Literaturgefluester

2009-06-30

Wunderschöner Tintentraum

Filed under: Uncategorized — jancak @ 02:29

Die Träume sind im Kopf, die Tinte auf dem Schreibtisch, daneben liegt ein Kugelschreiber, der Laptop ist schon startbereit.
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, schrieb Ingeborg Bachmann vor Jahren, heute ist sie es dem Kritiker, dem Publikum und Burkhard Spinnen und der See ist tief und weit. Beim schönsten Betriebsausflug der Literatur ist er herrlich zu durchschwimmen, wenn man das kann und eingeladen wurde, zur Beckmesserei der Meistersingerriege.
Aber das werden ja nur vierzehn Auserwählte Jahr für Jahr aus hunderten oder tausenden Texten von Autoren, die sich die Finger wundgeschrieben haben, mit der Tinte aus den Träumen, mit der Tinte aus dem Kopf.
Die Tinte blau, azurro, wie der Wörthersee, aber den sieht man nicht in der Nacht, beim Wettschwimmen nach dem Empfang in Maria Loretto.
Die Träume aus dem Kopf zu Worten und Sprache geformt. Zu einer wunderschönen Sprache und dem Bilderreigen, den narzistischen Allmachtsphantasien einer wahren Schriftstellerseele.
Realismus gegen Postmoderne, angetreten in Klagenfurt und der Blätterregen am nächsten Morgen ist voll mit den Zynismen der übersättigten Großkritiker, die alles schon gehört und hundertmal gelesen haben und es natürlich besser wissen!
Die Wahrheit ist dem Menschen zumutbar, die Träume sind es nicht. Die wunderschönen Träume des auf der Wiese liegen und beim Kirschenessen mit den Worten spielen. Dabei die Bilder im Kopf entstehen lassen, wie Seifenblasen, die in den Himmel fliegen oder Luftballone in den Wörtersee.
Währenddessen die Tschetschenen, Georgier und Kosovaren die Lastwägen besteigen, nachdem die Banknoten, in der Welt der wunderschönen Dinge, im schmalen Quader zur blauen Stunde den Besitzer wechselten.
„Good night and good luck!“, bekommen sie zu hören und ab, die Laster ins Wunderland des kollektiven Wirs, das zwar realistisch, aber nicht mehr zulässig ist.
Denn es ist nicht tragbar eine Geschichte so zu erzählen, dem Kritiker nicht zumutbar!
Das wollen wir nicht hören, mahnen streng die Kritikerlippen.
So einen Austriazismus der Umgangssprache muß man schon stilisieren, um im schönen Wörtersee Geltung zu finden oder ist es umgekehrt?
Natürlich, selbstverständlich, das weiß man schon, daß die Leiberln und die Sackerln von der Quadratur des Kreises stammen, von einem esoterisch angehauchten Wunderkind, das es wagte, ohne Veröffentlichung im schönen Klagenfurt zu erscheinen und es dann nicht nur auf die Shortliste, sondern auch zu der zweitgrößten Publikumsgunst zu schaffen.
Ja, dürfen das die Schreiberlinge?, hätte der alte Kaiser sicherlich gefragt. Fragen wir es Franz Josef von Trotta in den drei Wegen zum See?
Aber um die geht es nicht mit der Tinte aus den Träumen in dem Kopf. Der Traumtinte einer Schreibwerkstatt, während die Blätterliebe zu Papier geworden und aufgegessen ist.
Verspeist im wahrsten Wörtersinn von einem literaturbesessenen Wortakrobaten.
Na wenn schon, schreibt der Kritiker. Das ist längsterkalteter Aktionismus aus den Achtzigerjahren und nicht mehr originell. Aufgewärmt, übergelassen und angebrannt. Das interessiert uns nicht, der Jahrgang hat versagt, der Wein ist nicht gelungen, hat nicht gebracht, was von ihm erwartet wurde.
Immer nur der Realismus der deutsch-deutschen Ostdebatte. Dann kommt noch der Realismus des nicht Sterbenkönnens, am Kitsch haarscharf vorbeigeschrammt, der uns in beklemmend schaurigen Bildern den Spiegel vor den Kopf hält.
Die Todessehnsucht der aufgeschlitzten Fischköpfe ist zwar das, was uns erwarten wird, in den nächsten Jahren, aber heute wollen wir es nicht hören. Nicht hinsehen, weil es uns erschreckt!
Aufstehen von der Wiese mit der Wirklichkeit der eigenen, realen Hand, die Haare aus dem Gesicht gestrichen und weggeeilt. Das Wollen und Nichtkönnen, weil man sich zu sehr in die Debatte eingelassen hat, daß das Morphium nicht mehr wirkt!
Der Schuß ist nach hinten abgegangen, während die Pistole auf den Boden fällt, weil ein Zug vorüberfährt in den kleinsten Bahnhof der Welt der Wirklichkeit, mit der Tinte aus dem Kopf, denn auch das kann die Schreibstadt bieten.
Die Experimente der schönen Worte sind vorbei, heute wollen wir uns dem Realismus widmen und auch nicht. Wir wollen es nicht hören! Denn natürlich hat der schöne junge Arzt den Preis gewonnen, der mit seinem schnellen Auto in sein geistiges Refugium braust, um die Freiheit der Literatur der starren Intensivmedizin vorzuziehen.
Keine Angst, raunt das Wortgeraschel im Blätterwirbel, wir entkommen nicht der Realität des eigenen Sterbens und wenn wir uns die Wahrheit in den schönen Worten zumuten wollen, haben wir schon viel gelernt.
Mit den packendenTodessymbolen einer fahlen Landschaft sind sie gekommen, im schönen Klagenfurt am Wörtersee, wo man sich seit zweiunddreißig Jahren zum jährlichen Betriebsausflug trifft, um den auserwählten Worten von vierzehn Autoren zuzuhören.
Auserwählt aus ein paar hundert oder tausend Texten, im überhitzten Klangtheater oder in der Laube beim Marillenmampfen und Bratwürstel essen, wenn vielleicht ein paar Austriazismen am Jahrestag der deutsch-deutschen Einheit zugelassen werden, während die abgelehnten Jungautoren vor den Fernsehgeräten kauern, um den Worten zuzuhören oder sie auch selber auszudenken.
Aus den Träumen in den Kopf, auf das Papier zu bringen mit der Tinte, dunkelblau, wie nicht einmal der Wörthersee und die Sprache kommen lassen, wortgewaltig, wunderbar, um die Kritiker zu erschlagen.
Mit dem Papierflieger die bornierte Kritikerstirn treffen, mit der Blätterliebe in den Wortsalat. Die Sätze in die Kritikerohren geschleudert, wo sie tagelang noch feststecken sollen, in den Ohren und im Hirn.
Das Manuskript ist aufgegessen und im Röntgenbild das Blatt gefunden. Papier im hungrigen Autorenmagen, die Worte im Kritikerhirn sind zu Papier geworden und am Anfang gestanden.
Am Beginn die Stille, schreibt der Autor, aus den Träumen eines Fototeilchens mit der Tinte, während sich die Übergebliebenen mit den Fingern die Handmulden blutig drücken vor Wut und Zorn. Kritikerworte hören, die nichts verstanden haben, während es doch schön war so zu schreiben.
Wunderschön mit der linken und der rechten Hand, den Federkiel in das Tintenfaß getaucht und die Träume aufgeschrieben. Herrlich antiquierte Traumtinte fließen lassen für die Schreibwerkstatt. Aus den Träumen Wortgebilde formen, die wie Luftballons gegen den Himmel fliegen. In Klagenfurt den See umrunden, zu dem drei Wege führen, aber die Bachmann ist ja weggezogen aus der Stadt und hat sie auch nicht sehr geliebt.
Aus der Stadt gegangen und die schönen Worte zurückgelassen. Die Tinte ist übergeblieben, die Traumtinte der Schreibwerkstatt, die ein bis zweitausend schöne Worte fordert, die nicht mehr mit der Hand geschrieben werden, weder mit der rechten noch der linken. So befindet sich die Tinte nur mehr in den Tonerschachteln und der Link fließt papierlos in die Schreibwerkstatt, während die Luftballons schon im Himmel sind.

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2009-06-28

Klagenfurt 09

Filed under: Uncategorized — jancak @ 13:30

Nun der Kommentar zur Preisvergabe, was gar nicht einfach ist, denn ich bin zwar pünktlich ein paar Minuten vor elf aus der Badewanne gestiegen, vorher habe ich ein Kapitel aus Wolf Wondratscheks „Mozarts Friseur“ gelesen und das ist seltsam, da finde ich immer Passendes, so daß am Ende wahrscheinlich keine Rezension daraus wird. Also auf Seite 67 steht:
„Für seine Auftritte oder Abgänge ist jeder selbst verantwortlich, aber Ehrgeiz wird bestraft. Wer an die Rampe will, hat unrecht.“
So weit und gut und schon viel vorweg genommen, habe ich ja gestern wieder in Cornelia Travniceks Blog gelesen, wie dieses öffentliche Herabmachen von ausgewählten Texten eine ehrgeizige Autorin fertig machen kann. Ich habe mir überlegt ihr einen Kommentar zu schicken, daß sie ihre Texte nicht wegwerfen soll, sondern weiterschreiben, weiterbewerben und wenn sie einmal eingeladen wird, damit rechnen, daß es ihr vielleicht wie Linda Stift, Andrea Winkler, Phillip Weiss oder Caterina Satanik ergeht, die für eine Debütantin noch am Besten weggekommen ist, aber auch sie hat keinen Preis gewonnen, daß den wahrscheinlich Jens Petersen bekommen wird, war ja spätestens gestern klar, als einer der Juroren den Kitschvorwurf wieder zurückgenommen hat. Dann sicherlich Ralf Bönt, der wie ich gestern noch herausgefunden habe, schon einmal in Klagenfurt gelesen hat und Gregor Sander, aber wer sind die anderen?
Es ist zu befürchten, daß Katharina Born von der Jury einen Preis zugeschanzt bekommt, weil sie eine Schriftstellertochter ist, hat Hella Streicher in ihrem Höhere Welten Blog geschrieben, diese Meinung teile ich nicht, habe aber an Katharina Born nicht besonders gedacht, als ich mir gestern Abend die Preisträger überlegt habe, sondern eher, die Alibi Österreicherin wird wahrscheinlich Caterina Satanik sein, was ihr zu vergönnen wäre und die berühmte Quadratur des Kreises, weil man sich ohne Verlagsempfehlung ja nicht bewerben darf und wie kommt man zu seiner solchen, wenn man noch nie etwas veröffentlicht hat?
Nun gut, der Text von Karsten Krampitz hat mir auch recht gut gefallen und an ihn als möglichen Preisträger habe ich schon beim Portrait schauen gedacht, die Jury schien aber anderer Meinung zu sein.
So habe ich also kurz nach elf meinen Laptop eingeschaltet und auf Preisübertragung getippt und bin nicht hineingekommen, weil ich bei Live-Lesungen klicken hätte müssen, als ich das kapiert hatte, war es schon halb zwölf und die Cevapcici, der Gurkensalat und die Folienkartoffel für den Regengrill waren schon hergerichtet.
Alfred hat mir zwar einmal ganz kurz einen Ausschnitt eingeblendet, aus dem hervorging, daß Jens Petersen der Sieger ist, dann war das aber erst wieder weg und als ich die Übertragung hatte, wurde gerade Katharina Bohrn ermittelt. Dann kam der Sieger des Publikums, dessen Meinung ohnehin immer die beste ist, wie launig angemerkt wurde und Berlin hat offenbar eine stärkere Lobby als Graz, aber ich habe getan, was ich konnte, obwohl mir auch Lorenz Langeneggers Text gut gefallen hat, weil mein jetzt Entstehender ja sehr ähnliche Inhalte hat, wenn auch sprachlich nicht so ausgereift und so hat auch der zweite ostdeutsche Text zu zwanzig Jahren DDR-Geschichte gewonnen, herzliche Gratulation!
Ansonsten bin ich richtig gelegen, obwohl ich mir die Preisvergabe erst anschauen werde, wenn mein Artikel fertig ist und das Video abrufbar.
Ich kann aber trotzdem was zum Siegertext sagen. Das Thema ist ja packend und von einer absoluten Aktualität, die uns alle betrifft.
Mit dem Schluß war ich aber nicht einverstanden und so habe ich auch nicht für ihn gestimmt, denn es ist ja eine indirekte Aufforderung zur Sterbehilfe und da bin ich anderer Meinung, auch wenn das in der Schweiz erlaubt ist.
Man kann auch natürlich sterben, dazu muß man sich zwar vorher vielleicht ein wenig weniger in die Medizin hineinbegeben, aber das Geld wird ohnehin langsam knapp und, daß der Selbstmord dann noch nicht gelingt, das schrammt auch für mich sehr knapp am Klischee, so daß ich am Freitag mehr Freude an dem Andreas Schäfer Text hatte, der auch zu Unrecht untergegangen ist.
Das war also Klagenfurt 09. Interessant und intensiv. Möchte aber trotzdem darauf hinweisen, daß der auserwählte Jahrgang mit dem Sieger, der da morgen in den Zeitungen präsentiert werden wird, nur ein kleiner Auschnitt der deutschsprachig Schreibenden darstellt.
Ein paar Hundert hatten die Verlagsempfehlung und viel mehr Autoren wahrscheinlich nicht und ich finde auch sie sollten gelesen werden und da sind wir schon beim eigentlichen Dilemma:
Denn wer wird das nun wirklich tun? Der Vielschreiber Egyd Gstättner, dessen Textkiste ich einmal als Jurymitglied beurteilen durfte und der für den ORF www.bachmannpreis.at Artikel schreibt, hat da eine herrliche Glosse, wie die anwesenden Lektoren oder Literaturhausmitarbeiter in der Laube sitzen und Marillen essen, aber der Zulauf am Büchertisch sehr schwach ist …
Na ja, die, die in Klagenfurt sind, kaufen sich wahrscheinlich keine Bücher, weil sie sie geschenkt bekommen und die anderen wissen vielleicht gar nicht, daß es so was gibt und in einem Land, dessen Schulen inzwischen 20% Analphabeten produziert, sollte vielleicht das Lesen, die Neugier und die Vielfalt daran fördern, statt immer nur übersättigte längst die Lust verloren habende Experten darüber jammern lassen, daß dieser Jahrgang nun leider wirklich nicht gelungen ist!
Und mein Schlußwort zu diesem Bachmannmarathon, den ich, ich wiederhole es, wirklich sehr genossen habe, übergebe ich wieder Egyd Gstättner, der schon vor ein paar Tagen einen „Gert Jonke“- Preis gefordert hat.
Ja, das wäre gut, einen der anderen Preise so zu benennen oder am besten noch einen dazugeben, daß nächstes Jahr vielleicht eine Österreicherin oder Österreicher weniger sich mit den Fingern die Handmulden blutig drückt oder seine Texte in den Müll werfen will. Und eine Bibliothek hat Otto Lambauer schon gelinkt, soll es in Klagenfurt auch bald geben und das wäre wirklich ein Erfolg und jetzt auf zum Mittagessen!

2009-06-27

3. Bachmann-Lesetag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:01

Inzwischen bin ich mit Alfred nach Harland gefahren, um das Wochenende auf dem Lande zu verbringen.
Deshalb habe ich die Gregor Sandor-Lesung versäumt, da Alfred nach einer Abschiedsfeier eines Kollegen erst sehr früh am Morgen nach Hause kam und auch einen Teil der Satanik-Lesung, weil ich bei den Schwiegereltern Mittagessen war.
Habe aber alles nachgeholt und in der kurzen Mittagspause gab es einen Bericht über zwanzig Jahre Fall der Mauer, bzw. Was ist DDR-Literatur? – Was mich dazu veranlaßte, mir das Tellkamp-Portrait und einen Teil der Lesung aus dem Jahr 2004 noch einmal anzusehen. Es gab auch eine Einschätzung von Lektoren und Verlegern zu der Qualität der Texte, die der Meinung waren, das Niveau war diesmal sehr gering.
Da bin ich anderer Meinung, wahrscheinlich liegt es an meinem Literaturbegriff, der naturgemäß ein realistischer ist.
Ich bleibe dabei, der gestrige Lesetag mit den sehr vielen realistischen Texten war für mich der beste und die Texte haben mir gefallen, auch wenn natürlich nicht Herr Goethe oder Frau Bachmann am Lesepult saßen und Faust und Malina schon geschrieben sind!
Aber der kritische Ex-Juror hat ja auch etwas sehr Interessantes gesagt, da war einmal Jurek Becker und ist ohne Preis nach Hause gefahren und bei Josef Winkler habe ich das 1996 auch so erlebt.
Aber zurück zum letzten Lesetag, da gabs ja noch zwei Österreicherinnen, nämlich Andrea Winkler, die so etwas wie ein Jungstar ist, eine schöne junge Frau mit einer wunderbaren Sprache und sehr poetischen vielen Bildern. Ich habe mich aber, wie, ich glaube, es war Herr Mangold, gefragt, um was geht es da eigentlich?
Die Ich-Erzählerin liegt auf einer Wiese, hört Stimmen und läßt sich mit sehr wenig Handlung Bilderstereotype durch den Kopf treiben, spricht vom kleinsten Bahnhof der Welt und immer wieder von ihrer ausgesprochen wirklichen Hand. Irgendwie geht es auch um eine Trennung, aber sonst erfährt man nichts von dieser Welt, als diese zugegeben schönen Bilder in einer für meine Begriffe etwas antiquierten Sprache. Narzistische Allmachtsphantasien eines Schriftstellers hat es einer der Juroren genannt.
Das war dann bei Caterina Sataniks Debuttext „Leben ist anders“ etwas differenzierter, denn die ist auch Psychotherapeutin und Religionslehrerin und deren Heldin bewältigt die Trennung von ihrem Mann namens Wolf mit, wie es genannt wurde „gespielter Naivität“ und der Inanspruchnahme von Ratgeberliteratur.
Da wurden dann die Austriazismen angeprangert und Karin Fleischanderl meinte, daß Alltagssprache in einem literarischen Text künstlich sein muß, sonst hat sie keinen Bestand.
Das bitte, verstehe ich nicht und denke, die Sackerln und die Leiberln müßten in Klagenfurt schon standhalten, der Berliner Jargon tut es ja auch und da sind wir wieder bei dem Punkt, daß es Österreicher in Klagenfurt immer etwas schwer haben.
Dann gab es, wie erwähnt, noch Gregor Sander aus Berlin mit einer DDR-Geschichte, die am Meer und unter Fischen und Fischern spielt und Katharina Borns „Fifty fifty“ eine Abrechnung mit 1968, wie ich hörte oder auch eine Dreiecksgeschichte.
Eine Frau zwischen zwei Männern, einer ist ein berühmter Schriftsteller und die neunzehnjährige Tochter übersetzt seine Texte und kommt drei Jahre später mit einem zerrissenen Blusenkragen ohne Geld, aber schwanger zu den Eltern zurück.
„Wo ist die Gewalt?“, fragten die Juroren und empfahlen Katharina Born einen Lektor, der ihr die beiden Hunde hinausstreichen soll, die innerhalb von vier Seiten vorkommen.
Das waren die heurigen Lesetage. Ab fünfzehn Uhr kann man abstimmen, ich werde für Linda Stift votieren, die ja leider heuer diejenige war, die Pech hatte, obwohl mir ihr Text sehr gut gefallen hat, und dann Radfahren gehen.
In Klagenfurt gibt es um 16 Uhr ein Fußballmatch der Autoren. Aber diese Seite des berühmtesten Betriebsausflugs der Literatur geht mir ab, weil ich das Ganze ja nur virtuell erlebe. Wenn ich aber so in den Zeitungen lese, denke ich, daß ich vielleicht mehr, als die, die dort sind, mitbekommen habe.
In den Wörtersee kann ich natürlich nicht baden gehen, nur an der Traisen radfahren, vielleicht bis nach Herzogenburg, denn mir raucht der Kopf von soviel Intensiv-Literatur. Alfred hat zum Grillen eingekauft, so daß es noch gemütlich werden kann.
Morgen um elf gibt es die Preisverleihung und den neuen Preisträger, der, wie ich schätzen würde, Jens Petersen oder Ralf Bönt heißen wird.

2009-06-26

2. Bachmann-Lesetag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:45

Es ist schon ein Dilemma mit der Literatur oder, wie heißt schnell die Mehrzahl? Weil ja schon wirklich alles hunderttausend Mal geschrieben wurde und die vierzehn Autoren und Autorinnen unter ein paar Hundert als die Besten ausgewählt wurden. So sitzen sie nun da und lesen ihre Texte und das ist der übersättigten Jury dann auch nicht recht.
Herr Spinnen hat das Alles bei sich selber schon erlebt und geschrieben, der letzte Ankick fehlte und dies oder das ist nun wirklich Literarisch nicht gelungen, ist zu platt, zu trivial, hat den eigenen Anspruch nicht erreicht und so weiter und so fort …
Da tue ich mir mit meinem sehr offenen Literaturbegriff und meiner Neugier, die, ich staune selbst darüber, nach sechsunddreißig Jahren erfolglosen Schreibens immer noch vorhanden ist, wahrscheinlich leichter.
Denn ich gebe mir auch dieses Block-Seminar mit Begeisterung und egal, was man in den Zeitungen oder auf der ORF-Seite demnächst lesen kann, das waren heute alles sehr intensive Texte mit äußerst brisanten Themen und sprachlich mehr oder weniger künstlich bzw. natürlich erzählt.
Es begann mit Linda Stift, der Cousine von Andrea, die auf ihrem Blog mitzitterte und von der ich spätestens nach „Stierhunger“ sehr begeistert war. Das erste Buch hat mich nicht so ganz beeindruckt, aber auch die Geschichte mit den siamesischen Zwillingen ist sehr dicht erzählt.
Karin Fleischanderl hat sie eingeladen und sich sehr für sie eingesetzt und dann ging es los „Mit der Welt der schönen Dinge“.
Man übergibt das Geld im schmalen Quader, schaltet das Handy ab und steigt ein, in den Lastwagen, Rampe zu und da drinnen sind die Kübel für die Notdurft und es stinkt auch fürchterlich.
Einen Moment habe ich an den Film „Der letzte Zug“ gedacht, bis mir klar wurde, da geht es um zukünftige Asylwerber bzw. Wirtschaftsflüchtlinge mit allen ihren Hoffnungen von der schönen neuen Welt. Sie haben sich neu eingekleidet und träumen nun davon, während sie im Dunklen durch die Gegend rattern und irgendwann auch die Kübel benützen müssen, die Frauen genieren sich zuerst, die Männer essen ihre Jausenbrote und trinken Schnaps und das alles geschieht im „Wir“ und man weiß nicht immer so genau, geht es jetzt um einen Mann oder um eine Frau, um Bosnier, Georgier oder Tschetschenen?
Aber Hand aufs Herz, wissen wir viel mehr von den Leuten, die ein paar Tage später aus dem Lastwagen kraxeln und wollen wir es wissen?
Der Jury hat das aber nicht gepasst und den Text unzulässig genannt. Linda Stift war, glaube ich, ein paar Mal, dem Weinen nahe und Karin Fleischanderl hat sich verzweifelt bemüht zu erklären, daß es zwischen Literatur und Realität einen Unterschied gibt und ich habe gerade dieses kollektive „Wir“ als das Gelungene an dem Text gefunden.
Dann kam ein etwas anderer Text, nämlich der des Physikers Ralf Bönt „Der Fotoeffekt“, eine neue Art „Der Vermessung der Welt“. Und irgendwie, obwohl es schon hundert Jahre früher spielt, zum heutigen Generalthema passte, ging es doch um den Gedächtnisverlust durch Quecksilber, den man sich halt zuzog, wenn man damals die Fotografie erfinden wollte.
Die Jury mäkelte an den sprachlichen Ausdrücken herum und gab sich dann auch eine Blöße, weil sie natürlich nicht so viel von Physik wie Ralf Bönt versteht und „Hinter der Wand“ des in Spanien lebenden Musikers Karl-Gustav Ruch waren wir schon wieder bei einem brisanten Thema.
Da gab es in einem Zinshaus plötzlich seltsame Geräusche und man weiß nicht recht, sind das die Nachbarn, der erfolglose Sänger, Komponist bzw. österreichische Schriftsteller oder die alte Witwe, der entführte Bankdirektor, bzw. die schwarzafrikanischen, mohammedanischen Flüchtlinge oder doch die Termiten, die ja angeblich jede spanische Brandmauer aushöhlen.
Am Nachmittag, nach einer kurzen Google-Urheberdiskussionspause, ging es weiter mit den großen Themen unserer Zeit, die die Literatur sprengen bzw. man darüber streiten kann, ob es Kitsch wird, wenn man literarisch darüber schreibt.
In Jens Petersen „Bis daß der Tod“ chauffiert ein alter oder auch junger Mann namens Alex seine Frau Nana durch die gespenstisch kahle Landschaft in der es von Todessymbolen nur so wimmelt und spricht mit ihr, nur kann sie ihm nicht antworten, weil sie sich offenbar im Wachkoma befindet und es geht um das nicht Sterben können, bzw. was man versäumt, wenn man diese Fälle nicht einer Klinik überläßt. Die väterliche Mühle geht verloren und das Restaurant wird von seltsamen Pfadfindern bevölkert. Und Alex zieht auch plötzlich eine Pistole aus der Tasche und hat auf einem Zettel aufgeschrieben, wie er vorgehen soll, obwohl er vorhin darauf hinwies, daß er das schon einmal verabsäumte, als ihm klar wurde, daß er Nanas Reaktion darauf, nicht berechnen kann. Am Schluß ist Nana tot, Alex Selbstmord wurde aber verhindert und er stürzt in Panik davon.
Das hat nun mich ein wenig unbefriedigt zurückgelassen, bzw. habe ich es aufgesetzt gefunden, weil man sich ein solches Ende von einem literarischen Text wohl erwartet und die Jury forderte auch noch das bißchen mehr dazu.
Oder nein, das war schon beim nächsten Text, nämlich dem von Andreas Schäfers „Auszeit“ in dem es zufällig um etwas Ähnliches ging.
Um einen Piloten nämlich, dessen Sohn ermordet wurde und der zu saufen beginnt, als er einen Kollegen sagen hörte, „Also ich an seiner Stelle hätte den Mörder umgebracht!“
Alles starke dichte Texte heute, das nackte Leben und nicht nur l´art pour l´art. Das war gestern bei dem Text „Blätterliebe“, dessen Autor heute prompt in allen Zeitungen steht und man darüber rätselt, ob der verspeiste Text echt oder doch aus Oblaten war?
Ich finde es toll, was alles in Klagenfurt passiert und es war ja auch die Klagenfurter Rede aufregend und hat, wie ich gerade im Kulturjournal hörte, sehr viel ausgelöst, obwohl die Politiker die Anklagen erstaunlich gelassen genommen hätten.
Das war mein heutiger Kolloquium-Bericht und heute habe ich nichts mehr vor, auch nicht den Besuch des Donauinselfestes, das heißt, wenn ich es schaffe, kann ich mich natürlich mit meiner Schreibwerkstatt beschäftigen, denn da habe ich ja jede Menge Anregungen bekommen.

2009-06-25

Bachmann mit Zitronenkuchen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:31

Tag eins der Lesungen der Tage der deutschsprachigen Literatur in Klagenfurt und da ich ein bißchen ehrgeizig bin, habe ich noch ein Extraprogramm dazu gefügt.
So bin ich am Morgen über lillyberry auf einen Bachmannblog gestoßen und habe ein bißchen von der Literaturkurslesung und den Erfahrungen Jan Drees, der ein Kind war, als Rainald Goetz sich 1983 mit der Rasierklinge schnitt und nun das erste Mal in Klagenfurt ist und nicht wußte, wie dort der Dresscode ist und man sich benehmen soll, gelesen.
Das habe ich schon hinter mir, bin ich ja 1996 auf eigene Faust hingefahren und habe, da ich nicht angemeldet war, nicht die Texte bekommen, wegen des Urheberrechts. Wie sich die Zeiten ändern, jetzt kann man sie sich ausdrucken, nachdem der Autor gelesen hat.
Es begann um zehn Uhr mit der Lesung des Schweizer Autors Lorenz Langenegger, der 1980 geboren wurde und ein Buch bei Jung und Jung veröffentlicht hat. Der Text „Der Mann mit der Uhr“ war eine Art deja vue Erlebnis, ging es ja um einen, der sein Leben abwechselnd zwischen den Bänken vor dem Kindergarten und denen auf dem Friedhof verbringt, sich selbst als kauzigen Kerl bezeichnet und von einem Mann angesprochen wird, der auf die Entscheidung einer Beförderung wartet und nachdem er genommen wird, kommentarlos verschwindet.
An etwas Ähnlichem arbeite ich ja an meinem Wirtschaftsroman. Auch da kommen Parkbänke auf dem Friedhof bzw. Spielplatz vor. Ich gebe zu, sprachlich bin ich nicht so weit und war das schon gar nicht, als ich neunundzwanzig war.
Der Jury hat es trotzdem nicht so gut gefallen, es altmodisch genannt und Kafka zitiert, aber ich habe es sehr aktuell gefunden.
Dann kam der noch jüngere Wiener Phillip Weiss, das ist der, der in seinem Portrait nur das Gesicht verzieht. Seinen Text konnte ich leider nicht gleich hören, denn da war der Server überlastet und hat mich hinausgeschmissen. So habe ich mir die ersten zwei Texte ausgedruckt und bin in die Küche gegangen.
Bei der Diskussion bekam ich wieder Kontakt und es wurde interessant, denn da hat der Autor seinen Text, bei dem es um das Schreiben geht, anstrengend hat ihn Clarissa Stadler genannt und Thomas Bernhard wurde als Vorbild zitiert, genommen und ihn aufgegessen, was alle ratlos machte.
Danach kam der Berliner Karsten Krampitz an die Reihe, den ich eigentlich für einen der Favoriten gehalten hatte. Die Jury war aber nicht so überzeugt. Es ging um eine ostdeutsche Geschichte. Republikflucht in den Himmel, passend zum Thema zwanzig Jahre Mauerfall, um einen Pastor, der einmal Uhrmacher war und sich fast zu Tode gesoffen hätte und um einen Spitzel, der einem Journalisten seine Geschichte erzählt und dabei behauptet, daß er niemals Mitarbeiter der Staatssicherheit war und alle gingen dem Autor auf dem Leim und es wurde diskutiert, ob man das beurteilen soll, was man hört oder das, was man sich erwartet.
Danach ging die Jury in die Mittagspause, es folgte wieder eine Diskussion zum Urheberrecht und ich machte mich ins AKH zum klinischen Mittag auf, denn da war ich schon lange nicht und ich soll ja jährlich dreißig Stunden Fortbildung sammeln und außerdem war das Thema „Psychoedukation bei Schizophrenie“ interessant und die beiden Nachmittagstexte lassen sich ja nachhören.
Christiane Neudecker, die ihr Portrait ebenfalls selbst gestaltet hat und sich als Ringkampfkämpferin darstellte, las einen Text, dem sie den Tänzer Frieder Weiss gewidmet hat und der aus der Sicht eines Mannes geschildert wurde, der seinen Schatten verliert, also eine echte Horrorgeschichte ist.
Leider war es nicht möglich, die Diskussion zu hören, er wurde aber sehr gelobt und auch ihr Portrait ist gut angekommen.
Vorher hat noch der 1957 geborene Bruno Preisendörfer seinen Text „Fifty blues“ gelesen, in der ein Psychoanalytiker seinen fünfzigsten Geburtstag feiert und sich dabei mit Gott vergleicht.
Da habe ich hauptsächlich die Diskussion gehört, denn ich hatte ja noch etwas anderes vor. Gab es ja um neunzehn Uhr in der Hauptbücherei die Buchpräsentation der Edition Exil „Zitronenkuchen für die sechsundfünfzigste Frau“ der 1971 in Istanbul geborenen und seit 1983 in Wien lebenden Seher Cakir, die 2005 den „Exil-Preis – Zwischen den Kulturen“ gewonnen hat und das ist interessant. Ist ja Sandra Gugic, die beim Literaturkurs mitmachen durfte, die Preisträgerin von 2008 und Cornelia Travnicek hat da ja auch einmal einen Preis gewonnen.
Die Edition Exil gibt also sehr viel Literarisches her, so hat Julya Rabinowich mit ihrem Roman „Spaltkopf“ den Rauriser Literaturpreis gewonnen und Seher Cakir bekommt inzwischen ein Staatsstipendium.
Als ich eintraf wurde Seher Cakir, die ein schwarzes Abendkleid mit einem roten Schal trug und sehr viel lächelte, gerade vom ORF interviewt.
Das Buch „Zitronenkuchen für die sechsundfünfzigste Frau“ enthält zehn Kurzgeschichten von Frauen mit oder ohne Migrationserfahrungen und Seher Cakir hat davon ein paar in Teilen vorgelesen. So begräbt eine Mutter in der Geschichte „Der Nußbaum“ das neugeborene Baby der Tochter und pflanzt einen Baum darüber und bei „Sevim u. Savas“ geht es um eine Zwangsverheiratung, der Sevim durch Hungerstreik entkommt, als sie aber Savas, nach Österreich zurückgekommen, eine SMS schicken will, bekommt sie keine Antwort, glaubt schon, er hätte sie betrogen, obwohl ihn ihre Familie offenbar inzwischen ermordet hat.
Es gab Musik von Düzgün Celebli und Christa Stippinger wies auf eine Buchparty nächste Woche mit anatolischem Buffet hin.
Buffet gab es auch heute und als ich Christa Stippinger meine neuen Bücher zeigte, hat sie sie mir nicht nur abgekauft, sondern mir auch das von Seher Cakir und eines von Mircea Lacatus geschenkt, der 2007 den Lyrikpreis bekommen hat.
Julya Rabinowich war auch anwesend, hat sich mit Jessica Beer unterhalten und davon gesprochen, daß sie Steven Spielberg fragen wird, ob er nicht ihren Roman verfilmen will, was mir irgendwie bekannt erscheint, bei mir aber ganz anders ist.

Geistiges Eigentum und Bachmannpreiseröffnung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 02:12

Der Mittwoch war wieder ein höchst literarischer Tag. Das geht auch in Wien in einer psychologischen Praxis, wo sich Leute von einer Supervision abmelden, die schon vor einem Jahr stattgefunden hat und ich am Vormittag die drei Dienstag Abend geschriebenen Szenen eintippte und am Nachmittag zwischen einer Stunde noch einmal drei Szenen schrieb und das ging gut, hatte ich mir in den letzten Tagen ja soviel von den Literaturkursteilnehmern angeschaut und mir am Vormittag auch noch die Namen der 31 österreichischen Autoren ausgedruckt, die im Juli beim Literaturfestival in Brünn lesen dürfen.
Es sind die Mittleren, nicht die ganz Berühmten, wie z.B. die, die sich jetzt auch in Klagenfurt treffen oder trafen. Andrea Grill, Sabine Gruber, aber auch Peter Henisch, um nur drei zu nennen, die anderen findet man unter www.buecher.at, der Seite des Hauptverbandes des österr. Buchhandels, so daß ich mir einfach denken mußte, jetzt mache ich einen Literaturkurs für mich selbst und schreibe so gut, wie ich nur kann und das ist mir irgendwie auch gelungen und einen neuen Handlungsstrang bzw. Protagonistin, nämlich Felix Baums Mutter Emilie gibt es auch und am Abend bin ich, während man sich in Klagenfurt zum Gartenfest rüstete, in den Republikanischen Club zur Podiumsveranstaltung „Vom Eigentum geistiger Arbeit im Zeitalter elektronischer Reproduzierbarkeit“ mit Sandra Csillag, Klaus Nüchtern, Gerhard Ruiss, Max Kossatz, Marietta Böning und Andrea Sodomka unter der Leitung von Doron Rabinovici gegangen. Das war interessant von wegen Google Books und den diesbezüglichen Anstrengungen der Literar Mechana. Die Meinung von Gerhard Ruiss kannte ich ja schon. Klaus Nüchtern hatte dagegen eine etwas andere, will er doch Charly Parker gratis hören. Während Gerhard Ruiss selbst bestimmen will, wo er was veröffentlicht und Sandra Csillag die Bemühungen der Literar Mechana erklärte, stellten sich auch einige Medienkünstler vor. So macht Andrea Sodomka seit einigen Jahren Musik im Internet und wurde von der Literar Mechana deshalb von E auf U hinuntergestuft und Max Kossatz ist ständig online und hat einige Blogs und die Community-Lobbyistin Marietta Böning wußte einiges Interessantes zu erzählen, wurde aber von der starken Selbstdarstellungsgabe von Gerhard Ruiss in den Schatten gestellt.
Ja unter starken Männern hat man es manchmal schwer. So hat mich nach der Diskussion mein Nachbar angesprochen und mich gefragt, ob ich ebenfalls schreibe, sagte ich doch Marietta Böning, die meinte, daß sie bei Google Books nicht zu finden ist, daß das wahrscheinlich nicht stimmt, da ich ja mit meinen Büchern ohne ISBN Nummer auch vertreten bin – ich nickte und zog meine neuen Bücher heraus. Da pirschte sich ein stadtbekannter linker Buchhändler heran, um sie zuerst interessiert anzusehen, dann fragte, ob ich im Eigenverlag publiziere, um mich zu belehren, daß ich das tue, ohne zuzuhören, als ich ihm von den neuen Möglichkeiten des Digitaldrucks erzählen wollte.
Es gab wieder Wasser, Wein und Salzgebäck. Helmut Rizy war da, Katharina Riese, Sabine Gruber, die mich übersah, so daß ich ihr erst zuwinken mußte und Christine Huber, die sehr schön den Unterschied zwischen Buch und Text zu erklären wußte.
Ich habe mich lange mit dem interessierten Techniker unterhalten, bis er mir erklärte, er müsse weg. Ich auch, denn in Klagenfurt gab es ja die Eröffnungsrede von Josef Winkler und die Verlosung der Lesereihenfolge. Die Eröffnungsveranstaltung, die man sich im Internet ansehen kann und inzwischen ist auch die Qualität sehr gut.
Clarissa Stadler ist die neue Moderatorin und hat das sehr charmant gemacht. Zuerst gab es die Eröffnungsreden von bemühten Herren, die schöne Worte zur Literatur machten. Der ORF Landesdirektor lobte die große Chance der Antretenden, die durch die Übersetzung ihres Textes in sieben Sprachen nur gewinnen können. Markus Orths „Zimmermädchen“ ist inzwischen in noch mehr Sprachen übersetzt und Wolfgang Lorenz verglich die Lesung mit einem Casting, da verzog der Juryvorsitzende Burkhard Spinnen das Gesicht, aber erst kam Josef Winkler mit dem „Katzensilberkranz in der Henselstraße“ an die Reihe und das war eine sehr starke Klagenfurter Rede, die wie Clarissa Stadler meinte, sicherlich noch lang in K. für Gesprächsstoff sorgen wird und die man sich unbedingt anhören oder lesen sollte (www.bachmannpreis.at).
In der Henselstraße 26 verbrachte Ingeborg Bachmann ihre Jugend und hat in der Erzählung „Jugend in einer österreichischen Stadt“ darüber geschrieben und dann kam noch ein kleiner Bub vor, der jetzt am Annabichler Friedhof unweit der Bachmann begraben liegt und Josef Winklers Sohn, der sich gegen die Türschwelle der Schule stemmte, weil er Schriftsteller werden wollte.
Und in Klagenfurt saßen die vierzehn Auserwählten, während sich Cornelia Travnicek in ihrem Blog darüber ärgerte, daß sie zu Hause sitzt, während die anderen nach Klagenfurt fuhren und einen Text schreiben möchte, „der den Leuten die Sätze um die Ohren haut, daß ihnen Tage später noch die Wörter im Hirn stecken“ und die Jury, die aus vier neuen Mitgliedern besteht, darunter Karin Fleischanderl von der Zeitschrift Kolik und Paul Jandl, der einmal in der alten Schmiede große Schwierigkeiten hatte, sich gegen Robert Menasse durchzusetzen und Burkhard Spinnen, der Juryvorsitzende, entschuldigte sich in seiner Rede, daß es den Juroren sicher wieder nicht gelingen wird, es allen recht zu machen und bei den nicht eingeladenen Autoren, dafür, daß sie zu Hause bleiben müssen und forderte sie auf, trotzdem weiterzuschreiben.
Bei mir und Cornelia Travnicek scheint das geklappt zu haben und bei mir ist nach sechsunddreißig Jahren erfolglosem Schreiben auch der Frust verschwunden, so daß ich mir höchstwahrscheinlich in den nächsten Tagen, dank der Segnungen des Internets ein sehr erfülltes Bachmann Kolloquium geben kann.

2009-06-22

Literarisches vom Wochenende

Filed under: Uncategorized — jancak @ 17:38

Und das war nicht besonders viel, sind wir ja Samstag Nachmittag nach einem kurzen Zwischenstopp im regennassen Garten nach Carnuntum zu Alfreds Wandergruppe hinausgefahren, die inzwischen in der Donau paddeln war und ich habe Otto Lambauer wirklich die Bücher „Das Haus“ und „Die Radiosonate“, sowie im vierten oder fünften Anlauf die Volksstimmeanthologie überbracht und mit ihm beim Abendessen ein bißchen über Literatur diskutiert.
Er macht jetzt eher auf Art Brut und Tagungen zur Behindertenfrage, liest aber auch Josef Winkler und der hält bei den heurigen Tagen zur deutschsprachigen Literatur die Eröffnungsrede.
Dann haben wir ein bißchen darüber gerätselt, wie weit es Cornelia Travnicek gelingen wird, in den Literaturhimmel hinaufzusteigen und Otto hat erzählt, daß er im Mai Andrea Stift getroffen hat.
Alfreds ehemaliger Lehrer Peter Sladky wird im Jänner siebzig und da soll es ein großes Fest geben, bei dem jeder beitragen soll, was er kann.
Stanzln für die Gitarrenbegleitung in etwa „Zehn kleine Wanderwöchler“ zu dem dann alle singen, werde ich nicht verfassen, das kann Gunther Maier besser und hat es schon getan, aber die Wandergruppe hat mich tatsächlich zu einigen sehr schönen Szenen inspiriert, so das Kapitel „Die Führung“ in der „Reise nach Odessa“ beispielsweise, wo der aus dem Priesterseminar von St. S. hinausgeflogene Kasimierz die Lehrergruppe in Stift Admont oder Kremsmünster beobachtet, die sich über die Erzählungen der Führerin über die Apostel Paul und Petrus ärgern und dann das Kapitel „Hochschwabblick“ im „Haus“, wo es um die Verarbeitung der „Berg Heil!“-Gipfel-Begrüßung geht, die mich immer ein wenig irritiert.
Dieses Kapitel kann ich beim Geburtstagsfest lesen, habe ich versprochen und am Sonntag sind wir den Hundsheimer Berg hinaufgewandert, wo mir Ingrid Posch erzählte, daß ihre Tochter inzwischen in Südamerika ist, also die nächste Buch-Wien nicht mehr organisert.
Das wars dann schon, denn Per Olov Enquists „Sekundant“ habe ich zwar mitgenommen, aber nicht darin gelesen und als wir nach einem Rundgang im Museum von Carnuntum wieder zurückgefahren sind, habe ich mich gefragt, was soll ich nur im Literaturgeflüster schreiben?
Denn das will ich regelmäßig in etwa jeden zweiten Tag, aber es fehlte das Material und die Bloggerszene, die ich dann besuchte, bot auch nicht viel Anregung, so ist ja auch Anni Bürkl seit Anfang des Monats irgendwie verschwunden und literarische Programme habe ich erst am Mittwoch und Donnerstag vor.
Zum Glück gibt es die „Tage der deutschsprachigen Literatur“ und die kommen jetzt allmählich näher, bzw. haben sie gestern mit der Vergabe des „Translatio“ – Staatspreis für Übersetzer in Klagenfurt an Doreen Daume, die die „Zimtläden“ übersetzte und Jurko Prochasko, der Joseph Roth in die Ukraine, der dort lang verboten war, bringt, begonnen und den berühmten Literaturkurs mit den neun Auserwählten gibt es auch.
Am Mittwoch geht es los, da stellen zuerst die Literaturkurs-Teilnehmer ihre Texte im Musilhaus vor, dann hält Josef Winkler seine Eröffnungsrede und die Lesereihenfolge wird ausgelost.
Am Donnerstag beginnen die Lesungen und die Diskussionen im ORF-Theater in Klagenfurt, die man sich per Internet live oder auch danach geben kann, was ich sehr intensiv vorhabe.
Denn es ist ja interessant, so hautnah am Geschehen der Literatur zu sein, wenn ich auch daneben stehe und so habe ich mir gestern den Terminplan ausgedruckt und mir die Videoportraits der vierzehn Glücklichen angeschaut.
Wie schon beschrieben, zwei kenne ich davon, nämlich Linda Stift und Andrea Winkler, beiden räume ich Gewinnchancen ein, vor allem Linda Stift ist ja, glaube ich, sehr begabt und hat vielleicht auch das überzeugende Charisma, aber ob eine österreichische Autorin den Hauptpreis gewinnen wird?
Das wäre ein Novum und sonst hatte ich beim Ansehen der Portraits keine Idee, wer nun der oder die Preisträgerin werden wird?
Einige der Portraits sind durchaus originell, so z.B. das von Philipp Weiss, ein für mich bis dato unbekannter Österreicher, der seine zweieinhalb Minuten mit Musikbegleitung das Gesicht verzog oder das, der mir ebenfalls unbekannten Christiane Neudecker, die das Ganze, was, wie ich mir sagen ließ, nie gut ankommt, mit Ironie betrieb, nämlich das ORF-Theater als Ringkampf darstellte und dann gibt es noch Katharina Born, die Tochter des deutschen Dichters Nicolas, die von einem als Kind erlebten Brand erzählt, bei dem Peter Handke löschen half und einen Schweizer Arzt, der zuerst seine Patienten untersuchte und dann mit einem schnittigen schwarzen Auto in sein geistiges Refugium nach Montagnola fuhr, wo Hermann Hesse, Bert Brecht und Kurt Kläber lebten, sowie ein pfiffig dreinschauender Berliner mit Obdachlosenerfahrung, der vielleicht einer der Favoriten ist?
Ich bin gespannt, werde mir den Ringkampf sicher geben und auch davon berichten.
Und wer sich die Portraits vorher anschauen will, unter www.bachmannpreis.at. sind sie zu sehen.

2009-06-20

Nachträge und Kleindetails

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:27

Gestern ist Alfred aus Cinqueterre zurückgekommen und Anna hatte ihre Diplomfeier zur Sozialbetreuerin bzw. Behindertenpädagogin.
Und ich habe nun in etwa die Handlungsstruktur der Sophie Hunger festgelegt und nach dem Schreibmarathon von letzter Woche diese ein wenig weitergeschrieben. Dafür habe ich endlich „Lärchenau“ fertiggelesen, da habe ich fast ein Monat dazu gebraucht und danach wie geplant ein Mail an Kerstin Hensel nach Berlin geschickt und prompt am nächsten Morgen Antwort von ihr bekommen, die gestern in Bielefeld gelesen hat.
Berlin ist ja eine interessante Stadt, Cornelia Travnicek hat dort vorige Woche ihre Literaturagentur besucht, Anna fährt im Sommer hin, um ihre Freundinnen zu besuchen und Valerie Oswald ist gerade mit Felix Baum dorthin gekommen und in Sonja Paterno hineingelaufen, ihren Hubert findet sie aber wieder nicht, dafür aber, als sie für ihre Kinder Sachen sammeln will, einen Messie-Kongreß.
Andrea Stift hat auch gemailt, „Novembernebel“ gelesen und sehr lieb gemeint, sie hätte wenige Fehler gefunden, fein, dafür gibt es aber in der „Radiosonate“ leider einen gravierenden, wie mir prompt aufgefallen ist, als ich die Bücher aus den Kartons nahm, bei dem Korrekturexemplar habe ich zwar auf der Rückseite einen Fehler gefunden, das Impressum aber leider nicht angeschaut und dort fehlt die Angabe der Druckerei, denn die haben wir herausgenommen, als wir den Text zu „Kitab“ schickten und in der Hektik zwischen den Italienreisen darauf vergessen. Solange du keine ISBN Nummer hast, ist das egal, hat Ruth Aspöck getröstet, soll aber trotzdem nicht mehr passieren.
Das Herausnehmen war aber wichtig, denn in dem Gratisexemplar vom „Novembernebel“ steht ja „Novum“, nun ja, sonst bin ich eigentlich genau, das habe ich Andrea Stift geschrieben, aber vielleicht auch ein bißchen hektisch oder legasthen.
Lillyberry hat mir zum dritten Mal versichert, daß Maeve Binchys „Die Straße ins Glück“, ganz bestimmt doch noch kommt oder schon auf dem Weg zu mir ist, wieder fein, denn jetzt kommt der Sommer und da gabs bei Lillyberry eine sogenannte Blogparade zum sommerlichen Leseverhalten. Ich tus, habe ich herausgefunden im Sommer nicht weniger oder mehr als im Winter, nur andere Bücher, denn in Harland habe ich auch meine SUBs und da gibts üblicherweise bei Thalia in der Kremsergasse Anfang Juli einen Ein-Euro-Abverkauf, dem ich nie widerstehen kann.
Wenn wir aber im Juli wieder in die hohe Tatra Wandern fahren, schaue ich nach, ob ich slowakische Autoren unter meinen SUBs finde, die ich mitnehmen kann.
Und, daß die Ein-Euro-Bücherkiste bei der „Buchlandung“ sehr Interessantes bieten kann, habe ich vor ein paar Tagen herausgefunden, als ich mir wieder Elke Heidenreichs „Buch der Woche“ anhörte. Denn dieses ist diesmal Anne Michaels „Wintergewölbe“ und wird als ein ganz besonderer Leckerbissen gepriesen und da habe ich ja im Februar, glaube ich, wars, Anne Michaels „Fluchtstücke“ gefunden und gelesen, weil ich aber damals noch im Quizfieber steckte, habe ich ein wenig ungeduldig darübergelesen und Geduld scheint man auch bei „Wintergewölbe“ zu brauchen, zumindestens spricht Elke Heidenreich davon, daß Anne Michaels sich sehr langsam in Handlung und Spannung hineintastet und das tue ich vielleicht auch, beim Rohentwurf der „Sophie Hunger“ auf jeden Fall.
Gelesen habe ich jetzt auch wieder ein bißchen, nämlich Peter Pessls Kriminal „Der Brief mit der Aufschrift“, ein sehr kurzer Text aus der Experimentellenszene mit sehr schönen Zeichnungen von Ilse Kilic, eine Produktion des fröhlichen Wohnzimmers, und Claudio Magris hat den Friedenspreis des deutschen Buchhandels bekommen, der in Frankfurt während der Buchmesse vergeben wird und weiß es, wie vor ein paar Tagen im Kurier stand, noch immer nicht, weil er Handylos auf Urlaub war. Inzwischen wird er es es wohl wissen, ansonsten Literaturgeflüster lesen, das ja bald Geburtstag hat, die Germanistikveranstaltung, die am Mittwoch Sibylle Lewitscharoff in die alte Schmiede einlud, hat sich auch mit Blogs und Internettagebüchern beschäftigt und die sind ja wirklich interessante Geheimtips.
Leider hat Otto Lambauer im März den seinen eingestellt und ihn werde ich jetzt vielleicht sehen und sein „Haus“-Belegexemplar übergeben können, denn am Wochenende gehts nach Hainburg und Carnuntum zum Treffen mit Alfreds Wandergruppe und da bekommt er auch die „Radiosonate“, denn er hat das Literaturgeflüster in seinen Anfangsphasen ja sehr angefeuert.
In diesem Sinne erneuere ich zum letzten Mal den Aufruf zu ein paar Geburtstagsstatements und Frau Heidegger, wenn Sie mir Ihre Adresse schreiben, bekommen Sie auch ein Buch, denn Sie haben ja immer sehr interessante Fragen gestellt, dasselbe gilt für alle anderen, die Kommentare geschrieben haben und ein neues Buch von mir wollen, bitte melden, dann schicke ich es.

2009-06-18

Lärchenau

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:10

Die Zeit ist ein sonderbar Ding, die Uhren stehen still, das märkische Dörfchen heißt Lärchenau, das Wirtshaus „Zum Ochsen“ und der „Rosenkavalier“ spielt eine wichtige Rolle im Leben der „Nur Hausfrau“ Adele Konarske, die das Kind des „Fiehrors“ ist, der sich aber letztendlich nur als Dorftrottel erweist.
Eine Provinzgroteske als Brennspiegel der deutschen Geschichte, steht auf dem Umschlagtext. So kann man also auch den Roman zur Wende schreiben, die deutsch-deutsche Geschichte als Arztroman der letzten sechzig Jahre, aber eigentlich beginnt es schon im dritten Reich.
Da spielt der gute Arzt Rochus Lingott seinen Patientinnen Bach, Mozart, Beethoven, Schönberg und Swing zur Erbauung und versteckt das Hitlerbild hinter dem Abbild eines Wasserschierlichs und Schwester Rosie, die Tochter des Milchmanns, die von ihrem Vater mißbraucht wird, bekommt bei Wagnerklängen ein Kind von ihm, nämlich Gunther Konarske, der später Nobelpreisträger werden will.
Während „Prinzessin“ Adele aus dem vogtländischen Dorf Katzgrün ihren Vater zuerst für Wilhelm Pieck hält, da sie ja in einer DDR-Schule zum real existierenden Sozialismus erzogen wird und nach dem Tod der Liese Möbius, die sich mit ihrer Zwillingsschwester Lotte zerstreitet, ein Heimkind wird, in diesem jede Form von Gewalt erlebt, die in dem Roman von Kerstin Hensel wahrscheinlich das einzig Realistische ist, bevor sie vom zum LPG Vorsitzenden gewordenen Bauer Eden nach Lärchenau geholt wird und sich in den Medizinstudenten Gunther Konarske verliebt.
Der nennt sie Mauseprinzessin und will, wie erwähnt, Nobelpreisträger werden, experimentiert deshalb schon seit Kindertagen mit Spritzen und Ampullen und gilt als Wunderheiler.
Während er sich in der Kreisstadt zum Professor hinaufarbeitet, bleibt Adele auch in der DDR zu Hause, liest Westzeitungen, hat die besten Westdelikatessen, während sich die DDR-Bauersfrauen über das ehemalige Heimkind mokieren und ihr die Sonderbehandlung heimzuzahlen versuchen.
Dann gibt es noch den Mennichensee mit dem Ungeheuer, in den Rosie Konarske nach Ende des Krieges ihren Vater trieb und Jahre später die Mennichenbande, deren Mitglied auch der übergewichtige Konarske-Sohn Timm, ist, der statt zu studieren, Fleischhauer geworden ist, seine Experimente treibt.
Es gibt den Stasi-Spitzel Hanswerner Giersch und während Gunther Konarske in Amerika Kongresse besucht und bei Adele, die sich mit Musik und Alkohol zu trösten weiß, der Fernseher eingeht, passiert die Wende und ab da entgleitet das Ganze total.
Zuerst kommt aber Graf Gutfried nach Lärchenau zurück, bezieht mit seiner Gräfin das alte Schloß und beginnt das Dorf zu schikanieren, Gunther Konarske ist längst Professor und spritzt Adele Ampullen zur Verjüngung, nachdem es mit der Trüffelschweingewinnung nicht so klappt, die schließlich im Kinderkleidchen das Haus verläßt, während nicht er, sondern der Kollege den Nobelpreis bekommt.
Die Zeit ist ein sonderbar Ding, denn alles ändert sich, das tausendjährige Reich zu vierzig Jahre DDR und kommt schließlich zur europäischen Union. Nur die Menschen sind gewaltsam, korrupt, machtbesessen und dumm geblieben.
Was das mit dem Rosenkavalier zu tun hat, der ja seine Dekadenz in Wien und unter der Herrschaft Maria Theresias erlebte, weiß ich nicht, spielt aber auch bei Uwe Tellkamp eine Rolle und am Schluß gibt die 1961 in Karl Marx Stadt geborene, am Literatur-Institut Leipzig ausgebildete und in Berlin lebende Autorin Kerstin Hensel noch den Warnhinweis, daß alles frei erfunden ist.
Wers glaubt wird selig und hat vielleicht trotzdem zwanzig Jahre nach der Wende ein Stück Geschichte gelernt, obwohl das Buch schon 2008 erschienen ist.
Ich habe es, obwohl es mich manchmal ein wenig ratlos machte, begierig gelesen, kenne ich ja die Autorin persönlich und habe sie, 1990 und 1992 in der Linienstraße, die auch in dem Roman eine Rolle spielt, besucht, sie aber aus den Augen verloren. So daß das bei fix poetry gewonnene Buch, das ich schon vor einem Jahr bei „Morawa“ in Händen gehabt habe, ein Anlaß sein könnte, wieder in Kontakt zu kommen.

2009-06-17

Bloomsday und Apostoloff

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:56

Gestern war wieder der 16. Juni, der Tag an dem James Joyces „Ulysses“ spielt und seine Fangemeinde spielt verrückt, trinkt Bier, bzw. veranstaltet Lesemarathone.
In Wien nur gelegentlich, so hat vor ein paar Jahren das Lesetheater den ganzen Tag an verschiedenen Orten aus dem Roman gelesen. Ich war, wie ich mich erinnern kann, am Donaukanal und im WUK dabei, dazwischen habe ich mit Margot Koller telefoniert und meine Diagnostik gemacht.
Den Roman selbst habe auch ich nicht gelesen, ich wollte zwar, weil ihn Patrik Kames dem Alfred schenkte, so ist er lange im Harlander Badezimmer herumgelegen, als ich aber so weit war, zu beginnen, ist die Anna gekommen und hat ihn mitgenommen.
Pech, da aber mein SUB sehr groß und das Schreiben ohnehin das Wichtigste, ist das nicht so schlimm und als ich voriges Jahr nach Feldkirch gefahren bin, um meine Frauenlesung dort abzuhalten, habe ich am Bahnhof eine Inschrifttafel gefunden, daß der Meister hier einmal angekommen ist und gestern hat sich Wien live mit seinem Chef Helmut Schneider der Sache angenommen und ab neunzehn Uhr im Cafe Korb Anzeigenaquisiteure, aber auch Prominente, wie Otto Brusatti aus dem Roman lesen lassen und das Beste, es gab eine Live stream Übertragung aus dem Internet, im Ö1 am Morgen einen Leporello, der darauf hinwies und Otto Brusatti hat sich im Pasticcio auch darauf bezogen.
Ich konnte also meine Stunden machen und da ich mich nicht unbedingt zur „Ulysses“ Fangemeinde zähle, bin ich nachher mit „Lärchenau“ in die Badewanne gestiegen und als ich mit dem zweiten Teil fertig war, habe ich mir den Rest der Lesung gegeben und berichte davon, damit das Literaturgeflüster nicht zu unvollständig ist und heute war ich in der alten Schmiede, denn da gabs unter dem Titel „Literatur studieren und erleben“ eine gemeinsame Veranstaltungsreihe mit dem Institut für Germanistik und da wurde die Preisträgerin des Leipziger Buchpreis 09 Sibylle Lewitscharoff eingeladen und las aus ihrem preisgekrönten Roman „Apostoloff“ und da die Vorlesungen im Institut für Germanistik offenbar früher anfangen, begann es schon um siebzehn Uhr. Ich hatte Glück, daß ich vorige Woche bei der Bolius Veranstaltung daraufkam und noch keine Stunden eingetragen hatte, so daß ich pünktlich war.
Viele junge Menschen im Publikum, aber auch Mechthild Podzeit-Lütjen, weil, wie Kurt Neumann sagte, auch das literarisch interessierte Publikum wissen soll, was auf der Universität passiert.
Und das war interessant, der Roman von der Ich-Erzählerin, die hinten im Auto sitzt, vorne ihre fiktive Schwester und der Chauffeur Apostoloff und den erhängten Vater nach Bulgarien überführt und dabei monologartig ihre Gefühle außert.
Sibylle Lewitscharoff meinte, sie brauchte die fiktive Schwester als Puffer der Aggressionen der Ich-Erzählerin und erzählte von ihrem Vater, der in der Stuttgarter bulgarischen Gemeinde, wie alle anderen Exil-Bulgaren, sofort eine blonde Schwäbin heiratete und sich mit zweiundvierzig Jahren erhängte, das war der bulgarische Geheimdienst oder die Mutter vermuteten die bulgarischen Verwandten und es kommt noch eine schäbische Großmutter beim Spätzlekochen und ein besonderer Schuhkasten vor.
Das Buch heißt „Apostoloff“ und nicht „Die Asche meines Vaters“, weil Lewitscharoff Romane, meistens Namen als Titel haben, wie beispielsweise „Montgomery“, den ich gelesen habe.
Die Ähnlichkeit mit der „Asche meiner Schwester“ ist mir auch aufgefallen, denn da fährt ja die Schwester mit einem Hund und einem Psychologen nach Marokko, um die Asche auszustreuen, hier geht es um die Überführung des Sarges, obwohl ich das nicht ganz verstanden habe, weil der Vater ja offenbar früher gestorben ist, mich das aber nicht zu fragen traute.
Es ging auch um „Holzfällen“ und um Thomas Bernhard in der Diskussion und über die Frage, worüber Schriftsteller schreiben dürfen oder nicht, wenn sie gut sein wollen. Über die Eltern ja, über Freunde und Geschwister nicht, meinte Sibylle Lewitscharoff, das habe ich auch nicht ganz verstanden, es war aber sehr beeindruckend, wie geheimnisvoll und spannend die Autorin gelesen hat, die auch meinte, daß man das Tragische spannend beschreiben muß.
Das wars, ich bin dann gleich gegangen, ohne Mechthild Podzeit Lütjen mein neues Buch zu zeigen, ich hatte nur „Das Haus“ in der Tasche, weil ich vorher in Baumgarten bei einem Supervisions-Vorgespräch war und jetzt gehe ich in die Badewanne, um „Lärchenau“ fertigzulesen.

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