Literaturgefluester

2014-04-16

Spam

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 09:29

“In der größten Krise setzt ein Mann alles auf die Liebe!”, steht auf dem trashigen Umschlag des “Milena-Romans”, ein blondes Dümmchen mit aufgerissenen Mund im Stil der Neunzehndreißig- oder Fünfzigerjahre, ein küssendes Paar a la Humphry Bogart et al, einen kleinen Pinguin gibt es auch noch und die Unterschrift “Wenn deine Firma schon baden geht, schnapp dir die Freundin vom Chef!.”
Und das “Mailodram” von Jan Kossdorf, 2010 erschienen, spielt im Jahr zweitausend und besteht im Wesentlichen aus “dreihundert E-Mails, die Alex innerhalb von zwei turbulenten Wochen verschickt und erhält” und ist, meine Leser wissen, das mich das nervt, ein Buch von der neuen Generation des Verlags, der einmal “Wiener Frauenverlag” hieß, ich glaube nicht, das erste von einem Mann geschriebene, das war, wenn ich mich nicht irre, Thomas Ballhausen und Jan Kossdorf, der mit seinen “Sunnyboys” 2009 auf der “Hotlist der Unabhängigen Verlage” gestanden ist, ist sicherlich ein Ausnahmeautor, für “Kauft Leute”, hat er gerade einen Award gewonnen und aus “Spam” hat er im Herbst 2010 beim Höfefest in St. Pölten gelesen, da wurde das Buch auch beim “Thalia” verkauft, vielleicht ist eines davon übergeblieben und 2012 auf den 3.99 Abverkaufstoß gelandet, jedenfalls hats mir der Alfred mit neun oder so, anderen gekauft, die ich auf meine Leselisten verteilte und jetzt gelesen habe.
Dieser Alex, siebenundzwanzig und Community Manager einer mir nicht näher erklärbaren Internetfirma, eine Redaktion gibt es dabei und Unser, die betreut werden müssen, auf den ersten Seiten gibt es ein Glossar mit den wichtigsten Personen, an die Alex mailt oder Mails bekommt, die meisten sind aus seiner Firma, seine Schwester und ein paar Freunde und Ex-Freundinnen sind auch dabei, scheint ein ziemlich zynischer Bursch zu sein, “aufsäßig” steht im Beschreibungstext. Er schreibt auch ziemlich zynische Mails und als seine Schwester Bine ihn bittet, für ihre Zeitung über seine letzte Beziehung zu schreiben, macht er das auch ziemlich widerlich. Zu trinken scheint er auch recht viel und er beschreibt sich sehr negativ:
“Liebe Astrid! Wie du richtig angedeutet hast, liegt die Schuld an dieser ganzen Misere voll bei mir, da will ich nichts schönreden. Was du vielleicht nicht wußtest ist, daß auch folgende Sachen auf meine Kappe gehen: Ich mache das schlechteste Wetter vor allem in deiner Urlaubszeit… Ich belege immer alle Parkplätze vor der Firma, die Staus am Weg zur Arbeit organisiere ich auch. Wenn dir noch etwas gegen den Strich geht – zu 99% hab ich verbockt. so bin ich eben!”
Der Chef der Firma ist ein Holger, meistens unsichtbar, aber trotzdem wichtig, steht in der Beschreibung, es gibt eine “Fuckmaschine”, die Alex, dem Unserbetreuer Mordandrohungen und Beschreibungen liefert, wie er ihn zerstückeln wird und zwei Diddls von denen einer einen MP-3-Player gewonnen hat, den der andere bekam, ein Usertreff, das Alex zu organisieren hat, das ihm nicht freut, so daß er seinen Ausstieg aus der Firma mit Mails wie dem Obrigen an den Chef zu planen scheint, dann kommt Judith als neue Mitarbeiterin in die Firma und alles wird anders, da Alex sich in die umwerfend schöne Frau verliebt. So schlägt er Holger eine neue Mitarbeiterstrategie vor, um die Firma in die Gewinnzone zu bringen, wöchentliche Mitarbeitertreffs, freie Diensteinteilung, Gutscheine an alle, fünf Uhr Bier,etc.
Das geht natürlich schief, beim gemeinsamen Zoobesuch wird gerotzt und gespeiert, die falschen Leuten landen im selben Bett, ein Pullover wird vergessen etc und Alex, der mit Judith unbedingt ins selbe Zimmer kommen will, scheint seinen Untergang zu erleben, als die ihm bei dem Treffen lieb mitteilt, daß sie am Wochenende mit Holger, ihrem Ex nach Rom fliegen wird.
Dann wird die Firma noch vom “I love you-Virus” getroffen und die Datenbank-Admins drehen den Mailverkehr ab.
So kann Alex ein paar Seiten lang nur auf ganz gewöhnlichen Weg kommunizieren und drei Wochen später verschickt er das Abschiedsmail an Alle, er steigt aus der Firma aus, die es wahrscheinlich ohnehin nicht mehr lang geben wird, denn Holger scheint sich mit dem Geld am Konto seiner Frau abgesetzt zu haben und Judith, deren Probemonat nun auch bald zu Ende ist, schickt Alex noch ein Mail, daß sie nach Holland, von woher sie zu kommen scheint, zu einem Konzert von Alex Freunden fliegen will und erkundigt sich bei ihm, ob er mitkommen will?
“Von Alex an Biene Betr. Niederlande “Hi Bine! Wie ist deine Holzschuhgröße”, lautet das letzte Mail im Buch, das mir sehr gut gefallen hat.

2014-04-15

Dshamilja

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 00:36

“Ich schwöre, es ist die schönste Liebesgeschichte der Welt!”, schreibt Louis Aragon im März 1959 über “Dshamilja”, die der damals dreißigjährige Tschingis Aitmatow, 1958 in der sowetischen Zeitschrift “Novyi” herausgegeben hat. Das es mit solchen Vorgaben schwer ist, weil sie wahrscheinlich automatisch die Sichtweise auf den Text verändern, die Erwartungen steigern oder auch Abwehrhaltungen entstehen lassen, führt er dann auch in seinem Vorwort aus und ich muß wiederholen, daß ich auf den kirgisischen Autor durch den “Offenen Bücherschrank” aufmerksam gemacht wurde.
Sonst hätte ich vielleicht höchstens nur den Mal nur gehört, inzwischen aber sowohl, den “Jungen und das Meer”, das in der DDR-Ausgabe anders heißt,den “Weissen Dampfer” und “Frühe Kraniche” gelesen und ich beteilige mich natürlich nicht an solchen Vorgaben, komme aber nicht umhin festzustellen, wirklich eine sehr dichte Beschreibung gelesen zu haben.
Tschingis Aitmatow deutet an und scheint ein Meister des “Shows not tell zu sein!”, ohne wahrscheinlich jemals eines dieser amerikanischen Writing-Bücher, die das ja predigen gelesen, zu haben. Er hat aber am “Maxim Gorki-Literaturinstitut” studiert und ich finde es schön, daß ich die Bücher gefunden habe, denn sonst wüßte ich immer noch nicht von von Kirgisien und vom Leben in einer Kolchose, während oder nach dem zweiten Weltkrieg kann ich mir jetzt auch etwas vorstellen.
Da lebt man im Aul, so heißen dort die Dörfer, früher waren die Kirgisen Nomaden, die Sowets haben sie wohl seßhaft gemacht und Said, die Kirgisen oder dieser Teil sind Moslems, auch das wird nur in ein paar Worten oder Bildern angedeutet, ist ein Maler, der sich an Hand eines Bildes, das Dshamilja und Danijar zeigen, an seine Kindheit erinnert, wo er fünfzehn war, seine Brüder im Krieg, so daß er in der Kolchose arbeiten mußte, während seine Mutter, der Vater kommt nicht sehr gut weg und wird als eine Art Faulpelz beschrieben, für das kleine und das große Haus sorgen muß.
Im Kleinen lebt auch Dshamilja, die Frau seines Bruders Sadyk, der im Lazarett liegt und wenn er Briefe an die Familie schreibt, seine Frau als letzte erwähnt, auch das ist eine kleine Andeutung über die Beziehung der beiden.
Ansonsten ist Dshamilja sehr lustig und fleißig und weil im Dorf die Männer fehlen, befiehlt der Kolchoseverwalter, daß sie die Getreidesäcke “Jede Kornähre für die Front!”, steht auf großen Plakaten, zum Bahnhof fahren soll.
Die Schwiegermutter schimpft, so beschließt der Verwalter, daß Said und Danijar mitfahren sollen, um sie vor den Männern und den Gefahren zu schützen. Danijar ist ein aus dem Krieg heimgekommener Verwundeter und Traumatisierter, der nur wenig spricht und sich auch weigert, vom Krieg zu erzählen, als der vorlaute Said ihn dazu auffordert. Er gilt im Dorf als Außenseiter und Said und Dshamilja spielen ihm anfangs auch kleine Streiche, die dazu führen, daß er alleine einen schweren Kornsack schleppt und dabei seine Wunde am Knie wieder aufbricht, dann kippt die Stimmung. Dshamilja bringt ihn zum Singen und Said erkennt, daß Danijar ein großer Liebender ist.
Als ein vom Krieg Heimgekommener, die Nachbricht bringt, daß Sadyk bald aus dem Lazarett entlassen wird, geht Dshamilja zu Danijar an den Fluß und verkündet, daß sie ihn schon immer liebte. Vorher hat sie den Verwalter gebeten, sie von den Fahrten zu befreien, aber keine Chance, die Soldaten an der Front erlauben keine Rücksichtsnahme und so sieht Said, der vorher die Beiden schon gezeichnet hat, sie eines Tages, Hand und Hand mit dem Rucksack und dem Bündel von Dannen gehen, nicht zum Bahnhof, wo man sie finden könnte, sondern zur Ausweichstelle.
Sadyk ist wütend und zerreißt die Zeichnung die er findet, das Dorf zieht über die untreue Ehefrau her und Said beschließt, zur Schule zu gehen und Maler zu werden.

2014-04-14

Osterpläne

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 21:14

Die Karwoche ist angebrochen, in der es nach zwei intensiven Praxistagen wieder nach Harland in die Osterferien geht, das heißt, korrigieren, lesen, Radfahren, der Bärlauch ist schon gepfückt, Ostern ist dieses Mal ja sehr spät im Jahr, Schnee scheint es diesmal keinen zu geben, dafür aber wieder den Osterspaziergang der LitGsS am Samstag um den Viehofnersee, für den ich mir schon den entsprechenden Text vorbereitet habe.
Diesmal wirds der “Stadtschreibertext” werden, den ich mir ja im Juli, bei meiner selbsterwählten Schreibklausur in mein “Kleines Stadtschreiberbuch” aufnotiert habe.
Fensterputzen muß ich diesmal auch und am Sonntag wird die Anna mit ihrem Freund Andreas kommen, die ja heute Geburtstag hat und dreißig geworden ist.
Der März war ja diesmal sehr intensiv mit Urlaubs-und Reiseplänen, waren wir ja in Leipzig und haben auch ein paar Tage in Ungarn Wellnessurlaub gemacht, wo ich sehr eifrig am Rohkonzept von “Anna kämpft gegen das Vergessen” geschrieben habe. Das ist jetzt fertig und der Eifer, der Erstkorrektur ist auch verschwunden, inzwischen trödle ich schon wieder daran herum, beziehungsweise bin ich, nachdem ich heute ein paar Stunden und zweimal Kinderdiagnostik hatte und gerade mit dem Befunde schreiben, fertig wurde, nicht dazu gekommen.
Das wartet in Harland, nach dem Fensterputzen und dem Badewannelesen auf mich und eigentlich habe ich heute zu den “Wilden Worten” ins Amerlinghaus gehen wollen, da ich eine sechs Uhr Stunde hatte und es daher nicht in die “Alte Schmiede” nicht schaffte, aber jetzt ist es neun und ich habe noch einiges einzutragen und auszufüllen.
Dafür hat mir Richard Weihs schon mein “Wunschgedicht” vom letzten Mal geschickt und da wünschte ich mir ja ein Gedicht zum Thema “Vergessen”, das mit “Anna kämpft” beginnt und die Worte “Alzheimer”, “Dracula” und “Strahlenschutzstecker” enthalten soll.
Wäre spannend zu erfahren, mit welchen Worten Richard Weihs im Amerlinghaus sein Gedicht, das ich gerne dem Buch als Art Vorwort oder Motto voranstellen würde, einleiten wird. Mir haben seine Einfälle dazu gefallen und vielleicht regt es mich auch zu intensiveren Korrigieren an:

“Anna kämpft tapfer gegen das Vergessen an.
Dr. Alzheimer saugt ihr Gedächtnis aus
wie weiland Graf Dracula die Jungfrauen
und der Strahlenschutzstecker hilft kein Deut
gegen die Überhitzung ihrer alten Heizdecke,
die sie wieder einmal vergessen hat abzuschalten.
Und während die allerletzte Erinnerung verglimmt
erhellt das lodernde Bett ihr ewiges Schlafzimmer”

Sehr verschieden und irgendwie auch wieder meiner Geschichte ähnlich. Stirbt Anna da in ihrem Bett ja während ihres Bücherlesens an einem Schlaganfall oder einer Dehydration, während der Stecker, den ihr Dr. Manuescu verkauft hat oder nicht, unbeachtet am Küchentisch liegt.
Die Stelle, die ich am 6. Mai im “Republikanischen Klub” bei der “Männer und Frauen-Lesung” aus den “Dreizehn Kapitel” lesen werde, habe ich jetzt auch abgestoppt. Es geht sich nicht das ganze siebente Kapitel aus, so werde ich auch, wie es in Krems und Göttweig, die Literaten taten, nach zwölf bis fünfzehn Minuten abstoppen und “Den Rest müssen Sie selber nachlesen!” sagen.
Die von Ilse Kilic entworfenen Einladungskarten mit jeweils einem pinkelnden Mann bzw. Frau und einer Pippi, die das Pferd samt Reiter hoch erhebt, sind auch gekommen und sehr schön geworden. Eine echte Ilse Kilic und ich bin schon sehr gespannt auf die Lesung, wenn das Osterfest und die Mai-Feiern vorbei sein werden.
In Harland werde ich auch wieder einiges lesen, habe ich am Wochenende ja Jan Kossdorfs “Spam” angefangen, dann warten ja der Roman von Judith Zander und das Buch von Eva Baronsky “Herr Mozart wacht auf” auf mich, wenn nicht vielleicht die Rezensionsexemplare kommen, die mir der Keuper-Verlag von seiner Frühlingprodution so freundlich angeboten hat oder die Biografie von Karel Gott aus dem Mvg-Verlag.
Ja, ich lese vielseitig und freue mich auf die Osterwoche, nachdem das “Literatur und Wein-Festival” gerade erst verdaut wurde, bei dem ich ja einige sehr intensive Autorenbegegnungen hatte. So habe ich Margit Hahn dort getroffen, Cornelia Travnicek gesehen, bin mit Lorenz Langenegger im Bus zur Weinwanderung gefahren, mit Aris Fioretis hatte ich auch eine intensive Begegnung und die Bücher von Katja Petrowskaja und Lukas Bärfuss warten in Harland auf mich, aber die werde ich dank meiner überlangen Leseliste erst im nächsten Jahr lesen und ob es heuer Ostereier geben wird, weiß ich noch nicht, werde aber davon berichten, beim Literarischen Osterspaziergang ist aber immer ein “fröhliches Eierpecken” angesagt.

2014-04-13

Literatur in Göttweig und Krems

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 18:15
Connie Palmen

Connie Palmen

Robert Menasse

Robert Menasse

Wieder einmal “Literatur und Wein” das sechzehnte Original, wie Sylvia Treudl in ihrer Eröffnung erkärte und das zweite dem ich beiwohnte, da ich bei literarischen Veranstaltungen nicht so gerne Eintritt zahle und ich allein auch nicht nach Krems und Göttweig fahren würde, da wir voriges Jahr aber nicht in Leipzig waren und auch nicht auf Urlaub fuhren, hat der Alfred Karten dazu gekauft und diesmal wieder,von Robert Eglhofer animiert, der uns extra deshalb anrief, als wir in der U-Bahn saßen und das literarische Event ist auch wieder hervorragend zusammengestellt, dieses Kompliment muß man den Organisatoren machen.
Nur das Beste vom Beste, die Creme de la Creme, im vorigen Jahr waren zwei Büchner-Preisträger, diesmal sind die Bachmannpreisträgerin und der des “Leipziger Buchpreises” dabei und ansonsten wieder literarische Neuerscheinungen von begabten Jüngeren und schon sehr bekannten Autoren, dazwischen immer Musi zur Aufhellung und diesmal hat es in Göttweig schon, um fünf mit Stiftführungen begonnen, wo man sich das Archiv, die Bibliothek, die Kaiserräume und den Cäcilliensaal anschauen konnte und ein dreigängiges Menu gab es vor der Abendveranstaltung auch.

Das haben wir ausgelassen und sind gleich, um acht in den Brunnensaal gegangen, vorher gab es noch ein Glas Weißwein aus der Stiftkellerei, die Probe um Einzelpreis von 1.90 zu verkosten und dann zwei Star nämlich Connie Palmen und Robert Menasse, nach den Eröffnungsworten vom Abt und Landeshauptmannstellvertreter zu hören, letzter wünschte sich mehr Leser und meinte die Niederösterreicher sind da nicht sehr gut, sein Vorgesetzter ist da ja auch kein besonders gutes Beispiel, aber die Niederländerin Connie Palmen, die wie Sylvia Treudl einleitete, 1991 debutierte und dann bald von der Zeitschrift “Buchkultur”, wo Sylvia Treudl auch Redakteurin ist, vorgestellt wurde.

Soyka&Resetarits&Molden&Wirth

Soyka&Resetarits&Molden&Wirth

Simon&Mannhart&Langenegger

Simon&Mannhart&Langenegger

Ihre Bücher erscheinen bei “Diogenes” und ihr drittes ist ihrem verstorbenen ersten Mann Ischa Meijer gewidmet. 1913 ist das “Logbuch eines unbarmherzigen Jahres” in Memoriam ihres zweiten Ehemanns, erschienen. Aus diesen hat sie auch gelesen. Dann kam der Doyen der österreichischen Essayistik, wie Sylvia Treudl einleitete, der gerade den “Max Frisch Preis” zugesprochen und 2013 den “Heinrich Mann Preis” bekommen hat.
Von ihm erschien 2012 “Der europäische Landbote”, ein Essayband auf die EU und 2009 “Ich kann jeder sagen”, ein Erzählband, bei dem ich, glaube ich, mit Trude Kloiber in der “Alten Schmiede” war, aus dem hat er, Connie Palmen zu Ehren, eine Geschichte gelesen, die in Amsterdam spielt, nämlich das “Ende des Hungerwinters”, wo ein Vater beim Begräbnis des Großvaters, wieder einmal die Geschichte erzählt, wie er den Krieg im Schimpansenkäfig von Amsterdam überlebte, ein Affe das Essen “Kugel und Knedel” und ein Buch brachte, die Eltern Pelzmäntel trugen, ein Papagei Lärm machte und der Leichenschmaus in einer grandios von Robert Menasse rezitierten Farce endete.

Abado&Zivadinovic&Neuwirth&Windhager&Correa

Abado&Zivadinovic&Neuwirth&Windhager&Correa

Hartmut Lange

Hartmut Lange

Am Freitag ist es wieder im Brunnensaal mit der Doppelconference Wein und Literaturbetreuung weitergegangen. Ein Wein, ein Autor und die die Winzer werden interviewt und sagen was dazu und Sylvia liest die jeweiligen Autorenportraits vor. Katharina Hacker, die 2006 den deutschen Buchpreis mit den “Habenichtsen” gewonnen hat, begann mit einer “Dorfgeschichte”, wo es um spielende Kinder, die Großeltern und ihre Einstellungen zum Krieg ging. Dann folgte Norbert Gstrein, der mit “Einer Ahnung vom Anfang” 2013 auf der Longlist des dBP stand, in dem es um das Lesen geht, beziehungsweise um einen Lehrer, der in einem seiner Schüler einen Touristen erkennt.
Die Musikbegleitung wurde von Willi Resetarits, Ernst Molden, Walther Soyka und Hannes Wirth in drei Blöcken übernommen, die ihr neues Album “HO RUGG” vorstellten und dazwischen alte Lieder spielten. In den Pausen konnten man wieder die Weine verkosten, sich auf die Terrasse stellen oder Bücher kaufen und ich nützte die Gelegenheit meine Bücherwünsche, mit denen ich neulich zu Anna Jeller gehen wollte, teilweise zu erfüllen, beziehungsweise ließ ich mir vom Alfred Lukas Bärfuss “Koala” und Katja Petrowskaja “Vielleicht Esther” kaufen, die gleich als nächstes las und das Buch ist kein Roman, wie ich glaubte, sondern Geschichten, die in verschiedene Kapitel aufgeteilt sind.

Tanja Maljartschuk

Tanja Maljartschuk

Tanja Maljartschuk

Tanja Maljartschuk

Die Autorin las die erste “Google sei Dank” und dann noch die “Fahrt nach Mauthausen”.
Erich Hackl, der folgte und aus “Dieses Buch gehört meiner Mutter” las, habe ich schon in der “Alten Schmiede” gehört und dann noch seine Besprechung in einer literarischen Soireee in Ö1, wo es allerdings von Jochen Jung und Karin Fleischanderl sehr verissen wurde.
Nach einer weiteren Pause, bzw. Musikeinlage, kamen dann die “Autören”, nämlich Lorenz Langenegger, dessen neues Buch ich gerade gelesen habe, Urs Mannhart und Christoph Simon, die mir bisher unbekannt waren, lasen Texte, blödelten ein bißchen herum, erzählten über ihre Autorengruppe und sind, glaube ich, beim Publikum sehr gut angekommen.
Am Samstag ging es dann nach Krems ins unabhängige Literaturhaus zur ersten Matinee nämlich “Transfair” mit Susanne Scholl und Juri Andruchowytsch moderiert von Klaus Zeyringer zum Thema “Wie schön ist die Welt”, das ist eine Reihe, im Vorjahr haben Barbara Coudenhove-Kalergi und Ilija Trojanow versucht diese Frage zu beantworten, heuer ging es um die Ukraine und zum Susanne Scholls neues Buch, aus dem sie ein Kapitel las und dann mit Juri Andruchowytch die Unterschiede der Majdan-Besetzung von jetzt und 2004, beziehungsweise die Berichterstattung der Medien diskutiert. Dann las Juri Andruchowytsch ein Kapitel aus einem Essay der die “sieben kritischen Tage im Februar” beleuchtet, der demnächst erscheinen wird.
Dann gabs eine Mittagspause wo ich mir ein Würstl kaufte, ein bißchen an der Donau spazierenging, bevor es zur Marilenwanderung zu der Familie Aufreiter nach Angern ging.

Lukas Bärfuss

Lukas Bärfuss

Aris Fioretos

Aris Fioretos

Da spazierte man mit einem Wanderbegleiter und der Marillenbäuerin Katharina Aufreiter ein Stück den Marillenweg entlang, ließ sich genau erklären, wie das mit der Wachauer Marille ist und ob Krems noch zur Wachau gehört, dann ging es zur Verkostung von Wein und Marillennektar, beziehungswweise zur Lesung mit Julian Schutting aus seinem neuen Buch “Blickrichtungen”, weil der ja ein begnadeter Wanderer ist, bew Urs Mannhart, der schon am Freitag bei den “Autören” aufgetreten ist, weil der ein Buch über einen Velo-Kurier geschrieben hat, der las dann auch einen sehr lustigen Text über einen Kapitalisten, der kein Geld verschenken will und für den es immer preisreduzierte Waren in den Regalen geben muß.
Im Bus bin ich neben Lorenz Langenegger gesessen, so daß ich ihn noch zu seinem Buch fragen konnte, zum Beispiel, ob die Stelle mit dem Rasierapparat im Gepäck, der einmal fehlt und dann doch vorhanden ist, so beabsichtigt wurde und am Abend ist es wieder hochkarätig im Brunnensaal weitergegangen, zuerst mit Hartmut Lange, der 1937 geboren ist und von dem ich “Schnitzlers Würgeengel” auf meiner Leseliste habe, den ich aber sonst nicht kannte. Sylvia Treudl stellte ihn als sehr skurrilen hintergründigen Autor vor und er las eine Novelle aus “Dem Haus in der Dorotheenstraße”, wo einer den Tod seiner Frau nicht verkraften kann und daher in seine ehemalige Wohnung eindringt um dort ein Poster beziehungsweise nach Spuren von ihr sucht.

Abado&Zivadinovic&Neuwirth&Windhager&Correa

Abado&Zivadinovic&Neuwirth&Windhager&Correa

Thomas Glavinic

Thomas Glavinic

Tanja Maljartschuk folgte, im Radio wurde ja der ukrainische Schwerpunkt der heurigen “Literatur und Wein-Veranstaltung” angekündigt und ich habe nach ihrer Lesung aus der “Biografie eines zufälligen Wunders” jetzt den Sprachenkonflikt und einiges andere besser verstanden.
Die Musikeinlagen wurden am Samstag wieder von Roland Neuwirth mit internationaler Formation, zum Beispiel mit Marwan Abado aus dem Libanon mit dem ich früher einige Male am Volksstimmefest gelesen habe, gestaltet und Sylvia Treudl betonte, daß Roland Neuwirth die “Literatur und Wein” die gesamten sechzehn Mal begleitet hat.
Nach der Pause ging es weiter mit Lukas Bärfuss, den ich schon in Leipzig hörte und dessen Buch ich nächstes Jahr lesen werde und Aris Fioretos, den ich schon einmal in der “Alten Schmiede” traf, der hat ein Buch über seinen Vater, beziehungsweise seine Rolle als Vater geschrieben und auch seine Tochter mitgehabt.
Im dritten Block las dann noch Thomas Glavinic aus dem “Größeren Wunder”, ein Buch das im Herbst auf der Longlist stand und der dritte Teil der Trilogie mit dem Helden Jonas ist, diesmal ein schräger Typ, der von einem reichen Großvater aufgezogen wurde, zwei Jahre eine Wohnung nicht verläßt, weite Reisen macht, nur um dort aufs Klo zu gehen und schließlich den Himalaya besteigt, “Ein Portrait des erlebnisorientierten Größenwahn”, steht in der Beschreibung und Thomas Glavinivc erzählte noch ein bißchen was zu seiner Textauswahl.

Sasa Stanisic

Sasa Stanisic

Dimitre Dinev

Dimitre Dinev

Am Sonntag gings bei der Sektmatinee zum “Balkanfeeling” ins Literaturhaus nach Krems, da sorgte die “Wiener Tschuschenkapelle” für die Stimmung, während Sasa Stanisic, der ja seit einigen Tagen, was mich sehr freut, meinen Blog verfolgt, aus seinem in Leipzig gekrönten Roman “Vor dem Fest”, wo es um ein fiktives Dörfchen in der Uckermark, das liegt im Bundesland Brandenburg in der Ex-DDR, geht, das ein Fest feiert, beziehungsweise sich darauf vorbereitet. Die Ostereier, die ihm jemand schenkte, hat der 1978 in Visegrad geborene Autor, der während des Balkankrieges als Kind nach Deutschland gekommen ist, schon in Leipzig bei der Preisverleihung erwähnt.
Jetzt hat er ein sehr spannendes Stück von einer neunzigjährigen Malerin, die immer nur das fiktive Dorf, das, glaube ich, Fürstenfeld, heißt, malt, gelesen, das sehr lustig und gleichzeitig auch berührend war.
Ein Interview im Literaturcafe habe ich auch gehört, da zeigt der Autor sein Buch, in dem es, wie bei Wolf Haas “Verteidigung der Missionarsstellung” Zeichnungen und besondere Schrifttypen,zu geben scheint, die der Autor dort in die Kamera hielt.
Der zweite Autor aus dem Balkan war, der 1968 in Bulgarien geborene Dimitre Dinev, den ich kürzlich im “MUSA” hörte, weil er, glaube ich, Canetti-Stipendiat ist und mit seinen “Engelszungen” schlagartig berühmt geworden ist. Jetzt scheint er einen Roman über den ersten Weltkrieg zu schreiben und las ein Stück wo ein Dienstmädchen namens Eva Nagl oder Nagel, der Alfred hat mir da einen Stoß gegeben, denn er heißt ja so und ich habe eigentlich einen Doppelnamen, in die Donau gehen will, weil sie von ihrer Herrschaft unehrenhaft entlassen wurde, sie landet aber im Schoß eines K.K Lieutnants, der ein ziemlicher Hallodri zu sein scheint, sie aber in ein Asyl statt in ein Bordell vermittelt, so daß sie bald euphorisch als “Rote Kreuz Schwester” in den Krieg ziehen kann. Spannend, spannend, ich freue mich schon auf das Buch und das weiterlesen. Es kam dann noch ein Stück aus einer Anthologie, die Dimitre Diniv für “Achtzigjahre Radio” oder so schrieb.

Sarlandziev&Mamudov&Ninic&Torbica

Sarlandziev&Mamudov&Ninic&Torbica

20140412-223619

“Lasst uns Radiohören”, da dreht einer in Bulgarien immer dann das Radio auf, wenn er vögeln will, damit die Vermieterin durch die dünnen Wände nicht das Stöhnen hört. Die langwierigen Parteireden inspirieren ihn, dann ist aber der reale Sozialismus aus und der Held kommt auch nach Wien…
Wir haben dann noch im “Museumswirtshaus” an der Museumsmeile, wo wir einen Studienkollegen vom Alfred trafen und hörten, daß das Wirtshaus geschlossen werden soll, Mittag gegessen und jetzt ist, wie Sylvia Treudl so schön und treffend sagte, die “Sechzehnte Literatur und Wein auch schon wieder Geschichte!”, die man bei mir nachlesen kann.
Sie lud zum Wiederkommen ein, ob ich das mache, weiß ich nicht, für eine Einladung zum Lesen dort bin ich, wahrscheinlich nicht prominent genug, um eintausendeinhundert zahlende Gäste”, wie die Veranstalter ebenso betonten, anzulocken, aber zum Trost hat mich Irene Wondratsch gestern an unsere Lesung am 6. Mai im “Republikanischen Club” erinnert und wissen wollen, was ich dort lesen werde?
“Die Frau aus dem Fenster” aus den “Dreizehn Kapitel” wird es zum Thema passend werden, ich lade alle zu kommen ein.
Lesezeit wird, hat mir die Irene gemailt, zwölf bis höchstens fünfzehn Minuten sein, so daß ich dann wahrscheinlich auch, wie Sasa Stanisic oder Christa Kern am Mittwoch mitten im Text sagen kann “und wie es weitergeht, lesen Sie am besten selber nach…”

2014-04-12

Bei 30 Grad im Schatten

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 00:44

Wann gerät ein Mensch aus den Fugen, welche Lebenssituationen können veranlassen, daß er zum Obdachlosen, Aussteiger etcetera wird?
Bei den Hilfsorganisationen hört man immer, daß das sehr leicht geschehen kann, eine Scheidung, Verlust des Arbeitsplatzes, eine Delogierung und schon ist man den Weg nach unten angetreten und von den Aussteigern, die als Touristen nach Kalamata gekommen sind und dann in weiterer Folge die Touristen ausnehmen, habe ich erst vor kurzem in der “Alten Schmiede” gehört.
Lorenz Langeneggers bei “Jung und Jung” erschienener Roman ist offensichtlich die Fortsetzung von “Hier im Regen” 2009, ebenfalls bei “Jung und Jung” herausgekommen und von mir 2012 beim “Augustin Flohmarkt” in der Reinprechtsdorferstraße samt Begleitbrief und Karte an Anna Jeller erworben und noch nicht gelesen.
Aber Jakob Walter, der Held, der des Nachts nicht schlafen kann, weil ihm seine Frau Edith nach zehn Jahren Streit und Ehe verlassen hat und offenbar doch nicht, wie erwartet vom wöchentlichen Besuch bei ihrer Mutter in Winterthur zurückkommt, hat schon nach dem Unfalltod seines Freundes Ralf, die Stadt verlassen, um nie mehr zurückzukommen, war dann nach zwei Tagen wieder da, hat geheiratet, fand eine Stelle am Steueramt und dorthin muß er nun auch zu einer Sitzung. Wenn er sich beim Duschen beeilt, kann er es noch rechtzeitig schaffen.
Er steigt stattdessen auf den Dachboden, nimmt seinen Rucksack, steckt ein paar Sachen und den Schlafsack hinein und wirft den Schlüßel in den Briefkasten. Denn die Wohnung gehört seiner Frau, die, das weiß er, erst zurückkommen wird, wenn er draußen ist und das Handy hat er abgedreht, bevor der Chef, die Sekretärin bei ihm anrufen läßt, um zu fragen, wo er bleibt?
Er fährt nach Zürich einen Freund zu besuchen, aber der ist nach der Geburt seines zweiten Kindes umgezogen. So geht er auf den Friedhof, um dort Jonas zu treffen und wenn ich mich nicht irre, ist das die Stelle, die Lorenz Langenegger 2009 beim Bachmannpreis vorgelesen hat, die mich sehr beeindruckte und mich auch für die “Sophie Hungers” an der ich gerade schrieb, inspirierte.
Der, ein Arbeitsloser, der diesen Zustand zur Profession gemacht hat, nämlich ein Büro in seiner Wohnung, wo er seine Bewerbungen schreibt, rät ihm nach Italien zu fahren und so treffen wir Jakob Walter im nächsten Kapitel auf einer Fähre an. Er denkt öfter an Edith, mit ihr ist er einmal nach Palermo gereist und ich habe, kann ich anmerken, auf einer Reise nach Sizilien sehr viel an der “Sophie” geschrieben. Jakob Walter tut das nicht, sondern verbringt die Nacht im Schlafsack am Deck, teilt sich das Gyros mit den Fernlastfahrern, beziehungsweise ißt er mit ihnen und landet in Griechenland in einem baufälligen Hotel, mit nur einer betriebsfähigen Toilette, das von einer Natalia geführt wird, die in der Schweiz studierte, bevor sie die Wirtschaftskrise zurückgerufen hat, das Hotel ihrer Eltern zu übernehmen.
Die Reise geht weiter, obwohl, der Chef ist noch immer nicht angerufen, zwischendurch die Idee kommt, am Wochenende zurückzufliegen, um am Montag wieder pünktlich zur Sitzung zu erscheinen. Der Chef wirds schon verzeihen. Dann will er aber auch nach Athen, die Akropolis bewundern und dort bekommt er von einem Engländer den Hinweis, unbedingt nach Kalamata zu müssen, dann steigt ein Hund noch zu ihm in den Bus und begleitet ihn bis an das Ende des Landes, wo nur noch ein einsamer Leuchtturm steht.
Da muß er nolens volens umdrehen, verdreckt, schmutzig, sonnenverbrannt ist er schon, wie wohl noch immer ein Schweizer mit Pensionsversicherung und Geld am Konto er geht an den Löchern vorbei, die Straße entlang, um stehenzubleiben, wenn ein Auto hält, daß ihn zurück in die Stadt und zum Flughafen bringen kann…
Das Buch, beziehungsweise der Klappentext endet mit einem Fragezeichen und ich bin auch schon sehr gespannt, ob ich in fünf Jahren ein weiteres Buch lesen werde, in dem sich Jakob Walter vielleicht kurz vor seiner Pension noch einmal in den Ausstieg begibt.
Spannend diese Art von Fortsetzungsgeschichten und Lorenz Langeneggers zarter feiner Ton und seine genaue Beobachtungsgabe, die sich in schönen Sätzen und dichten Bildern des Alltagslebens ausdrücken lassen weiß, haben mir schon bei seiner Bachmannpreislesung, bei der er leider nicht gut angekommen ist, sehr gefallen. John Updike hat ja, glaube ich, meit seinem “Rabitt” etwas Ähnliches gemacht.
Bei “Buch und Wein”, konnte ich ihn dann gleich mit den “Autören”, eine Gruppe, mit der er gemeinsam auftritt, hören. Seine Lesung in der Hauptbücherei vorige Woche habe ich versäumt.
Lorenz Langenegger steht noch am Klappentext wurde 1980 in der Schweiz geboren und lebt heute in Wien und Zürich.

2014-04-11

Der Mensch vom Mars

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 00:35

Ein guter Rat, wenn Sie mit der “New-York Times” spazierengehen und es hält neben Ihnen plötzlich ein großes Auto und fragt Sie nach dem Wochentag, dann sagen Sie niemals “Freitag”, wenn es “Mittwoch” ist, denn dann könnte Ihnen passieren, daß Sie plötzlich in den Wagen gezerrt werden und unglaubliches erleben.
Stoff für einen SF-Roman, Stanislaw Lem, hat ihn, wie er im Nachwort von “Der Mensch vom Mars”, 1989 in Krakau schrieb, 1946 noch in Lemberg aus Freude, daß der Krieg zu Ende ist, mit dreiundzwanzig Jahren, seinen Erstling geschrieben, der in einer “Kattowitzer-Romanzeitung” erschien. Vom Autor vergessen wurde, den dann Lem-Fans in den später Achtzigerjahren entdeckten.
Stanislaw Lem bezweifelt in seinem Nachwort den Sinn solches Tun, meint aber, daß in dem Erstling schon Spuren seines späteren Werkes zu entdecken wäre.
“Der Bayerische Rundfunk”, rät am Buchrücken mit der Lem-Lektüre überhaupt damit anzufangen. Ich habe ja gerade den “Futurologischen Kongreß” gelesen, wo ich mir mit der unglaublichen Ideenvielfalt und dem Halluzinationsreichtum ein wenig schwer tat, den Inhalt zu verstehen.
Hier ist einfacher, ruhiger bedächtiger und der Mensch vom Mars eigentlich eine Maschine, aber schön der Reihe nach.
Interessant, daß die Werke Lems, zumindestens die, die ich gelesen habe, nicht in Polen oder Lemberg spielen, der futorologische Kongreß in, wie “Wikipedia” schreibt, einer Bananenrepublik, “Der Mensch vom Mars”, no na, in New York und dort geht der gerade entlassene Reporter Mc Moor hungrig und mit seinen letzten fünf Cent spazieren und kauft er sich davon die “New-York-Times”, von dieser Zeitung wurde er gerade hinausgeworfen. Dann landet er in dem Buick und kommt in ein abgelegenes Gelände, wird in einen Saal geführt, wo sich einige Herren befindet und es stellt sich heraus, seine Entführung war ein Irrtum, denn der “Freitag” und die Zeitung waren die Codes.
Mc Moor ist in die Falle gegangen und soll sich nun der Herrenrunde anschließen oder es wird ihm sein Gehirn entfernt, er weigert sich und schlägt zu, als er in den OP abtransportiert wird.
Prüfung bestanden und nun wird er eingeweiht, die geheimnisvollen Herren sind Wissenschafter, Mc Moor hat in seiner Jugend, wie auch Stanislaw Lem Medizin studiert und die Herren erzählen ihm , vom “Marsianer”, jener Roboter der vor kurzem in einem Berg gelandet ist und nun von den Herren, ihr Anführer ist ein alter Professor untersucht werden soll und Mc Moor hat keine Wahl, er muß mitmachen und darf das Gelände nicht mehr verlassen, weil ja niemand die Wissenschaftler beim Untersuchen stören soll und wird so zum Erzähler der Geschichte.
Der Marsmensch ist ein Ungetüm, das im Keller untergebracht wird und die Herren stellen nun verschiedene Untersuchungen an. Das klingt ein bißchen wissenschaftlich trocken. Der Professor glaubt aber an das Gute des Eindringlings, will ihn willkommen heißen und mit ihm über Bilder kommunizieren. Das heißt Mc Moor soll das tun. Es gibt auch eine geheimnisvolle Flüßigkeit mit drogenähnlicher Wirkung und mit Stromstößen wird auch hantiert.
Am Ende erkennt der Professor die Täuschung, es gab Visionen so schrecklich, daß sie der Professor dem überlebenden Mc Moor gar nicht mitteilen kann, die beiden können das Monster gerade noch vernichten und reisen im Buck ab, der Chauffeur ist auch noch übergeblieben und Mc Moor kann der Menschheit erzählen…

2014-04-10

Der futorologische Kongreß

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 00:14

Ich habe es ja schon öfter geschrieben, das Tolle an den “Offenen Bücherschränken” ist, das ich durch sie an Bücher herankomme, die sonst an in mir vorbeigegangen wären, wie beispielsweise jetzt der 1921 in Lemberg geborene und 2006 in Krakau gestorbene, Stanislaw Lem, von dem ich zwei Bücher gefunden habe, die ich jetzt hintereinander lesen werde.
Von den großen Science-Ficton Autor, er hat aber, glaube ich, auch genreübergreifend geschrieben, habe ich 1992 das erste Mal gehört, da hat sich Radek Knapp auf ihn bezogen und er galt für mich seither, als der Doyen des fantastischen Schreibens und das ist im “Futurologischen Kongreß”, 1970 geschrieben, die deutsche Fassung ist ein bißchen später erschienen, gleich zu merken, obwohl wir inzwischen bezüglich der Fantastik und Science schon ein bißchen weiter sind. Der Roman ist jedenfalls sehr rasant und reißt die Leserin in abenteuerliche Geschwindigkeit in die Welt in “Constricana”, wo der achte futorologische Weltkongreß im Hilton Hotel stattfinden soll.
Der Ich-Erzähler ist ein gewisser Ijon Tichy, ein Astronaut, offenbar schon bekannt aus anderen Lem-Romanen und man wird gleich in den Taumel einer ungeheuren Ideenvielfalt hineingerissen.
In dem Kongreß scheint es um die Frage der Überbevölkerung zu gehen, in dem Hotelzimmer gibt es Zwieback, ein Kletterseil und eine Tarnpelerine und die Versicherung der Direktion, daß es garantiert bombenfrei sei.
Auf den Straßen draußen scheint es Gewaltexzesse zu geben, im Hotel hört man von der Entführung von amerikanischen Botschaftsangehörigen.
Es gibt auch noch andere Kongreße, zum Beispiel den der Verleger der befreiten Literatur, die sich sehr freizügig geben oder den der Streichholzschachtelsammler und als Tichy in seinem Zimmer Wasser trinkt, gerät er in einen halluzinatorischen Zustand, denn das Wasser war vergiftet, beziehungsweise war ihm ein “Begütigungsmittel” beisgesetzt, damit es zu keinem Aufstand der unzufriedenen Bevölkerung kommt. Er muß zuerst mit sich selber kämpfen, dann mit anderen Kongreßteilnehmern, da gibt es zum Beispiel einen Professor Trottelreiner mit Brille und Regenschirm, in die Kanalisationsanlage flüchten, wo es zu weiteren hallizunationsartigen Erlebnissen kommt, Tichy schließlich tiefgefroren wird und im Jahr 2039 in einer schönen neuen Wunderwelt erwacht, wo alles durch Pillen, die Absolventin, Theodizina, Freudian, Mementin etc, heißen, geregelt wird, man nicht mehr stirbt, es keine Bücher mehr gibt, sondern man die Weisheit mittels Lutschtabletten einnimmt, jeder den Nobelpreis für sich beantragen bzw die größten Kunstwerke billig kaufen kann.
Man spricht auch eine andere Sprache. “Wohn” heißt zum Beispiel Wohnung, “Dings” das Fernsehen und die Zeitungen zersetzen sich nach einem Tag selber, damit man befreit vom unnützen Wissen wird. Es gibt auch keinen Knast, sondern so was wie eine Fußfessel, die aber um den ganzen Menschen herumgelegt wird, um ihm vom Bösen abzuhalten.
Mißbrauch gibt es natürlich auch, so können sich die Frauen ihrer Männer entledigen, in dem sie ihnen durch Medikamente vorgaukeln, sie befinden sich auf Safari oder Weltreise, in Wirklichkeit liegen sie irgendwo am Dachboden und verhungern. Denn in Wirklichkeit hat das Problem der Überbevölkerung bis 2039 ja noch mehr zugenommen und während die Menschen glauben, sie trinken die teuersten Weine, befinden sie sich in größter Armut und werden durch einen künstlichen Einheitsbrei ernährt.
Tichy, der am Anfang eine wunderschöne Krankenschwester hat, die ihn in die neue Welt einführt, trifft bald Professor Trottelreiner wieder, der sich ihm als “Sachsichtiger”, er wird nicht durch Maskone narkotisiert, outet, sondern nimmt an einem weiteren geheimen Weltkongreß teil, für den er drei Modelle erarbeit, um zu einer Lösung der Probleme zu kommen.
Einen Gegenspieler gibt es auch, Dr. Symington, der Tichy erwischt und bedroht und am Ende erwacht der wiede in dem Abwasserkanal unter dem Hotel, wo er sich mit der Direktion und anderen Kongreßteilnehmern geflüchtet hat.
Trottelreiner ist auch da, der zweite Tag des futorologischen Kongreßes beginnt und Tichy beginnt so laut zu lachen, daß den Wissenschaftler ihre Skripten entfallen und “im schwarzen Wasser in eine unerforschte Zukunft entschwimmen.”
Spannend, spannend, das 2014 zu lesen, wo sich manche von den Phrophezeiiungen schon erfüllt haben, die Menschen aber immer noch mehr oder weniger lustig, depressiv, überwacht, angetörnt, etc vor sich hin und weiterleben.
Siegfried Lenz hat den Text für den Buchumschlag geschrieben und ich freue mich auf das zweite Buch “Der Mensch vom Mars”, das in der Beschreibung, als Einstiegslektüre für Lem-Neulinge empfohlen wird, da bin ich ja schon ein kleines Stückchen darüber hinaus.

2014-04-09

Die Entladungen der Sterne

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 22:20

Die “Entladungen” sind eine Literaturzeitschrift, der “AGA-Arbeitsgemeinschaft Autorinnen”, die sich seit 1980 in der Volkshochschule Ottakring wöchentlich treffen, um einander Texte vorzulesen, darüber zu diskutieren, daran zu arbeiten und, um eben die “Entladungen” herauszugeben und einmal im Jahr daraus vorzulesen.
Entstanden ist diese Idee vermutlich im “Arbeitskreis schreibender Frauen” in dem ich ja literarisch sozilisiert wurde, jedenfalls hat Elfriede Haslehner, eine der Arbeitskreisfrauen und Gründerin des “Wiener Frauenverlages”, die Arbeitsgemeinschaft gegründet und eine Zeilang geleitet, später wurde er von Barbara Neuwirth übernommen, die ihn noch heute macht, moderiert und mich auch zu der Präsentation des Heftes “Sterne” am Donnerstag im Dachgeschoß der “Urania” eingeladen hat.
Sie war nicht die Einzige und die Erste, die das tat, ist doch Christa Kern seit einigen Jahren eifriges Mitglied, hat in einigen der “Entladungen” Texte und mich auch schon mehrmals dazu eingeladen, aber da war immer Eintritt für das Buffet zu bezahlen und da ich ja sehr sparsam bin, war das meine erste Teilnahme bei der Zeitschriften-Präsentation und noch etwas war spannend, nämlich die Auswahl der Lesenden, die mir Barbara Neuwirth, nicht Christa Kern, mitschickte, war da ja bei den dreizehn Frauen auch Ju Sophie Kerschbaumer dabei und das ist eine meiner zwei Kritikerinnen, die das “Literaturgeflüster” prägen.
2011 ist sie auf mich, wahrscheinlich durch meine Kommentare auf Thomas Wollingers Blog aufmerksam geworden und hat mir eine gute Woche lang sehr eifrig und interessant kommentiert. Dann haben wir uns auf der “Studentenlesung I” getroffen. Da war ich wohl ein bißchen verkrampft, ich bin wahrscheinlich immer noch ein bißchen unsicher und schüchtern und sie hat mir auf meinen diesbezüglichen Artikel zuerst sehr begeistert kommentiert, dann ist es aber gekippt und ich habe mich ein bißchen von ihr angegriffen gefühlt.
Schade eigentlich, denn ich will ja mit keinem böse sein, bin so wie ich bin und schreibe auch so gut wie es kann.
Nachtragend bin ich auch, aber auch sehr neugierig und so bin ich eigentlich sehr gerne zu der Lesung ins Dachgeschoß der Sternwarte, zum Thema passend, gegangen und wäre fast zu spät gekommen. Nicht weil ich zu eifrig korrigerte, da scheine ich im Moment wieder in eine Hemmphase zu kommen, sondern weil ich mir noch unbedingt ein paar Videos zum Thema “Alzheimer” anschauen wollte und dabei telefonisch ein paar Mal unterbrochen wurde.
Dann aber gleich das Dachgeschoß gefunden, wurde von Christa Kern und Barbara Neuwirth freundlich begrüßt, habe Gabriele Petricek gesehen, die auch eine sehr treue Veranstaltungsbesucherin ist und mit mir wahrscheinlich den Record aufnehmen würde, wer am meisten zu literarischen Veranstaltungen geht.
Barbara Neuwirth hat begrüßt, auf die Rolle der AGA und auf die Bedeutung von Elfriede Haslehner, was ich sehr gut finde, hingewiesen und Doris Fleischmann als erstes lesen lassen, weil die am Donnerstag Geburtstag hatte und 1971 geboren wurde.
Ihr Sternentext, es war nur ein Ausschnitt, war auch sehr interessant, handelte er doch von einer Tochter, deren Vater ihr mit drei Jahren den Sternenhimmel, den großen und den kleinen Wagen, etc zeigte und dann aus ihrem Leben verschwand, so daß sie später nach ihm suchte und dabei auf einige Geheimnisse stieß, die in dem Textausschnitt gar nicht so gut herausgekommen sind. Ein Grund die “Entladungen” zu kaufen, ich weiß, sie waren aber schon ausverkauft, noch ehe die Lesung begonnen hat und dann begannen die Autorinnen, von Barbara Neuwirth jeweils kurz vorgestellt, im Dreiertakt, jeweils fünf Minuten zu lesen.
Monika Vasik, die 2003 den Lise Meitner Preis gewonnen hat, Christine Kortner und Ju Sophie Kerschbaumer waren die nächsten, die zum Teil Gedichte lasen, zum anderen Teil das Märchen von den “Sterntalern” neu und weitererzählten.
Dann kamen drei weißhaarige ältere Damen, mit ihren Kriegs-und Nachkriegserinnerungen. Maria Kohlbeck 1923 geboren, erzählte in zwei Fassungen von “Sternenliedern”, wie sie als junge Frau zum Arbeitsdienst nach Polen geschickt wurde und dort statt “Stille Nacht Heilige Nacht” ein anderes Weihnachtslied singen mußte und am nächsten Tag “Heimat deine Sterne” im Radio hören konnte.
Die Ärtzin, Inga Wißgott, die sich nach ihrer Pensionierung bei den “Ärzten ohne Grenzen” engagierte und ein paar Bücher darüber geschrieben hat, wo sie eines, glaube ich, einmal bei “Rund um die Burg” vorstellte, schrieb von ihren Kindheitserinnerungen in Dänemark, wo sie zum Aufpäppeln hingeschickt wurde und dort erfuhr, wie der König Widerstand gegen die Nazis leistete.
Ilse Krüger-Skelincka, die vom einem Nachkriegsmädchen, das gerne ein großer Star werden will und sich in die Studios ins Sievering als Statistin bewirbt, erzählte, kannte ich ebenfalls schon. Erstens hat sie ein Buch bei “Milena” oder beim “Wiener Frauenverlag” oder hat sie mit mir in der “Female Science Facton” publiziert.
Dann kamen wieder jüngere Frauen und zwar ein ziemlicher Künstlerblock mit Radegund Hain, Josefa Mayer-Proidl und Christa Kern, wo mir vor allem Radegung Hains Text über zwei Frauen, die sich im Abstand von zehn Jahren immer bei einer Sternwarte treffen und dabei ihre Hoffungen und Erwartungen erleben oder auch daran scheitern, am besten gefallen und am Schluß erzählte noch Eva Holzmayr von einem Fest von der Frau von Sternthal, bei der es ähnlich wie bei der “Ariade von Naxos”, der Opter von Richard Strauss zugegangen sein dürfte. Ein Pianist und ein Sänger wurden mit großen Honoraren dazu eingeladen und erlebten dabei einige Überaschungen, nachher gab es auch ein Fest, beziehungsweise Getränke und Knabbereien, der Sternenhimmel, den die Einladung auch noch versprochen hat, war nicht so gut zu sehen. Literatur ist eben doch stärker als die Wirklichkeit und ich habe wieder viel gelernt, einige Bekannte gesehen, mich sehr gut unterhalten und mich auch mit Ju Sophie ein bißchen ausgesprochen.

2014-04-08

Sprachkunst in der Zwischenwelt

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 22:08

Jugend goes “Zwischenwelt”, die Zeitschrift für Kultur und Literatur des Exils und Widerstands der “Theodor Kramer Gesellschaft” herausgegeben von Konstantin Kaiser, könnte man so sagen oder nicht, denn normalerweise sind die Autoren der Texte die dort enthalten sind, schon sehr betagt oder bereits gestorben, bei der letzten Lesung in der “Alten Schmiede” war das aber anders, da trat mit Maya Rinderer eine sehr sehr junge Autorin auf und dann bekam ich ein Mail von Konstantin Kaiser beziehungsweise hörte ich im “Leporello” im Radio, als wir vorigen Montag früh von Harland nach Wien fuhren von der Veranstaltung “Die Welt schreibend erkunden” wo Vladimir Vertlib, Redaktionsmitglied der Zeitschrift und Lektor der Hochschule für Sprachkunst, drei junge Autorinnen am 8. April im Republikanischen Club vorstellt, die seine Studententinnen waren und deren Texte in der “Zwischenwelt” erscheinen werden oder schon erschienen sind.
Ich interessiere mich ja für beides, sowohl für die Veranstaltungen der “Kramer-Gesellschaft”, als auch für den Hochschullehrgang für Sprachkunst und habe umdisponiert, obwohl es in der “Alten Schmiede”, glaube ich, eine Veranstaltungsreihe mit Sabine Scholl, die ja auch Professorin an dieser Hochschule ist, gab, die dort auch irgendein Schreibprojekt vorstellte.
Im Republikanischen Club jedenfalls Anja Braunwieser, Ina Ricarda Kolck-Thudt und Sophie Zehetmayer. Konstantin Kaiser legte gerade die “Zwischenwelten” auf den Büchertisch auf, als ich den Veranstaltungssaal erreichte und Vladimir Vertieb hat sich auf die Veranstaltung sehr gut vorbereitet. Erzählt anfangs wie er zu den Texten und den Autorinnen gekommen ist, dann stellte er sie vor und die Lesung begann mit der Jüngsten, nämlich mit der 1993 in Salzburg geborenen Sophie Zehetmayer, die seit 2011 mit dem Studium für Sprachkunst begonnen hat und ein Jahr später auch noch Musikwissenschaftensstudium begann.
“Losung” hieß ihr Text, wo eine Mutter ihr Kind jede Woche zum Trafikanten, um ein Los schickt und in ihrem Handy noch drei andere Telefonnummern, die vom Blumenladen, von der Apotheke und die ihres Bruders eingespeichert hat.
Ein sehr eindrucksvoller Text, wo das Kind nickt, verstummt, am Ende auch noch seinen Kopf verliert und sich die Mutter mit Kopfwehtabletten zuzudröhnen scheint. Dann folgten fünf Gedichte aus einem noch nicht ganz vollendeten Zyklus und als zweite Autorin, die älteste des Abends, die 1982 ebenfalls in Salzburg geborene Anja Braunwieser.
Ihr Text hieß “Transit in Dohar” erschien oder erscheint in der “Zwischenwelt 1/2014 und handelt von den Reisen der jungen Autorin nach Nepal, Bangkok etc, wo sie das ganze Elend der Welt sieht und dazu Stellung nehmen soll oder nicht oder auch nur am Ende hilflos überbleibt und ihre Photos einsortiert. Anja Braunwieser hat, glaube ich, auch noch Fotografie studiert.
Die dritte Autorin Ina Ricarda Kolck-Thudt kenne ich vielleicht schon, hat sie ja zwei Gedichte in der letzten “Jenny”, aber vielleicht habe ich die jungen Frauen auch schon bei den “Studentenlesungen” gehört. Sie ist die Tochter von Siebenbürger Sachsen, 1992 in Feldbach geboren und in Amstetten aufgewachsen und erinnerte sich in ihrem Essay am Beispiel der “Animal Farm” an das Rumänien ihrer Eltern, das noch nicht das ihre ist.
Dann kamen ebenfalls ein paar Gedichte, die Renate Welsh sehr lobte und es folgte eine rege Diksussion. Vladimir Vertib hatte sich Fragen vorbereitet, das Publikum war auch sehr eifrig, Konstantin Kaiser fragte nach dem Zorn, mit dem die jungen Frauen nicht so viel anfangen konnte, aber politisch und beeindruckend waren die Texte allemal und toll, wenn sich die “Zwischenwelt” jetzt auch den jungen Frauen öffnet.
Nachher gabs Wein, was zu Knabbern und Gesprächen, ich unterhielt mich mit Konstantin Kaiser über mein Schreiben, beziehungsweise zeigte ich ihm die “Dreizehn Kapitel” von denen ich eines ja in einem knappen Monat am selben Ort vorlesen werde, erzählte ihm, das Sasa Stanisic ab heute zu meinen “Blog-Followern” zählt und von meinen Erfahrungen mit der Lektüre von Ulrich Becher. Da habe ich ja den in der “Zwischenwelt” erschienen Briefwechsel rezensiert.
Eine Verwechslung ist mir auch noch passiert und in dem kleinen fast leeren Bücherschrank gegenüber der Buchhandlung Kuppitsch habe ich vier “Freiborde” gefunden. Wer hat die wohl hineingelegt? Das letzte Mal gab es dort ein kleines Bändchen mit Christine Hubers Gedichten. Ob die wohl aus der Buchhandlung stammen?

2014-04-07

NS-Karrieren

Einsortiert unter: Uncategorized — jancak @ 21:24

Ludwig Laher, den ich von der GAV beziehungsweise den Sitzungen der IG-Autoren kenne, bei verschiedenen seiner Lesungen war und auch “Einleben” und “Verfahren” gelesen habe und den ich in die Jury des “Ohrenschmauses” brachte, hat einen neuen Roman geschrieben.
“Bitter”, in diversen Blogs, die ich verfolge, bin ich schon darauf aufmerksam geworden, heute wurde das bei “Wallstein” erschienene Buch in der “Alten Schmiede” vorgestellt und ich war eigentlich ganz sicher, daß ich nicht hingehen kann, da um sechs Uhr eine Stunde, dann war die früher zu Ende und ich bin noch während Kurt Neumanns Einleitung, der gerade den Moderator und Gesprächsleiter Günter Kaindlsdorfer vorstellte, zurecht gekommen und erfuhr, was ich nicht wußte, daß es sich bei dem Buch, um eine Biografie in Romanform des Nazis und hochrangigen Gestapofunktionnär Friedrich Kranebitter handelte, der nach dem Krieg ein Jahr verurteilt wurde, sich sein Leben aber zurechtlog, so daß auf seiner Parte, als er 1957 an Krebs starb, stand “sein Leben war nur aufopfernde Liebe und Pflichterfüllung”, das habe ich aus Wikipedia und das Buch heißt auch, wie der Held, der darin beschrieben wird “Bitter” und Ludwig Laher beantwortete als erstes Günter Kaindlsdorfer Frage, warum er sich dafür entschieden hat, die ersten Silben wegzulassen, obwohl man den richtigen Namen, wie ich es tat, ohnehin sehr leicht und schnell ergooglen kann und später wurde noch gefragt, warum er sich für die Romanform entschied und nicht eine Biografie über den Nazi geschrieben hat.
Ludwig Laher hat sich ja schon einmal mit den Nazis in OÖ beziehungsweise, einem Lager in St. Pantaleon, wo Ludwig Laher auch lebt, beschäftigt, da war ich, glaube ich, bei einer Lesung, beziehungsweise habe ich den Autor im Radio darüber sprechen gehört und auf Grund dieses Buch, hat ihm ein Historiker, die Unterlagen über Friedrich Kranebitter übergeben, die er eine Weile liegen ließ, weil er zuerst die Trilogie beschrieben hat, wovon ich die beiden letzten Bände gelesen habe.
Ludwig Laher las sich dann durch das Buch und kommentierte zwischendurch den Lebenslauf des 1903 als Sohn eines Gendarmen in OÖ Geborenen und in Schärding Aufgewachsenen, der sehr sportlich war und ein Tausendsassa, wie seine Schwester Annemarie meinte.
Er war dann im Stiftsgymnasium Wilhering und wurde dort wegen nationalistischer Umtriebe entlassen, hat 1924 in Ried im Innkreis Matura gemacht und war dort auch bei der Burschenschaft Germania, als die 2000 ein Jubiläum feierte, gab es eine Broschüre mit Kranebitters Bild und einem Vorwort vom Landeshauptmann. Friedrich Kranebitter ist dann nach Wien gegangen, wurde Polizist, hat Jus studiert, geheiratet, seine Frau betrogen und als die Nazis kamen, war er am Stephansplatz im Einsatz und hat sehr bald die Nazischleife über seinen Arm gezogen, weil er schon lange illegales Mitglied war. Sein Schwager war auch Polizist und hat die illegalen Nazis verfolgt, so daß er verhaftet und ermodert wurde, während noch seine Schwester und seine Mutter bei ihm für ihn intervenierten.
Er war lange am Morzinplatz tätig und kam dann nach Charkov, wo er für Massentötungen verantwortlich war, darüber hat Ludwig Laher, wie er erzählte, nicht sehr viel geschrieben, weil man das nachlesen, beziehungsweise sich in you Tube die Prozeßberichte ansehen kann, er wollte die kleinen alltäglichen Verbrechen und Folterungen beschreiben und auch den Wahnsinn, daß er den Wagen des jüdischen Rechtsanwaltes Michael Stern beschlagnahmen ließ und fuhr, der ihm dann nach dem Krieg verteidigte und die Freunde aus der Burschenschaft haben ihm auch weitergeholfen. Im Staatsdienst durfte er nicht mehr tätig sein, so hat er bei einer Brandtschutzversicherung gearbeitet und Ludwig Laher dürfte, bei seinen noch lebenden Verwandten, wie bei seiner Nichte Annemarie die inzwischen auch schon gestorben ist, recherchiert haben, die in der Bewähriungshilfe arbeitete und Ludwig Laher, als Grund dafür angab, das es bei jeden Verbrecher etwas Gutes gibt, das fällt bei den Nazi eher schwer zu begreifen.
Ludwig Laher hat mit Günter Kaindlsdorfer aber darüber diskutiert, daß es wohl der Ehrgeiz war, der den Tausendsassa angetrieben hat und daß er, wäre er fünzig Jahre später geboren, vielleicht erfolgreicher Banker geworden wäre. Das will ich mir auch nicht so ganz vorstellen, habe mich aber schon öfter über nette freundliche Damen gewundert, wenn die plötzlich über Ausländer und Türken schimpften und eine Dame hat sich aus dem Publikum, das gar nicht so besonders reichhaltig war, gemeldet und gesagt, daß sie 1938 in Schärding geboren sei und das Klima beschrieben, das sie dort erlebt hätte.
Ein sehr interessantes Buch, das mir fast entgangen wäre und noch etwas habe ich versäumt, nämlich Klaudia Zotzmanns Präsentation ihres Hildeheimers Schokoladekrimis “Mord und Schokolade” im Cafe Alt Wien, das heißt, da bin ich ich vorbei, beziehungsweise am Rückweg hineingegangen und habe, glaube ich, Anni Bürkl gesehen.
Und Ludwig Laher, der einmal beim Bachmannpreis gelesen hat, wird heuer, wie ich gerade seiner Homepage entnahm, Tutor beim Klagenfurter Literaturkurs sein, was ich besonders spannend finde, da eine realistische dokumentarische Autorenstimme dabeizuhaben und ein Kritiker der Zentralmatura und engagiert bezüglich der Rechtschreibreform ist er auch.

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