Literaturgefluester

2009-04-14

Margaretner Osterspaziergang

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:21

Gerade sind wir vom Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters nach Hause gekommen. Es war schön und sehr intensiv. Von dreizehn Uhr bis kurz vor Mitternacht. Außerdem hat mich Rolf Schwendter an sehr vielen Stellen zu lesen eingeteilt, was mir sehr gut tat, da ich mich ohnehin sehr übergangen fühle.
Die Idee dazu ist mir im vorigen Jahr gekommen, als es durch den achten Bezirk ging. Da haben plötzlich alle ihre eigene Texte gelesen, ich hatte nichts mit und dachte nur, die Stelle mit den Hüten im „Novembernebel“ hätte gut gepasst. Das Buch war damals aber noch nicht veröffentlicht. Ich habe es, nachdem es erschienen ist, mit der Erzählung „M. M. oder die Liebe zur Germanistik“ Rolf Schwendter geschickt und Margareten als nächsten Bezirk vorgeschlagen bzw. meine Mithilfe angeboten. Rolf Schwendter hat es aufgegriffen. Werner Grüner und Susanne Schneider haben mitorganisiert. Dann wurde es ein sehr schöner Spaziergang, vor allem das Wetter war, im Gegensatz zum vorigen Jahr, sehr toll.
Wir sind um halb elf von Harland nach Wien gefahren und kurz nach eins in der Waldviertler Stuben auf der Wiedner Hauptstraße angekommen. Das ist ja immer interessant, wo die Grenze zwischen dem vierten und dem fünften Bezirk verläuft. Die Wiedner Hauptstraße 89 liegt im Fünften. Und schräg gegenüber das Haus, wo Friederike Mayröcker geboren wurde. Daniela Beuren hat mit einem schönen roten Strohhut die Lebensgeschichte eines Mannes vorgelesen, der emigrieren mußte und über den sie etwas schreiben will. Ruth Aspöck war da und Robert Egelhofer. Edith Brocza, die kommen wollte, war nicht da und auch die nicht, die ich eingeladen habe, aber viele andere.
Die zweite Station war der Reading-Room, den ich bisher nur vom Namen kannte. Anni Bürkl hat dort ja eine Margaretner Tour gemacht und die Volksstimme Anthologie wurde dort ein zweites Mal vorgestellt und sie machen auch bei dieser Margaretner Kunst- und Kulturmesse am 12. 5. im Amtshaus Margareten mit und die Gaby Röckl, die mit Thierry Elsen, den Reading Raum betreibt, ist dieselbe, die das literarische Programm am 12. 5. betreut.
Die Beiden haben Gedichte von Martin Amanshauser gelesen, der, was ich nicht wußte, ein Margaretner ist und aus einem Buch von Ernst Hinterberger. Dann ging es in den Kost-Nix-Laden und auf dem Weg dorthin ist Daniela Beuren ihr schöner Hut abhanden gekommen, der Wind hat ihn ihr vor einer Kreuzung vom Kopf gefegt und ein Auto hat ihn davongeschleift. Im Kost-Nix- Laden gab es Wein und andere Getränke und wieder Texte von Ernst Hinterberger, sowie von Ernst Jandl und Friederike Mayröcker.

Rüdigerhof

Rüdigerhof

Im Wirtschaftsmuseum habe dann ich gelesen. Die erste Szene aus der „Margarete“, dann ging es in die Dokumentationsstelle für Ost- und mitteleuropäische Literatur. Stephan Teichgräber, der dieses Institut in der Spengergasse betreibt, hat ja auch eine Zeitlang die Lesungen der Szene Margareten mitorganisiert und die beiden Literaturpreise der goldenen Margarete, die es dort einmal gegeben hat. Jetzt hat er sein Institut vorgestellt und wir haben ein bißchen über Rußland diskutiert. Dann gingen wir hinunter an die Wien zum Vorwärts Verlagshaus, wo einmal die Frau und Arbeiterzeitung gedruckt wurde. Und auch Jura Soyfer ein- und ausgegangen ist. Werner Grüner ist mit einem roten Fähnchen, mit dem früher die Gemeindebauten beflaggt wurden, vorangegangen und ich habe dann eine Jura Soyfer Szene gelesen. Die nächste Station war das Haus, das Herzmanofsky-Orlando in der Wehrgasse erbaut hat, weil er, was nur wenige wissen, Architekt gewesen ist. Im Rüdiger Hof sind wir dann an einem langen Tisch im Freien gesessen, ich hätte Paul Wimmer und Jeannie Ebner vorstellen sollen, was dann aber ins Cafe Standard in der Margareten Straße verschoben wurde, was gut war, denn da hätte ich sehr schreien müssen, sind ja hinter mir die U-Bahnen gefahren und vor mir hat der Kellner abkassiert.
Ich bin mit Dagmar Fischer ins Gespräch gekommen, die sich sehr lieb nach Anna erkundigte, die sie einmal unterrichtet hat und mich zu ihrer nächsten Lesung eingeladen hat.

Im Cafe Standard waren dann die Lesebedingungen angenehmer. Es gab einen Lesetisch im Extraraum und eine Tür, die man verschließen konnte, es waren auch nicht mehr so viele Leute da und ich habe sehr viel gelesen. Zuerst meinen Blog-Beitrag über das litererarische Margareten vom August, der ja auch über Paul Wimmer und Jeannie Ebner handelt und dann noch Maria Gornikiewiczs schönen Artikel aus der Wiener Zeitung zu Jeannie Ebners fünften Todestag und in der zweiten Runde das dritte Stück aus M.M., die Szene, wo es auch viel um Thomas Bernhard geht und dann das Stück aus „Novembernebel“ mit den Hüten und der Lesetheateraufführung von „Glaube Liebe Hoffnung“, da habe ich dann meine Hut-Bonmots erzählt, jetzt habe ich ja ein neues und am Schluß noch ein Gedicht zum Gedenken einer anderen Hutträgerin, deren Tod am Gründonnerstag ja viele betroffen machte, obwohl er, wie ich hörte, zu erwarten war. In dem Buch „Alle Tage Gedichte“, das sie mir 1999 zum Geburtstag schenkte, gibt es ein Gedicht mit dem treffenden Titel „Osterspaziergang“, das ich gelesen habe und daran erinnerte, daß sie in der Kettenbrückengasse auf der Seite, die zum fünften Bezirk gehört, ein Kleiderlager hatte, in das ich ihr einmal einen Sack Schuhe tragen geholfen habe.
Es war also ein sehr besinnlicher Osterspaziergang, wo zwar nicht alles zur Sprache gekommen ist, was der fünfte Bezirk literarisch zu bieten hat. Vieles wurde ausgelassen, es war aber trotzdem intensiv. Und, daß ich einmal im Mittelpunkt gestanden bin und die Erfahrung machte, daß mich sehr viele kennen, tut mir auch sehr gut.

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2009-04-12

Die Mittagsfrau

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:01

Es ist eine fast klischeehafte Geschichte, der schön konstruierte Roman, mit dem die 1970 geborene Julia Franck, 2007 den deutschen Buchpreis bekommen hat, um eine, wie im Klappentext steht, faszinierende Frau, die vielleicht die Großmutter der Autorin ist.
Der kleine Peter wird nach Ende des Krieges von seiner Mutter Alice, die eigentlich Helene heißt, mit einem Koffer, in dem Geld, die Adresse eines Onkels und ein aus Horn geschnitzter komischer Fisch steckt, auf einem Bahnhof zurückgelassen.
Im Epilog trifft man ihn zehn Jahre als ausgenützte Arbeitskraft des Onkels wieder, die Mutter kommt auf Besuch und verschwindet, während der im Westen lebende Vater noch immer Geld schickt.
Dazwischen liegt der Mittelteil und das Leben Helenes, die mit ihrer Schwester Martha in Bautzen aufwächst.
Die jüdische Mutter lebt dort fremd und sonderlich, wird vom Hausmädchen Mariechen versorgt, vom Vater angeschwärmt, trägt aber komische Hüte, sammelt nutzlose Sachen und behandelt ihre Töchter sehr brutal.
Der Vater, der eine Druckerei betreibt, in der er die Gedichte seiner Freunde druckt, zieht in den ersten Weltkrieg, verliert dort Bein und Auge und sehnt sich nach seiner Frau, die seine Briefe nicht beantwortet.
Er kommt zum Sterben heim, die Töchter sind zwischen fast erwachsen, Helene fünfzehn, Martha einige Jahre älter.
Die Mutter liegt im Bett und weigert sich den Vater zu sehen. Helene führt die Druckerei und möchte in Berlin studieren.
Martha, die inzwischen Krankenschwester geworden ist, schmuggelt Morphium vom OP nach Hause und versorgt den Vater und sich selbst damit und nach des Vaters Tod, fahren beide Schwestern mit dem Auto des Professors zuerst nach Dresden, um weiter mit dem Zug, das wilde Berlin der Zwanzigerjahre bei ihrer Tante Fanny zu erobern.
Helene arbeitet dort in einer Apotheke, während Martha mit ihrer Freundin Leontine, die inzwischen Ärztin geworden ist, dem Kokain verfällt und Helene nicht recht weiß, ob sie den Studenten Carl Wertheimer heiraten soll, bis der dann stirbt und das dritte Reich, Helene, die keinen Ariernachweis erbringen kann, in die Arme des Wilhelm Sehmisch treibt, der sie Alice nennt, ihr Papiere besorgt und sie auch heiratet, aber tief erschrickt, als er erkennt, daß sie keine Jungfrau mehr ist, schließlich hat sie ja drei Jahre, während sie für ihr Abitur lernte, in Carls Zimmer mitgewohnt.
So daß ihr Wilhelm schließlich doch erlaubt, als Krankenschwester zu arbeiten, als sie schwanger wird, bzw. sie dazu zwingt und danach verschwindet und nur noch Geld für den kleinen Peter schickt, der von Schwester Alice sieben Jahre lang, allein und ziemlich mühsam groß aufgezogen wird.
Als der Krieg zu Ende ist, packt sie ihm den Koffer, um ihm zu dem unbekannten Onkel zu schicken, während sie sich auf die Suche nach ihrer Schwester in ihr früheres Leben macht.
Es passiert sehr viel in dieser Geschichte einer starken oder auch schwachen Frau, die sowohl sympathisch als auch unsympathisch wirkt und wahrscheinlich mehr die ganze Epoche, als eine einzige Person beschreibt.
Für die, die es nicht erlebt haben, werden von einer Autorin, die auch erst viel später geboren wurde, in einer poetisch schönen Sprache, die von Veilchen und von Bücher handelt, in der es aber auch manchmal nach Urin stinkt, die ersten vierzig Jahre des vorigen Jahrhunderts beschrieben.
Das wilde Berlin der Zwanzigerjahre mit allen seinen Ausschweifungen, aber auch der Wunsch nach Frauenemanzipation und Frauenbildung, das Grauen des ersten Weltkriegs und ein wenig schwächer die Klischees der der NS-Zeit und Helene bzw. Alice wankt und schwankt in allem eifrig aber auch sehr passiv mit und wir, die wir das lesen, haben danach unsere Geschichte und die unserer Eltern vielleicht ein bißchen besser verstanden.

2009-04-09

Osterferien und Gerstl-Nachruf

Filed under: Uncategorized — jancak @ 19:49

Eigentlich wollte ich heute über meine Osterferien in Harland berichten. Zwei sehr beschauliche Tage habe ich schon hinter mich gebracht. Das Wetter ist schön und sonnig, ich habe ein bißchen in den Blogs geblättert.
Lillyberry hat über Denis Schecks „Druckfrisch“ berichtet und sich darüber mokiert, daß sich der mit den Bestsellerlisten vor ein Fließband stellt und das ihm schlecht erscheinende einfach in den Müll befördert. Sieben von den zehn Titeln auf der Spiegelliste ist das passiert. Interessant, daß er den Uwe Tellkamp und Daniel Kehlmanns „Ruhm“, dabei ausgenommen hat, den Daniel Glattauer aber nicht, was eine heftige Diskussion im Internet über die Rolle der Kritiker auslöste. Ich bin ja auch der Meinung, wie Lilly Berry, daß man Bücher nicht unbedingt auf diese Art und Weise verreißen muß, sondern man ihnen ruhig mit mehr Achtung, Interesse und Wertschätzung entgegentreten könnte, da Bücherschreiben ja nicht einfach ist.
Dann bin ich Rad gefahren, heute war ich beispielsweise in Herzogenburg und gestern beim Schloß in Ochsenburg, wo angeblich Schubert aufgetreten ist, es gibt jedenfalls eine Gedenktafel dazu.
Ich war ich auch viel in der Badewanne, habe in Julia Francks „Mittagsfrau“ gelesen, mit der ich gerne in der Karwoche fertigwerden würde, um vielleicht übermorgen eine Rezension zu schreiben, um Otto Lambauer eine Osterfreude zu machen und die Wellnessprogramme habe ich mir auch herausgesucht.
Wir haben schließlich Fastenzeit und das auf sich schauen und gut mit sich umgehen, um zu mehr Ruhe zu kommen und die positiven Kräfte wirken zu lassen, kann in Zeiten wie diesen, wo ohnehin nicht viel gelingt und man nur Horrormeldungen über die Wirtschaftslage hört, nicht schaden.
Schließlich habe ich von meinen Radfahrten, nicht nur Fühlingsblumen, sondern auch Bärlauch, den ich sehr mag, mitgebracht und billige Erdbeeren gab es beim „Lidl „auch.
Ostergrüße sind gekommen, Frans Postma hat sich aus Holland gemeldet und an meinem Work on progress habe ich auch weitergeschrieben.
So weit so gut und als ich darüber einen schönen Blog schreiben wollte, habe ich noch bei Christiane Zintzen vorbeigeschaut und von ihr erfahren, daß Elfriede Gerstl heute gestorben ist. (Nachzulesen bei in/ad/ae/qu/at).
Was mich sehr betroffen hat, habe ich sie ja gut gekannt, da sie eine war, die auch mit mir geredet hat und mich immer freundlich grüßte.
So kann ich der kleinen alten Dame mit den roten Haaren und den schönen Hüten, die als Original durch die Wiener Innenstadt marschierte und oft bei den literarischen Veranstaltungen zu sehen war, ein paar Erinnerungen nachwerfen.
Einmal bin ich neben ihr in der alten Schmiede gesessen, da ist Kurt Neumann auf mich zugekommen und hat mir gesagt, daß er nicht die Einladungslisten des Wespennestes bestimmt. Da stand eine Veranstaltung im Programm, zu der man eingeladen werden mußte, aber als ich anrief, um eine Einladung zu dem Festakt ins Semper-Depot zu bekommen, hat mir Walter Famler mitgeteilt, daß ich leider nicht zu den auserwählten Autoren gehöre.
Ich hatte es schon verkraftet und wollte stattdessen zur Stern-Preisverleihung gehen, da hat mich die freundliche alte Dame einfach mitgenommen und mich auch Frederic Morton vorgestellt. Es war ein unvergeßlicher Abend mit einem tollen Buffet, vielen Wespennestheften und Alexandra Millner habe ich dort auch getroffen.
Bei meinem literarischen Geburtstagsfest hat Elfriede Gerstl einmal auch gelesen und wir haben mehrmals Bücher miteinander ausgetauscht.
Mich hat es sehr getroffen und ich war auch sehr überrascht, obwohl ich mich zu erinnern glaube, daß Rolf Schwendter bei der Volksstimme-Buchpräsentation schon angedeutet hat, daß es ihr nicht gut geht.
Ich verabschiede mich also von der Dichterin und wem es interessiert, auf meinen Artikel zum Volksstimmefest im September, gibt es ein schönes Bild von ihr, da wird nun auch ein Stammgast fehlen.
Und liebe Cornelia Travnicek, ich glaube nicht, daß Elfriede Gerstl eine coole Omi war, die auch schon mal Bullshit schrieb (frautravnicek.wordpress.com) und sie war sicher auch schon vor ihrem Tod eine gute Dichterin, auch wenn das in diesem Österreich erst sehr spät bemerkt wurde.
Ich glaube, erst so richtig, nach dem sie den Fried- und den Traklpreis mit einem Aufwaschen bekam.
Sie hat, wie sich in ihren Texten nachlesen läßt, sehr darunter gelitten und jetzt hat das literarische Wien wieder eine Dichterin weniger. Ob wir das wohl aufholen können?

2009-04-07

Zum neunzigsten Geburtstag von Edith West

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:43

Nachdem ich jetzt zwei Tage in Wien war und meine Praxis machte, bin ich gerade wieder nach Harland angekommen, um hier Ostern zu verbringen.
Am Ostermontag fahren wir dann zum Margaretner Osterspaziergang zurück und vorhin war ich im Republikanischen Club bei einer Veranstaltung der Theodor Kramer Gesellschaft „Die Mühen der Gebirge und der Ebenen“- Edith und Arthur West zum neunzigsten Geburtstag von Edith West.
Das Zitat entstammt einem Gedicht von Brecht zur Emigration, das Gebirge ist dabei das Gastland da hinter einem liegt, die Ebenen bedeuten die Rückkehr in das Heimatland, hat Konstantin Kaiser erklärt, der mit Edith West ein Gespräch führt, vorher und nachher gab es Arthur West Gedichte und die Veranstaltung war sehr interessant, so daß es sich lohnte, dafür erst um zehn nach Harland zu fahren, da ich den Rest der Woche freihabe und mich dem Schreiben und der Osterwellness hingeben kann.
Dafür habe ich auch die Buchpräsentation des neuen Jaschke Buchs im Literaturhaus versäumt. Da mir Silvia Bartl aber gestern den Text mailte, mit dem sie den „Tag der Freiheit des Wortes“ im Literaturhausprogramm ankündigen will und ich ihr zwar zurückschrieb, daß ich meinen eigenen Text haben will, aber fürchte, außer mich im nächsten Jahr für die „Mittleren IV“, als meine GAV-Veranstaltung, zu entscheiden, ich habe auch schon Ideen, wem ich dazu einladen kann, nichts wirklich dagegen tun kann, war das vielleicht eine gute Alternative, die Ärger erspart.
Ich zähle zwar nicht unbedingt zu Edith Wests Freundeskreis, kenne sie und Arthur West aber schon sehr lang.
Darüber habe ich schon mehrmals geschrieben.
Im Arbeitskreis schreibender Frauen in den späten Siebzigerjahren habe ich die Beiden im „Rotpunkt“ in der Reinprechtsdorferstraße kennengelernt und da glaube ich mich zu erinnern, daß Edith West bei der Vorstellung sagte, sie würde nichts schreiben, außer Briefe an ihre Familie in England und Arthur West hat mich später zu den Lesungen beim Volksstimmefest eingeladen bzw. habe ich mich dazu angemeldet und als er 2000 gestorben ist, habe ich beim Volksstimmefest bzw. im Rahmen des Lesetheaters ein paar Mal seine Gedichte vorgelesen.
Jetzt gab es ein Gespräch über Edith Wests Emigration nach England, wohin sie mit ihrer Mutter und ihren fünf Geschwistern gegangen ist, dort Arthur West bzw. Rosenthal, wie er damals hieß, kennenlernte, bzw. hatte sie ihn schon gekannt, weil sie in Wien in der gleichen Straße gewohnt haben.
Dann kam die große Liebe, Erich Fried war Trauzeuge, Theodor Kramer ist mehrmals zum Essen gekommen, was die Familie sehr belastete, weil er ein starker Esser war und das Essen damals rationiert.
1946 oder 1948 ist das Ehepaar mit dem Sohn Hans nach Wien zurück, weil sich Edith West als Wienerin bezeichnete, die diese Stadt zum Leben brauchte und beispielsweise, nie in St. Pölten leben wollte, was im Publikum zu reger Diskussion führte.
Wie überhaupt sehr viel gefragt wurde. Über den Widerstand gegen den Nationalsozialismus oder wie das mit dem Stalinismus war, zum Beispiel.
Edith West und ihr Geburtstag ist da bei der Rolle der Sozialdemokraten in den Dreißigerjahren fast ein wenig in den Hintergrund geraten und wie es nach 1950 war, ist überhaupt nicht mehr zur Sprache gekommen.
Aber ab Ende der Siebzigerjahren habe ich sie, Arthur West und Erika Danneberg ja gekannt und ihre Wege ein wenig mitverfolgt.
Nachher gab es noch Wein und Soletti und ich habe mich ein bißchen mit Judith Gruber-Rizy, Konstantin Kaiser und Werner Grüner unterhalten, bevor es nach Harland in den Osterurlaub ging.

2009-04-04

Parlamentssession und erster Osterspaziergang

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:08

Gestern war ich im Parlament, denn da gab es im Raabzimmer eine Vorbereitungssitzung zum nächsten Ohrenschmaus und es war auch, nachdem ich mich durch die Sicherheitskontrollen geschleust hatte, eine interessante Sitzung mit Franz Josef Huainigg, dem Preisinitiator und dem Organisationsteam. Ich hoffe, daß jetzt alles klar ist und es keine Schwierigkeiten mehr gibt.
Ich hatte mich auch gut vorbereitet und ein Referat von Professor Berger zu den Begriffsdefinitionen herausgesucht und mir die Punkte überlegt, die ich besprechen wollte.
Jetzt brauchen wir noch einen Termin für die Jurysitzung, der Ort und das Datum der Preisverleihung stehen ja schon fest.
Erster Dezember im Museumsquartier. Jetzt muß noch der Ausschreibungstext ausgesendet werden, es gibt diesmal keine Pressekonferenz und natürlich die Texte geschrieben und eingesandt, bis es wieder Preisträger und eine hoffentlich schöne Preisverleihung geben wird. Es war spannend und aufregend und eine neue Lernerfahrung.
Am Abend habe ich in Praxis und Wohnung die Fenster für den Frühling geputzt. Dazwischen gab es noch Damentag bei der Firma Leiner, mit Sekt, Gemüsesäften und Schokoladeriegeln und heute sind wir wieder nach Harland gefahren.
Da gab es dann gleich eine literarische Veranstaltung, nämlich den Osterspaziergang der literarischen Gesellschaft St. Pölten, um bzw. am Viehofner See. Das Wetter war ja wunderbar, warm und sonnig und so war es ein schöner Spaziergang.
Mein dritter in St. Pölten, vor Jahren bin ich einmal an der Traisen bis zum Spratzener Bootshaus gegangen und habe eine „Ostereigeschichte“ aus der „Viertagefrau“ gelesen. 2000 war das, im Jahr eins der blau-schwarzen Regierung. Dann gab es ein paar Jahre Pause. Voriges Jahr bin ich wieder mitgegangen. Das war am Ostersamstag im Stadtwald und ich habe meinen St. Pöltner Text „Harland-Stadt“ gelesen und heute eben Viehofner See, bei strahlend schönem Wetter.

LitGes

LitGes


Daher gab es auch viele Interessenten. Von denen ich eigentlich nur Alois Eder, Robert Egelhofer und Ruth Aspöck kannte. Wir sind diesmal auch nur ein kleines Stück gegangen. Den halben See entlang mit vier Lesestationen.
Auf der zweiten habe ich „Die Führung“ gelesen, weil das auch ein Text mit St. Pöltner Bezug ist und irgendwie auch gut zu Ostern passt.
Bei der dritten hat Alois Eder ein kurzes Frühlingsgedicht vorgetragen und ist dann gegangen, während es hier das berühmte Picknick gab, mit Ostereiern, Brot und Bärlauchaufstrich. Am Rückweg gab es dann noch eine Station. Hier hat Robert Egelhofer ein auf englisch verfasstes Sonett auf den Osterspaziergang der St. Pöltner Poeten gelesen. Dann sind wir noch lange bei der Seedose gesessen und haben unsere St. Pöltner Beziehungen ausgetauscht.
So ist ja Irene Wondratsch eine geborene St. Pöltnerin, bzw. war ihr Großvater hier Bürgermeister und ihr Vater, stellte sich heraus, der Freund eines älteren Herrn, der mit seiner Frau mitgegangen ist.
Ruth Aspöck hat in ihrer „Edition die Donau hinunter“ von Irene Wondratsch die Romane „Paris im Fieber wär mir lieber“ und „Ein Haus eine Spur ein Roman“ herausgebracht und von Doris Kloimstein, der Linzerin, die einmal Obfrau der LitGes war, den Roman „Kleine Zehen“.
Gäste aus Vorarlberg gab es und Eva Riebler, die glaube ich jetzt, Obfrau der literarischen Gesellschaft ist, hat mir das etcetera zum Thema „Kind“ geschenkt, in dem viele Bekannte publizieren, wie Christoph Janacs, Christa Nebenführ, Beppo Beyerl, Axel Karner…. und eine Besprechung von Cornelia Travniceks „Die Asche meiner Schwester“ ist auch enthalten.

2009-04-02

lex liszt 12

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:59
lex liszt 12 / Verlagsleiter

lex liszt 12 / Verlagsleiter

Wegen Katharina Tiwald, die ich bei dieser IG-Autorenveranstaltung im Augarten Radius kennengelernt habe und Clemens Berger, der in den Tonspuren sein Portrait und einen Artikel im Standard hatte, bin ich heute ins Literaturhaus zu der Verlagspräsentation und dem Fest des burgenländischen Verlags gegangen.
Das war toll und auch wieder nicht. Auf jedenfalls wurde die Creme der Creme der burgenländischen Literatur vorgestellt. Die jungen und die alten Literaten.
Sie nehmen nämlich auch Debutromane und wollen den jungen Autoren ihre erste Veröffentlichung verschaffen, die dann, wie beispielsweise Clemens Berger, in die höherere Verlagswelt aufsteigen. Im Burgenland müßte man leben, da würde meine literarische Karriere vielleicht anders ausschauen und auch die älteren, wie Manfred Chobot, der heute morgen mit seinem „Genie und Arschloch“ im Leporello war.
Sieben Autoren haben ihre Texte gelesen, außer den schon genannten war noch Jutta Treiber da, die ihren sechzigen Geburtstag feierte und schon weit über zweitausend Lesungen absolviert hat.

Robert Frittum

Robert Frittum

Katharina Tiwald

Katharina Tiwald

Dann noch, außer Susanne Toth, ein paar jüngere Männer, von denen ich noch nie etwas gehört habe. Einen würde ich als Talent bezeichnen, bei den anderen weiß ich es nicht.
Peter Wagner hat durch das Programm geführt. Nachher gab es ein Konzert und ein Buffet mit Speck, Braten und fetten Aufstrichen, nicht sehr passend zur Fastenzeit, aber sehr begehrt und so haben sich die Leute darum gedrängt, daß die Bibiane ihre liebe Not mit den Trinkern hatte und ich mich wieder einmal überessen habe.
Da Jutta Treiber Autogrammkarte aufliegen hatte, habe ich mir eine von ihr unterschreiben lassen, obwohl ich keine Autogrammjägerin bin und mit Manfred Chobot smallgetalkt.
Heinz Janisch habe ich gesehen, der mir sagte, daß er morgen nicht zu der Ohrenschmaus Besprechung kommen kann und Alfred hat sich mit einem Lehrer unterhalten, den wir immer bei der Auge Weihnachtsfeier treffen.
Alfred hat das Buch von Katharina Tiwald „Eine Messe für eine“ gekauft, das nächste Woche, im Kosmos-Frauenraum aufgeführt werden wird.
Ein tolles Fest, mit vielen Leuten und Dichtern, von denen ich schätzen würde, daß sie nicht so lang und so viel, wie ich schreiben.
Warum schaffen sie es und ich nicht, was mache ich nur falsch?, könnte man fragen. Ich tue es nicht. Denn ich habe meine depressive Phase überwunden und zu schreiben angefangen.
Die ersten eineinhalb Seiten zu dem Text mit dem vorläufigen Arbeitstitel „Wirtschaftsroman“ sind verfaßt, ein vorläufiges Konzept, sowie die ersten drei bis vier Szenen festgelegt.

Clemens Berger, Peter Wagner

Clemens Berger, Peter Wagner

Wollfgang Milldendorfer, Gerhard Altmann

Wollfgang Milldendorfer, Gerhard Altmann

Ich bin sehr fleißig und und nachdem ich am Vormittag sehr niedergeschlagen war, habe ich, nachdem dann alles unvermutet aus mir herausgeflossen ist, wieder gedacht, das ist jetzt die Chance auf den großen Roman und seine Entwicklung.
Denn wie es weitergeht, weiß ich noch nicht.
Das hängt auch von der Wirtschaftskrise ab. Nur soviel, daß ich es Episodenroman nennen würde, wie den „Ruhm“ von Daniel Kehlmann, kann ich schon sagen.
Es beginnt mit der Entlassung Sophie Hungers. Ich weiß, das hatte ich schon. Zum Beispiel in der „Begrenzten Frau“, soll aber geschichtenmäßiger weitergehen.
Sophie Hunger quizt zum Beispiel, liest ihre noch ungelesenen Bücher und denkt sich dabei ihre Geschichten aus.
Und am Donaukanal und im Rathauspark trifft sie nicht die berühmten Männer, sondern Hertha Werner, die sich rührend um ihre Enkelkinder kümmert, während die Tochter Valerie ihre Wohnung vermüllt und den ehemaligen Postbeamten Felix Harter, der als Securitymann vor ihrem Supermarkt steht.
So weit so gut und noch sehr unverbindlich, aber ich habe zu schreiben angefangen und gedacht, daß ich es kann und schon lange praktiziere und wenn es auch niemanden interessiert, ist es so.

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