn wie gesagt, das Reduzieren tut mir schwer, über jedem Buch bin ich etwa ein halbes Jahr gesessen, obwohl die “Paula Nebel”, die “Nobembernebel” etc, vielleicht nicht so gelungen ist.
Aber was weiß man schon so genau? Habe ich doch erfahren, daß oft die Texte am besten angekommen sind, von denen ich mir dachte “Das ist es jetzt nicht!”
Und das mit der Publikumsresonanz ist ohnehin so eine besondere Geschichte. Denn ich habe ja keine. Als die “Hierarchien” in der “Edition Wortbrücke” des Jack Unterwegers herausgekommen sind, hatte ich ein paar Zeilen im “Falter” von einem sichtlich desinteressierten Redakteur und dann eine sehr vernichtete Kritik in der “Literatur in Österreich” von einem, von dem ich zuerst dachte, daß ihm das Buch eigentlich gefallen hätte.
Und mit den Selbstgemachten dringe ich trotz Literaturgeflüster” ohnehin nicht außen, da die wenigen Rezensionen, die es dazu gibt, hauptsächlich von Bekannten stammen, es gibt aber eine tolle Rezension vom Lev Detela über das “Literaturgeflüster-Texte-Buch”, der Otto Lambauer hat mir ein paar geschrieben, der Robert Eglhofer und und und…
Meine Bücher erscheinen also sehr im Verborgenen und das Lesen von “Selbstgemachten” scheint immer noch tabu zu sein, so daß es wahrscheinlich nicht viel hilft, wenn ich jetzt ein Foto von meinen fünfzehn Longlistenfavoriten in das Netz stelle und meine Leser frage “Was davon, liebes Publikum soll auf eine Shortlist kommen und an welches Buch würdet ihr den “Literaturgeflüsterpreis” beispielsweise vergeben?”

20140907-153935

Da ja die meisten die Bücher gar nicht gelesen haben.
Ich kann sie aber inzwischen auch als E-Book verschicken, obwohl ich mich noch immer nicht dazu aufgerafft habe, sie bei “Amazon” einzustellen.
Es gibt die Leseproben auf der Website, die Schreibberichte und bei den neuen Büchern auch jeweils ein schönes Foto, Lesungen gab es auch und wahrscheinlich schon ein paar Leute, die ein paar meiner Bücher gelesen haben.
Zu meinem sechzigsten Geburtstag habe ich aus dreißig gelesen, beziehungsweise, die vor mich hingestellt und zumindestens ins Publikum gehalten, ein Gewinnspiel mit dreißig Fragen und dreißig Antworten gibt es auch und im Juni habe ich im “Werkl” unter dem Titel “Selbstgemacht” aus zwei schon erschienenen und zwei noch nicht erschienenen gelesen, von denen es die “Brüderschaft” schon gibt.
Soll ich es also doch versuchen und meine Leser um Reaktionen, Eindrücke, Schätzungen ersuchen und pro Kommentar ein Buch nach Wahl vergeben, soweit vorhanden?
Ich fürchte es gibt da wenig Reaktionen, zumindest war das bei meinen früheren Gewinnspielen so, aber ich kann vielleicht auf die “Wiener Verhältnisse” hinweisen, “Lora und Lena” mag ich sehr und habe diese Kindergeschichte, vor zwanzig Jahren auch in einem Rausch vor mich hingeschrieben, “Besessen oder das literarische Leben der Dora Faust” mag ich und natürlich “Tauben füttern” den “Wiener Stadtroman”, “Das Haus”, die “Mimi”, die “Frau auf der Bank”, “Kerstins Achterln”, “Dreizehn Kapiteln” wo ich über das zweite auf dem Volkstimmefest von mehreren Leuten gesagt bekommen habe, daß es ihnen gefallen hätte und dann natürlich doch das “Literaturgeflüster-Texte-Buch” das ja wahrscheinlich etwas Besonderes ist, das es nur einmal gibt.
Da bin ich wieder, glaube ich, bei elf, habe also auf ein Drittel reduziert und vieles Schönes ausgelassen. Wo bleiben da die Protestrufe? Es fehlen die Bücher über die alten Menschen und das Sterben und und…
Ich kann es nicht und soll höchstwahrscheinlich auch nicht auf Eines reduzieren, wenn ich aber den einen oder anderen meiner Leser vielleicht ein bißchen neugierig gemacht haben sollte, hätte ich mein Ziel erreicht und den Pokal den, ich sicherheitshalber gleich neben die “Longlist” reihte, gabs am Freitag zur freien Entnahme in dem Fangeschäft in der Kettenbrückengasse.

2014-09-06

Krieg und Hunger oder 175 Jahre Marktamt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:10

Nachdem ich am Mittwoch mit dem Rohkonzept des “Miranda Schutzengelchen” fertiggeworden bin und dann auch gleich die Praxiswohnung und die Fenster putzte, habe ich mich am Donnerstag nach meiner elf Uhr Stunde aufgemacht und bin rund um den ersten Bezirk gegangen, obwohl der Text jetzt gar nicht mehr so heißt,beim “Leiner” auf der Dachterrasse einen verlängerten getrunken, mir den Buchhandlungen viele Leseproben, darunter die, von dem neuen Kohlmeier-Buch und das von der Judith W. Taschler besorgt und bin anschließend in die Kaffee-Rösterei Alt-Wien zur Buchpräsentation von “Kaffee in Wien” gegangen, mir dabei ein paar Notizen gemacht und ein paar Szenen beobachtet und für den Freitag, wo ich auch nur eine Stunde hatte, hatte ich ein besonderes Programm.
Hat mir doch Angelika Herburger, die die “Literatur am Naschmarkt” organisiert, gemailt, es gebe um drei eine szenische Lesung mit Beppo Beyerl und Peter Glanninger zum Thema “Krieg und Hunger” und vorher gab es ein großes Fest, weil das Marktamt seinen hundertfünfzigsten Geburtstag feiert und dort, dachte ich, kann ich auch meinen Wien-Tag verbringen und so habe ich mich in mein neues “chinesisches” Gewand geworfen, das ich mir gestern um je fünf Euro, in dem neuen Geschäft in der Kettenbrückegasse kaufte und bin zum Marktamtgebäude hinuntergegangen, wo es einen Stand mit Broschüren und ein Glücksrad gab und die “16er Buam” schon Wienerlieder sangen.
Einen Kochstand gab es auch und eine Philippinin, neben deren Stand ich auf einem Mauersims Platz genommen hatte, holte ständig neue Sachen aus ihrem Auto, stellte sie in ihren Stand auf und bot uns Tee und andere Gratisproben, wie Tee, Saft und einen Fächer an.
Danach erschien die Prominenz, der Stadtradt Mailath-Pokorny, der Stadtrat Ludwig, die Ulli Sima, die Stadträtin Frauenberger und und und, zogen sich grünen Marktamtschützen an und begannen für die Fotografen mit der Starköchin Kim schauzukochen, deren sehr scharfes Curry mit Hühnerfleisch und heimischen Gemüse man dann gleich verkosten konnte.
Man konnte auch das Buch gewinnen, wenn man am Glückrad drehte oder Äpfel oder Mannerschnitten, aber leider galt das nicht für alle, denn als ich einen “MO-Verkäufer”, diesen Tip geben wollte, hieß es “Nur für Kunden oder das kostet was!”
Die Musik ging aber weiter und wurde um dreizehn Uhr vom “Wiener Glühen” abgelöst, da kam ich dann mit der Mutter zwei der Künstler ins Gespräch, die Fans der “16-er Buam” habe ich schon früher kennengelernt und als Peter Glanninger mit seiner Lesung begann und einen Text vortrug, den Victor Adler” 1914 in der Arbeiterzeitung veröffentlicht hat “Genossinnen und Genossen!”, begann der Standler neben mir zu lachen und drehte laut die Musik in seinem Auto auf.
Ja, die Literatur hat es schwer, das habe ich schon öfter gemerkt, die Texte aber, die Kriegsbegeisterung, die sich 1914 auch in der Arbeiterzeitung bemerkbar machten, wo dann etwas später über die Rationalisierungen und den Hunger geschrieben wurde, waren sehr interessant und die “Edition Mokka” hat auch vor kurzem Viktor Adlers Texte aus der Frühzeit der Arbeiterbewegung herausgegeben.
Peppo Beyerl hatte dann noch Treffenderes, nämlich Texte von Karl Kraus aus der “Fackel” und den “Letzten Tagen der Menschheit” und da las er vor allem die, wie die Wiener zu den Greißler gingen und nichts bekamen, weil die Preise immer höher wurden.
Angelika Herburger verteilte Kopien der damaligen Lebensmittelmarken, wo es 70 Gramm Brot oder 50 Gramm Mehl zu holen gab und der Tisch war mit einer alten Waage, Kartoffeln und Sackerln dekoriert, gegen die man die Lebensmittelmarken eintauschen konnten, in denen sich ein paar Broschüren mit Beppo Beyers Texten über den “Naschmarkt” bew, eine Sozialreportage von Max Winter, sowie drei Sackerln mit ein paar Gramm Mehl, Zucker und Kaffee befanden und Beppo Beyerl, der das Einlösen übernahm, kontrollierte auch sehr genau, ob man die betreffenden Marken hatte.
“Das geht nicht, die sind für Niederösterreich!”, ect, fast so, als wenn man als Obdachloser, Asylwerber, etc, am Glücksrad drehen will, dachte ich und diskutierte das auch mit dem Marktamtangestellten, der mir für die Broschüren, die ich mir mitgenommen habe, noch ein Marktamtsackerl schenkte.
Eine lehrreiche Veranstaltung und Krieg und Hunger gibt es, fürchte ich, vielleicht auch noch heute und wahrscheinlich nicht einmal so weit weg.

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