Literaturgefluester

2009-06-28

Klagenfurt 09

Filed under: Uncategorized — jancak @ 13:30

Nun der Kommentar zur Preisvergabe, was gar nicht einfach ist, denn ich bin zwar pünktlich ein paar Minuten vor elf aus der Badewanne gestiegen, vorher habe ich ein Kapitel aus Wolf Wondratscheks „Mozarts Friseur“ gelesen und das ist seltsam, da finde ich immer Passendes, so daß am Ende wahrscheinlich keine Rezension daraus wird. Also auf Seite 67 steht:
„Für seine Auftritte oder Abgänge ist jeder selbst verantwortlich, aber Ehrgeiz wird bestraft. Wer an die Rampe will, hat unrecht.“
So weit und gut und schon viel vorweg genommen, habe ich ja gestern wieder in Cornelia Travniceks Blog gelesen, wie dieses öffentliche Herabmachen von ausgewählten Texten eine ehrgeizige Autorin fertig machen kann. Ich habe mir überlegt ihr einen Kommentar zu schicken, daß sie ihre Texte nicht wegwerfen soll, sondern weiterschreiben, weiterbewerben und wenn sie einmal eingeladen wird, damit rechnen, daß es ihr vielleicht wie Linda Stift, Andrea Winkler, Phillip Weiss oder Caterina Satanik ergeht, die für eine Debütantin noch am Besten weggekommen ist, aber auch sie hat keinen Preis gewonnen, daß den wahrscheinlich Jens Petersen bekommen wird, war ja spätestens gestern klar, als einer der Juroren den Kitschvorwurf wieder zurückgenommen hat. Dann sicherlich Ralf Bönt, der wie ich gestern noch herausgefunden habe, schon einmal in Klagenfurt gelesen hat und Gregor Sander, aber wer sind die anderen?
Es ist zu befürchten, daß Katharina Born von der Jury einen Preis zugeschanzt bekommt, weil sie eine Schriftstellertochter ist, hat Hella Streicher in ihrem Höhere Welten Blog geschrieben, diese Meinung teile ich nicht, habe aber an Katharina Born nicht besonders gedacht, als ich mir gestern Abend die Preisträger überlegt habe, sondern eher, die Alibi Österreicherin wird wahrscheinlich Caterina Satanik sein, was ihr zu vergönnen wäre und die berühmte Quadratur des Kreises, weil man sich ohne Verlagsempfehlung ja nicht bewerben darf und wie kommt man zu seiner solchen, wenn man noch nie etwas veröffentlicht hat?
Nun gut, der Text von Karsten Krampitz hat mir auch recht gut gefallen und an ihn als möglichen Preisträger habe ich schon beim Portrait schauen gedacht, die Jury schien aber anderer Meinung zu sein.
So habe ich also kurz nach elf meinen Laptop eingeschaltet und auf Preisübertragung getippt und bin nicht hineingekommen, weil ich bei Live-Lesungen klicken hätte müssen, als ich das kapiert hatte, war es schon halb zwölf und die Cevapcici, der Gurkensalat und die Folienkartoffel für den Regengrill waren schon hergerichtet.
Alfred hat mir zwar einmal ganz kurz einen Ausschnitt eingeblendet, aus dem hervorging, daß Jens Petersen der Sieger ist, dann war das aber erst wieder weg und als ich die Übertragung hatte, wurde gerade Katharina Bohrn ermittelt. Dann kam der Sieger des Publikums, dessen Meinung ohnehin immer die beste ist, wie launig angemerkt wurde und Berlin hat offenbar eine stärkere Lobby als Graz, aber ich habe getan, was ich konnte, obwohl mir auch Lorenz Langeneggers Text gut gefallen hat, weil mein jetzt Entstehender ja sehr ähnliche Inhalte hat, wenn auch sprachlich nicht so ausgereift und so hat auch der zweite ostdeutsche Text zu zwanzig Jahren DDR-Geschichte gewonnen, herzliche Gratulation!
Ansonsten bin ich richtig gelegen, obwohl ich mir die Preisvergabe erst anschauen werde, wenn mein Artikel fertig ist und das Video abrufbar.
Ich kann aber trotzdem was zum Siegertext sagen. Das Thema ist ja packend und von einer absoluten Aktualität, die uns alle betrifft.
Mit dem Schluß war ich aber nicht einverstanden und so habe ich auch nicht für ihn gestimmt, denn es ist ja eine indirekte Aufforderung zur Sterbehilfe und da bin ich anderer Meinung, auch wenn das in der Schweiz erlaubt ist.
Man kann auch natürlich sterben, dazu muß man sich zwar vorher vielleicht ein wenig weniger in die Medizin hineinbegeben, aber das Geld wird ohnehin langsam knapp und, daß der Selbstmord dann noch nicht gelingt, das schrammt auch für mich sehr knapp am Klischee, so daß ich am Freitag mehr Freude an dem Andreas Schäfer Text hatte, der auch zu Unrecht untergegangen ist.
Das war also Klagenfurt 09. Interessant und intensiv. Möchte aber trotzdem darauf hinweisen, daß der auserwählte Jahrgang mit dem Sieger, der da morgen in den Zeitungen präsentiert werden wird, nur ein kleiner Auschnitt der deutschsprachig Schreibenden darstellt.
Ein paar Hundert hatten die Verlagsempfehlung und viel mehr Autoren wahrscheinlich nicht und ich finde auch sie sollten gelesen werden und da sind wir schon beim eigentlichen Dilemma:
Denn wer wird das nun wirklich tun? Der Vielschreiber Egyd Gstättner, dessen Textkiste ich einmal als Jurymitglied beurteilen durfte und der für den ORF www.bachmannpreis.at Artikel schreibt, hat da eine herrliche Glosse, wie die anwesenden Lektoren oder Literaturhausmitarbeiter in der Laube sitzen und Marillen essen, aber der Zulauf am Büchertisch sehr schwach ist …
Na ja, die, die in Klagenfurt sind, kaufen sich wahrscheinlich keine Bücher, weil sie sie geschenkt bekommen und die anderen wissen vielleicht gar nicht, daß es so was gibt und in einem Land, dessen Schulen inzwischen 20% Analphabeten produziert, sollte vielleicht das Lesen, die Neugier und die Vielfalt daran fördern, statt immer nur übersättigte längst die Lust verloren habende Experten darüber jammern lassen, daß dieser Jahrgang nun leider wirklich nicht gelungen ist!
Und mein Schlußwort zu diesem Bachmannmarathon, den ich, ich wiederhole es, wirklich sehr genossen habe, übergebe ich wieder Egyd Gstättner, der schon vor ein paar Tagen einen „Gert Jonke“- Preis gefordert hat.
Ja, das wäre gut, einen der anderen Preise so zu benennen oder am besten noch einen dazugeben, daß nächstes Jahr vielleicht eine Österreicherin oder Österreicher weniger sich mit den Fingern die Handmulden blutig drückt oder seine Texte in den Müll werfen will. Und eine Bibliothek hat Otto Lambauer schon gelinkt, soll es in Klagenfurt auch bald geben und das wäre wirklich ein Erfolg und jetzt auf zum Mittagessen!

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