Literaturgefluester

2009-03-10

Frauentag und Frauenlesungsvorbereitungstreffen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:31

Das Harlander Wochenende war ein bißchen hektisch.
Weil seit Donnerstag Nachmittag gabs in Wien keinen Internetanschluß und ich wollte ja die Frauenlesung vorbereiten.
Also alle Unterlagen nach Harland schleppen und dabei die Kitab-Verlagsadresse prompt verlieren und dort gleich aufgeregt, weil Janko Ferks Anmeldung für den „Tag der Freiheit des Wortes“ offenbar verloren gegangen ist, er sehr beharrlich reagierte und es mich immer sehr verunsichert, wenn etwas schiefläuft oder nicht klappt.
Dann die Frauen und die Medien angeschrieben, einen vorläufigen Blogeintrag mit der Radiosonatenankündigung verfaßt und mit dem vollgefüllten Auto auf die Baumgartner Höhe gefahren um für den „Haus“ Umschlag zu fotografieren.
Dabei war Frauentag und da hat Ruth Aspöck in der Galerie NUU eine Veranstaltung organisiert.
Zuerst wollte ich nicht kommen, dann dachte ich, es geht sich aus, weil wir am Nachmittag ohnehin nach Wien zurückfahren.
Alfred hat mich mit dem Auto hingebracht und ich bin gerade zu Ruth Aspöcks Lesung zurechtgekommen und habe von dem ersten, von der Grazer Autoren Versammlung veranstalteten Block, die Lesungen der Salzburger Autorinnen Bettina Balaka und Margret Kreidl versäumt.
Es war sehr voll, ich habe gerade weit hinten einen Platz bekommen.
Nach der Pause wurde es leerer und ich konnte mich in einen bequemen Fauteuil weiter vorne setzen und die bekannten und auch unbekannten Gesichter studieren.
Das Wiener Lesetheater, bzw. Christa Nebenführ, Andrea Pauli, Judith-Gruber-Rizy und Ruth Aspöck lasen aus einem Essay von Heidi Pataki „Fluchtmodelle: Zur Emanzipation der Frau“, der 1972 bei Jugend und Volk erschienen ist und es war sehr spannend, die Veränderungen zu überlegen.
Was hat sich seit damals, seit den frauenbewegten Siebzigerjahren, in denen ich zu studieren begonnen habe, getan?
Sehr viel hoffe ich, außer, daß wir älter geworden sind.
Oder auch nicht, denn der freie Hochschulzugang, auf den wir ja so stolz waren, ist inzwischen zu einer Farce geworden und ich habe in der nächsten Pause mit Robert Egelhofer und einer nicht sehr ausländerfreundlichen Frau über den Vorschlag der Frau Unterrichtsminister, daß die Lehrer zwei Stunden länger unterrichten sollen, diskutiert.
Es gab Gewürztee, Reis, Linsen und rote Rüben, die diesmal zu bezahlen waren, nur die mit Marzipan gefüllten Datteln waren umsonst, so daß ich mich damit vollstopfte, Wasser trank und auf den Film wartete, der vor dem Frauenfest gezeigt werden sollte.
Ein Film aus dem Jahr 1982 mit dem Titel „Das Fest“, zu dem Marie Therese Kerschbaumer das Drehbuch geschrieben hat und der von einem Frauenfest handelte, bei dem man sehen konnte, wie die meist bekannten Autorinnen, vor siebenunzwanzig Jahre ausgesehen haben.
Das war interessant und spannend, manche waren nicht zu erkennen, einige schon gestorben und andere nicht darauf.
So war der gesamte Arbeitskreis schreibender Frauen, mit einer jungen schönen Bärbl Danneberg, Erika Danneberg und Valerie Szabo-Lorenz, die beide schon gestorben sind, zu sehen.
Bruni Langthaler und ich fehlten und ich kann mich auf dieses Frauenfest, das im Lusthaus stattgefunden hat, nicht erinnern.
Irgendwie ist das an mir vorbeigegangen, obwohl ich mich im Arbeitskreis schreibender Frauen sehr engagierte.
Die Solidarität unter den Frauen muß damals aber größer gewesen sein.
Zu mindestens nach außen. So hat Marie Therese Kerschbaumer den Film gemacht, Elfriede Jelinek hält ein Pamphlet in die Höhe bzw. versteckt sie sich dahinter, Elfriede Gerstl gibt ein aufmüpfiges Interview, von Heidi Pataki ist ihr berühmtes Gedicht „Praxis“ – Als Immanuel Kant die Fenster putzte…“ zu hören und der Arbeitskreis schreibender Frauen schrieb seine Namen auf eine Tafel und eine kaum zu erkennende Hilde Schmölzer präsentiert ihr Buch „Frau sein & schreiben“.
Was ist davon geblieben?
Elfriede Jelinek hat den Nobelpreis bekommen und geht nicht mehr aus dem Haus.
Die Literatinnen haben sich zum Teil dem Mainstream angepasst und veranstalten Schreibseminare, die man bezahlen kann und sehr viel Solidarität habe ich auch nicht verspürt, als ich mich so umgesehen habe.
Zu mindestens sind es schöne Erinnungen, wenn es sich auch nur um versäumte Gelegenheiten handelt.
Und das angekündigte Frauenfest fand 2009 mangels Teilnehmerinnen auch nicht statt.
Denn als Alfred um ca. neun Uhr kam, war nur mehr die Galeristin mit ihren Freunden da und ich habe mich immer noch mit der unter den vielen Ausländern leidenden Frau unterhalten.
Gestern gab es dann das Vorbereitungstreffen zu meiner Frauenlesung am nächsten Mittwoch, die sich auch auf den Arbeitskreis schreibender Frauen bezieht, obwohl ich die in der dritten Staffel lesenden Frauen nicht von dort kenne.

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