Literaturgefluester

2009-06-17

Bloomsday und Apostoloff

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:56

Gestern war wieder der 16. Juni, der Tag an dem James Joyces „Ulysses“ spielt und seine Fangemeinde spielt verrückt, trinkt Bier, bzw. veranstaltet Lesemarathone.
In Wien nur gelegentlich, so hat vor ein paar Jahren das Lesetheater den ganzen Tag an verschiedenen Orten aus dem Roman gelesen. Ich war, wie ich mich erinnern kann, am Donaukanal und im WUK dabei, dazwischen habe ich mit Margot Koller telefoniert und meine Diagnostik gemacht.
Den Roman selbst habe auch ich nicht gelesen, ich wollte zwar, weil ihn Patrik Kames dem Alfred schenkte, so ist er lange im Harlander Badezimmer herumgelegen, als ich aber so weit war, zu beginnen, ist die Anna gekommen und hat ihn mitgenommen.
Pech, da aber mein SUB sehr groß und das Schreiben ohnehin das Wichtigste, ist das nicht so schlimm und als ich voriges Jahr nach Feldkirch gefahren bin, um meine Frauenlesung dort abzuhalten, habe ich am Bahnhof eine Inschrifttafel gefunden, daß der Meister hier einmal angekommen ist und gestern hat sich Wien live mit seinem Chef Helmut Schneider der Sache angenommen und ab neunzehn Uhr im Cafe Korb Anzeigenaquisiteure, aber auch Prominente, wie Otto Brusatti aus dem Roman lesen lassen und das Beste, es gab eine Live stream Übertragung aus dem Internet, im Ö1 am Morgen einen Leporello, der darauf hinwies und Otto Brusatti hat sich im Pasticcio auch darauf bezogen.
Ich konnte also meine Stunden machen und da ich mich nicht unbedingt zur „Ulysses“ Fangemeinde zähle, bin ich nachher mit „Lärchenau“ in die Badewanne gestiegen und als ich mit dem zweiten Teil fertig war, habe ich mir den Rest der Lesung gegeben und berichte davon, damit das Literaturgeflüster nicht zu unvollständig ist und heute war ich in der alten Schmiede, denn da gabs unter dem Titel „Literatur studieren und erleben“ eine gemeinsame Veranstaltungsreihe mit dem Institut für Germanistik und da wurde die Preisträgerin des Leipziger Buchpreis 09 Sibylle Lewitscharoff eingeladen und las aus ihrem preisgekrönten Roman „Apostoloff“ und da die Vorlesungen im Institut für Germanistik offenbar früher anfangen, begann es schon um siebzehn Uhr. Ich hatte Glück, daß ich vorige Woche bei der Bolius Veranstaltung daraufkam und noch keine Stunden eingetragen hatte, so daß ich pünktlich war.
Viele junge Menschen im Publikum, aber auch Mechthild Podzeit-Lütjen, weil, wie Kurt Neumann sagte, auch das literarisch interessierte Publikum wissen soll, was auf der Universität passiert.
Und das war interessant, der Roman von der Ich-Erzählerin, die hinten im Auto sitzt, vorne ihre fiktive Schwester und der Chauffeur Apostoloff und den erhängten Vater nach Bulgarien überführt und dabei monologartig ihre Gefühle außert.
Sibylle Lewitscharoff meinte, sie brauchte die fiktive Schwester als Puffer der Aggressionen der Ich-Erzählerin und erzählte von ihrem Vater, der in der Stuttgarter bulgarischen Gemeinde, wie alle anderen Exil-Bulgaren, sofort eine blonde Schwäbin heiratete und sich mit zweiundvierzig Jahren erhängte, das war der bulgarische Geheimdienst oder die Mutter vermuteten die bulgarischen Verwandten und es kommt noch eine schäbische Großmutter beim Spätzlekochen und ein besonderer Schuhkasten vor.
Das Buch heißt „Apostoloff“ und nicht „Die Asche meines Vaters“, weil Lewitscharoff Romane, meistens Namen als Titel haben, wie beispielsweise „Montgomery“, den ich gelesen habe.
Die Ähnlichkeit mit der „Asche meiner Schwester“ ist mir auch aufgefallen, denn da fährt ja die Schwester mit einem Hund und einem Psychologen nach Marokko, um die Asche auszustreuen, hier geht es um die Überführung des Sarges, obwohl ich das nicht ganz verstanden habe, weil der Vater ja offenbar früher gestorben ist, mich das aber nicht zu fragen traute.
Es ging auch um „Holzfällen“ und um Thomas Bernhard in der Diskussion und über die Frage, worüber Schriftsteller schreiben dürfen oder nicht, wenn sie gut sein wollen. Über die Eltern ja, über Freunde und Geschwister nicht, meinte Sibylle Lewitscharoff, das habe ich auch nicht ganz verstanden, es war aber sehr beeindruckend, wie geheimnisvoll und spannend die Autorin gelesen hat, die auch meinte, daß man das Tragische spannend beschreiben muß.
Das wars, ich bin dann gleich gegangen, ohne Mechthild Podzeit Lütjen mein neues Buch zu zeigen, ich hatte nur „Das Haus“ in der Tasche, weil ich vorher in Baumgarten bei einem Supervisions-Vorgespräch war und jetzt gehe ich in die Badewanne, um „Lärchenau“ fertigzulesen.

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1 Kommentar »

  1. liebe Eva,
    ich bin derzeit am balaton und durch einen Freund auf Deine Seite geraten. Toll, was Du alles um die Welt schickst. Ich habe jetzt 2 Búcher fertig und bin noch immer auf Verlagsuche. Wáre schőn, wir wúrden uns im Herbst in Wien mal treffen,
    liebe Grússe Margot

    Kommentar von margot Koller — 2009-08-24 @ 22:03 | Antwort


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