Literaturgefluester

2014-10-25

Es ist kompliziert

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:55

“Das Leben der Teenager in sozialen Netzwerken”, wie der Titel der bei “Redline” erschienenen Buchs von Danah Boyd, die als Forscherin für “Microsoft Research” arbeitet und amerikanische Jugendliche zu ihrem Internetverhalten befragte, lautet.
“Ein interessantes Buch!”, habe ich gedacht, denn als über Sechzigjährige “Digital Naive”, die um sich herum ständig über den Gefahren der Internetüberwachung hört und mit den Warnungen umgehen muß, ob und wie weit man mit seine Daten in das Netz gehen soll?, ist es sicherlich interessant, statistisches Wissen zu erhalten und wurde insofern enttäuscht, weil es in dem Buch um den amerikanischen Way of live von Jugendlichen geht und das ist sehr interessant, weil der offenbar sehr anders als, der unsere ist und ich einiges erfahren habe, was ich noch nicht wußte.
Das Buch ist mit einem ausführlichen Anhang in acht Kapitel gegliedert, wie “Warum wirken Jugendliche online so merkwürdig”, “Warum teilen Jugendliche alles der Öffentlichkeit mit”, “Internetsucht”, “Gefahrenquellen”, “Cybermobbing” “Ungleichheit” und “Internetkompetenz” und Danah Boyd, eine junge hübsche Frau, wie man auf ihrem Foto am Klappentext sieht, springt auch gleich hinein in das Medias Res oder in das amerikanische Leben und erklärt scheinbar nebenbei, wenn sie die Ansichten ihrer Interviewpartner zitiert, einiges von den Unterschieden des amerikanischen Lebens, bei dem für mich sehr überraschend war, daß es ein Klima der Angst sein dürfte.
Eltern, Staat und Gesetze wollen die Jugendlichen vor möglichen Gefahren, wie Entführung und Vergewaltigung beschützen und so haben sie sie vom Öffentlichen Leben weitegehend verdrängt, etwas, das ich so nicht wußte, weil es bei uns (noch) weitgehend anders ist.
Es gibt Ausgangsbeschränkungen und Sperrzonen, Jugendlichen dürfen sich auch nicht in Einkaufszentren aufhalten, weil das private Zonen sind und nicht in Parks, weil so gefährlich und weil die Schulen von den Wohnorten sehr weit auseinanderliegen, kennen sie auch keinen in ihren Vierteln. Mit dem Rad kann man nicht fahren und nicht zu Fuß zur Schule gehen, weil man zwei Stunden dazu braucht und so brauste Danah Boydt an einem Samstagnachmittag in einem weißen bürgerlichen Vorort auf der Suche nach zu befragenden Jugendlichen durch die Gegend und fand kaum Menschen auf der Straße und erst nach zwei Stunden einen Mann, der mit seinen Kindern im Garten spielten und einen anderen, der seinen Hund äußerlte.
Das führt zwangläufig dazu, meint Diana Boyd, das Jugendliche gezwungen sind, in ihren Zimmer über “Facebook”, “My Space” oder “Twitter” mit ihren Freunden zu kommunizieren.
Sie tun das nicht, weil sie, wie ihre Eltern glauben, internetsüchtig sind, sondern würden ihre Freunde lieber direkt treffen und das Internet kommunizieren ist, wie die ersten Kapitel beschreiben auch nicht so einfach, wenn man in die Öffentlichkeit geht, um seine Freunde zu treffen.
Denn die Eltern, die vor den Internetgefahren gewarnt wurden und ihre Kinder schützen wollen, tun das auch und lesen dann in den Accounts ihrer Kinder mit und kommentieren und die wollen das natürlich nicht und benützen so Codeworte und interne Phrasen, die nur sie und ihre Freunde verstehen.
Dann kommt das Beispiel von einem schwarzen Jugendlichen, der auf ein Elitecollege wollte und in seiner Bewerbung schrieb, er hätte seine sozialen Schranken überwunden, die Schule forschte nach und fand heraus, er benützt genau die Codes seiner Gang. Aber das muß er auch, weil ihn die sonst nicht akzeptieren.
Es ist also nicht ganz so einfach. Dann kommt das berühmte Beispiel, das ich schon vor Jahren hörte, einer stellt ein Foto in das Netz das seinen Freund oder seine Freundin mit einer Flasche Bier in der Hand zeigt, aber Alkohol ist in Amerika den Jugendlichen verboten. Sie machen sich also strafbar, bekommen keine Stelle, keinen Collageplatz, etc, und wissen vielleicht gar nicht warum, denn sie haben es ja nicht selbst gepostet.
Das führt dann zu dem sogenannten Cybermobbing, wovon ich schon in meiner Praxis hörte, bzw. vor kurzem ein Hörbild im Radio, das vom Selbstmord eines Schülers berichtete, nachdem seine Freunde ihn mit einer Schwulenseite in Verbindung brachten.
Danah Boyd spricht von “Drama”, wie das die Jugendlichen nennen, die dann ein Bild von ihrem Freund mit erigierten Penis, der die Schulbücher auf den Boden fegt ins Netz stellen und erklärt, wie Freunde zu Feinden werden.
Die Jugendlichen mobben sich auch manchmal selbst, um Aufmerksamkeit zu erregen, bzw. sagen nichts dagegen, weil sie glauben, sie müßten das aushalten und Danah Boyd berichtet auch vom Hilferuf eines Mädchen, der nicht gehört wurde, so daß sie sich umbrachte und pläydiert dafür, statt vor lauter Angst vor den Gefahren des Netzes, angeblich würde man da sehr leicht Opfer von Sexualstraftätern werden, seinen Kindern zu verbieten, hineinzugehen, solche Botschaften ernster zu nehmen und mehr miteinander zu reden. Die Klassenkameraden des erwähnten Mädchen sind beispielsweise zu den Lehrer gegangen, weil die sozialen Netzwerke in der Schule aber verboten waren, haben sie nicht geholfen.
Interessant ist auch das Kapitel “Rassentrennung”, die ja in Amerika sehr verbreitet ist. Zwar sagen alle sie hätten keine Vorurteile und sind nicht rassistisch, dann spielen in einer Schule aber nur die schwarzen Kinder Baseball, die weißen und die Latinos etwas anderes und Danah Boyd interwiewte einen weißen Jugendlichen der erklärte, er würde ja gern Baseball spielen, aber das ist ein “schwarzer Sport” und genauso ist das mit den sozialen Netzwerken. Bei “My Space” sind die schwarzen Jugendlichen, bei “Facebook” die weißen, etc.
Danah Boyd widmet sich dann der Fragestellung, wie kompetent die Jugendliche, die “Digital Natives” wirklich mit der Technik sind und kommt zu dem Schluß, auch das ist ein Voruteil und zitiert etwas, was, glaube ich, auch nicht eins zu eins übertragbar ist, nämlich, daß in Amerika “Wikipedia” als unzuverläßiger als “Google” gilt und die Lehrer den Schülern verbieten, solche Quellen zu benützen, die es dann trotzdem tun, aber falsch zitieren, weil die Lehrer das ohnehin nicht nachprüfen, bzw. keine Ahnung haben, wieso man eigentlich zitieren soll?
Ein interessantes Buch, wenn es mir auch andere Informationen brachte, als erwartet, hat mich die Beschränkung der Jugendlichen auf ihre Zimmer und ihr aufgezwungenes “merkwürdiges Verhalten” nachdenklich gemacht und natürlich beschäftigt auch mich die Frage, wie man mit den sozialen Netzen umgehen und, wie man sich in ihren verhalten soll?
Ich bin ja eine “Digital Naive”, die nicht “twittert”, keinen “Facebook-Account” hat, aber sehr viel, wenn vielleicht aus anderen Gründen, als die amerikanischen Jugendlichen per Blog in die Öffentlichkeit geht und da sehr offen ist.
Ich habe, wenn auch in sehr beschränkten Maß, auch schon Erfahrung mit dem “Cybermobbing” gemacht, beziehungseweise ein paar Mal gehört, das wäre jetzt das “allerschlechteste”, was ich da geschrieben habe, oder einer meiner Veranstaltungsberichte berichte wäre “trottelig”, weil das Netz offenbar dazu auffordert.
Ich habe mit meiner “Psychologenidentität” reagiert und jeden Kommentar, der nicht in der Spamkiste war, höflich beantwortet und die Trolle sind verschwunden oder haben sich entschuldigt, was mich auch darin verstärkte, daß man über alles reden kann oder soll!
Wie das nun mit dem Internetverhalten der österreichischen Jugendlichen ist, weiß ich immer noch nicht so genau, in Ö1 gab es aber vor kurzem einen Bericht, über die, die alles an sich vermessen und ihre Laufkurven, etc, ins Netz stellen, das tue ich nicht, aber über mein literarisches Leben, können die, die es interessiert, viel finden und das halte ich eigentlich für eine gute Möglichkeit, sich zu präsentieren, die ich auch intensiv nütze.

2014-10-24

Vortrag in Krems

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:07

Am Wochenende wieder nach Harland, jetzt waren wir ohnehin schon lange nicht da, denn vor zwei Wochen war das Frühstück der Kreativen, vor einer die GAV-GV und da, bwz. nach dem kulturpolitischen Arbeitskreis, bin ich mit dem Robert Eglhofer, der Margit Koller und der Ruth Aspöck im Cafe Engländer gesessen und da sagte mir letztere, daß der Robert nächste Woche in den Iran fliege und sie am Freitag gerne zu einem Vortrag in die “Kultur-Mitte” wolle, den eine Freundin von ihr veranstalte.
Dort waren wir schon zweimal, das erste Mal, als die Ruth und der Robert über das “Reisen” gelesen habe, heuer hat die Ruth dort ihr neues Buch vorgestellt und die Kollegin, die mit ihr Theaterwissenschaft studierte, ist eine Wagner Vereherin und hat herausbekommen, daß in Krems am Dominikanerplatz Nummer 5, wo heute ein Tierarzt ordiniert, Franz Liszt Mutter Anna geboren wurde und die war die Großmutter von der Cosima Wagner und so hat Ulrike Messer-Krol darüber referiert und ihr Ehemann die entsprechenden Videos dazu gezeigt und ich interesse mich inzwischen ja fast auschließlich für Literatur, in meiner Studentenzeit habe ich das auch schon getan, bin aber jede Woche einmal in die Oper gegangen und die Wagner Opern haben mir sehr gefallen.
Also habe ich der Ruth angeboten, daß wir auch hinfahren, bzw. sie mit uns fahren könne und am Donnerstag hat mich der Robert angerufen, er fliegt doch nicht, weil sein Freund, mit dem er gereist wäre, Herzprobleme bekommen hätte und er würde mitfahren. Das ist nun etwas, was ich nicht so ganz verstehe, denn ich wäre alleine geflogen, habe das aber vor einigen Wochen, ich glaube, bei der Busta-Veranstaltung im Literaturhaus schon von der Ingeborg Reisner so gehört, die mit einer Freundin die Schiffreise machen wollte, die der Alfred zweimal buchte und die dann nicht stattgefunden hat.
Also einen Auslflug nach Krems, in die kleine Galerie, wo es auf den Tischen Brötchen gibt, den Wein muß man sich holen und es war erstaunlich voll.
Offenbar sind viel mehr Menschen an Anna Liszt und Cosima Wagner als an der Literatur interessiert und Ulrike Krol-Wagner eine ehemalige ORF Journalistin hat das auch ausgezeichnet gemacht und den Lebensweg der Bäckerstochter, genau erzählt.
Das Haus wurde auch gezeigt und die Musik von dem großen Liszt, der von seinem Vater sehr gefördert wurde, mit Fünzehn dann nach Paris kam, wohin ihn seine Mutter folgte, gespielt.
Es gab ein Verhältnis mit einer Gräfin, dem drei Kinder entsprangen, die von der Großmutter aufgezogen wurden, der Vater hat gezahlt und im Jahr seine tausend Konzerte gegeben.
Eines davon war Cosima, die spätere Frau von Richard Wagner und Erwin Messer zeigte auch viele Fotos von Beireuth, wo er mit seiner Gattin offenbar seine Sommer verbringt.
Nachher haben wir uns noch das Haus im Original angesehen. Dann sind wir nach Harland gefahren, wo uns ein arbeitsreiches Wochenende erwartet.
Im großen Garten sind Nüße aufzuklauben und Tullienabfälle wegzuräumen. Ich habe am “Schutzengelchen” zu korrigieren, in das ich wieder hineingekommen bin. Die Marija wird jetzt doch zu einer Marijana werden und ich bin nicht ganz sicher, ob ich bis nächste Woche mit dem Korrigieren fertig sein werde, aber am nächsten Samstag ist der erste November und da beginnt wieder der “Nanowrimo” und da werde ich meine Sterbehilfegeschichte “Im Namen des Vaters” bei der ich bei den letzten beiden Schreibgruppenabenden und im Writersstudio schon ein paar Szenen konzipiert habe, weiterschreiben. Mit dem Lesen gibt es auch sehr viel zu tun und nächste Woche wieder ein dichtes Literaturprogramm.
Dann kommt mein Geburtstagsfest, wo ich die Szene 15 aus dem “Schutzengelchen”, die mit den Schwedenbomben lesen werde, danach der “Alpha-Literaturpreis”, wo ich mir eigentlich nur vorstellen kann, daß die Eva Menasse gewinnen wird, aber vielleicht irre ich mich da und es wird der Daniel Wisser oder der Erwin Uhrmann. Dann beginnt die Buch-Wien mit einer langen Nacht der Literatur und einem Literaturquiz an dem ich gerne teilnehmen würde und danach geht es wieder ein paar Tage nach Ungarn nach Bük ins Bad, bevor die Mayrocker-Symposien, der Fried Preis, die “Ohrenschmaus-Preisverleihung”, meine Lesung in der “Alten Schmiede” und schließlich und endlich Weihnachten folgen wird.

2014-10-23

Robert Menasses Faust und Namensprobleme

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:39

Gestern gab es in der “Alten Schmiede” während ich mich in der Wien-Bibliothek um die Ebner-Eschenbach Leseausgabe kümmerte, deren zweiter Teil heute zu mir gekommen ist, eine Wiener Vorlesung zur Literatur von Robert Menasse zum Thema “Verweilen – Eine Geschäftsstörung. Doktor Faust lernt Geschichte” und heute eine Leseaufführung von “Doktor Hoechst” Robert Menasses “Faustspiel”, das als Buch 2013, bei Zsolnay herausgekommen ist und 2009 in Darmstadt uraufgeführt wurde.
Offenbar eine Protestveranstaltung, weil sich die Wiener Theater weigern das Stück aufzuführen, wie sowohl im Programm steht, als auch von Kurt Neumann angedeutet wurde.
Und ich bin wieder mal vom Regen in die Traufe gekommen, beziehungsweise ins kalte Wasser gesprungen, weil mir jetzt die Grundlagen fehlen und Robert Menasse zu verstehen ist höchstwahrscheinlich sowieso ein sehr intellektueller Akt.
Ich bin aber blauäugig in die “Alte Schmiede” gegangen, wo nicht sehr viele Leute waren, aber Gerhard Jaschke, Lukas Cejpek, Thomas Northoff und natürlich der Autor selbst, der sich in die hinteren Reihen setzte und von dort wohl “faustisch” lächelnd das Geschehen verfolgte.
Die Leseaufführung wurde, wie Kurt Neumann einleitete von Susanne Zobl, offenbar für die Gmundener Festspiele zusammengestellt, Hermann Schmid hat alle Rollen in gekürzter Form gelesen und weil ich früh dran war, habe ich auch ein bißchen in das Buch hineingeblättert, bzw. mir das Personenverzeichnis eingeprägt. Da gibt es Dr. Hoechst, genannt der alte Faust, ein Konzernchef, seinen Sohn Raphael, Philosophiestudent, die Exfrau Gräten, den Freund und Laborchef.
Mephisto, das ist vielleicht interessant, gibt es nicht und ich kann, was “Faust” betrifft anmerken, daß wir den in der Straßergasse bei der Frau Professor Friedl im dritten oder vierten Jahrgang, ein ganzes Jahr behandelt haben, was ich zuerst für einen Witz hielt, mich später aber noch einige Male mit dem Werk beschäftigt habe, so daß ich mich ein bißchen auskenne.
Robert Menasse hat offenbar 2006 oder 2007 den Auftrag vom Theater Darmstadt für das Stück bekommen, seine theoretischen Grundlagen fehlen mir komplett oder doch nicht so ganz, denn ein bißchen hat sie Susanne Zobel in ihrer Einleitung angedeutet und dann ist Hermann Schmid mit Bravour durch das Stück gezogen, das mit einem Prolog im Theater beginnt, dann in ein Labor oder Operationssaal geht, wo die Ex-Frau Gräten, als Krankenschwester aus der Karenz zurückkommt, der Sohn Raphael soll auch noch einmal gezeugt werden, weil der Vater, der die Beschleunigung, das Wachstum in dieser Welt mit begrenzten Resourcen will, seinem Sohn nicht traut und von dem Goethe Grundsatz “Verweile doch, du bist so schön!”, hält er auch nichts. Er ist Konzernchef eines Pharmabetriebs, wie schon der Name sagt, macht Geschäfte mit Japan und der ganzen Welt, steht aber gerne mit weißer Schürze in der Küche, trinkt Wein und macht ein Lammragout, während er mit seinen Konzernen telefoniert.
Dazwischen kommt der Sohn, der Probleme mit der Übersetzung der Genesis und dem “Am Anfang war das Wort oder doch die Idee, der Vorschlag” etc, hat. Dann geht es in das neunzehnte Jahrhundert zurück, nach Nagasaki und zur Atombombe, das wurde bei der Lesung ausgelassen, aber nach Auschwitz dem Ur-KZ, wo auch die Firma Hoechst ihre Geschäfte machte.
Da empfängt Raphael seinen Vater als KZ-ler mit einem Plastikhund, den er spazierenführt, das ist offenbar der Ersatz für den Pudel und lehrt dem Vater das Grauen.
Dann geht es aber ins Parlament oder ins Bundeskanzleramt und da berät Hoechst den Kanzler, in dem er ihm den Staatsbankrott empfiehlt. Den Osterspaziergang hätte ich jetzt fast ausgelassen, da begrüßen die Bürger freundlich den alten Herrn und fragen ihn, warum er nicht in die Politik geht, aber wenn man einen Konzern führt, soll man das nicht mit einem Staat tun, ist die Antworte und am Schluß sprudelt rotes Wasser in der gläsernen Badewanne, alle klatschten und waren begeistert.
Vielleicht auch ein wenig ratlos, als sie Fragen stellen sollten. Kurt Neumann tat es dann doch und erntete einen Rundumantwort von Robert Menasse, der auf die Kompliziertheit unserer Gesellschaft und die Schwierigkeit mit der Demokratie und den mündigen Bürgern hinwies.
Dreißig Prozent wählen den Herrn Strache, obwohl sie am Karmeliterplatz so aufgeschlossen tun, das kann es doch auch nicht sein und ich habe mir bei der KZ-Szene gedacht, daß es wahrscheinlich schwer ist, den Faust nach dem Holocaust zu interpretieren, bzw. muß man das ganz anders tun.
Und der Johann Faust vom Goethe war ja auch ein Intellektueller, der an seinem Wissensdurst bzw. an den Grenzen, an die er stieß, gescheitert ist.
Die Frage, warum es das Böse bei Menasse nicht gibt, was ja eigentlich auch zynisch wäre, wurde im Stück damit beantwortet, daß keiner mehr seine Seele dem Teufel verkaufen wird, wenn er als Gotteskrieger viel mehr dafür bekommen kann.
Sehr kompliziert und wahrscheinlich hätte ich auch mit Vorlesung nicht alles verstanden, obwohl ich schon einige Bücher von Menasse gelesen habe, ihn bei einigen Lesungen hörte und mit seinem intellektuellen Rundumschlägen bzw. Skeptizismus ein bißchen vertraut bin.
Trotzdem war es interessant, ich denke auch viel über den Sinn des Lebens nach und befinde mich manchmal in recht depressiven Phasen. Die letzten zwei Tage war ich aber in eigener Sache unterwegs, das heißt ich habe das “Schutzengelchen”, das ja vielleicht ein ähnlicher Rundumschlag durch die Weltgeschichte ist, da es darin sowohl in den Himmel, als auch in die Ukraine geht und auch eine vor hundert Jahren gestorbene Frau wiederauferstehen läßt, gestern einmal, heute zweimal durchkorrigiert und habe da noch immer Schwierigkeiten, weil ja erstens etwas ganz anderes herausgekommen ist, als ich eigentlich wollte und dann wußte ich nicht, ob ich mit dem Verlauf der Handlung, bzw. den letzten zehn bis fünfzehn Seiten, die ich auch nach dem Elsaß-Urlaub geschrieben habe, zufrieden sein soll. Da habe ich inzwischen viel gekürzt bzw. geglättet, habe die Marijana in eine Katharina umgewandelt, das ist die Studentin, die die Miranda in der U-Bahn trifft, nach dem sie ihre Ururgroßmutter wieder verlassen hat. Da war ich aber nicht sicher, ob das nicht zu eindimensional ist?
So dachte ich am Heimweg zuerst, ob ich die Katharina vielleicht doch wieder in die Mirjana umbenennen soll? Ist es halt so eins zu eins, aber dann habe ich mich, glaube ich, entschloßen, bei der Katharina, die Bertha von Suttner Diplomarbeit wegzustreichen und lasse sie auch nicht sagen, daß sie die “Waffen nieder” in den Bücherschrank gelegt hat. Sie studiert Germanistik, aus. Alles andere bleibt gleich. Bruno Leitners Begegnung am Bücherschrank und auch die Schlußszene, wo sich Magdalena Himmelbauer von ihrer Ururenkeltochter verabschiedet und danach mit Bertha von Suttner Tee trinken geht.

2014-10-22

Marie Ebner von Eschenbacht entstaubt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:00

Marie Ebner von Eschenbach, eine der adeligen Frauen des vorvorigen Jahrhunderts, die als Schriftstellerinnen in die Öffentlichkeit traten, in den Schulbüchern zu finden waren und auf den Geldscheinen und die jetzt Anfang des einundzwanzigstes, wo viel mehr Frauen schreiben und es den Adel nicht mehr wirklich gibt, in Vergessenheit geraten, beziehungsweise dank den Damen des “Residenz-Verlags” jetzt in einer vierbändigen Leseausgabe wieder aufgelegt werden.
In der Straßergasse haben wir mit der Frau Professor Friedl, die Geschichte mit dem Muff gelesen, die sehr beeindruckend war.
Ist das “Krambambulli” oder nicht, das weiß ich eigentlich gar nicht wirklich? In der Schreibwerkstatt der Eveline Haas, die ich ja ab 2000 einige Zeit besuchte, haben wir einen Text von ihr als Vorlage zu einer eigenen Arbeit genommen, es könnte das “Gemeindekind” gewesen sein, auch das weiß ich nicht mehr so genau und als ich für die Ruth Aspöck den Text zu “Poesie und Brotberuf” geschrieben habe, habe ich mich auch auf sie bezogen.
Bei der Betty Paoli-Veranstaltung wurde sie, glaube ich, erwähnt und in den Schränken habe ich vor einiger Zeit das “Gemeindekind” gefunden und auf meine Leseliste gesetzt.
Aber ansonsten ist das neunzehnte Jahrhundert schon lange her und der Adel sowieso von mir sehr weit entfernt.
Dann habe ich wahrscheinlich in der “Residenz” Vorschau von dem Buchprojekt gelesen, die 1830 geborene Dame, die wir eigentlich nur als alte Frau, bzw, als Matrone kennen, ist ja 1916 gestorben und feiert bald ihr Jubeläumsjahr beziehungsweise ihren hundertersten Todestag. Dann habe wir die Bertha von Suttner, die wir ja heuer feierten, wahrscheinlich wieder vergessen, der “Residenz-Verlag” wandte sich aber an die “Wien-Bibliothek”, die 1930 um zehntausend Schilling den Eschenbach Nachlaß von ihrem Neffen aufkaufte und an Daniele Striegl, Eveline Polt Heinzl und Ulrike Tanzer, um bis dahin eine vierbändige Leseausbgabe herauszugeben.
Zwei Bände sind inzwischen schon erschienen und wurden heute in der “Wien-Bibliothek” vorgestellt. Die Idee war Marie von Ebner von Eschenbach und ihr sozialkritisches Werk, das sich mit der Frauenfrage und der sozialen Ungleichheit beschäftigte, zu entstauben und auch von einem eventuellen Kitschverdacht zu befreien und da es im Handel offenbar nur mehr die “Reclam-Ausgaben” für die Schulen gibt, in den drei Bänden, der vierte ist, glaube ich, eine Biografie, die Daniela Strigl schreiben wird, ein bekanntes einem unbekannten Werk gegenüberzustellen.
So gibt es in Band eins “Aus Franzenbad” und “Das Gemeindekind”. In Band zwei ist “Lotti, die Uhrmacherin” und “Unsündbar” erschienen.
Alfred Pfoser eröffnete, dann kam Claudia Romeder vom Verlag und danach stellten die drei Germanistinnen, die zwei Bände vor und erzählten etwas aus dem Leben der Baronin Ebner von Eschenbach, die als Dramatikerin begonnen hat, mit achtzehn einen um siebzehn Jahre älteren Mann geheiratet hat oder heiraten mußte und sehr bedauerte, daß sie nicht, wie ihre Brüder Latein und Griechisch lernen durfte, sondern wahrscheinlich Französisch und Klavierspielen und dann kam als erstes die Brieferzählung “Aus Franzensbad”, wo sich sich über die Gesellschaft lustig machte und die Frauen, die so lange Kleider trugen, daß man ihre Füße nicht mehr sieht.
Ihrem Mann dürfte das nicht so gefallen haben und einige Freundinnen haben sich von ihr, wie sie in ihrem Tagebuch schrieb, deshalb abgewandt, mit dem “Gemeindekind” konnte sie ihren Moritz dann wieder aussöhnen. Er hat das Buch in zwei Tagen ausgelesen. In der Wien-Bibliothek las die Schauspielerin Gerti Drassl, die Textbeispiele. Da sind zwei Kinder, die der Gemeinde zu Last fallen, weil ihre Eltern ins Gefängnis kommen, das Mädchen kommt zur Schloßherrin in Pflege, der ältere Bruder zu einem Trinker und kann sich offenbar trotzdem emanzipieren bzw. behaupten.
In “Lotti, die Uhrmacherin” wird dann 1880, eine weibliche Meisterin und unverheiratete Frau geschildert, was wahrscheinlich auch sehr ungewöhnlich war und in “Unversöhnbar” geht es um den Ehebruch.
Arthur Schnitzer hat ständig zeitgleich darüber geschrieben, einer adeligen Dame nahmen die Kritiker das offenbar nicht so ab, die Ebner Eschenbach wurde offenbar auch sehr kritisiert und ist als sozialkriitsche Autorin in die Literaturgeschichte eingegangen. War um Neunzehnhundert sehr berühmt und ist inzwischen offenbar nur mehr in den Schulbüchern zugängig.
Der “Residenz-Verlag” und die drei Germanistinnen finden sie aber sehr frisch und zeitgemäß und so haben sie sie entstaubt und ich fand es sehr interessant, mich nach der Bertha von Suttner jetzt vielleicht auch mit der Ebner von Eschenbach zu beschäftigten.
Peter Henisch war im Publikum, Eva Geber, Julia Danielczyk und dann die, die sich bei Wein und Brot mit mir unterhalten und mit mir reden. Es gab auch einen Büchertisch, aber ich habe ja das “Gemeindekind” auf meiner Liste und vielleicht werden auch die anderen Bücher zu mir kommen. Vor allem die Biografie wäre ja sehr interessant.

2014-10-21

Kanada

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:54

“Zuerst will ich von den Raubüberfällen erzählen, den meine Eltern begangen haben. Dann von den Morden, die sich später ereigneten. Der Raubüberfall ist wichtier, denn er war eine entscheidende Weichenstellung in meinem Leben und in dem meiner Schwester. Wenn von ihm nicht als Erstes erzählt wird, ergibt der Rest keinen Sinn!”, beginnt Richard Fords vor zwei Jahren auf Deutsch erschienener Roman “Kanada” und die Kritik war voll hingerissen.
Elke Heidenreich schwärmte im Schweizer Literaturclub davon in höchsten Tönen, fand den Erzählstil am Anfang nur ein wenig zu bedächtig, bemerkte aber beim zweiten Lesen, jedes Wort ist wichtig und Dennis Scheck empfahl in seiner Sendung “Wenn Sie in diesen Herbst nur ein Buch kaufen, dann dieses!”
Ich habe es vor fast einem Jahr im “Wortschatz” gefunden, mich auf das Lesen gefreut und bin jetzt ein wenig verwundert über die überschwengliche Experteneuphorie, denn ich fand das Ganze eigentlich ein wenig aufgesetzt und nicht ganz nachvollziehbar, die Jugenderlebnisse eines alten Mannes, Richard Ford wurde 1944 in Jackson, Missisippi geboren, sein Held, Dell, 1945, der Lehrer ist, zum Zeitpunkt der Geschichte bald in Pension gehen wird und da auf seine Jugenderlebnisse zurückblickt, die zwischen August und Oktober 1960 sein Leben sehr verändert haben, das sonst wahrscheinlich sehr langweilig und bürgerlich gewesen wäre. Eine Frau, ein Eigenheim, seine Schüler, keine Kinder, wenn es da nicht die zwei Morde und den Banküberfall gäbe, das, was sich ich ein guter amerikanischer Junge eben von einem Abenteuerlichen Leben erträumt. Die Schriftsteller schreiben es auf und der deutsche Sprachraum ist begeistert, denn die Amerikaner schreiben die große Literatur und sind unerreichbare Vorbilder.
Präzis und sehr genau ist es geschrieben. Mir erschienen die Ereignisse um diesen Bankraub, den ich absolut nicht nachvollziehen konnte und der mir äußerst unsinnig erschien, sehr sehr langatmig. Die Jungen spielen aber halt Räuber und Gendarm und lesen Karl May und die Indianer spielen in Dells Jungendasein auch eine sehr wirkliche Rolle, da sie in seiner Umgebung angesiedelt sind.
Große Sätze und Lebensweisheiten gibt es auch immer wieder, wie “unser Leben ist jetzt ruiniert, obwohl wir ja noch eine Menge davon übrig haben und irgenwie füllen können!”, wie Berner ihren Bruder schreibt.
Eine Danksagung gibt es Schluß auch und die Kritiker sprechen von “Schuld und Sühne, vom Grenzen überschreiten” oder überhaupt vom großen Epos.
Es beginnt in einer sehr langweiligen amerikanischen Kleinstadt, nach Kanada geht es erst viel später. Im zweiten Teil der Geschichte und so habe ich die Namensgebung auch nicht ganz verstanden. Im Sommer 1960, Dell ist fünfzehn, träumt vom College, auf das er gehen möchte, vom Schachspielen und vom Bienenzüchten und lebt mir seiner Zwillingsschwester Berner und seinen Eltern Bev, einem ausgeschiedenen Air Force Soldaten, der jetzt Grundstücke verkauft, beziehungsweise gestohlene Kühe und seiner Mutter, einer intellektuelleren Jüdin, die unterrichtet, Gedichte schreibt und gar nicht zu diesem Kleinstadtvater passt in dem Nest namens Great Fall.
Sie überlegt auch dauernd die Trennung, tut es aber nicht, sondern beschließt, als Bev Geld braucht, um die Indianer bei diesem Kuh-Deal zu bezahlen, mit ihm eine Bank zu überfallen.
Wie logisch das ist, muß mir einer mal erklären, aber ich träume auch öfter davon den Nobelpreis zu bekommen und dann sagt mir sicher jemand, das wäre unrealistisch!
Die Beiden lassen also ihre Kinder, die ja eigentlich Jugendliche sind, Berner träumt schon vom Heiraten und Durchgehen mit ihrem Freund, in dem Haus zurück und fahren in eine andere Kleinstadt, um dort wie Bonnie und Clyde ihren Bankraub zu begehen. Sie stellen sich dabei sehr idiotisch an, fahren dann nach Hause zu den Kindern, verstecken das erbeutete Geld im Auto. Die Polizei beobachtet sie ein paar Tage lang, bevor sie sie verhaftet, das kann ich auch nicht ganz nachvollziehen, bringt sie dann weg und sagt noch “Um die Kinder kümmern wir uns, Mam, die gehören jetzt uns!”
Die rechtschaffene Mutter will aber nicht, daß sie in Jugendgefängnis kommen, so soll sie eine Freundin über die Grenze schmuggeln, als die aber kommt, ist Berner mit ihrem Freund schon weg, nur Dell kommt, statt aufs College, nach Kanada, in eine noch ödere Gegend, zu einem Arthur Remlinger, der ein Hotel mit Buffbetrieb besitzt und Gänsejagden für Sportsfreunde organisiert.
Dell muß dort die Zimmer aufräumen und bei den Jagden helfen, träumt immer noch von der Schule, sagt Arthur Remlinger, der sich um ihn kümmern soll, aber nichts davon, erfährt nur, daß es in der Nähe eine für gefallene Mädchen gibt und fährt dort mal hin, was in einem grotesken Fiasko endet. Die Nonnen kreischen auf, die Mädchen grapschen nach ihm, nun gut, die Seele ist ein weites Land und mit Fünfzehn ist man in der Pubertät, Dell aber in der Wildnis und bekommt von einem sehr seltsamen Wildhütererzählt, daß Remlinger vor fünfzehn Jahre aufs College wollte, aber eine Bombe legte, wo dann ein Mensch ums Leben kam. Er flüchtete nach Kanada, wurde Hotelbesitzer und jetzt fünfzehn Jahre später, sollen zwei Männer auftauchen, die ihm nach dem Leben trachten, bzw. ihn den Gerichten zu führen wollen.
Die kommen auch, werden in die Wildnis verfrachtet und Remlinger nimmt Dell mit, als er sie erschießt. Der Junge muß dann auch noch die Leichen wegräumen helfen, bevor es ein paar Tage später nach Winnipeg in die Schule geht.
Im letzten, viel kürzeren Teil, steht Dell kurz vor seiner Pensionierung und für die diesbezügliche Party haben seine Schüler ergooglet, daß ihn irgendwo ein Bvv sucht, weil er sich um seine schwerkranke Schwester kümmern soll.
Das führt zu einem Schock, denn Dell will nichts mehr von seinem Vater wissen, die Mutter hat sich im Gefängnis umgebracht, aber vorher eine Chronik geschrieben und die den Kindern zukommen lassen. Berner, die dreimal verheiratet war und jetzt Krebs hat, beruhigt ihn aber, sie hätte nur ihren Namen geändert und so sehen sich die Geschwister noch einmal wieder und der Jugendtraum hat sich wahrscheinlich erfüllt oder wie die letzten Sätze lauten “Wir versuchen es. Wir alle. Wir versuchen es.”
Ein Roman, der mich, wie schon den Zeilen zu entnehmen, ein wenig unbefriedigt zurück läßt, aber wahrscheinlich liegt das daran, daß ich kein Junge bin, von Wildwestromanen nicht so viel halte und auch nicht so ganz sicher bin, daß uns die großen Amerikaner wirklich so viel in ihrem Schreiben voraus sind oder uns nur sehr bestimmt ihre Themen aufdrücken, von denen wir dann so begeistert sind.
Einen Inzestversuch, das hätte ich jetzt fast vergessen, gab es in der letzten Nacht, bevor es nach Kanada geht auch noch. Richard Ford, der Autor von “Independenttag” und “Pulitzerpreis-Träger”, weiß eben, wie man es machen muß und welche Themen man in seine Geschichten zu verpacken hat, damit alle “Ah!” und “Oh!” schreien.

2014-10-20

Schamrock-Festival

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:14
Eva Jancak ©Erika Kronabitter

Eva Jancak ©Erika Kronabitter

Das Schamrock-Festival der Dichterinnen ist, glaube ich, eine Intitative der Künstlerin Augusta Laar, die auch am Samstag in die GAV aufgenommen wurde und fand das erste Mal 2012 in München statt.
Eine Initiative, das weibliche Dichten zu fördern, die weibliche Scham zu überwinden und im Rockn Roll etc auszudrücken, wie ich es verstanden habe.
Friederike Mayröcker, die im Dezember neunzig wird, hat eine Grußbotschaft gesendet und angekündigt, daß sie lesen würde, wenn das Festival in Wien stattfinden wird, das Literaturhaus hat reagiert und so hat das Fetival heute in Wien begonnen und wird am Wochenende in München weitergehen.
Eigentlich ein tolles Programm, wenn man sich für die experimentellen lyrischen Stimmen interessiert und so war es fast ein wenig seltsam, daß das Literaturhaus nicht wirklich voll war.
Es hat aber schon um sechs angefangen, weil es um zehn noch ein Konzert gab.
Christel Fallenstein hat mit Friederike Mayröcker gerade das Literaturhaus betreten, als ich mit meiner Büchertasche vom Bücherschrank gekommen ist.
Das Begrüßungskomitee aus Barbara Zwiefelhofer und den Veranstalterinnen stand schon bereit und ein bißchen Stammpublikum hat es auch gegeben.
Der Lehrer aus Retz, Rudi Pollack, Erika Kronabitter und sogar Julia Danielczyk ist kurz erschienen.
Begonnen hat es mit der Präsentation des heute erschienenen neuen Buchs von Friederike Mayröcker und weil sie bald neunzig wird, wird es im November und Dezember im Literaturhaus und in der “Alten Schmiede” noch eigene Festivals geben und das Geburtstagsbillet für sie habe ich schon am Samstag bei der GAV-GV unterschrieben.
Sehr starke, eigentlich biographische Prosatexte, die die alte Dame da verlesen hat und ihre Bücher anschließend signierte.
Dann kamen die jüngeren Dichterinnen, nämlich Andrea Grill mit ihrem zweiten bei Otto Müller erschienenen Gedichtband, den ersten hat mir ja der Alfred bei einer Buch-Wien Veranstaltung gekauft, er ist aber noch immer ungelesen. Sonja Harter, die zwar bei der APA arbeitet aber schon vergriffene Gedichtbände hat, hat gelesen und die Slowening Anja Golob.
Dann gabs eine Pause und es folgte Nora Gomringer, der Poetry Star, den ich beim vorigen “Literatur und Wein – Festival” in Göttweig kennenlernte und die hat heute eine Klasse bei der Schule der Dichtung geleitet und ihre Studenten, bzw. die lyrischen Ergebnisse gleich in Literaturhaus mitgenommen und da gab es eine Überraschung, nämlich zwei bekannte Gesichter Claudia Bittner, die vor Jahren zweimal den “Siemens Literaturpreis” gewonnen hat und jetzt beim “Podium” publiziert und Luis Stabauer, den ich vor ziemlich genau einem Jahr bei einer Kleinverlagmesse im Amtshaus Hietzing kennenlernte und inzwischen drei Bücher von ihm gelesen habe.
Die Beiden und zwei weitere Frauen präsentierten ihre Workshoptexte, da gab es zuerst das “Alphabet der Wörter”, dann Texte, die zu zwei von Nora Gomringer am Westbahnhof gefundenen Gegenständen entstanden sind und nach einer kurzen Textpräsentation noch eine Toncollage, die von allen gemeinsam gesungen wurde.
Dann präsentierte Nora Gomringer, die in Bamberg eine Schule des Schreibens oder ein Literaturhaus leitet ihre Texte, las Gesichte, bzw. stellte sie ihre “Monster Poems” vor, von denen es auch drei Beispiele auf Postkarten gab, die man sich vom Büchertisch nehmen konnte.
Danach gabs wieder eine Pause, das Publikum hatte sich schon ziemlich gelichtet, Ottwald John war aber erschienen und hat zu seinen Veranstaltungen eingeladen. Dann noch ein Konzert mit Augusta und Kalle Laar, bzw. ein “electro -acoustic- poetry duo” namens “Kunst und Unfall” oder einen Tisch, wo eine Reihe Gummipuppenfiguren und andere Spielzeuge aufgereiht waren und die Beiden saßen dahinter und machten ihre Installationen und am Wochenende geht es, wie geschrieben, in München mit einer erweiterten Besetzung weiter, da wird auch Christine Huber lesen, aber auch Poetinnen aus den verschiedensten Ländern und wer von meinen Lesern in der Nähe von München wohnt, dem kann ich die Teilnahme sehr empfehlen.

2014-10-19

Lesestatus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:54

Mit Blick auf meine Leseliste, ist am neunzehnten Oktober ein Lesestatus angesagt, denn da noch an die fünfzig ungelesene Bücher auf ihr stehen, werde ich mein 2014 “Lesepensum” wohl nicht schaffen, beziehungsweise den Appetit größer als den Magen erkennen oder zugeben, die Rezensionsexemplare sowie die Bücherkastenfunde waren zu viel.
Es gibt eben viel zu viele Bücher, das ist eine Binsenweisheit, die ich immer höre, nie glaube, beziehungsweise sie als Ausrede empfand, wenn sie einer oder eine auf meine Bücher anzuwenden versucht.
“Es gibt eben zuviele Bücher, da kann ich mich mit deinem Selbstgemachten nicht auch noch befassen!”
Etwas was ich öfter hörte und mich so traf, daß ich es für mich versuchte, besser zu machen und mich allem widmen wollte, den Alten und den Neuen und seit man in den Bücherkästen soviel finden kann, tue ich mir etwas schwer und habe auch meine eigene Lesegeschichte, die heißt, daß ich immer gern und viel gelesen und gesammelt habe und als dann 2010 Bücherschränke aufkamen, mein Regal bald voll hatte, so daß sich Ende des Jahres die Bücher im Badezimmer stapelten, ich ein neues Regal anschaffte und auch meine Leseliste im Winter 2010 ständig veränderte. Denn da hatte ich mir eine Herbstleseliste angelegt und mich dann ständig vom Neudazugekommenen abbringen lassen und etwas anderes gelesen.
2011 begann ich dann mit meiner “Hundert-Bücherliste”, habe sie überschritten, mich aber mehr oder weniger an die Reihefolge gehalten und das war dann der Beginn meiner Endlosleseliste und die nächsten Jahre habe ich, abgesehen von den Rezensionsexemplaren, die Reihefolge auch immer eingehalten. Es gab aber noch einiges Ungelesenes in meinen Regalen, was nicht auf der Liste stand, so daß die immer länger wurden und sich immer mehr in die Zukunft ausdehnten.
Anfang des letzten Jahres, habe ich dann meine Bücherbeschränkungspläne gewälzt, beziehungsweise sie ausgetüffelt, aber doch nicht eingehalten, bzw. stattdessen, so alles Ungelesene auf meine Listen gesetzt, so daß die bis 2025 anwuchsen. In diesem Jahr habe ich sie dann noch bis auf die Zahl hundertfünfzig pro Jahr angefüllt, denn mein Lesepensum ist auch von Jahr zu Jahr angewachsen, 2013 hatte ich aber schon ein Buch mehr auf meiner Jahresliste, als sich dann wirklich ausging.
Jetzt hätte ich 186 und wenn ich mich nicht verzählt habe, hundertsechsunddreißig davon gelesen und fünfzig Bücher schaffe ich in den zweieinhalb noch verbleibenden Monaten nicht mehr, also wird etwas überbleiben, aber was mache ich dann mit den Ungelesenen Büchern?
Auf welche Listen setzte ich sie und was lasse ich aus? Ich war ja schon Ende des letzten Jahres so überfüllt, daß ich die Geburtstagsbücher in das nächste Jahr reihte und dann habe ich im vorigen Herbst auch noch einiges sehr Interessantes gefunden oder sonstwie bekommen und war Angang des Jahres nicht sicher, ob ich jetzt mit der “Poschmann” der Shortlistennominierten von 2013, der Margarita Kinster, dem Kultubuch des letzten Jahres, mit der Marijana Gapaneko und dem Buch über die “Gruppe 47″, die mich ja sehr interessierten beginnen sollte oder doch streng die Liste hinunterlesen?
Ich habe mich Anfangs dafür entschieden, aber dann kam immer mehr Neues dazu und im Sommer das Sommerlesen mit einer unerwarteten Bücherkiste des “Hermagoras-Verlages”, so daß ich nach dem Sommer, als auch noch ein paar Rezensionsexemplare dazugekommen sind, resignierte und dachte, Richard Fords “Kanada”, was mich dann sogar ein wenig enttäuschte, will ich in diesem Jahr noch lesen, die “Glasglocke” und die Geburtstagsbücher.
Dann bleiben wahrscheinlich einige alte Bücher und vielleicht auch ein paar Chick Lits wie die Rosamunde Pilcher über, die man vielleicht nicht unbedingt lesen muß, aber ich will ja nicht aussortieren…
Luxusprobleme, ich weiß, das habe ich bei ähnlichen Artikeln immer geschrieben und bin auch stolz darauf, daß ich soviel Auswahl habe.
Die Weihnachtsbücher, die sich im Laufe des Jahre angesammelt haben, kommen dann auch und im nächsten Jahr fange ich wieder mit sehr viel schönen Bücher, auf die ich mich schon freue, mit dem Lesen an. Da stehen ja die von der Karin Struck ganz oben und dann habe ich bei dem Augustin Flohmarkt wirklich schöne dBp Preis Bücher von 2009 oder 10 gefunden, die erst auf eine spätere Liste gekommen sind und dort werden dann auch die heurigen Geburtstags- und Weihnachtsbücher stehen, wo ich mir ja schon die von der Marlene Streeruwitz wünschte, Thomas Melles “3000 Euro” würde ich sehr gerne lesen, Dave Eggers “The Circle” und und.
Wenn ich 2015 alles schaffen will, dürften nicht mehr als zwanhzig bis dreißig neue Bücher dazukommen und Leselisten ab 2025 sind auch nicht wirklich sinnvoll, noch dazu, wo ich die Übersicht bald verliere, in Harland zwar ein neues Bücherregal auf mich wartet, das aber noch aufgestellt werden muß.
Wie ich das schaffe, weiß ich noch nicht und habe ich auch erst vor kurem ein schönes Buch von Sabine Gruber und von Arno Geiger sein erstes Buchpreisbuch gefunden.
Das Alte, die Vicki Baums, die Joe Lederer und die Pearl S. Bucks, die ich auch ziemlich vollzählich gesammelt habe, will ich aber auch gern lesen und die John Knittels bzw. den Traven aus dem Bücherkasten meiner Eltern.
Man kann nicht alles lesen, ich will es aber gerne und so jongliere ich herum, schreibe immer wieder einen Bcherstatusartikel und ich finde es auch toll, wenn die Leute soviel schreiben und habe immer den Kopf geschüttelt, wenn sich jemand darüber beschwerte und das Tolle an den Bücherschränken ist ja auch, daß man seine Bildungslücken füllen und manchmal wirklich wahre Schmankerl findet.
Man kann nicht alles lesen, sich aber bemühen, die richtige Balance zwischen dem Balanceakt, die Quadrartur des Kreises zu kreieren, zu finden und jetzt kommt ohnehin bald die Buch-Wien mit einer Lesenacht und weiteren Bücherbergen und dann die Weihnachtsgeschenke, die vielleicht bald in die Bücherschränke wandern und die Frühlingsvorschauen, von denen dann die Bücherblogger eifrig berichten, wird es auch bald geben und wenn man das Schreiben nicht vergißt, ist das Lesen auch sehr schön…

Die große Liebe

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:05

Jetzt kommt ein Roman von den großen älteren Herren der deutschen Literatur, von denen ich in der Zeitschrift “Volltext” lese, die in Frankfurt und in Leipzig bei Dennis Scheck oder auf dem blauen Sofa auftreten, die in Hildesheim unterrichten und die Romane über die großen Lieben der alten Männer schreiben. Wilhelm Genazino ist ein solcher, Hans-Ulrich Treichl, Hanns-Josef Ortheil, vom letzteren stammt der 2003 erschiene Roman “Die große Liebe” und erzählt in einer sehr präzisen genauen Schilderung, langsam und bedächtig eine wahrscheinlich ganz alltägliche Geschichte, die jeden von uns passieren kann, die mal schiefgeht und mal klappt, hier scheint sie zu klappen und darüber war ich mir, im Gegensatz zu anderen Rezensenten am Anfang gar nicht so sicher.
Einer der auf Italienisch Giovanni heißt, ein Fernsehjournalist, fährt mit dem Zug nach Italien “Plötzlich das Meer”, sind die ersten Worte des Buchs und die finden sich später wieder in dem schwarzen Notizbuch des Protagonisten, der Italienisch spricht und deshalb von den Leuten in San Benedetto auch sehr herzlich und gar nicht wie ein Tourist empfangen wird und das ist er auch nicht. Er soll für einen Film recherchieren, deshalb hat ihm sein Kameramann Rudolf seine Kamera mitgegeben und deshalb besucht er am nächsten Tag auch das Meeresbiologische Intitut des Städtchen, gerät dort mit dem Wärter Antonio aneinander, der ihm nicht glaubt, daß er angemeldet ist, holt dann aber doch die Dottoressa, die Direktorin des Instituts und die große Liebe beginnt.
Sie beginnt nicht gleich, die Dottoressa, eine wunderschöne Frau in einem grünen Kleid, namens Franca führt ihm zuerst in dem Museum herum und empfiehlt ihm an Dottore Alberti, der ihm am nächsten Tag das Weitere zeigen soll.
Die Dottoressa empfiehlt ihm auch ein Restaurant, dort begegnen sich die beiden im Laufe des Tages, geraten aber nicht aneinander und der Vortrag von Dottore Alberti am nächsten Morgen ist sehr langweilig. Die Dottoressa kommt dazu, geht mit ihm Essen und entführt ihn aufs Land und am nächsten Tag ist der Hotelier Carlo, der seinen Gast schon mal auf Austern und Muscheln einlädt, sehr besorgt und warnt, denn die Dottoressa ist mit Dottore Alberti verlobt und dringt man in Italien in eine solche Beziehung, hat man das ganze Dorf gegen sich.
Die Beziehung geht aber weiter, nimmt die schöne Franca doch sehr energisch die Zügeln in die Hand, es kommt zu Sex in einer Badekabine und zu einer Übernachtung in einem ländlichen Hotel, auch hier wird der Held von einem freundlichen Wirt zu einem Festessen eingeladen. Ich bin in Italien über das übliche Touristengeschehen nie hinausgekommen, ich spreche aber nicht Italienisch.
Und als der Held am nächsten Tag am Markt filmt, kommt es zu einer grotesken Begegnung mit Gianni Alberti, der Held beginnt ihn wie wild zu filmen und der verfolgt ihn auch, muß aber nach Ascona, um dort die Leitung eines Instituts zu übernehmen, wohin ihn Franca eigentlich folgen sollte.
Die fährt mit ihrem Giovanni aber noch einmal aufs Land und in ein Hotel, der Wirt Carlo schaltet sich ein, Alberto hätte Giovanni im Hotel gesucht, wo schon die Feigen, die er am Markt kaufte, langsam vor sich hinfaulen. Eine schöne Metapher, in diesem metaphernreichen Stimmungsbild. Franca bestellt ihren Verlobten zu sich, um ihm alles zu offenbaren, der Held geht inzwischen essen, bestellt dort Kutteln und als er bei der Nachspeise ist, ruft Franca an, Gianni will mit ihm sprechen und so kommt der in das Restaurant, teilt mit ihm die Nachspeise und fragt ihm was er von Franca will?
“Sie ist die große Liebe!”, antwortet der schlicht und der Rivale schleicht von dannen, während der Held einkaufen geht, um der hungrigen Franca in ihrem Hotelzimmer essen zu bringen.
Die Bedrohung geht aber weiter, der Museumswärter Antonio hat auch noch gewarnt, Franca zu nahe zu kommen und als er wieder in San Benedetto ist und die Fischer filmen will, bedrohen ihn die auch und zerren ihn auf ein Boot, wo er gerade noch im letzten Moment flüchten kann.
Franca hat aber schon einen Plan, wie es mit der großen Liebe weitergehen soll. Den verrät sie erst ihren Vater, mit dem sie sich am Abend trifft und am nächsten Tag, dem Tag der Abreise des Helden, in ihrer Wohnung.
Sie wird nächste Woche einen Monat Urlaub nehmen und ihm nach München folgen. So etwas hatte ich kürzlich schon bei Francoise Sagan gelesen und hier geht es schief, in der “Großen Liebe” von Hanns-Josef Ortheil scheint es zu klappen. Denn die beiden treffen sich tasächlich am übernächsten Freitag in einer kleinen Münchner Trattoria. Das heißt er ist schon ein Stunde vorher da und bestellt die Flasche Wein für sie.
“Sind Sie ganz sicher, oder wollen wir nicht lieber warten?”, fragt der Kellner.
“Nein!”, sagte ich, “ich bin ganz sicher” und dann bewegte sich der Kellner zum Eingang hin “Buona sera Signora! Sie werden bereits erwartet!”
Ein kleiner Eindruck von dem schlichten lakonischen Ton in dem diese Liebesgeschichte erzählt wird. Irgendwo in den Rezensionen habe ich auch etwas von der “Toskana-Fraktion” gelesen, die befriedigt werden muß und, daß es in dem Buch, um eindringliche Beschreibungen vom guten Essen und einer schönen Landschaft geht.
Ein Buch für den Italien Urlaub vielleicht. Ich habe es an einigen warmen Oktobertagen in Wien gelesen und vor ziemlich genau einem Jahr im Bücherschrank gefunden.
“Hecke”, habe ich schon gelesen und der 1951 in Köln geborene Schriftsteller ist in seiner Jugend, wie er Dennis Scheck einmal in Leipzig oder Frankfurt erzählte und auch in “Wikipedia” steht, für einige Jahre verstummt.
Jetzt scheint er nicht nur wieder zu sprechen, sondern es auch zu verstehen, vielleicht ganz banale Liebesgeschichten in einer sehr sehr eindrucksvollen Art und Weise zu erzählen.

2014-10-18

Bei der GAV

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:40

Dieses Wochenende gab es wieder die traditionellen GAV-Veranstaltungen, des größten österreichischen Autorenvereins, der sich 1973 als Gegenbewegung zum konservativen PEN in Graz gegründet hat und bei dem ich seit 1987 Mitglied bin, das heißt die Generalversammlung ist seit einigen Jahren nur noch am Samstag, am Freitag findet aber seit 2009, um vierzehn Uhr der kulturpolitische Arbeitskreis statt, den Ruth Aspöck organisiert und wo wir im kleinen Kreis in der “Alten Schmiede” zu aktuellen gesellschaftspolitisch literarischen Themen diskutieren und das Ergebnis dann am Samstag der GV berichten.
Diesmal ging es um “Muttersprache-Vatersprache”, sowie die “Euphorismen der Gier” worunter “Die Sprache der Werbung, der Banken und die der Dichter und Dichterinnen” zu verstehen ist und Ruth hatte eine ehemalige Simultandolmetscherin, der EU-Kommission in Brüssel eingeladen, die zehn Sprachen spricht und uns einiges über Zweisprachigkeit und das Leben in verschiedenen Sprachwelten erzählte.
Ein interessantes Thema, wobei mich weniger das EU-Dolmetschen interessierte, sondern, wie sich zum Beispiel die Sprache der hier lebenden Türken und Serben etc in den Dialekt vermischt.
Ich habe da ja einmal einen Dialekt Workshop bei der El Awadalla besucht, wo Illir Ferra einiges von seiner verlorenen Muttersprache erzählte und wie es uns mit dem halben Pidgin Englisch das wir ja zwangsläufig sprechen oder hören, wenn wir den Computer öffnen geht, ist ja auch sehr spannend.
Interessant ist es auch mit den Schreiben in der Nicht Deutschen Muttersprache, beim Bachmannpreis haben da in den letzten Jahren einige Autorinnen gewonnen, die Russisch oder Slowenisch als erstes hörte und bei Sprache der Werbung fällt mir die Humanic-Werbung ein, die es vor einigen Jahrzehnten gegeben hat und die die österreichischen Experimentellen dazu geworben hat.
Wolf Haas ist auch Werbetexter gewesen, bevor er seine berühmten Krimis schrieb und dann geriet ich noch in Disput mit Marlen Schachinger, als die Ruth von den Morden in den Krimis sprach, die sie stören und ich das mit der Spannung erwähnte, die man ja in Schreibseminaren lernt, bzw. dort hört, daß man beim Schreiben immer an das Schlimmste denken soll, was einem je passierte, wo ich ja als Psychologin meine Einwände hätte, denn dann interessierts die Leser.
Über gute oder schlechte Literatur haben wir auch ein bißchen diskutiert, ich habe da ja mein Problem, daß alles immer so gut sein muß, denn wie definiert man solches und wer bestimmt was das ist?
Damit wurde es fünf und damit ging es in die große Pause bis um sieben in der “Alten Schmiede” die Lesung der im letzten Jahr aufgenommenen Mitglieder stattfand und diese Veranstaltung, die es auch seit einigen Jahren gibt, finde ich sehr interessant, weil man sich da informieren kann, wer aller in die GAV möchte und was die neuen GAV-Mitglieder schreiben, was allerdings ein bißchen theoretisch ist, weil das Publikum zu achtzig oder neunzig Prozent aus GAVlern bestand und siebzehn Autorinnen und Autorinnen wurden im letzten Jahr aufgenommen.
Vierzehn haben davon gelesen, Cordula Simon, die, glaube ich, in der Ukraine lebt und die im Vorjahr sowohl in Klagenfurt gelesen hat, als auch bei den “Alpha-Finalisten” war, hat sich entschuldigt, Daniel Zipf, der gerade in Amerika ist, ließ seine Kurzgeschichte von einer Kollegin lesen und Hubert Sielecki, von dem ich, glaube ich, schon mal bei einem “Tag der Freiheit des Wortes” einen Film sah, hatte wieder einen mit einem Text von Gerhard Rühm, “Der längste Kuß” wo er diesen in verschiedenen Arztkostüme verkleidet, genußvoll rezitierte.
Auch sonst war es spannend, gab es doch eingeleitet von Gerhard Jaschke Lyrik und Prosa von mehr oder weniger bekannten jüngeren und älteren Autoren, von denen ich ein paar vom Namen her kannte, mit einigen schon gelesen habe, bzw. auch im Vorjahr bei der Aufnahme ein Veto einlegen durfte, etc.
Andrea Drumbl, Max Höfler, Hans Jörg Liebscher, Nicole Mahal, Dominika Meindl, Heinz Pusits, der einmal in Ruth und Roberts Schreibgruppe war und einmal in der “Alten Schmiede” lesen hätte sollen, aber seinen Termin versäumte, Eva Scheufler, Hannah Sideris, die ich vom Amerlinghaus bzw. der “Poet Night” kenne, Beatrice Simonsen, Marion Steinfellner, Birgit Unterholzner, Gabriele Vasak, Monika Vasik und Ursula Wiegele.
Am Samstag ging es dann weiter mit den Todesmeldungen. Helga Pankratz und Lutz Holzinger sind im letzten Jahr gestorben und dann wurde wild über das neue Literaturmuseum, das im nächsten Jahr eröffnet werden soll, diskutiert.
Das Konzept stammt noch von Wendelin Schmidt Dengler, Grillparzers ehemalige Arbeitsstädte steht dafür zur Verfügung und die IG-Autoren waren besorgt, daß es vielleicht auf Kosten der Autorenförderung gehen könnte.
Jetzt ist Bernhard Fetz und Johanna Rachinger auf die GAV zugekommen, daß sie ein paar Veranstaltungen dort machen kann, was heftige Bedrohungsphamtasien, bis dazu, daß Google, das Ganze finanzieren könnte auslöste.
Es werden für die Veranstaltungen aber immer Orte gesucht und vielleicht wäre das Literaturmuseum ein solcher, wo auch eine der Großveranstaltungen stattfinden könnte.
Die Veranstaltungsvorschläge für 2015 wurden diskutiert, Ruth bzw. Robert haben da ja “Westbahn-spontan”, die Ergebnisse unserer Schreibegruppe eingereicht.
Berichte der Regionalvertreter gab es und am Nachmittag wurden die Neuaufnahmen diskutiert.
Da war ich ja zweimal, von 20003-2005, vielleicht in der Aufnahmejury, nachher klappte es nie mehr, obwohl ich mich immer wieder meldete, weil ich mich für neue Texte ja sehr interessiere.
Seit einigen Jahren habe ich mir aber angewöhnt, für mir bekannten Autoren, die von der Jury abelehnt wurden, ein Veto einzulegen.
Nun ist meine gruppendynamische Stellung nicht gerade groß, eher das Gegenteil, aber manchmal schließen sich Kollegen an und meistens wird an den Samstagnachmittagen sehr wild diskutiert.
So auch heute und nach einigen Stunden waren Corinna Antelmann, Gertrude Maria Grossegger, Sigrun Höllrigl, Susann Immelkeppel, Marianne Jungmaier, Augusta Laar, Stephan Roiss, Britta Steinwendter, Magda Woytzuck und Anton Blitzstein aufgenommen, der jetzt auch wieder beim “Ohrenschmaus” einreichen darf und als anerkannter Art-Brut-Künstler sicherlich eine Bereicherung für die GAV sein wird.
Eine Diskussion über die Doppelmitgliedschaft GAV-Pen, was, wie 1973 beschloßen wurde, eigentlich nicht sein darf, es aber trotzdem immer wieder gibt, gab es auch und dann das traditonelle Abendessen im Gasthaus Pfudl, wo ich mich wieder einmal wunderte, wieviele Leute das “Literaturgeflüster” kennen und mich darauf ansprechen.

2014-10-17

Genosse Wang fragt

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:56

Genosse Wang, ein junge Chinese, blitzgescheit, schnell lernend, so daß er zuerst in einer Parteiakademie und dann in der Redaktion des “Volksblatts” landete, ist, wie am Buchrücken von Cornelia Vosperniks erstem Roman, nach zwei Sachbüchern über China, steht, der tragisch komische Held der Geschichte, die Einblick in das neue China und, wie das mit der Presse und den “Grenzen der menschlichen Kommunikation” geschieht. Genosse Wang ist ein Zweifler, ein ewig Zaudernder, fast ein Autist, der, während seine Frau von ihm Gefühle haben will, den Kaugummi anstarrt, der auf einer Parkbank klebt und sich ständig fragt, ob er vielleicht verrückt ist?
Er macht sich auch Sorgen, wenn er auf einem Parteiempfang statt seinem Vorgesetzten Li, die rote Seidenkrawatte als Präsent erhält und traut sich dann nicht sie zu tragen und er ist auch, weil er der Genossin Zhang, die ihm im Büro immer so freundlich Tee nachschenkt, imponieren will, auf der Suche nach der perfekten Frage.
Denn er ist ja Journalist und wird als solcher von seiner Zeitung zu Pressekonferenzen geschickt und das scheint in China so zu funktionieren, daß man seine Fragen vorher einreichen muß und dann ausgewählt wird, sie zu stellen und das sehr blumig und umständlich formuliert.
So denkt er sich die nach der Todesstrafe aus und stellt sie dann doch anders und während er noch mit sich in Zweifel ist, gerät er in den Strudel des Geschehens. Das heißt, er erscheint pünktlich zum Gespräch mit seinen Vorgesetzten, Li nicht, der lügt den Chef dann auch noch an, so daß Wang ohne zu wissen, wie im geschieht, dessen Stelle, Zimmer und Aufträge bekommt und es ist köstlich zu lesen, wie sich der Zauderer, den niemand ernst nimmt und sogar die Süßkartoffelverkäuferinnen auf die Schuhe spuken, plötzlich zum Vorgesetzten verwandelt, indem er der dicken Putzfrau in der Küche Befehle erteilt und sie auch am Weiteressen auf einer Kartonschachtel hindert.
Dann wird Wang statt Li zu der nächsten Pressekonferenz geschickt und weiß die Frage nicht, die eingereicht wurde, so stellt er eine andere, die nach der Rolle des Westens und sieht sich, nachdem er sie gestellt hat, schon in der Todeszelle, weil es aber zufällig ins Konzept passte, passiert das Gegenteil. Wang wird wieder befördert, klettert die Karriereleiter weiter hinauf, was ihn nach wie vor verwirrt, aber seine Mutter, eine sehr rauhe Person, die er um Rat fragt, kann ihn dabei nicht helfen. Sie schnauzt ihm an und verlangt von ihm nur, daß er endlich für eine bessere Wohnung für sie sorgen soll, sonst kann ihr Söhnchen aufsteigen, wie er will, das ist ihr egal, so daß ihm nichts überbleibt sich auf die Bank vor sein Büro zu setzten und erscheinende Genossin Zhang endlich zu fragen, ob sie mit ihm heute morgen oder immer und ewig essen gehen will?
Ein sehr interessantes Buch, der 1969 geborenen Journalistin, die drei Jahre Chinakorrespondentin war und jetzt die ORF-Journale moderiert. Sie hat auf der ersten “Rund um die Burg neu-Veranstaltung” daraus gelesen und, als ich sie nachher was fragte, mir gleich das Buch signieren wollen.
Ich habe aber gewartet, bis ich es im Bücherschrank gefunden habe und dann sehr gern gelesen, denn China und die chinesische Literatur, von der ich ja nicht sehr viel Ahnung habe, interessiert mich sehr und nach dem ich mit dem Da Sije ein bißchen Schwierigkeiten hatte, bzw. den Protest hinter den blumigen Schilderungen nicht ganz verstanden habe, habe ich mich ein bißchen in sie eingelesen. Dann selber ein Kapitel bzw. eine Biografie nach einem der Bücher geschrieben.
Pearl S.Buck gehört vielleicht auch zur China Literatur wie Daniel Vare mit dem “Schneider der himmlischen Hosen”, eines von den für den Frankfurt Schwerpunkt 2009 übersetzten Bücher habe ich noch auf meiner Liste und auf der chinesischen Mauer bin ich per Video Show von Alfreds Fotos, der jetzt da dort war, vor kurzem auch ein bißchen herumspaziert und habe die verschleierte Führerin gesehen, die das wegen ihrer Sonnenallergie tun mußte, aber trotzdem touristische Gruppen durch die Sonne und die Hitze begleitet, was für unsere Begriffe eher unvorstellbar ist.

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