Literaturgefluester

2009-02-16

Marie-Therese Kerschbaumer

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:51

Jetzt habe ich den zweiten Band von Marie Therese Kerschbaumers Trilogie, den ich vor ein paar Wochen im Buchlandung ein Euro Abverkauf gefunden habe, gelesen.
Die Fremde – Ausfahrt – Fern – die autobiografisch gefärbten Romane der Sprachvirtuosin Kerschbaumer, von dem Mädchen Barbarina, wie es Elisabeth Reichart nannte.
Den dritten Band habe ich einmal bei einer „Literatur im März-Veranstaltung“ bekommen und auf einer unserer Toskana-Reisen gelesen und jetzt den zweiten Band.
Da sich der Inhalt schwer beschreiben läßt, möchte ich ein wenig über Marie Therese Kerschbaumer plaudern, die ich schon lang kenne. Sehr lang sogar.
Als ich Samstag in Harland mein Einleitungsreferat für die Mittleren III vorbereitete, bin ich auf sie gestoßen. Denn ich will in meiner Reihe ja von der eigenen Schreibbiografie ausgehen und da ist Marie Therese Kerschbaumer am Anfang gestanden und hat mich sicherlich geprägt.
Monika Jensen hat mich Ende der Siebzigerjahre in den Arbeitskreis schreibender Frauen gebracht, der sich aus einem Abend des Bundes demokratischer Frauen mit dem Thema „Warum Frauen schreiben?“, gebildet hat, weil zu diesem Abend sehr viele Frauen mit ihren Manuskripten gekommen sind.
Da hat sie mir von Marie Therese Kerschbaumer erzählt, die dort dabei ist und die, wie sie mir sagte, sieben Jahe brauchte, bis sie mit ihren Roman „Der Schwimmer“ den Durchbruch geschafft hat. Damals habe ich noch geglaubt, es in dieser Zeit auch zu schaffen und Marie Therese Kerschbaumer hat den Arbeitskreis, wie sie mir sagte, geleitet.
Es war dann noch Bärbel Danneberg da und Christa Stippinger und Elfriede Haslehner hat mir Jahre später auch erzählt, daß sie ihn geleitet hätte.
Viele Leiterinnen also. Für mich war der Arbeitskreis sehr wichtig und ich dachte wohl auch, ich bin jetzt in der Gruppe 47 und ja richtig, Arthur West war auch dabei und hat seine Sichtweise auf das weibliche Schreiben eingebracht und uns zum linken Wort aufs Volksstimmefest.
So habe ich einen ersten Einblick in den Literaturbetrieb bekommen und als ich 1987 in die GAV aufgenommen wurde, war Marie Therese Kerschbaumer schon dort und ich kann mich erinnern, daß ich sie beim neuen Institutsgebäude getroffen habe und da ist sie ist sehr herzlich auf mich zugekommen und hat gesagt „Jetzt bist du eine von uns!“
Nun ja, so einfach war das natürlich nicht, sie hat mir bei einer Sitzung der IG- Autoren aber ein Paar Schuhe angeboten und bei der ersten Frauenlesung, die ich 1990 in St. Pölten organisiert habe, hat sie gelesen.
Später nie mehr und es gab auch eine Geschichte mit einer Ohrfeige 1998 bei einer anderen Sitzung der IG Autoren.
Ein paar Jahre vorher war ich mit ihr und mit Gerhard Kofler in Mürzzuschlag beim Fest von Ernst Jandl oder Gerhard Rühm im Brahms-Museum und das hat vorher Ernst Kölz besucht und sich ins Gästebuch eingetragen.
Marie Therese Kerschbaumer war sehr begeistert und ich hatte keine Ahnung, daß Ernst Kölz ein so berühmter Mann ist, habe ich doch mit ihm und Kurt Kren in derselben Pension gewohnt.
Das sind so meine Erinnerungssplitter an Marie Therese Kerschbaumer.
Den Roman „Schwestern“ habe ich noch in den Siebzigerjahren, gleich nach seinem Erscheinen gelesen und, daß ich den „Weiblichen Namen des Widerstands“ nicht habe, bin ich erst später draufgekommen, da war ich bei so vielen Lesungen, daß ich gedacht habe, ich hätte es gelesen.
Und jetzt nach „Fern“, die „Ausfahrt“, die auch ihre eigene Geschichte hat. Ist es ja ein Band des Austrokoffers bzw. Landvermessung, wie es dann geheißen hat.
Denn zum Jubiläumsjahr ist Günther Nenning, der auch GAV-Mitglied war, auf die Idee gekommen, einen Koffer mit fünfzig Bänden österreichischer Autorinnen und Autoren, der den Schulen zur Verfügung gestellt werden sollte, herauszugegeben und wurde dabei von der Autorenschaft, die sich übergangen fühlte, wie ich es formulieren würde, sehr gemobbt.
Anna Mitgutsch, hat gemeint, sie ließe sich keinen Roman stehlen, Elfriede Jelinek und immer mehr der Auserwählten haben abgesagt. Günther Nenning war sehr betroffen, der Verlag, der es zuerst machen sollte, ist abgesprungen, schließlich haben sich dann Robert Schindel, Milo Dor, Marie Therese Kerschbaumer, Julian Schutting und Anna Mitgutsch gefunden, die das Projekt gerettet haben, so daß der Koffer unter dem Namen „Landvermessung“ im Residenz Verlag erschienen ist.
Günther Nennig hat noch gelebt, ist aber zu der Präsentation in den Volksgarten nicht mehr gekommen, sondern hat nur mehr einen Tonbandgruß geschickt und es war sehr interessant zu sehen, wer in den fünfzig Bänden nicht oder schon enthalten war.
Ich natürlich nicht, war aber bei der Präsentation und habe auch in meiner „Zusteigerin oder die Reise nach Odessa“ ein bißchen was darüber geschrieben und bei der Präsentation gab es ein tolles Buffet und einen Gratisband und nun kann man vielleicht auch die anderen Bände billig erwerben.
Marie Therese Kerschbaumer ist vielleicht auch nicht so berühmt geworden, wie es hätte sein können. Der Wieser Verlag hat zu ihrem 70. Geburtstag aber ihr Gesamtwerk herausgebracht und bei Lyrik im März, der nächsten großen GAV Veranstaltung wird sie sicher auch auftreten.

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