Literaturgefluester

2008-09-13

Im Grenzland

Filed under: Uncategorized — jancak @ 02:30

Der 1964 in Berlin geborene und in der DDR aufgewachsene Sherko Fatah steht mit seinem Roman „Das dunkle Schiff“ auf der Liste für den deutschen Buchpreis.
Ich habe schon lange seinen Debutroman „Im Grenzland“ und die Erzählung „Donnie“, von einem der Büchertürme der Literatur im März nach Haus gebracht und lange nicht gelesen.
Jetzt hat mich die Buchpreisberichterstattung dazu angeregt, mich mit dem Debutroman zu beschäftigen und eine Kurzrezension zu schreiben, was ich hier noch nicht gemacht habe.
Was nicht so leicht ist, denn vieles bleibt vage in dem Roman und angedeutet. Im Klappentext kann man erfahren, daß es um kleine Geschichten über Krieg, Willkür und Folter geht.
Es war mir lang nicht klar, in welchen Land der 2001 erschienene Roman spielt.
Fatah ist der Sohn eines Kurden und einer deutschen Mutter, in der DDR aufgewachsen und lebt in Berlin. Das Buch soll im Grenzland von Iran, Irak, Türkei spielen, habe ich dann nachgelesen. Es geht um einen Schmuggler, der keinen Namen hat. Ein Kleinkrimineller der Konsumgüter, wie Computer durch das Grenzland schmuggelt, dabei in die Fänge der inneren Sicherheit gerät und in einem roten Haus landet, das mich auch an die DDR erinnert hat und dann geht es, nach ein paar politischen Andeutungen und Erklärungen, um eine Vater-Sohn Geschichte. Der dreizehnjährige Sohn hat sich mit den falschen Leuten eingelassen, wird verhaftet und verschwindet. Der Vater verläßt seine Frau, besorgt sich von seinen Schwestern Geld und sucht nach dem Sohn, dabei wird er gefoltert und einen geheimnisvollen Beno, der in der inneren Sicherheit mit ihm zusammenarbeitet, gibt es auch.
Das Ganze sehr vage und verschwommen, ein bißchen hat es mich an Kafka erinnert und weniger an das orientalische Erzählen.
Eine Geschichte von der Hitze in der Stadt, in der die Meteorologen im Fernsehen jeden Tag von 40 Grad Celsius sprechen, obwohl die Leute auf ihren Thermometern über fünfzig Grad haben und dann, als sie sich beschweren, vom Reporter vor laufender Kamera erfahren, daß von oberster Stelle angeordnet wurde, daß die Hitze nie mehr als 40 Grad betragen darf, gibt es auch. Aber die hat mich auch mehr an die DDR erinnert. Da hat man solches ja gehört.
Interessant also Buch und Sprache eines in Deutschland aufgewachsenen Märchenerzählers, der Philosophie und Kunstgeschichte studiert hat und über das Grenzland schreibt.
Der neue Roman spielt auch dort und ist, wie ich ebenfalls gelesen habe, auf der Shortlist für den Leipziger Buchpreis gestanden. Für den jetzigen gibt es noch keine solche, die wird erst nächste Woche verkündet und dazu soll es auch sogenannte „Blinddate“-Lesungen geben. Das habe ich aus dem Standard at.
Dort gab es heute auch ein paar Preisankündigungen.
So wird Katja Lange-Müller den Raabe-Preis für „Böse Schafe“ bekommen, Daniel Kehlmann den Per Olov Enquist Preis und Bettina Balaka den Friedrich Schiedel Literaturpreis.
Das wird mir mit meinen Digitalbücher nicht passieren. Das ist der Nachteil des Selbermachens, so angenehm die Eigenständigkeit sonst auch ist.
In eigener Sache habe ich heute ein bißchen über das Otto Wagner Spital und „Hundert Jahre Steinhof“ recherchiert und ausgedruckt, obwohl ich wahrscheinlich noch sehr lang an der „Radiosonate“ arbeiten werde.

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