Literaturgefluester

2008-10-21

Von Frankfurt nach Czernowitz

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:24

In den gestrigen Tag bin ich schwer gestartet. Frankfurt ist, ob seiner Fülle doch sehr deprimierend und wenn ich man dann noch die Geschichte von den drei e-mails und den großen Bucherfolg scherbenpark.de hört ….
Und ich schreibe doch so gut, zumindest aber ehrlich und bemüht. Da könnte man aus der Haut fahren und alles hinschmeißen!
Ich habe aber von Andrea Stift ein liebes mail bekommen, ja das bloggen ist sehr kommunikativ und man kommt schnell in Kontakt zu anderen.
Danach habe ich Ruth Aspöck angerufen und mich am Donnerstag für ihren Galerie Jour fixe mit Evelyn Holloway und am Freitag für die Neuaufnahmelesung in der alten Schmiede entschuldigt und dann, ich gebe es zu, sehr langsam und sehr lustlos an der „Radiosonate“ korrigiert. Dazwischen habe ich mir noch ein paar Sachen zu Frankfurt ausgedruckt. Ich bin und bleibe eben eine von der Literatur Besessene, auch wenn ich darin glücklos bin und Hilde Schmölzer hat mir den Link zur Buchmesse und die Einladung zu ihrem Rosa Mayreder-Abend zum 150. Geburtstag und 70. Todestag der großen Frauenrechtlerin am 29. 10. um 19 Uhr im Literaturhaus geschickt.
Dann noch einmal die Ohrenschmaus-Lyrik durchgesehen, damit ich heute um fünf nicht alles vergessen habe und nach zwei Stunden, die auch schwierig waren, verspätet in das alte Rathaus gehetzt und gerade noch einen Platz gefunden.
Denn das literarische Leben geht ja weiter und da gab es am Montag einen Benefizabend für Josef Burg, der als der letzte übergebliebene jiddische Dichter in Czernowitz lebt, 1912 geboren wurde und sein Bett nicht mehr verlassen kann und daher eine Rund um die Uhr Betreuung braucht. Konstantin Kaiser von der „Zwischenwelt“, der sich um ihn kümmert, hat mir voriges Jahr vor Weihnachten sein Erinnerungsbändchen „Über jiddische Dichter“ mit einem Zahlschein geschickt.
Jetzt gab es das Benefiz-Achterl ab vier Euro und vorher noch einen Diavortrag über das heutige und gestrige Czernowitz zur 600-Jahr Feier.
Felix Mitterer las eine Geschichte aus dem neuen Buch „Ein Stück trockenes Brot“. Es gab eine Videolesung mit dem Dichter und dann noch eine Diskussion mit zwei alten Damen, die in Czernowitz geboren wurden und heute in Israel leben, von denen eine Czernowitz in goldener Verklärung sieht, während die andere eher kritische Erinnerungen an ihre Kindheit hat.
Dann gab es das Buffet mit Brötchen, Saft und Wasser und ich stand an einem Tisch, wo sich immer mehr Männer Brötchenberge auf ihre Teller türmten und, als ich sie erstaunt ansah, stolz erklärten „Wir kommen alle aus Czernowitz!“
Ich bin dann zu Dr. Koller gegangen, den ich lange nicht gesehen habe, früher aber immer bei diversen Literaturveranstaltungen traf.
„Was macht die Literatur?“, habe ich gefragt und er hat zu meinem Erstaunen geantwortet, daß er sich dafür nicht mehr interessiert.
Denn man kann nicht alles lesen, er ist sehr kritisch geworden und läßt nur mehr das Beste gelten. Den „Turm“ von Uwe Tellkamp wird er lesen, das andere hat ihn bei der Buchmesse nicht interessiert und wir waren schon in der schönsten Diskussion.
Danach zwei anderen Stammbesucherinnen die Einladung für den 12. November übergeben, einen Fünfeuroschein aus der Tasche gezogen und mit Konstantin Kaiser mit einem Roten auf den Dichter angestoßen.
Beim Büchertisch Felix Mitterer begrüßt, der mich nicht mehr kannte und erstaunt aufsah, als ich schüchtern sagte „Wir sehen uns ja morgen!“
„Ach ja, beim Ohrenschmaus!“, hat er sich schließlich erinnert, dann hat sein Handy geklingelt und ich bin zum KulturKontakt Tisch gegangen, wo es einen Czernowitz-Bildband zur freien Entnahme gab, sowie von Georg Löwendal gemalte Karten von der Bukowina.
Ich bin noch eine Weile in der Nähe von Felix Mitterer und Konstantin Kaiser gestanden und habe mitbekommen, wie sich Annemarie Türk vom KulturKontakt verabschiedet hat.
„Ich bin todmüde“, hat sie zu ihnen gesagt, „denn ich bin gerade aus Frankfurt zurückgekommen!“
Ach ja, Frankfurt läßt grüßen und ist in aller Munde, man kommt nicht daran vorbei.
So hat sich auch Anni Bürkl in ihrem aktuellen Eintrag darauf bezogen und ich habe mir auch noch einige Podcasts angeschaut und da sind mir einige Widersprüche aufgefallen. So haben sie auf der einen Seite die Leute ja geradezu zum Bücherklauen aufgefordert und durchblicken lassen, daß das, was gestern ab sechs eingepackt wurde, nicht mehr zu verkaufen ist.
Auf der anderen Seite geht es aber um das Geschäft und das hat es, so hörte ich im Kulturjournal, auch gegeben.
Den höchsten Besucherrekord und die Auswirkungen der Wirtschaftskrise waren nicht zu merken. Im Kunstmarkt schon, auf der Buchmesse nicht.
Dr. Koller wird sich aber nur den Uwe Tellkamp kaufen und ich werde jetzt in den Czernowitzer Ansichten blättern.

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