Literaturgefluester

2009-05-14

Sofort verhaften

Filed under: Uncategorized — jancak @ 12:58

Es ist ein wahrer österreichischer Politklamauk, wenn es so etwas gibt, das Märchen „Sofort verhaften“, des Ganzkörperschriftstellers Magnus Amens respektive Stephan Eibel Erzberg.
Dabei beginnt die Geschichte in Rom, denn dorthin reist der Schriftsteller mit einem Reisestipendium in das berüchtigte Atelier Austria, um den Wurm in seinem Märchen zu finden, da den auch der das Gesuch bearbeitende Kulturbeamte nicht finden kann.
Dort spazieren die beiden Schriftsteller auf der Piazza Navona herum, beziehungsweise geht ihre Phantasie spazieren und so gerät der arme Magnus mit der Größenphantasie in das Aufnahmeprozedere der römischen Carabinieri und zwar müssen die dreimal um den Berninibrunnen gehen, schreiten sie schön genug, haben sie in gestochener Schrift einen Strafzettel zu schreiben, dabei kommt es zu einer Schlägerei, in deren Folge Magnus Amen verhaftet wird und in seiner Zelle großartige Phantasien spinnt.
Danach trifft er, er Fünfzigjährige, der zu etwas Fettleibigkeit neigt, die er nie bekommen hätte, wäre er im Heimatstädtchen Eisenerz verblieben und hätte dort während seiner Tätigkeit als Nettolohnverrechner auf dem Klo weiter seine vierundzwanzig Bändchen Spaßprosa geschrieben, nur leider wurde er nach Abschluß seiner Lehre zum allerhöchsten Chef geschickt und mußte daraufhin so laut lachen, daß er in diesen Anfallsorgien das Büro verließ und nach Wien marschierte.
So wurde er fett und Schriftsteller, kam nach Rom und trifft am Katzenplatz die Jugendliebe Gabi wieder, die mit ihm über autobiographische Romanfiguren diskutiert und nicht verstehen will, daß seine Protagonisten jemand anderer sind, obwohl sie ja von Amens Jugend in Eisenerz berichten.
Vorher wurde aber Amen zu einem Nerverl und litt an Alpträumen bzw. Schlaftstörungen, die ihn in die physikalische Schocktherapie zu Frau Professor Zumfleisch in die psychiatrische Abteilung des AKHs treibt.
Der zweite Teil des Romanzo Anarcho spielt auf dem Friedhof von Eisenerz, wo Amen Sonnenbrillen und Liegestühle an die Gräber schleppt, um die große Grube zu einem Swimmingpool zu machen, um sich dort mit seiner Gabi zu treffen, während deren Gatte, der Spitalsarzt Hans Winkler, Amen zuerst dazu drängt, das von seiner verstorbenen Tante Steffi ererbte Vermögen in das sogenannte Projekt Afrika zu investieren und ihn dann zum Jubiläumspatient des Krankenhaus von Eisenerz macht und der Klamauk geht lustig weiter.
Zuerst schickt Gabi Magnus ein abgeschnittenes Fingerspitzerl, daß er dann nicht aus seinem Körper bekommt, so daß Dr. Suhl zu einem Luftröhrenschnitt greifen muß, den er mittels Kronenzeitung vermarktet.
Und am Schluß kommt es, wenn ich richtig verstanden habe, zu einem Staatsbegräbnis, bei dem gesoffen und gegrölt wird, was das Zeug hält, die Leute applaudieren, lachen, kudern und der Polizeikommandant wackelt aus dem Polizeiauto, um seinem Stellvertreter schließlich „Sofort verhaften“ zu befehlen.
So weit so gut, die kurze Inhaltsbeschreibung dieses Ereignisreigens. Das meiste habe ich dabei noch gar nicht erwähnt, so spielen der Rosenträgerorden und die falschen oder richtigen Fußballkugeln von Romana Botolucci, die bei Diktator Mussolini als Textilrestauratorin beschäftigt ist und Rosenverkäufer eine wichtige Rolle und den Spitalspatienten werden Witze erzählt, weil nachgewiesen wurde, daß das die Aufenthaltsdauer erheblich verringern kann.
Ein wirklich spannendes Opus Magnus, der Ganzkörperroman eines Ganzkörperschriftstellers, das in dem Jahr, seit dem es erschienen ist, schon für sehr viel Aufsehen sorgte.
So hat Stefan Eibel Erzberg den Roman vor einem Jahr in einer Marathonlesung in dem ebenfalls im Buch erwähnten Dreiraumanatomietheater von Hubsi Kramar uraufgeführt und schickt mir auch regelmäßig Zeitungsrezensionen, die zeigen, wie gut der Roman von Publikum und Kritik angenommen wurde.
Im November gab es ein Gespräch in der Sendung „Von Tag zu Tag“ und eine darauffolgende Klage der F-Partei, die aber, wie ich hörte, inzwischen zurückgezogen wurde.
Ein spannendes Romanerlebnis also, das Ganzkörperspektakel des Ganzkörperschriftstellers, der wie ich bei der Lesung in der alten Schmiede feststellen konnte, großen Anklang in der Wiener Psychiaterszene fand und der mir immer viele und lange Mails über seine psychischen Befindlichkeiten schreibt und der mich, wie er mir immer versichert, angeblich sehr verehrt, was von einem Ganzkörperschriftsteller, sehr angenehm ist!
Außerdem scheint er Christa Nebenführs strengen ästehtischen Ansprüchen zu entsprechen, denn er liest am 13. August bei der Sommerlesereihe des Literaturkreises Podium zum Thema „Schlaf“ um 20 Uhr im Cafe Prückel, hingehen wenn man zu diesem Zeitpunkt in Wien ist und Buch und Autor kennenlernen will.

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