Literaturgefluester

2008-09-23

Volltext-Wunschkrimi

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:22

An einer Jörg Haider Wahlveranstaltung vorbei, bin ich heute wieder etwas verspätet in die alte Schmiede gekommen.
Diesmal fand die Veranstaltung direkt in dieser, also zwischen alten Werkzeugen statt, wurde ja eine Literaturzeitschrift vorgestellt.
Den Volltext, den es seit 2002 gibt und der in der österreichischen Literaturzeitschriftenlandschaft etwas Besonderes ist. Das Zeitungsformat nämlich, dann wird sie auch an Kiosken vertrieben, um direkt an die Leser zu kommen und eine größere Auflage zu erreichen.
Ein ehrgeiziges Ziel, das einmal sogar als Buchmessenbeilage im deutschen Raum, gigantische Ausmaße annehmen sollte, aber daran gescheitert ist.
Ich kenne die Zeitschrift trotzdem gut, bringt sie mir doch Alfred öfter mit, wenn er am Samstag zum „Morawa“ geht, machmal wird sie auch bei Veranstaltungen verteilt. Die Bachmannpreisberichterstattung ist dabei lobend zu erwähnen, denn da kann man schon vorher die Portraits der Teilnehmer und einen ihrer Texte lesen.
Ansonsten finde ich sie ziemlich Deutschland-lastig, was ich einmal auch dem Herausgeber gemailt habe, aber leider keine Antwort bekam.
Versuchter Mainstream halt und nur das Beste ist für uns genug und das sind dann oft die deutschen Brüder und Schwestern, sind wir ja ein kleines Land, was man übrigens auch am Bachmannpreis merken kann.
Thomas Keul hat die Zeitschrift vorgestellt, dann haben bei der Kolumne „Unwürdige Lektüre“, die inzwischen auch als Buch erschienen ist, drei österreichische Autoren und Autorinnen, nämlich Sabine Gruber, Franzobel und Martin Amanshauser ihre Texte gelesen.
Dann kam noch eine andere Kolumne dran, nämlich „Neulich“ von Andreas Maier aus Bad Nauheim.
Von ihm habe ich auch ein ungelesenes Buch im Badezimmer liegen und in der Nummer, die ich mitgenommen habe, liest er Adolf Hitler und scheint ihn mit Thomas Bernhard zu vergleichen.
In dieser Nummer wird aber auch groß und wuchtig, das neue Buch von Norbert Gstrein vorgestellt und der Briefwechsel zwischen Ingeborg Bachmann und Paul Celan. Dann ist aber wieder Alban Nikolai Herbst an der Reihe und der hat in einer älteren Nummer einen ganzen Roman abgedruckt und Heike Geißler, die heuer beim Bachmannpreis gelesen hat, stellt die Dr. Norden Groschenromane als unwürdige Lektüre vor.
Die hat sie nämlich gelesen, als ihr als Deutschlektorin in Archangelsk, die deutschen Bücher ausgingen, ihr aber eine andere Sprachassistentin einen Stapel dieser Groschenromane hinterlassen hat. Interessant, denn Sabine Gruber hat von ihrem Zimmermädchenjob in Rom gelesen, wo sie nach der ausgelesenen Anna Karenina einen Stapel italienischer Fotoromane von ihrer Arbeitskollegin bekommen hat.
Martin Amanshauser schwämte dagegen von einer wunderbaren Gerhard Berger Biografie, während Franzobel die Zeitschrift „News“ beschimpfte und seither dort nicht mehr vorkommen darf.
Ich bin mit einem Zeitschriftenstapel nach Haus gegangen, habe noch kurz ins Zelt der Grünen hineingeschaut und mir Werbematerial, sowie eine CD, auf der Mieze Medusa singt, mitgenommen und dann ein mail an Anni Bürkl geschickt, denn die schrieb als lizenzierte Ich-Agentur ein Gewinnspiel aus, bei dem man sich, um einem Wunschkrimi zum Thema „Rufmord“ bewerben kann und weil ich mir vor zwei Wochen bei den wilden Worten, ein Gedicht zum Thema „Depression im Herbst“ wünschte, habe ich gleich meine „Bewerbungsunterlagen“ zum Thema „Wahlkampf in neoliberalen Zeiten“ hingeschickt. Mal sehen, ob ich die glückliche Gewinnerin bin, sonst muß ich den Krimi selber schreiben.
Material habe ich in den letzten Tagen ja genug bekommen. Denn am Donnerstag habe ich beim Frühstück mit dem Bezirksvorsteher zum Tag der offenen Tür, die alten Frauen über die zuvielen Ausländer und die zuwenigen Polizisten schimpfen gehört und am Freitag wurde Alfred in der Kettenbrückengasse fast zusammengeschlagen und trägt jetzt einen Kopfverband. Und die Reaktion der Leute, denen wir das mitteilten, war auch psychologisch interessant.

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