Literaturgefluester

2009-01-28

Alter Vogel, flieg

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:31

Die Recherchepläne heute auf den Steinhof zu gehen, habe ich auf der Mariahilferstraße aufgegeben, nachdem ich gesehen habe, bei Buchlandung gibt es wieder eine Ein-Euro-Kiste, also hinein und mit Marie-Therese-Kerschbaumers „Ausfahrt“ aus dem Landvermessung Lesekoffer, Jan Koneffkes „Paul Schatz im Uhrenkasten“ und Helena Janeczeks „Lektionen des Verborgenen“ bin ich nicht hinaufmarschiert. Zumal ich eigentlich schreiben wollte und das Wetter nicht so war, daß ich das oben tun hätte können. Also bin ich trotz verschobener Klientenstunde bei dem ursprünglichen Plan, die Recherchearbeit in den „Thalia“ zu verlegen geblieben und habe mir dort wieder die Jenny Erpenbeck und den Jonathan Coe geholt und vor allem den studiert und das war sehr aufbauend. Denn das Konstrukt ist nicht so kompliziert, das bringe ich auch zusammen.
Eine Rahmenhandlung und dann zwanzig Geschichten, die ganz einfach Bildbeschreibungen sind und ich habe eigentlich auch eine gute Konstruktion.
Nämlich die hundert Jahre, die mit der Hundertjahrfeier zu beginnen, in die die Nachricht vom Tod Klaras kurz vor ihrem hundertsten Geburtstag kommt und dann die drei Geschichten bzw. Bücher Klara-Johanna-Sarah mit den jeweils wechselnden Perspektiven und das Ganze spielt an einem Tag bzw. an dem davor und dabei werden das ganze Frauenleben und das der Tochter, Enkel- und Urenkeltochter und noch einige andere Geheimnisse und Verwicklungen aufgerollt.
So wie es jetzt angelegt ist, wird es sicher nicht sehr lang, aber irgendwie gefällt mir auch das Kurze, die Andeutungen des Schreckens sozusagen und das Zeigen der Ereignisse in Bildern und Metaphern.
Das ist was ich jetzt habe, bzw. noch kommen soll, aber wie schon geschrieben, ich lasse es mir offen, das Ganze doch noch aufzurollen und das bis jetzt nur Angedeutete auszuschreiben, weil man das ja auch können muß, bzw. lernen soll.
Ich bin also zurückgegangen und habe das dritte Sarah Kapitel geschrieben, dazwischen ist ein sehr lieber Kommentar von Anni Bürkl gekommen, die die Schwierigkeit mit klarem Blick sofort erkannt hat.
Und am Abend gab es wieder eine Buchpräsentation im „Rotpunkt“ in der Reinprechtsdorferstraße, nämlich Bärbel Dannebergs „Alter Vogel, flieg“, das Tagebuch einer pflegenden Tochter, die die Demenzkrankheit ihrer Mutter beschreibt, also auch zum Thema passt, obwohl meine Klara nicht an Demenz leidet, sondern noch mit achtzig mit der Enkeltochter für die Rigorosen lernt.
Es ist aber ein Thema, das mich interessiert und das ich auch schon hinter mir habe, die Pflege meines Vaters nämlich und ich schreibe ja auch oft über sehr alte Menschen und dann kenne ich Bärbel Danneberg schon lang. Nämlich seit 1979, als ich in den Arbeitskreis schreibender Frauen gekommen bin, der im „Rotpunkt“ von ihr organisert wurde, die damals in der „Stimme der Frau“ geschrieben hat (in der ich meine erste Veröffentlichung hatte). Seither sehe ich sie gelegentlich auf dem Volksstimmefest, vor zwei Jahren haben wir uns in Leipzig auf der Messe getroffen, da ist dann bald ihr Mann Julius Mende an einer Krebserkrankung gestorben und von dem Buch weiß ich, weil Vorabdrucke im Augustin erschienen sind. Jetzt habe ich es für den Alfred gekauft und werde es gleich in der Badewanne lesen.
Aber vorher gibt es noch ein paar Jubelmeldungen, nämlich erstens bin ich mit dem Uwe Tellkamp fertig und werde mir als nächstes Cornelia Travniceks „Die Asche meiner Schwester“ vornehmen, um herauszufinden, wie die Leute schreiben, die geboren wurden, als ich meine ersten Romane schon hinter mir hatte.
Ob ich eine extra Rezension über das Tellkamp Buch schreiben will, weiß ich nicht. Ich habe es ja in den letzten Monaten immer wieder eingeflochten und diese Beiträge werden auf meinem Blog auch gut besucht. Er hat vor kurzem wieder einen Preis gewonnen und die Lektüre war lang und interessant. Im letzten Frühjahr hatte ich auch so eine Monsterlektüre, die alles andere für Monate lahmlegte, nämlich Jonathan Littells „Die Wohlgesinnten“, das mich Karl Stubenvoll aussuchen ließ, als ihn Alfred bekocht hat.
Beim Tellkamp Buch steht auf der Rückseite „Ein Meisterwerk, wenn in Zukunft einer wissen will, wie es in der späten DDR wirklich gewesen ist, sollte man ihm diesen Roman in die Hand drücken“.
Da bin ich mir nicht sicher, ich war zwar nur einmal zwei Wochen in der realexistierenden DDR, nämlich im Jahr 1985 und dabei einen Tag in Dresden, aber ich denke, dieses Luxusleben, das in dem Buch beschrieben wird, ist nicht die ganze Wirklichkeit. Es ist auch viel Sex und Crime dabei und natürlich langatmig und ich habe auch nicht alles mitbekommen, weil ich es in Etappen gelesen habe.
Vom Stil her ist es mir ein bißchen antiquiert bzw. sehr kunstfertig vorgekommen. Es ist aber natürlich eine Monsterarbeit und ich habe schon geschrieben, der Bachmanntext damals hat mich fasziniert, da habe ich gedacht, der kann besser schreiben, bei den neunhundert Seiten hat sich dieser Eindruck wieder verwischt.
Interessant war es aber trotzdem und die Schriftstellergeschichten habe ich, glaube ich, schon im Original gelesen, z.B. in dem Briefwechsel Fühmann-Wolf.
Und die zweite Jubelmeldung, ich habe wieder im Gewinnspiel von Dietmar Füssl einen Text von ihm gewonnen.
Ja und dann ist auch John Updike gestorben, von dem ich auch ein paar Bücher habe, die ich noch lesen muß.

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