Literaturgefluester

2008-09-11

Bestseller

Filed under: Uncategorized — jancak @ 11:46

„Wie schreibe ich einen Bestseller?“, fragte sich gestern Jaqueline Nagel von schriftsteller-werden.de und meinte, daß man dafür ortsunabhängig, zeitenunabhängig, genreübergreifen und etwas Neues schreiben muß.
Mir ist dazu eingefallen, daß es 1998, glaube ich, beim Libro im Donauzentrum (den es auch schon lang nicht mehr gibt), eine Art Leserclub gegeben hat. Man konnte sich dafür im Libro-Journal ein Thema wünschen.
Ich habe „Wie wird ein Buch ein Bestseller?“ vorgeschlagen. Libro hat dafür ein Buch versprochen (Handkes „In einer dunklen Nach ging ich aus meinem stillen Haus“, habe ich mir ausgesucht, weil ich „Die Luftgängerin“, den damaligen Bestseller, schon hatte) und einen Herrn von einem deutschen Großverlag eingeladen, der einen Vortrag zu diesem Thema gehalten hat.
Neues habe ich dabei nicht erfahren, jedenfalls nicht, wie man einen Bestseller schreibt, allerdings habe ich Walter Famler im spärlichen Publikum getroffen, der ja eine kurze Verlags- und Geschäftsverbindung mit Libro eingegangen ist.
Inzwischen denke ich, daß hauptsächlich die Förderung des Verlages dazu gehört, der muß das Buch aufbauen und eine Menge Geld hineinstecken. Und das tun die Verlage, habe ich vorige Woche bei der Diskussion in der alten Schmiede gehört, immer weniger und ich glaube man braucht auch einen bekannten Namen, damit sich die Verlage das trauen. So passiert das manchmal bei berühmten Schauspielerinnen und Künstlern, wie Erika Pluhar oder Madonna (das ist wahrscheinlich auch eine Chance für Ghostwriter.)
Bei Harry Potter habe ich gehört, daß das Buch nur zufällig ein Erfolg wurde und zuerst abgelehnt wurde. Aber hier haben wir den spannenden Inhalt, der gut vermarktet und aufgebaut wird und da sind wir schon beim Thema Kriminalromane.
Den wünschen sich die Verlage , weil das die Leute gerne lesen und veranstalten Events wie Kriminächte und Krimifestivals, die auch überlaufen sind.
Da ist dann schon das Spiel mit dem Verbotenen, Negativen dabei.
Bei unseren zwei großen Autoren Thomas Bernhard und Elfriede Jelinek liegt, glaube ich, der Erfolg im negativen Inhalt und der musikalischen Sprache.
Beide werden aber von den Durchschnittslesern eher nicht verstanden und oft abgelehnt.
Für den spannenden Inhalt, dem hartnäckigen konsequenten Arbeiten und einer guten Förderung wäre Daniel Kehlmann mit seiner „Vermessung der Welt“ ein Beispiel.
Das ich nicht gelesen habe, weil mich das Thema nicht sehr interessiert. Wie ich überhaupt gern wissen würde, wieviel der hunderttausenden verkauften Bücher gelesen werden? Ich würde einmal schätzen, daß es nicht sehr viele sind.
Faszinierend sind auch die sogenannten Fehleinschätzungen der Verlage und die Beispiele der Autoren, die es meist mit dem ersten Buch geschafft haben, an die Spitze zu kommen. Dann aber fallen gelassen wurden und meist sehr lang daran leiden.
Brigitte Schwaiger ist es mit „Wie kommt das Salz ins Meer“ so gegangen. Sie hat dann noch sehr viele Romane geschrieben und ist erst jetzt wieder mit ihren Psychiatrieerfahrungen in den Medien.
Ein anderes Beispiel ist natürlich Robert Scheider. Da hört man auch, daß „Schlafes Bruder“ zuerst abgelehnt wurde, dann der große Erfolg, während die Kritik mit seiner „Luftgängerin“ nichts anfangen konnte und ihn ziemlich abgeurteil hat. Sein Roman „Die Offenbarung“ wurde im Jänner in der Hauptbücherei von Angelika Reitzer vorgestellt und hat auch seine Leser, während sich die Fachwelt ein wenig schwer tut und mit dem Kitschvorwurf kommt.
Karin Struck ist noch ein Beispiel, das mir einfällt. In den Siebzigerjahren mit der “ Mutter“ eine gefeierte Suhrkamp Autorin mit „Zwei Frauen“ ist sie dann zu einem kleineren Verlag gewechselt, inzwischen verstorben und den Lesern glaube ich, nicht mehr sehr bekannt.
Der Erfolg liegt also nicht am Schreiben, denn das können glaube ich, alle der Genannten und noch viele mehr. Der wird, glaube ich gemacht und lohnt sich oft offenbar nicht mehr und ich denke, es könnte auch an den Lesern liegen, denn die können sich ja aussuchen, was ihnen gefällt, so daß nicht immer ständig dasselbe Thema wiederholt und variiert werden muß.
Die Holocaust-Romane sind ein Dauerbrenner, die mich auch sehr interssieren .
Es geht dabei aber sicher viel verloren und das wurde bei der Diskussion am vorigen Donnerstag auch beklagt.
Und leider scheint es wirklich so zu sein, daß „schreiben“ allein nicht mehr genügt, obwohl oft behauptet wird, daß man nur gut genug sein muß.
Jaqueline Nagels Lesergemeide sieht ihre Hoffnung in der Nische, die sich jeder Schreiber suchen kann und das, denke ich, hat etwas an sich und ich praktiziere es auch.
So habe ich im Juli beim Thalia-Krimi-Wettbewerb mitgemacht und prompt die Türdacke gewonnen und einmal eine Hautcreme und eine Chris-Lohner-Cassette, weil ich meinen „Letzten Versuch“ zu einem Wettbewerb einer Hautcremefirma schickte, die wissen wollte, was es für Probleme beim Älterwerden gibt. Um Literatur ist es dabei gar nicht gegangen.

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