Literaturgefluester

2009-06-01

Italienische Schreibewoche

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:38
Giardini Naxos

Giardini Naxos

Von einer Woche in Sizilien und einer Hin- und Rückfahrt von zwei Extratagen melde ich mich zurück und habe einiges zu berichten.
Ich bin ja in der Mitte des Monats nicht so gerne weggefahren, weil erstens Warten auf die Probebücher, dann ist die Diagnostik Abrechnung am zwanzigsten noch nicht gegangen und ich lasse ja bekanntlich Sachen nicht so gerne liegen und Ditha Brickwell hat mir zum Schluß auch noch geschrieben, daß bei der Veranstaltung zu der sie mich eigentlich eingeladen hat, am 6. und 7. Juni im Literaturhaus auf Wunsch der Fördergeber aus historischen Romanen aus den Dreißigerjahren von Erich Hackl, Ludwig Laher, Inge Rowhani, Ursula Krechel, Wolfgang Fritz und Gyorgy Dalos, (die bekannteren halt), gelesen werden.
Bei meinem letzten Eintrag habe ich geschrieben, daß ich auf einen kreativen Schub im Sinne der Ortsveränderung setze, auf eine internationale Schreibewoche, wie auch Irene Rauch vom Writers Studio eine Schreibereise zum Nabel der Welt in der Maremma anbietet, um die große Mutter Erde schreibend zu erkunden.
So habe ich meine Sachen zusammengepackt und bin Mittwoch um sechs mit einer großen und einer kleinen Tasche in Alfreds Auto gestiegen.
Ein weiterer Hinderungsgrund war die Präsentation des letzten Gerstl-Buchs um 19 Uhr in der alten Schmiede.
Ich habe aber meine grüne Schreibemappe und mein kleines lila Buch für die Schreibnotizen ausgepackt und hatte, bis wir in Sizilien ankamen, ca zehn Szenen geschrieben.
Im Auto während der Staus auf der Reise durch Italien und meine bis dato etwas vagen Handungsstränge haben sich auch ausgeweitet. So weiß ich nun, daß Valerie Oswald und Felix Baum, während sie Valeries verlorenen Gatten suchen, auch eine große Reise machen, die sie über München, Berlin und Dresden bis nach Prag und Budapest führen wird. Am Ende haben sie sich ineinander verliebt und Valerie erfährt von ihrer Mutter, daß Hubert zu ihr zurückkommen will, weil ihn seine Sekretärin verlassen hat.
Die eine der beiden Schreibemappen, die ich mitgenommen habe, war auf diese Art und Weise bald voll. Ich bin ja eine, die zuerst alles mit der Hand schreibt und dann die Rohfassung in den Laptop tippt, wenn ich sie noch lesen kann.
Es ging sehr gut, durch das Land zu fahren und die Geschichte weiterzuspinnen, nur als wir dann in Avola waren, hatte ich das Gefühl, das Getippte lesen zu müssen, um die Geschichte weiterentwickeln zu können.
Ich hatte von Alfred aber ohnehin Ralf Nestmeyers „Literarische Streifzüge – Sizilien“ bekommen, die ich lesen wollte, weil es ja vielleicht etwas sonderbar ist, in der sizilanischen Landschaft, in der schon Odysseus herumgefahren ist, von der wunderbaren Stärkung einer psychisch labilen Frau, die ihren Gatten von Graz bis Prag nachfährt und sich die Reisen durch die sozialen Netze der Caritas-Notschlafstellen bestens organisiert, zu schreiben oder natürlich nicht, auf jeden Fall war die Reise mehrdimensional.

Plakat / Noto

Plakat / Noto

Denn wir sind am Mittwoch bis nach Arnoldstein gefahren und haben im Hotel geschlafen und dann am Donnerstag bis Paestum durch Italien, am Freitag mit der Fähre nach Messina und dann in Sizilien herum. Von Avola nach Selinunte, sind am Strand spazierengegangen, haben das Blumenfest in Noto versäumt und als wir nach Trapani wollten, wo wir schon vor fünfzehn Jahren bei der Karfreitagsprozession waren, ist bei Alfreds Auto das Öl ausgeronnen, also sind wir einen Tag früher aufgebrochen. Haben das Auto in Agrigent reparieren lassen und sind den Rest der Zeit auf einem Campingplatz in der Nähe von Taormina gewesen, in der Stadt auf den Bergen, in die man mit dem Lift vom Parkhaus hinauffahren kann und sich die Bräute auf dem großen Platz mit Meeresblick fotografieren lassen und in Nestmeyers Buch habe ich von der Fußreise, die Johann Gottfried Seume 1801 von dem sächsischen Städtchen Grimma nach Syrakus machte, gelesen, der dann gleich von Friedrich Christian Delius Erzählung „Der Spaziergang von Rostock nach Syrakus“ hinüberwechselte und da geht es weniger um Goethes Italien Sehnsucht, als um die Ausreise aus der DDR und das führt wieder zu Kerstin Hensels Buch, das ich zwar mitgenommen, aber nicht sehr weit gelesen habe. Denn wenn ich mich nicht mit meinem Roman, zu dem mir jetzt auch der Titel „Sophies Hungers Krisenwelt“ eingefallen ist, beschäftigt habe, habe ich in den „Tausend Lektionen Italienisch“ geblättert, damit ich mir mein Essen in der Originalsprache bestellen konnte.

Wahlplakat

Wahlplakat

Goethe hat die Sehnsucht nach Sizilien getrieben und dort blühen die Zitronen, bzw. hängen sie jetzt an den Bäumen, an denen wir vorübergefahren sind. Luigi Pirandello hat 1934 den Nobelpreis bekommen und in Agrigent gewohnt und sein Haus haben wir schon bei unserer ersten Sizilienreise besucht. Dann gibt es noch Guiseppe Tomasi di Lampedusa, mit seinem „Gattopardo“, den ich gelesen habe, als wir das erste Mal nach Sizilien gefahren sind, aber das ist auch eine Insel, wo die Bootsflüchtlinge aus Afrika stranden und in Italien ist natürlich auch EU- Wahlkampf und unter einem dieser Plakate habe ich mich von Alfred fotografieren lassen.

Beim Etna auf einen kleinen Krater hinaufgestiegen und am Parkplatz Honig gekostet, es gibt dort viele Sorten und am Samstag wieder durch ganz Italien zurück.
Das Weiterschreiben lockt natürlich und den nötigen Abstand habe ich, wie ich hoffe, auch gefunden. Auf jeden Fall habe ich, als ich nicht mehr geschrieben habe, über mein Schreiben nachgedacht und der Urlaub war natürlich schön und heiß. In Sizilien gab es an die dreißig Grad. Die Rückfahrt war ein wenig kühler und in Wien hat mich schon der Streß erwartet, nämlich meine Probebücher, die inzwischen bei der Hausbesorgerin gelandet sind und ein neues Buch habe ich von fix poetry auch gewonnen, während das von Lillyberrys Geburtstagsaktion noch immer nicht gekommen ist. Und noch eine Neuigkeit, außer der Bachmannpreisleseliste, über die ich extra schreiben will, gibt es zu berichten.
Walter Kappacher ist der neue Büchner-Preisträger, wie mir Christoph Janacs fürsorglich gemailt hat.

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