Literaturgefluester

2009-09-17

Alte Schmiede und kurze Listen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:54

Der Abend in der alten Schmiede knüpft perfekt an die Sonntagsdiskussion mit meiner Lieblingskommentiererin über die reichhaltige Wiener Literaturszene an, hat doch Ilse Kilic, als Vorvorletzte bei der Poet-Night gelesen und heute ihren bei Ritter erschienenen Prosaband „Das Wort als schöne Kunst betrachtet“ vorgestellt.
Astrid Poier-Bernhard von der Uni-Graz, das ist die mit dem Sonderzahlband „Viel Spaß mit Haas“ über den Sprachstil von Wolf Haas, hat sie mit den Worten eingeleitet „Nicht jeder wird Ilse Kilic kennen, aber jedem, der sich in Wien für die zeitgenössischen Literatur interessiert, ist sie bekannt und von einem Lottogewinner gesprochen, der nach Wien kommt, in die alte Schmiede geht und zu ihrer Lesung gerät und in dem Kilic Buch geht es, um genau diesen Lottogewinner. Er oder sie kommt nach Wien und wundert sich über die Werner Herbststraße, die Anita oder Rainer Pichlergasse, die Heimrad Bäckerstraße, die Petra Ganglbauergasse u.u.u., der sehr naive Ich-Erzähler, von dem nicht sicher ist, ob er männnlich oder weiblich ist.
Er oder sie will etwas über die Wiener Literatur erfahren, spricht also die Passanten an und trifft auch gleich auf eine Schriftstellerin, die dem Ich ihr Märchen von einem Mondscheinchen, genannt Mo auf der Parkbank vorliest und eine andere Passantin beim Bücher Crossing.
Das Ich wird dann selber Dichter oder Dichterin und ich habe mich bei dieser Buchvorstellung köstlich amüsiert.
Ein Buch, das ganz besonders beeindruckend ist, geht es dabei doch über mein Lieblingsthema, dem Schreiben in seiner vielfältigen Form, in den vielfältigsten Sprachstilen dargestellt.
Kurz eine Einführung zu Ilse Kilic, für die, die sie doch nicht kennen.
Mir ist sie solang bekannt, wie ich in der GAV bin, nämlich seit 1987, war sie damals dort Sekretärin und hat eine Vielzahl Bücher in ihrem sehr individuellen Sprachstil und Themen, die sich immer wieder mit sehr realistischen Inhalten, nämlich ihrer Kindheit, ihrer Krankheit, ihrer Beziehung zu Fritz Widhalm, der Wiener Literaturszene mit ihren experimentellen Dichtern, die sich im fröhlichen Wohnzimmer und im Glücksschweinmuseum treffen, geschrieben.
Sie zeichnet, singt und hat mehrere Bücher im Ritter-Verlag herausgebracht. Ich habe einiges von ihr gelesen „Monikas Chaospotokoll“ oder „Die Rückkehr der heimlichen Zwei“ zum Beispiel und war auch schon bei vielen ihrer Lesungen. Sie veranstaltet seit einigen Jahren auch die xxxxxxx-small Kleinverlagmesse vor Weihnachten im Amerlinghaus.
Die zweite Leserin war Margret Kreidl, ebenfalls eine eher experimentelle Schreiberin, die mit der Sprache und den Lauten spielt und die Sprachformen mischt, Gedichte, Kinderreime, Dialoge, Prosastücke ect kommen in der Geschichten von den zwei Schwestern Judith und Edith vor, in der es um ihre Krankheiten, ihre Beziehung und um die Vogelkunde geht und das alles distanziert und nicht festgelegt.
So hat sie ihren bei Korrespondenzen erschienenen Band „Eine Schwalbe Falten“ in etwa eingeleitet und das führt zum zweiten Teil meines heutigen Blog-Eintrags, ist sie damit nämlich auf die Hotlist der Independentverlage gelangt, dem Gegenstück zur Lang-bzw. Kurzliste des deutschen Buchpreises.
Von dieser Liste kenne ich zwar nicht wirklich viele Bücher, eigentlich ist mir außer dem Kreidl Buch nur noch Martin Kubaczek bekannt, dessen bei Folio erschienener Roman „Sorge“ demnächst ebenfalls in der alten Schmiede vorgestellt werden wird.
Aber mit der Longlist habe ich mich in den letzten Wochen intensiv beschäftigt, meine Kurzlistenschätzung abgegeben und mich dabei total verschätzt!
Bei meiner Mainstreamschätzung, man merkt, ich brauche die Struktur und die bekannten Namen, das war auch bei meinen Jurytätigkeiten so, bin ich nur bei Herta Müller richtig gelegen und glaube noch immer, daß sie die Preisträgerin wird, bzw. habe ich bereits für sie gestimmt.
Bei allen anderen hatte die Jury andere Ideen und so ist aus Österreich Clemens J. Setz mit seinen „Frequenzen“ auf der Liste und dann noch Bücher und Autoren, die mir nicht viel sagen.
Kathrin Schmidt „Du stirbst nicht“, die Geschichte eines Erwachens auf der Intensivstation, klingt aber interessant.
Spannend, wie es weitergehen wird. Christiane Zintzen hat in ihrem Inadäquat eine kritische Stellungnahme vom Vorantreiben des Leserviehs geschrieben und da fühle ich mich mit meiner großen Bibliothek der uralten ungelesenen Bücher nicht wirklich angesprochen. Herta Müller und Kathrin Schmidt würde ich, wie alle Bücher, wenn ich sie geschenkt bekomme, zwar gerne irgendwann lesen.
Im Augenblick habe ich aber mit dem Oldie aus den Fünfzigerjahren, der in seiner Neuauflage auf Platz Vier der ORF-Bestenliste lag, begonnen, von Cornelia Travnicek erfahren, daß „Fütter mich“ verschickt wurde und bei Amazon von meinem Schreibwerkstatt-Zusatzgewinn, einen Krimi bestellt, der noch nicht erschienen ist.
Die Buch Wien, die wieder im November stattfinden wird, hat ein neues Lesespaßheftchen herausgebracht, mit dem man um 2.50 statt um 9 Euro hineinkommt, wenn man vorher drei Bücher kauft und ich habe mir vorgenommen, daß ich, wenn ich mit dem Korrigieren bis Ende Oktober fertig werden sollte, beim Nanowrimowriting mitmachen werde.

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