Literaturgefluester

2009-06-04

Stadtflanerie

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:24

Umherschweifen im Grätzel des Buches. Die Wiederholung der viel beachteten März-Flanerie des Aktionsradius im Monat der Langsamkeit habe ich eigentlich versäumen wollen. Habe ich ja noch viel einzutippen und dann meldet sich das schlechte Gewissen. Ich bin ja eine fleißige Schreiberin, manche nennen es besessen. Aber der angekündigte Spaziergang von der legendären Buchhandlung Brigitte Salanda, bei der Otto Lambauer seine Bücher kauft, zum Mandelbaum-Verlag und dann noch zu der Bibliothek von unten mit der größten österreichischen Auswahl an anarchistischer Literatur lockte natürlich und passte auch zu der gestrigen Veranstaltung.
Also habe ich, als meine Stunden gemacht und die begonnene Szene fertig geschrieben war, Otto Lambauer gemailt, ob er Interesse hat und bin mit dem Stadtplan losgezogen.
Denn ich war noch nie in der legendären a.Punkt – Buchhandlung. Die Buchhandlung Jeller kenne ich, dort gehe ich oft vorbei, meine Bücher tausche ich aber bevorzugt, bekomme sie geschenkt oder ziehe sie höchstens aus der Ein-Euro-Kiste, aber die Buchhandlung der Buchhändlerin, bei der die Achtundsechziger ihre Bücher kauften, ist sicher interessant.
Ich habe die Fischerstiege leicht gefunden, vor der Buchhandlung saß schon Martina Handler, die die Führung organisierte und erzählte von zwei Damen, die auch kommen würden und, daß die Buchhandlung ausfallen würde, weil Frau Salanda leider keine Zeit hat. Aber sie würde einem sicher was erzählen, wenn man sie in ihrem Geschäft aufsucht, stattdessen gehen wir ins Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes in der Wipplingerstraße.
Sie erzählte dann, es waren noch zwei Männer dazugekommen, eine der beiden Damen war die Margaretner Mundartdichterin Roswitha Miller, ein bißchen was über Brigitte Hermann, die ihre Kunden speziell betreut und genau weiß, was sie ihnen empfehlen kann, wenn sie das Geschäft betreten, das erzählt auch Otto Lambauer, daß er nur liest, was ihm seine Buchhändlerin empfiehlt.
Ich habe mich der Gruppe vorgestellt und meine Bücher hergezeigt. „Und trotzdem“ und das Musterexemplar vom „Haus“.
Dann sind wir in die Wipplingerstraße marschiert, konnten uns ein paar Gratisbücher aussuchen, erhielten einen tollen Vortrag über die Aufgaben des Dokumentationsarchiv und seine Buchproduktion und durften uns kurz in der Dauerausstellung umsehen, die ich schon gekannt habe, weil sie gerade eröffnet wurde, als ich für den „Stadtroman“ recherchierte und einmal wurde dort ein Buch der Kramer Gesellschaft vorgestellt. Dann gings ein Stückchen die Wipplingerstraße hinunter, das Haus in dem der Mandelbaumverlag untergebracht ist, war mir auch bekannt. Denn erstens war da ja die Brücke-Druckerei, wo die Akin gedruckt wurde und dort war einmal ein Auge-Fest am ersten Mai und dort, wo heute die „Bibliothek von unten“ ist, war 2003 ein Kulturtreff den Martin Auer machte und dort gab es einen Open Mike, bei dem ich einmal mit Christa Urbanek gelesen habe.
Beim Mandelbaum Verlag war ich noch nicht, der hätte nur einmal fast die „Wiener Verhältnisse“ verlegt, zumindest hat mir das Ruth Aspöck so angedeutet. Es ist aber nichts daraus geworden und Michael Baiculescu, der Verleger, sagte uns auch, daß er nur am Rande Literatur verlegt, da die unbekannten Autoren nicht gelesen werden, während er die bekannten nicht bezahlen kann. Er verlegt also spezielle Kochbücher, bestimmte Reiseführer, besondere Hörbücher und Kataloge für das jüdische Museum. Ich habe aber ein paar literarische Bücher des Mandelbaum-Verlags, nämlich das von Charles Ofoedu „Morgengrauen“, Stefan Pollatscheks „Dr. Ascher und seine Väter“, das mir einmal Konstantin Kaiser zum Geburtstag schenkte und Traude Verans Buch über den jüdischen Friedhof in der Rossau ist auch bei Mandelbaum erschienen. Susanna Germanos Roman einer Kindheit habe ich einmal bei der „Buchlandung“ um einen Euro gekauft, darüber gab es eine angeregte Diskussion, wir lernten die Praktikantin kennen und stiegen in den Keller. Da gibt es nämlich die „Bibliothek von unten“ und das „Archiv der sozialen Bewegungen“ und da wird auf hundertvierzig Laufmetern alles gesammelt, was links aber nicht parteipolitisch ist.
Sehr interessant, denn ich bin daraufgekommen, daß ich in Harland auch so ein Archiv habe, da ich von den Volksstimmefesten vor 1989 alle DDR Broschüren, die dort auflagen, nach Hause schleppte und gesammelt habe. Und die sind zwar nicht wertvoll, aber nicht mehr zu bekommen und Martina Handler interessierte sich auch dafür, denn da will der Aktionsradius einmal einen Schwerpunkt setzen. Es war also die ideale Ergänzung und eine weitere Variante des literarischen Wiens.
Jetzt habe ich zwei neue Bücher, nämlich „Österreicher und der zweite Weltkrieg“ aus dem Jahr 1989 und eines über den Zeitzeugen Fritz Bock, die ich mir demnächst in der Badewanne anschauen werde.

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