Literaturgefluester

2009-08-08

Spurensuche

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:51

Gestern habe ich mein St. Pölten Repertoire wieder um ein Stück erweitert. In die Stadt selbst komme ich ja kaum, nur zum Thalia in die Kremsergasse und wenn Wahl ist, gehe ich mit dem Alfred auf den Markt und drehe meine „Geschenkrunden“.
Einmal habe ich einen Hauptstadttag gemacht und versucht ein bißchen Literarisches zusammenzusammeln. Außer dem Manfred Wieninger und dem Alois Eder fand ich nicht viel.
Richtig, die „Litges“ macht am Samstag einen Jourfix in einem Cafe in der Kremsergasse, der Alois Eder, den ich manchmal auf der Straße treffe, hat mich da mal hingeführt und über die Wieninger Plagiatsgeschichte habe ich in „Harland-Stadt“ geschrieben.
Jetzt habe ich mir gedacht, mache ich es der Leselustfrust-Schreiberin nach und schau mir an, was St. Pölten verlagsmäßig so zu bieten hat. Denn da gibts seit einigen Jahren den Residenzverlag mit Hauptsitz in St. Pölten und nicht mehr unter Jochen Jung in Salzburg in der Gaisbergstraße, denn den haben sie 2000 hinausgeschmissen, obwohl in den Siebzigerjahren alle wichtigen österreichischen Autoren, zumindest, als sie noch nicht zu Suhrkamp konnten, dort verlegt wurden.
Jochen Jung, hat „Jung und Jung“ gegründet, seinen Grafiker, der die schönen Residenzumschläge machte, mitgenommen, verlegt auch nicht mehr viele Österreicher, ist im Beirat des Deutschen Buchpreises und schreibt inzwischen selbst.
Ich glaube, Märchen und Kurzgeschichten. Ich hab ihn einmal bei „Buch und Wein“ in der Schäffergasse gehört, jetzt steht er bei „Rund um die Burg“ auf dem Programm und bei den IG Autoren haben sie einmal lang und kritisch über den neuen Residenzverlag diskutiert, der inzwischen dem NÖ-Pressehaus gehört.
Gerhard Ruiss hat sich, glaube ich, sehr über den Ausverkauf der österreichischen Literatur mokiert und erzählt, daß die Bücher mit Originalbriefen der Autoren in den Mist gekippt wurden, da war ich leider nicht dabei, aber inzwischen hat sich das gewandelt, denn als ich voriges Jahr mit O. P. Zier im Literaturhaus gesprochen habe, hat sich der sehr positiv über den Verlag geäußert.
Zdenka Becker hat dort einen Roman und liest mit einem neuen, bei Picus erschienen, ebenfalls bei „Rund um die Burg“.
Michael Stavaric und Clemens J. Setz, der voriges Jahr beim Bachmannlesen gewonnen hat, wurden dort entdeckt und der neue Büchner-Preisträger Walter Kappacher hat seinen „Fliegenpalast“ auch bei Residenz verlegt.
Herwig Bitsche, der Verlagsleiter, kochte bei der „Buch Wien“ mit Toni Möhrwald und ließ dort und bei „Rund um die Burg“ den guten Sonnenuhrtee verteilen. Eine Kochbuchschiene gibt es also auch.
Und ich war im März auf der Buchpräsentation der „Roten Babuschka“ in der Hauptbücherei, das in Leipzig sehr beworben wurde.
Also ein neuer Starverlag, der sich durchsetzen konnte und die österreichische Verlagsszene neben „Droschl“ und „Jung und Jung“ vertritt.
Ich vermutete den Verlag im Stadtkern und habe mir gedacht, den schaue ich mir auf einer meiner Radtouren an.
Dann habe ich nachgegooglet, bin auf die klingende Adresse „Gutenbergstraße 12“ gekommen und habe sie im Stadtplan nicht gefunden.
Gestern bin ich trotzdem losgefahren, habe das Rad an der Traisen stehenlassen und bin die Linzerstraße hinuntergegangen, denn, daß es dort in der Nähe ist, hatte ich herausbekommen. Als ich schon in der Josefsstraße war, habe ich einen alten Herrn gefragt und der hat mir erklärt, daß ich zum Europaplatz abbiegen muß.
„Richtung Prinzersdorf!“, hat er gesagt und ich bin auf einer Autobrücke gestanden, die über den Alpenbahnhof in den Wald führte und am Ende des Stadtwalds herausgekommen. Beim Kreuzweg, wo Alois Eder beim vorigen Osterspaziergang sehr schöne Elegien vorgelesen hat.
Dann weiter in Richtung Melk, auf einmal teilte es sich, ich bin falsch abgebogen, habe die Gutenbergstraße übersehen und auf der Mülldeponie gelandet, dafür aber am Rückweg über einen einsamen Kriecherlbaum gestolpert und meinen Rucksack mit kleinen roten Früchtchen angefüllt.
Das NÖ-Pressehaus liegt auf einem einsamen Feld und da es diese Tafeln mit „Betreten des Firmengeländes verboten!“, gibt, habe ich außer ein paar rauchenden Männern und parkenden Autos nicht viel gesehen.
Aber trotzdem interessant, denn ich bin natürlich auch auf der Verlagshomepage gewesen.
Herwig Bitsche ist ein Vorarlberger und hat ein Rezept für Vorarlberger Knöpfle und auf der Impressumseite gibt es Hinweise für Autoren, wie man seine Manuskripte einsenden soll!
„Nicht zu lang, nicht zu viel und Geduld! Keine Originale und drängen Sie uns nicht, wir können nicht zurücksenden und bewerten nicht!“
Das ist vorbei, das tue ich, glaube ich, nicht mehr.
Jochen Jung habe ich in den Achtzigerjahren meine unfertigen Manuskripte eifrig geschickt und zurückbekommen. „Zwischen Hütteldorf und Heiligenstadt“ gleich zweimal, weil mir das Gerald Bisinger so empfohlen hat.

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2 Kommentare »

  1. Liebe Bloggerin –

    danke für den unterhaltsamen Text. Ist doch sehr interessant zu lesen, was andere sehen und wie sie es wahrnehmen. Es stimmt schon, verglichen mit der Villa in Salzburg stinkt unser derzeitiges Domizil etwas ab – und nicht nur wegen des nahe gelegenen Müllberges. Aber, was ist Ihnen lieber: schöne und interessante Bücher, oder zu wissen, dass die Mitarbeiter des Verlags in einem eleganten Ambiente arbeiten?

    Sie müssen tatsächlich am Ende falsch abgebogen haben. Vor dem Haupteingang des Pressehauses, über den man auch den Residenz Verlag betreten kann, ist keine Tafel „Betreten verboten“. Im Gegenteil, wir freuen uns über Besucher und wenn Sie wieder einmal an den Stadtrand von St. Pölten kommen, dann kommen Sie bitte auch herauf in den Verlag. Ein erfrischender Sonnentor-Tee oder ein Kaffee ist Ihnen sicher.

    Schöne Grüße,
    Herwig Bitsche

    Kommentar von Herwig Bitsche — 2009-08-08 @ 23:38 | Antwort

  2. Kompliment, daß Sie so spät noch das Literaturgeflüster lesen! Ich finde es auch immer spannend, wer mich entdeckt! Es war auch keine Kritik. Meinetwegen können die Mitarbeiter ruhig im eleganten Ambiente arbeiten. Für das Betriebsklima ist das gut, sagen die Psychologen. Ich finde das NÖ-Pressehaus und die Gegend aber ohnehin sehr schön. Das nächste Mal läute ich also an!

    Kommentar von jancak — 2009-08-09 @ 21:02 | Antwort


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