Literaturgefluester

2009-09-01

Der Sekundant

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:02

Nach Wien zurückgekommen, bin ich nun auch mit Per Olov Enquists „Der Sekundant“ fertig geworden, ein Buch aus Edith Broczas Bücherschachteln, als ihr Buchhändler 2007 sein Geschäft zusperrte, so kann man auch zu Büchern kommen und an dem ich seit Juni lese.
Thematisch passt es zu Erich Loests „Elfter Mann“, handelt es auch von Sport, nämlich vom Boxen und vom Hammerwerfen und die DDR spielt darin auch eine Rolle, obwohl es von einem großen Schweden geschrieben wurde, der gerade durch seine Autobiografie „Ein anderes Leben“, in dem er seinen Alkoholismus beschreibt, besonders akutell ist.
Die Buchhändlerin, die mich vorige Woche in St. Pölten stehen ließ, hat es zum Beispiel als die beste Neuerscheinung des Jahres bezeichnet, in den „Vorlesern“ wurde es auch vorgestellt.
„Ein anderes Leben“ habe ich aber nicht gelesen und auch nicht den „Besuch des Leibarztes“. Da war ich nur bei einer Diskussion im Radiokulturcafe vor ein paar Jahren.
Seither kenne ich den Namen Per Olov Enquist und habe mir auch „Den Sekundanten“ von Edith Brocza mitgenommen und mich noch einmal lesend mit dem Leistungssport beschäftigt, obwohl mich Boxen und Hammerwerfen nicht besonders interessiert.
Es ist aber auch eine Vater-Sohn Geschichte, eines der berührendsten und eigenartigsten Vaterportraits, steht im Klappentext, die Geschichte des Johan Christian Lindners, der mit sechzehn Jahren Zeuge wird, wie sein Vater den Wurfhammer um vierhundert Gramm leichter macht, um damit der schwedischen Leichtathtletik einen neuen Rekord zu schenken.
Er tut es in bester Absicht, wird aber von weiteren Wettkämpfen für immer ausgeschlossen und stirbt zwanzig Jahre später, zum Hausmeister degradiert, vereinsamt und vom Sohn verlassen und der erzählt langatmig die Geschichte des Vaters und des Großvaters.
Verknüpft die Sport- mit der Weltgeschichte, in dem er von der schwedischen Arbeitersportbewegung der Dreißigerjahre, Mattias Engnestams verhinderten Protest gegen den Aufmarsch der Nazis in den schwedischen Stadien, vom Tod der Mutter und des Bruders, sowie den eigenen Erlebnissen, die er 1956 in Greifswald mit der ostdeutschen Gisela hatte, berichtet.
Ironisch distanziert, beschwörend teilnahmsvoll, rondohaft mit immer neuen Einsätzen und potokollhafter Gelassenheit, wie im Klappentext weitersteht und ich habe wieder was gelernt, beim Lesen dieses Vaterportraits habe ich Per Olov Enquist doch für einen historischen Autor gehalten, der über Königshäuser schreibt.
Ansonsten geht das Rätselraten weiter, denn Jaqueline Nagl von schriftsteller-werden.de möchte wissen, was man nehmen würde, wenn man in einer Buchhandlung steht und von einem älteren Mann plötzlich einen Gutschein über 1000 Euro in die Hand gedrückt bekommt und eine Stunde Zeit hat, sich was auszusuchen?
Ich würde wahrscheinlich ziemlich wahllos zu allen österreichischen und deutschen Neuerscheinungen, die in der Buchhandlung aufliegen und sich mir bei Lesungen, Buchmessen, etc. eingeprägt haben, greifen.
Dann bräuchte ich allerdings noch einen zweiten Mann, der mir einen Gutschein für ein Bücherregal gibt und einen dritten, der den Nachbarn aus seiner Wohnung treibt, damit ich dort Regal und Bücher aufstellen kann und so ist es gut, daß ich wahrscheinlich keine solchen Männer in den Buchhandlungen treffe, habe ich ja von den Literatur im März-Veranstaltungen, Edith Broczas Buchhändler und den Thalia und Buchlandungsabverkaufskisten noch ganze SUB-Stöße, die ich jetzt wieder umgeschichtet habe.
Im Wiener Badezimmer liegt ein neuer Stoß, den ich demnächst lesen möchte und in Harland habe ich, bevor ich abgefahren bin, Stefan Alfares „Meilengewinner“, den mir Alfred zu Weihnachten schenkte, aufs Klo gelegt.
Und gestern auf dem Weg zu einer Supervision bei Thalia auf der Mariahilferstraße, wieder einen sehr netten Buchhändler mit meinem Problem genervt, danach nur mehr geschaut und mir einen Haufen Broschüren, darunter den neuen Literaturkompass und ein Magazin für junge Leser mit vielen Chick-lits und Fantasy Tips nach Hause geschleppt.

Werbeanzeigen

Schreibe einen Kommentar »

Es gibt noch keine Kommentare.

RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: