Literaturgefluester

2009-07-09

Vom jüdischen Salon zur österreichischen Literatur

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:04

Die letzten Tage waren sehr intensiv, deshalb bin ich auch nicht dazu gekommen, vorher etwas zu schreiben.
Außerdem wollte ich von der Sommerakademie auf einmal berichten, die am Montag im sechsten Stock bei der Erste Bank am Petersplatz begonnen hat, ein wenig kleiner als bei der BAWAG, aber sonst Kaffee und Getränke in den Pausen und die Leute sehr freundlich. Bei der Stiege standen allerdings immer ein Herr oder eine Dame im blauen Kostüm und man durfte nicht hinuntergehen, was die wohl zu verbergen haben? Ansonsten sehr viel Information über alle Schichten des weiblichen Bürgertums, um Achtzehnhundert.
Von den Salons zu den Dienstmädchen. Bei den Dienstmädchen gibt es allerdings nicht viele Quellen, wurde immer wieder erwähnt. Das Material stammte vorwiegend aus Gerichtsakten und es ging hauptsächlich um uneheliche Kinder.
Ansonsten ging es um Tagebücher, in denen die bürgerlichen Frauen die Krankheiten ihrer Kinder beschrieben und nebenbei erwähnten, daß sie im Geschäft mitarbeiteten. Um Toleranzpatente und die Tendenz des österreichischen Hofes alle zu adeligen, die nur genug dafür zahlten und um jüdische Mädchenschulen. Da gab es z.B. eine Gouvernantenausbildung, bei der die Gouvernanten das Schwimmen lernten, wohl damit sie die ihnen anvertrauten Knaben aus dem Wasser ziehen konnten, ob das aber in den damaligen Badeanzügen möglich war?
Am Dienstag ging es selbst in den Salon, bzw. ins Palais Mollard in der Herrengasse, wo es im barocken Rahmen mit etwas weniger Security weiterging. Kaffee und Orangensaft gab es aber auch und zu Mittag eine Führung durch das Globenmuseum, das im selben Haus untergebracht ist und um vier eine Führung durch das jüdische Museum, wo es gerade eine Ausstellung über das „Klischee“ zu sehen gibt und man z.B. Marcel Reich-Ranicky als Bücherstütze, aber auch andere seltsame Dinge betrachten konnte.
Das war sehr interessant, ich habe bei dieser Gelegenheit auch nach meinem Schirm gefragt, den ich bei der Torberg Ausstellung vergessen hatte, leider habe ich ihn nicht wiederbekommen.
Am Montag war ich am Abend mit dem Alfred im Kino. Dienstag auf dem Rathausplatz, bin aber, da es erstens regnete und es zweitens ein Pop-Konzert gab, gleich wieder gegangen, nachdem ich eine Sophie Hunger Szene aufnotiert habe.
Die GAV-Nachrichten sind auch gekommen, da konnte ich bei dem Bericht der letzten Vorstandsitzung lesen, daß ich die Organisation des Tages der Freiheit des Wortes zurückgegeben habe. Na ganz so freiwillig war es nicht und Walter Baco rief zur Mitarbeit an einem Blog-Roman auf, da habe ich inzwischen ein Kapitel geschrieben.
Am Mittwoch ist es gleich weiter mit der Literatur gegangen, denn da gab es in der alten Schmiede noch einen Abend zu den „Erzählmustern“.
Helmut Schranz, Heinz D. Heisl und Gundi Feyrer haben ihre Arbeiten vorgestellt und auf dem Weg habe ich Ilse Kilic, Fritz Widhalm und Lisa Spalt getroffen.
Thema war die literarische Brechung von Lebensläufen und zwar bei eher experimentellen Schreibweisen.
Stellte doch als erstes der Grazer Helmut Schranz, der die Zeitschrift „Perspektive“ mitherausgibt, sein bei Ritter erschienenes Buch „Birnall“ vor und da ging es zwar um eine Figur namens Birnbaumer, aber sonst konnte ich nicht viel Lebensgeschichtliches, sondern eher Aphorismen erkennen, schöne Sätze wie „Graffitis werden an die Wand gesprüht“ und in der Mitte gibt es ein Inventar mit all den Wörtern, die darin vorkommen.
Ein wenig hat mich der Stil an Ilse Kilic erinnert, sie meinte aber, sie würde ihre Themen eher begrenzen.
Die Diskussion ging dann im Schmiedemuseum weiter, während im anderen Raum der Tiroler Heinz D. Heisl von Petra Messner vorgestellt wurde, die das wieder sehr genau und sorgfältig machte und in dem bei Dittrich erschienenen Roman „Abriss“ geht es einerseits, um die Bewältigung einer Kindheit und die Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit des Vaters, andererseits aber auch um Kursiv-Schrift, Nebenhandlungen und Sprachmelodien, weil der Musiker Heinz D. Heisl vom Hören kommt und seine Werke gern mit Gert Jonke diskutierte. Es gibt Wortschöpfungen wie „Matrosenkappenmann“ oder „Genossenschaftsmilchsammelstelle“ aber auch leere Seiten, weil der Autor viel Luft braucht.
Bei beiden Autoren ist mir aufgefallen, daß sie sehr selbstbewußt wirkten. Helmut Schranz wurde von seinem Lektor eingeleitet, der das in eher komplizierten Worten machte. Helmut Schranz hat inzwischen sein Hemd hergezeigt, das dasselbe Muster hat, wie eine Grafik in dem Buch und Heinz D. Heisl hat erzählt, daß er den Verlag gewechselt hat und sich bei dem Berliner Verlag viel wohler als bei Haymon fühlt und er hat auch einen Agenten, der seine Verlags- und Pressearbeit macht. Da hat er jetzt viele Rezenssionen in kleinen Zeitungen und verkauft seither viele Bücher.
Danach bin ich gegangen, denn am Karlsplatz gibt es im Juli ein Kino unter Sternen und da gab es eine Lesung von Kurt Palm und seinen Film „In Schwimmen zwei Vögel“ und da geht es auch um das Schreiben und Erzählperspektiven.
Wie ein Autor mit seinen Figuren umgeht und die rächen sich dann an ihm.
Der schon verstorbene Grazer Dichter Wolfgang Bauer spielt dabei eine kleine Rolle und Karl-Ferdinand Kratzl, mit dem ich einmal Psychologie studierte, eine größere.
Eine Zeitlang waren unsere Kinder auch in derselben Kindergruppe, dann ist er berühmt geworden. Als er das noch nicht war, das ist jetzt ein geheimer Flüstertip, hat er sich einmal auf einem Volksstimmefest hundert Schilling von mir ausgeborgt und mir dafür einen Band seiner Gedichte gegeben. Ich habe sie mir inzwischen durchgesehen, leider steht auf dem Schnellhefter kein Name, so daß ich es nicht beweisen kann.

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