Literaturgefluester

2009-05-12

Tag der Freiheit des Wortes

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:40
Rudolf Lasselsberger

Rudolf Lasselsberger

Podzeit-Lütjen/Schrappeneder/Veran/Wegerth

Podzeit-Lütjen/Schrappeneder/Veran/Wegerth

Hier mein Bericht zum „Tag der Freiheit des Wortes“, den ich heuer das achte Mal organisierte. 2001 zum ersten Mal noch im Hörsaal 1 im Neuen Institutsgebäude im großen Stil mit großem Budget, 2002 hat es Rolf Schwendter im Literaturhaus gemacht, ursprünglich sollte es Konstantin Kaiser organisieren. Ab 2003 habe ich es dann sehr engagiert im Literaturhaus gemacht.

Ursprünglich wurde diese Massenlesung der GAV in den Achtzigerjahren von Josef Haslinger anläßlich der Bücherverbrennung der Nazis am 10. Mai 1933 initiert, die sich gegen Zensur, Unterdrückung, Gewalt etc. wandte.

Es gab oft ein bestimmtes Thema und es haben an die fünfundzwanzig Leute oder mehr dabei gelesen.

Makart/Pessl/Northoff/Petricek

Makart/Pessl/Northoff/Petrik

Zweimal wurde die Veranstaltung von Gösta Maier in Kärnten, einmal in Klagenfurt, einmal in Villach, organisiert.

Beide Male habe ich gelesen und die Lesung sehr lang und es sehr anstrengend empfunden, die vielen Texte nicht durcheinander zu bringen, so daß ich mich auf zwanzig Lesende beschränkte.

Irgendwann hat Nikolaus Scheibner auch eine Veranstaltung zu diesem Thema machen wollen, so daß das ursprüngliche Budget halbiert wurde, ich bin mit zwanzig Lesenden aber ausgekommen, nur in letzter Zeit wurde es so beschränkt, daß sich nur noch achtzehn Lesende ausgegangen sind und ich Angst hatte, daß sich zuviele Leute aus den Bundesländern anmelden.

Johann Barth hat das immer getan, Janko Ferk und Christoph Janacs öfter, so daß ich heuer schon Mitte Jänner Rolf Schwendter absagen mußte.

Losch/Janacs/Lasselsberger/Karner

Losch/Janacs/Lasselsberger/Karner

Ich habe, als die Veranstaltung, nach der letzten Lesung in Villach, 1997 war das, glaube ich, unter den Tisch gefallen wäre, bei einer GAV GV angeregt sie weiterzumachen, so daß sie 2000 Petra Ganglbauer organiserte, danach habe ich das übernommen, weil das Thema interessant und wichtig ist, aber natürlich auch, weil ich selber lesen will und das ja nicht so oft kann und bin vor allem am Anfang viel herumgerannt und habe versucht viel Werbung dafür zu machen, was gar nicht leicht war, weil oft die Unterstützung fehlte.
Es waren aber immer schöne Lesungen, es gibt Stammleser, aber auch immer wieder Neuanmeldungen und es war auch immer eine gelungene Mischung von eigenen Texten bzw. Texten von Autoren, die Opfer der Bücherverbrennungen wurden.

Robert Huez und Rolf Schwendter haben für das Literaturhaus und die GAV eröffnet, danach habe ich ein kurzes Einleitungsreferat gehalten.

Ebner/Gruber/Rizy/Haidegger

Ebner/Gruber/Rizy/Haidegger

Ich finde es jedes Jahr faszinierend, wie das alles von selbst zusammenpasst. Denn ich betreibe keine Vorauswahl, sondern gebe den Aufruf in die GAV-Nachrichten und lasse jeden lesen, der sich meldet.

Reinhard Wegerth hat mit 1989 und dem Fall der Ostgrenzen begonnen, worauf Traude Veran mit einem Text über Arigona Zogaj folgte.
Mechthild Podzeit Lütjen hat Mascha Kaleko vorgestellt und ein Gedicht von ihr gelesen und Peter Pessl, was ich besonders interessant fand, ein paar frühe Gedichte von Friederike Mayröcker und von einem Interview mit ihr berichtet in dem sie ihre Angst, im dritten Reich als entartete Dichterin verfolgt zu werden, schilderte.

Baco/Biron

Baco/Biron

Der mich beeindruckenste Text war aber der von Georg Biron, der schlicht und einfach damit begann, daß die Dichter jetzt alle Freiheit für ihre Worte hätten, denn sie könnten schreiben, was sie wollten und ihre Texte auch selber drucken und im Internet ihre Meinungen über Politik und Literaturbetrieb veröffentlichen, schade nur, daß es niemanden interessiert und der Dichter als politische Instanz nicht mehr so gefragt ist und das ist ja das, was ich mir auch oft denke.

Ich habe, wie schon erwähnt, die auf fünf Minuten gekürzte Fassung der roten Schuhe aus dem „Haus“ gelesen, Judith Gruber Rizy hat sich in einem Zwischentext aus ihrem neuen Roman „Drift“ auch mit Wörtern beschäftigt und dann gab es noch eine Reihe von anderen beeindruckenden Texten, die ich gar nicht alle aufzählen kann, so daß ich zum Schluß wieder zum eigentlichen Anlaß zurückkehre.
„Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man am Ende auch noch Menschen!“, hat Heinrich Heine geschrieben und Oskar Maria Graf hat in der Arbeiterzeitung vom 12. Mai 1333 gefordert „Verbrennt mich!“, Erich Kästner war dabei und hat zugesehen, wie seine Bücher mit denen von Sigmund Freud, Franz Kafka, Oskar Kokoschka, Theodor Kramer, Joseph Roth, Felix Salten, Kurt Tucholsky, etc. in die Flammen geworfen wurden. Rudolf Brunngrabers „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ stand auch auf der Liste der unerwünschten Bücher.
Das ist jetzt vorbei, aber bei der Gedenkfeier zum Ende des Krieges am Samstag im ehemaligen KZ Ebensee sind ein paar Vierzehn- bis Sechszehnjährige vermummt mit Hitler-Gruß und Schreckpistolen aufgetreten, weil sie provozieren wollen und ein ehemaliger KZ-Aufseher wird erst jetzt von den USA nach Deutschland zu Gericht gebracht.

[Alle meine Fotos von der Lesung unter http://www.jancak.at/TdFdW/ ]

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