Literaturgefluester

2009-07-12

Vorleser in der Sommerfrische

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:16

Am Freitag ging es wieder nach Harland zurück. In St. Pölten war diese Woche Hochwasseralarm und die Zeitung „Österreich“ zeigte Bilder mit dem Bürgermeister und einer Trafik, die zu Hälfte im Wasser steht. Aber bis nach Harland ist das Wasser nicht gekommen. Die Schwiegermutter hat gar nichts bemerkt davon, nur die Cousine, die sie besuchen wollte, ist beim Mühlbach mit dem Auto im Wasser gefahren.
Keine Sorge also, lieber Otto. Gestern waren wir auf der Rudolfshöhe und heute auf dem Göller. Ich hab ein bißchen was geschrieben und kann jetzt auch, von Otto vorinformiert, die neuen Manuskripte lesen, denn die kommen immer noch in die Gumpendorferstraße und die Anna bringt sie mir dann und schimpft über die Mühe, die sie damit hat.
Liebe Andrea Stift, falls du das liest und dafür zuständig bist, wäre es möglich, mein von der Stadt Wien gestiftetes Abo an die Krongasse zu senden? Die genaue Adresse steht im GAV-Verzeichnis. Vielen Dank.
Und die deutsche Literaturwelt hat ein Großereignis, wie man beim Literaturseitenlesen herausfinden kann. Nämlich die Nachfolgesendung von Elke Heidenreichs „Lesen!“, die ja im Vorjahr das ZDF sehr beschimpfte, als Marcel Reich-Ranicky vor laufender Kamera seinen Fernsehpreis verweigert hat.
„Die Vorleser“ haben mit Amelie Fried und Ijoma Mangold am Freitag um 23:30 gestartet. Das Literaturcafe hat vorab viel darüber berichtet, auch einen Live-Bericht von der Aufzeichnung. Die geht nämlich mit Publikum vor sich, man braucht Einladungskarten, Abendkleidung erwünscht, steht darauf und dann darf man für die Sendung Klatschen üben.
Ich war auch einmal bei so einer Fernsehaufnahme im Literaturhaus. „Les.art“ heißt die österreichische Variante.
Dieter Moor hat moderiert, Silvia Bartl mir die Zählkarte gegeben, die Bibiane hat sie beim Eingang kontrolliert, ich mußte meine Jacke abgeben, saß vor der Christa Nebenführ, die laut lachte und als erstes die Lösungsfrage herausschrie und daher „Die bösen Schafe“ von Katja Lange-Müller gewonnen hat. Danach gabs Wein und Erdnüsse und ich habe mit einem Mann geplaudert, der sich mir als Polizist vorstellte. Polizist ist interessant, ich erzählte der Bibiane davon, die meinte, er hat vielleicht den Auftrag gehabt, die Sendung zu bewachen und den Hubert Fabian Kulterer, der auch mit ihm gesprochen hat. Der hat dann geschimpft, ich würde alles glauben und bis zu seinem Tod nicht mehr mit mir gesprochen. Keine Ahnung warum und was es mit dem Polizisten auf sich hatte.
Diese Sendung, man kann sich bei ZDF.de das Video ansehen, war so ähnlich aufgebaut. Fünf Bücher wurden in dreißig Minuten vorgestellt und dann noch drei andere im Schnellverfahren und wenn man sich die ZDF-Seite so ansieht, sieht man, diese Sendungen werden ziemlich autoritär gestaltet.
Kein Kontakt zu den Moderatoren, bitte keine Bücher schicken, dabei wäre eine Leiste, wo pro Sendung ein Book on Demand vorgestellt wird, etwas Neues und im Anschluß kann man die Hörermeinungen lesen, die sich darüber mokieren, was Fried und Mangold alles falsch gemacht haben. Ob das den Büchern nützt?
Ijoma Mangold und Anna Katharina Hahn, deren Roman „Kürzere Tage“ vorgestellt wurde, wurden als noch Unbekannte bezeichnet. Ich kenne beide aus den Bachmannlesungen und die werden auch im Fernsehen übertragen.
Und von der Hahn habe ich zwei Kurzgeschichtenbände bei der Buchlandung eingekauft, aber noch nicht gelesen, weil ich Kurzgeschichten nicht so mag.
Dann hat der Gast, der TV-Star Walter Sittler einen Erich Kästner Oldie vorgestellt. Aber Erich Kästner ist ja immer aktuell. Sein Roman „Fabian“ und „Drei Männer im Schnee“ wahrscheinlich unerreicht und auch seine satirischen Gedichte, die heute in der „Holden Kunst“ zu hören waren.
Dann gab es Per Olov Enquist mit seiner Autobiografie „Ein anderers Leben“.
„Wenn Sie noch nie etwas von Enquist gelesen haben, fangen Sie damit an, wurde empfohlen. Aber ich lese ja in Wien seit Wochen den „Sekundanten“ und komme damit nicht weiter und das vierte Buch war Joey Goebels „Heartland“, das Ijoma Mangold, glaube ich, gar nicht so gefiel und da kann ich wieder zu „Frau Travnicek in Wien“ hinüberleiten, denn da gibts auch eine Leseliste mit ausschließlich jungen Autoren und da steht Joey Goebels „Freaks“ darauf. Und der Autor gilt, wie man bei den Vorlesern hören konnte, in Amerika inzwischen als John Irvings Nachfolger.
Wieder etwas gelernt, und um bei Cornela Travnicek zu bleiben, die ist in die Short-List des FM4 Literaturwettbewerbs gekommen und hofft nun auf den ersten Platz.
Ich wünsche ihr natürlich alles Gute, denke aber, daß dann der zweit, dritt, viert Plazierte etc. sich ärgern werden, weil sie nicht zu einer Veröffentlichung im Standard und im Volltext kommen.
Und für alle, die den Sommer und die Sommerfrische für einen Schreibkurs nützen wollen. Da gibt es beim Autorenhausverlag.de einen kostenlosen Sommerworkshop.
Und zwar werden da aus Bonni Goldbergs Buch „Raum zum Schreiben“ ein Kurzimpuls beispielsweise zum Thema „Lügen“, Schicksal“, Körperflüssigkeiten“ veröffentlicht, bei denen man sich austoben und Texte schreiben kann.
Hab ichs schon geschrieben, mein Tschetschene Boris Alkemirov, aus der „Radiosonate“ hat sich seinen Daumen, als er seine Frau Valerie aus dem brennenden Haus in Grosny retten wollte, nach einem Schreibimpuls aus dem „Ein Roman in einem Jahr“- Projekt des Autorenhausverlags, gebrochen.

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3 Kommentare »

  1. Ich darf in diesem Zusammenhang zu meiner sommerlichen Romanwerkstatt in Gars/Kamp einladen!
    31. Juli bis 1. August 2009
    In Kooperation mit » Schreiblust – Akademie für innovatives Schreiben.

    Mehr Informationen:

    http://www.texteundtee.at/schreibworkshops.php

    http://www.schreiblust.at/seminare/kreatives-schreiben/garsromanwerkstatt-mit-anni-burkl/

    Kommentar von Anni Bürkl — 2009-07-13 @ 12:20 | Antwort

  2. fein, dass kein wasser in harland, fein dass es eine neue literatursendung im zdf gibt, fein, dass ich keinen fernseher hab und mir das nicht anschauen muss, weil der herr mangold hat mir überhaupt nicht gefallen als juror beim bp – fand den ziemlich überheblich.
    dir – ich glaube zu wissen, oder täusch ich mich – als elfriede gerstl wohlgesonnene empfehle ich das neue kolik mit texten in gedenken an sie und v.a. auch der cornelia travnicek – falls sie auch hier liest, womit dieser blog als treffpunkt eingeweiht wäre – damit sie auch sieht, was man über die liebe alte oma noch schreiben konnte.

    Kommentar von ofips — 2009-07-13 @ 22:36 | Antwort

  3. selbstverständlich 🙂

    Kommentar von andreastift@ymail.com — 2009-07-14 @ 20:37 | Antwort


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