Literaturgefluester

2009-03-29

Flieh, mein Freund

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:56

Der schnodderig vor sich hin monologisierende Louis Blaul, den alle, bis auf die Sekretärin seines Vaters, Lolly nennen, hat es nicht leicht im Leben.
Da ist einmal seine Kurzsichtigkeit und sein Silberblick, so daß er sich hinter getönten Brillengläsern versteckt.
Dann wächst er noch bei Oma Mia und Opa Jupp auf und enttäuscht den, den Stress mit Keksen killenden Vater damit, daß er das Abi hinschmeißt und nicht in seine Werbbeagentur einsteigen will.
Stattdessen scheint er in einer Berliner Abbruchwohnung neben einer Rentnerin mit Darmproblemen zu wohnen, die nächtens nach ihrer toten Katze schreit.
Es gibt aber noch andere Probleme.
Da ist seine Beziehung zur Krankenschwester Vanina, die in einer WG mit gutbetuchten Frauen lebt, mit der sich Dr. Lolly zwar in einer wahren Sexualorgie ergehen kann, die Beziehung dann aber doch nicht so schafft.
Erstens sträuben sich die Wohngemeinschaftsfrauen gegen den Mann in ihrer Wohnung und in Lollys Elendsquartier ist Tante Wolle sauber zu machen, so daß Vanina keine Energie mehr für ihren Lolly bleibt und dann sind da noch seine Eltern.
Der karrieregeile übergewichtige Vater, dem man seine Open Air Konzerte und Hippie-Vergangenheit gar nicht glauben will und der durchgeknallten esoterischen Mutter Mary, von der man laut Lolly nur selten Gutes hört, weil sie nur Postkarten aus irgendeinem Winkel der Welt schreibt und dann Geld von ihrem Sohn benötigt.
Nach und nach kommt das Elend des jungen Mannnes auf der Suche nach der ersten Liebe heraus.
Denn während der Vater, kurz nachdem er Mary geschwängert hat, seinen Bart abgeschnitten und die Werbeagentur eröffnet hat, hat sich Mary zum Studium nach Spanien begeben und wurde dort im fünften Monat schwanger zum Drogen Schmuggeln nach Mexiko geschickt.
Danach erlebt sie elf Jahre Haft in der Schweiz und so wächst der kleine Lolly bei den Großeltern auf, verweigert das bürgerliche Leben und reist von der Mutter unterstützt, dann doch seiner Vanina nach, die mit der betuchten Freundin Mara nach Rom verschwunden ist, weil sie mit ihm nicht zum Zelturlaub wollte.
Sehr witzig und komisch wird hier das Elend eines jungen Mannes auf dem Weg ins Erwachsenwerden, von, wie im Klappentext steht, einem der besten deutschen Erzähler, beschrieben.
Der 1953 geborene Ralf Rothmann hat bei Suhrkamp schon eine ganze Reihe von Romanen herausgebracht.
Den 2000 erschienenen „Flieh mein Freund“, habe ich vor einigen Wochen aus der Buchlandung-Schnäppchen-Kiste gezogen und vorhin in der Badewanne gelesen.
Dann habe ich noch die Erzählung „Der Windfisch“ in Harland, die ich noch lesen muß. Und den Autor habe ich, 1999, im Museumsquartier kennengelernt, als er bei der damals noch existierenden, von Alexandra Millner kuratierten Literatur im März Veranstaltung gelesen hat.

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