Literaturgefluester

2009-10-30

Reinhard-Priessnitz-Preis 2009

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:43

Den Reinhard-Priessnitz-Preis hat heuer, wie ich schon erwähnte, Michael Hammerschmid bekommen und ich habe vor einem Jahr gedacht, Cornelia Travnicek wäre die Auserwählte, weil ihn ein paar Mal junge Frauen bekommen haben, Olga Flor, Gerhild Steinbuch und Angelika Reitzer fallen mir da ein.
Aber in der Jury des Reinhard-Priessnitz-Preises, benannt nach dem 1985 verstorbenenen Dichter, der heuer, wie Robert Huez in seiner Einleitung erwähnte, das sechzehnte Mal vom BUMUK vergeben wird, sitzen Gustav Ernst und Robert Schindel und das sind die grauen Eminenzen und einflußreichen Männer des österreichischen Literaturbetriebs und haben ihren speziellen Geschmack.
Wenn ich mir die Liste der bisherigen Preisträger betrachte, fällt zwar auf, daß 1997 Lotte Podgornik, die Preisträgerin war und die habe ich bei den schreibenden Frauen im Rotpunkt kennengelernt. Aber sonst sind es die jungen Talente und eher experimentell schreibenden Kolik-Autoren und Autorinnen, die damit ausgezeichnet werden und ich verfolge den Preis, der jährlich im Literaturhaus um den Nationalfeiertag vergeben wird und inzwischen mit viertausend Euro dotiert ist, seit 1998, als ihn Sabine Gruber bekommen hat.
Seither gehe ich mehr oder weniger regelmäßig hin und lerne viel über die jungen Autoren und den österreichischen Literaturbetrieb. An die Preisverleihungen von Olga Flor und Xaver Bayer kann ich mich erinnern, bei Xaver Bayer habe ich gerade „Heute könnte ein glücklicher Tag sein“, gelesen, zur „Alaskastraße“ bin ich nicht mehr gekommen, die liegt noch immer ungelesen bei mir herum, bzw. habe ich das Buch, der Anna geborgt, die Xaver Bayer eine Zeitlang gern gelesen hat.
Ann Cotton wollte sich in einer Schachtel verstecken und war wütend, daß sie lesen sollte und Thomas Ballhausen, der sehr aktiv im ehemaligen Milena-Frauenverlag tätig ist, habe ich durch die Preisverleihung kennengelernt. Angelika Reitzer kannte ich schon vorher, Michael Hammerschmied auch. 2003 habe ich ihn bei der Kolik-Präsentation im Literaturhaus, angesprochen, weil beim Literaturquiz jemand mit ähnlichen Namen aufgetreten ist, sonst habe ich nicht viel über ihn gewußt.
Als ich vor acht ins Literaturhaus kam, war es noch ziemlich leer, nur die ältere Dame, die ich manchmal in der alten Schmiede sehe, wenn Marie Therese Kerschbaumer oder Friederike Mayröcker lesen, ist gerade die Stiege hinabgegangen. Am Büchertisch sind Michael Hammerschmids literaturwissenschaftliche Arbeiten und ein paar Anthologien aufgelegen, so habe ich erfahren, daß der 1972 Geborene, Germanist und am germanistischen Institut tätig ist. Ein paar Leute fragten nach den Gedichten, ich blätterte die „Räuberische Poetik- Spuren zu Martin Walser“ durch und Gustav Ernst erwähnte, daß er Michael Hammerschmid vor vielen Jahren im Literaturhaus kennenlernte, als er eines seiner Bücher vorstellte.
Im Programmheft steht der Satz von der Genauigkeit der Sprache und etwas von bedrohten Identitäten, dann kam Peter Waterhouse, der Fried Preisträger von 2007, mit seiner Laudatio, in der er sich hauptsächlich auf die Fehler in den Gedichten bezog, diese Wort für Wort zerlegte und so einen Crashkurs in die Lyrik Michael Hammerschmieds bot.
Durch seine Vortragsweise wurden es lustige Zeilen mit Reim, die mich teilweise an Ringelnatz und Morgenstern erinnerten und mir auf diese Art sehr nahe kamen. Ich weiß zwar nicht, wie das der Preisträger empfand, öffentlich so kritisiert zu werden, für mich war es aber die spannendste Laudatio, die ich in diesen Rahmen erlebte, die mir die Sprache näherbrachte und ihre Schönheit, obwohl Peter Waterhouse fast nur von den angeblichen oder tatsächlichen Fehlern sprach.
Er kam aber auch auf eine Hausbesetzung zu sprechen, die vor ein paar Tagen stattgefunden hat und die derzeit aktuellen Uniproteste, bei denen sich auch Cornelia Travnicek intensiv beteiligt, wie man auf ihrem Blog lesen kann und sprach von dem Jurymitglied, das jetzt Professor für Sprachkunst ist und einem seiner Interviews, in dem er meinte, daß ein solches Studium, die Zeit, in der die Autoren Fehler machen, verkürzen kann.
Eine interessante Laudatio, die Lust machte, die Gedichte weiterzulesen. Beim Umtrunk gabs ein paar Blitzlichter zu beobachten, obwohl sehr wenig Leute da waren, die ich kannte, Stammpublikum habe ich nicht viel gesehen, aber einen interessanten Lyriker, der mittleren Generation, mit sehr beeindruckenden Gedichten, kennengelernt, die viel weniger experimentell sind, als ich mit meinen literarischen Vorurteilen dachte.

2009-10-29

Drehschluss

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:52

Ein aufregendes Buch, vielschichtig und genreübergreifend, der, wenn ich mich irre, zweite Krimi, Claudia Rossbachers, zu dem ich ganz zufällig kam, weil ich für meinen Gutschein ein Buch unter zehn Euro suchte, das Wien live neben mir liegen hatte und Krimis eigentlich gern mag, dann habe ich noch die Claudia mit der Verena verwechselt, das passiert mir manchmal und als ich das Buch, weil sich der Erscheinungstermin verzögerte, abbestellte, hat sich die Autorin auf meinen Blog gemeldet und meine Entscheidung bedauert. Beim Blogschreiben erlebt man allerhand, was ich nächsten Mai im Amerlinghaus bei Ilse Kilics Veranstaltung zur Alltagskultur erzählen kann, aber jetzt will ich Claudia Rossbachers fesselnden Thriller besprechen und das ist er, habe ich deshalb ja den Besuch einer Gesellschaft für Literatur Veranstaltung versäumt.
Also Clara Bodenstein, die Chefredakteurin vom Boulevardmagazin UP! „Unter Promis“, ist eine erfolgreiche Frau mit einem genau ausgetüfftelten Karriereplan. Anfang vierzig, blond, schön und weiß schon, daß einmal ihr Chef Jan Decker seinen Bürosessel für sie räumen wird und die spätere Karriere als Autorin, ist auch schon eingeplant. Die wird allerdings vorverlegt, wird doch die berühmte Diva Jackie Benz bald fünfundvierzig und hat Angst um ihre Karriere, so daß sie beschließt, sich von der Aufdeckungsjournalistin ihre Memoiren schreiben zu lassen und kündigt dabei einige Skandale an. Tatsächlich fürchten sich die Starkollegen auch davor, haben die Reichen und die Schönen doch viel zu verbergen, daß sie mit Koks dealten oder ihre Freunde an AIDS sterben ließen, um sich die Karriere nicht zu verderben, beispielsweise.
Clara Bodenstein fliegt zu Jackies Dreharbeiten nach Mallorca und dort wird einiges passieren. Zuerst wird die Diva an ihr Bett gefesselt, später verschwindet sie, wie vorher schon Mona Ettinghaus, eine andere Promifrau, bei der Drehschlußfeier wird aber trotzdem getafelt und von der köstlichen Pastete des Wiener Promikochs Darius geschwärmt. Dann fliegt Clara, die außerdem an Panikattacken leidet und kaufsüchtig ist, seit sie von ihrem ehemaligen Verlobten verlassen wurde, nach Berlin zurück und will sich nicht in Jackies Agenten verlieben, tut es aber doch und verliert auch ihren Job, weil ihre Assistentin, einen ähnlichen Karriereplan, wie sie verfolgte, aber keine Scheu hatte, mit ihrem Chef zu vögeln, wie das die stramme Clara tat und weil das zu wenig Action ist, landet Clara zuletzt am Fleischerhaken und wird von einem ehemaligen Muttersöhnchen mit Persönlichkeitsstörung, Claudia Rossbacher scheint eine Spezialistin der F6 Diagnosen zu sein, zählt sie doch drei verschiedene Formen auf und ihre Heldin geht auch in Therapie und nimmt Psychopharmaka, der sich als Kanibale entpuppt, fast geschlachtet. Der Geliebte, der sie schon verlassen hat, kann sie noch in letzter Minute retten, verliert aber seine Hand dabei. Am Ende ist Clara Bodenstein geläutert vom Aufdeckungsjournalismus und will nur mehr skandallose Bestsellerbiografien schreiben, wenn das nicht, die vor ihr geschlachtete Jackie Benz, wenn ich den Epilog richtig verstanden habe, postum verhindern wird.
Ein interessantes Buch, brutal und aufdeckerisch auf der einen Seite, auf der anderen erfährt man viel von den Schattenseiten, der Reichen und der Schönen und ihren Schwächen, was man nicht in den Seitenblickenmagazinen findet. Ein wenig Kitsch ist zweifellos dabei, so die love story von Jackie Benz verstoßener Tochter und Clara Bodensteins Wandlung von der erbarmungslosen Aufdeckungsreporterin ist auch nicht besonders realistisch. Am meisten beeindruckt hat mich aber ohne Zweifel, die Überwindung ihrer Panikattacken und die psychologische Beschreibungen von Claras Innenbilder wirken auch sehr fachgerecht.
Claudia Rossbacher scheint aber auch sehr geschäftstüchtig zu sein engagiert sie sich doch in der Plattform der österreichischen Krimischriftstellerinnen und plant eine Aktion, in der man sich die Krimiautoren für sein Wohnzimmer leasen kann.

2009-10-28

Zwischenbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 18:57

Für die, die wissen wollen, was sich außer dem Bücherlesen literarisch sonst noch tut. Mit der Organisation der Frauenlesung der „Mittleren“ im Amerlinghaus hat es geklappt. Bis jetzt jedenfalls. Da hat mich ja das Gerücht, daß das vielleicht geschlossen wird, am Samstag sehr mitgenommen, dabei wurde nur besprochen, daß es Hausversammlungen gibt, weil mit den Subventionen gespart wird. Aber ich habe ja ein Veranstaltungstrauma, so habe ich die Bruni Samstagabend auch ganz bös angeschaut, obwohl sie gar nichts dafür kann und gestern Nachmittag, die Claudia vom Amerlinghaus erreicht und mit ihr den 17. März ausgemacht. Während der Psychotherapie bin ich draufgekommen, daß am 18. März die Leipziger Buchmesse beginnt, wo wir gern hinfahren und was mache ich, wenn Cornelia Travnicek oder Andrea Stift dort lesen? Dann sagte noch Ruth Aspöck, daß sie in dieser Woche Schifahren ist und ich konnte es auf den 24. März, um 19 Uhr verlegen und alle Autorinnen konnten, so daß ich die Lebensläufe schon ans Amerlinghaus geschickt habe. Manchmal sehe ich vielleicht zu schwarz, habe aber auch schon Pech gehabt.
Susanne Schneider hat mich für den Katzenfasching des ersten Wiener Lesetheaters eingeladen, ich habe ihr versprochen, dafür eine Katzengeschichte zu schreiben. Ich bin ja kein so großer Katzenfan, wie Susanne Schneider oder Rolf Schwendter, aber eine Neufassung des Katers Murr auf Wienerisch, die Kätzin Murrana und die Schweinegrippe im Dschungel des Wiener Literaturbetreibs, wäre vielleicht passend. Vielleicht fällt mir auch etwas weniger Dramatisches ein.
Jetzt gibt es ohnehin anderes zu tun, denn bald ist der Oktober zu Ende. Ich bin mit dem Korrigieren zwar noch nicht fertig und werde das auch höchstwahrscheinlich morgen nicht. Am Freitag muß ich Stunden machen, abrechnen und auch den lieben Reinhold zum Weltspartag in meiner Hausbank besuchen und am Samstag habe ich mir vorgenommen, melde ich mich für das Nanowrimowriting an.
Die ersten Blogs berichten schon darüber, so bedauert Klaudia Zotzmann, daß sie heuer nicht mitmachen wird, Jacqueline Vellguth von schriftsteller-werde.de ruft dagegen wieder zur Blogparade auf. Auch da könnte ich mitmachen, auch wenn es nichts zu gewinnen gibt. Die Idee, die ich habe, ist schon ziemlich konkret, eine Frau in Quarantäne wegen Schweinegrippe und es gibt nichts zu erleben, außer das, was sich in den Blogs so tut. Wenn ich da vier Wochen locker vor mich hinschreibe um 50.000 Worte zusammenzubringen, habe ich nachher, die übliche Erzählung, das zweite Jahreswerk, wie vor zwei Jahren den „Novembernebel“ und heuer verspätet „Das Haus“.
Daß ich das schaffe, habe ich keine Zweifel. Im Dezember lasse ichs dann liegen, kehre zur „Krisenwelt“ zurück, das nächste Großprojekt kommt erst danach.
Im November gibts zwar die Buch Wien, die Lesefestwoche, die Frauenlesung in der Galerie Heinrich, Literatur im Herbst, den Exil Literaturpreis und natürlich mein literarisches Geburtstagsfest und noch etwas gibt es, nämlich die Mariahilfer Frauenwochen und da kann Frau verschiedene Gratisworkshops besuchen z.B Gedächtnistraining für Seniorinnen oder Aktzeichnen lernen, aber auch ein kreativer Schreibworkshop mit Doris Nussbaumer, die ich von den Widerstandslesungen kenne und mit ihr entweder in der Female Science Fiction oder in einer der Milena-Anthologien einen Text habe. Ein wenig tiefgestapelt vielleicht, da der Workshop aber auch für Schreiberfahrene geeignet ist, habe ich mich angemeldet.
Ansonsten gabs heute ein Literaturlunch mit Ruth Aspöck, die mir im Februar versprochen hat, daß ich mir einmal die Bücher der Edition die Donau hinunter, die ich noch nicht habe, aussuchen kann. Jetzt habe ich sieben neue Bücher, die anderen hatte ich schon, war ich ja immer eine treue Ruth Aspöck Leserin.
Aber jetzt, was mich besonders freut, Irene Wondratschs „Eine Haus eine Spur ein Roman“ und Hermann J. Hendrichs „Gesammelte Texte“, Ruth Aspöcks „Kannitverstan“ und „Schnaitheim Sommerheimat“, dann noch „Ich ging“ von Hahnrei Wolf Käfer, das „Lesetheaterbuch“, das ja sehr interessant ist, sowie einen der ersten Bände, nämlich „Alles Theater? Autorinnen im Gespräch“
Da verschmerzt es sich natürlich leichter, daß ich bei Dietmar Füssel nichts gewonnen habe, jetzt weiter korrigieren und vielleicht mit „Drehschluß“ beginnen.

Die erste Geige spielt der Tod

Filed under: Uncategorized — jancak @ 07:42

Wahrscheinlich ist „Die erste Geige spielt der Tod“, des 1953 in Oberösterreich geborenen ORF-Redakteurs Reinhard Badegruber, die Parodie auf einen Kriminalroman, ein auf die Spitze getriebenes Klischee und in die Krimihandlung eingebauter Wien-Führer für deutschsprechende Touristen, mit zur Schaustellung all seiner Gelehrsamkeit.
Man bekommt einen Grundkurs über die Wiener Szene-Beisln rund um die alte Schmiede, erfährt, daß Herr Lehmann ein Roman von Sven Regner und kein Dackel ist und sich die Wiener, wie die meisten anderen, nicht für Literatur interessieren, der Doktor Maritsch aber der Sohn eines Ministers und eine Figur aus „Wie eine Träne im Ozean“ von Manes Sperber ist.
Vor allem aber wird in diesem Roman sehr viel gesoffen. Whiskey und Zwetschkerne durcheinander und Richard Beerenleitner, der pensionierte Starkolumnist des großen Blattes, der die angeführten Zitate von sich schleudert, ist ständig auf der Suche nach geistiger Nahrung, verliert im Laufe des Romans Job, Frau, Wohnung, Ruf und Stammbeisl. Fällt ständig von Rollsesseln, wird verdroschen und in Säcke verladen, ist aber der Held der fünfzehn Tage dauernden Handlung, die mit einem Prolog und der Feststellung beginnt, daß es ein Irrtum ist, zu glauben, daß Musiker menschenlieb wären.
Der Ton dieser Geschichte ist herb und rauh, Reinhard Badeguber scheint das ganze Wiener Strizzi-Lexikon auswendiggelernt zu haben, die Sprache manchmal umständlich und Metaphern getragen, wie sie wahrscheinlich kein Sprachstudium erlauben würde, vorallem der talentierte Geigenschüler, der ständig auf Kästen kraxelt, seinen Lehrer aus dem Fester stürzt und vorher auf die Schrankwand pinkelt, übt sich in hochgestochener Rede, erzählt dieselben Inhalte mehrmals, so daß ich schon auf die Wiederholung im Sinne der Seitenfüllung tippte, von ihm stammt aber auch die schöne Wendung „Mein Aufstrich ist eine Inzersdorfer“, als ihn der versoffene Geigenlehrer durch sinnlose Aufstrichübungen, das Genie austreiben will.
Die Handlung ist indessen schnell erzählt. Am ersten Tag liegen zwei Polizisten, der Loisl und der Alois auf der Straßenlauer, um den Autoschiebern auf die Spur zu kommen. Sie stoppen einen Mercedes, in dem sie drei Geigenkästen finden, die sie für Kindersärge halten und die Geschichte beginnt.
Und zwar in einem Wiener Privatkonservatorium, da stürzt nämlich Professor Mayr, nachdem er seinen Schüler Stefan Müller quälte, aus dem Fenster, die Schulwartin Elisabeth Sedlmeier im Blümchenkleidchen, die eigentlich Vera Ivanova Ligovskaja heißt, aber mit Professor Assam, Professor Mayr und dem Cellisten Lorenz Zeglovits mit dem berühmte Leopoldstätter Quartett, die Welt bereiste und von ihren Konzertreisen Geigen schmuggelte, führt Richard Beerenleitner in ihre Wohnung ein, wo dieser im Keller ihren ebenfalls ständig besoffenen Gatten findet, der später von ihr erschossen wird. Der Geigenschüler fühlt sich von den Russen verfolgt, der Journalist wird von seiner Frau aus der Wohnung geschmissen, steigt daher in Professor Mayrs Villa in Döbling ein, nachdem Herrn Lehmann sich als Geige entpuppt, die die neureichen Russen wieder zurück nach Russland bringen wollen, während sie in Professor Assams Zimmer lag. Der vielleicht wieder nüchterne Beerenleitner findet diesen, nachdem er eine Geheimbotschaft enttarnte, gedemütigt und maskiert, mit Kasperlmütze auf dem Penis und wird vom großen Blatt fürs Titelbild geknipst und als Wiener-Rotlicht-Wallraff bezeichnet.
Einen brutalen Starpolizisten, der das Ganze enttart und vor oder hinter Richard Beerenleitner herläuft, den Herrn Karl, gibt es auch und am Schluß enttarnt sich die angebliche Russenmaffia noch als mehr oder weniger begabtes Musikerduo, das uns schon durch die Handlung begleitet hat.
So die Kurzfassung des Wien live Krimis, den ich als dritten Versuch meinen Schreibwerkstatt Gutschein einzulösen, schnell und problemlos von Amazon bekommen und genauso schnell gelesen habe.

2009-10-25

Wach ich oder schlaf ich

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:39

Isabel Boltons 1946 geschriebener Roman „Wach ich oder schlaf ich“, erschienen in der Brigitte- Edition-erlesen, ist offenbar eine Wiederentdeckung von Elke Heidenreich, habe ich bei Wikipedia doch gelesen, daß die 1883 in Conneticut geborene und 1975 in New York verstorbene Autorin, nach ihrem Tod vergessen wurde. Sie wurde aber mit Henry James und Virginia Woolf verglichen und die Dreiecksgeschichte vom Partyleben der New Yorker Boheme, im Frühling 1939, während Krieg in Europa herrscht, Hitler Wien und das Sudentenland besetzt hat, ist sicher interessant zu lesen.
Verbringen doch die Dichterin Millicent, ihre Freundin Bridget und der Schriftsteller Percy ihren Tag zwischen dem Lunch im französischen Restaurant, wo die Seezunge aus der Normandie im Salzwasser extra eingeflogen wird und Lenny Weeds Cocktailparty, mit Nichtstun, lockeren Seelenschmerzen, inneren Mologen und äußerlichen Philosophieren. Dazwischen wird zur Schneiderin gegangen und charmant geplaudert.
Dabei hat Bridget ein behindertes Kind in Wien, das mit seinem großen Kopf, wie sie erzählt, von den Nazis im grotesken Kostüm und einem Schild um den Hals ausgestellt wird.
Sie braucht also Geld, um das Kind aus dem besetzten Wien herauszubringen, plaudert aber locker über die europäische und die amerikanische Literatur und zieht Vergleiche zwischen Faulkner und Dostojewsky, während Millicent, von der der Titel, „Wach ich oder träum ich“, stammen könnte, weil sie oft nicht das tut, was sie eigentlich will und darüber unzufrieden ist, ins Kino geht, wo sie bei der Wasserstoffpuppe an der Kasse, ihren Zehndollarschein läßt und während der Wochenschau, wo die deutschen Soldaten durch Wien marschieren, Gedichte auf einen Briefumschlag schreibt.
Bei der Party wird der betrunkene Percy, der Millicent unbedingt helfen will, ihr Kind aus dem besetzten Wien herauszubringen und sich dafür von seinen Verleger Vorschüße auf alle seine noch ungeschriebenen Bestseller auszahlen lassen möchte, von einem jungen Mann namens Price niedergeschlagen und liegt, während die Party weitergeht, mit Kopfverband im Nebenzimmer. Bridget verschwindet mit Price und seinen Millionen zu Kind oder Traualtar, während Millicent sich überzeugen geht, ob Percy heil in seinem Appartement angekommen ist, als ihr der nicht antwortet, will sie in ein Taxi steigen, erinnert sich aber, daß sie kein Geld in der Tasche hat, so daß sie sich schließlich neben einer heruntergekommenen Irin auf einer Parkbank wiederfindet, versonnen auf die Zweige eines jungen Ahornbaumes blickt und die kleinen Sterne leuchten sieht.
„Hochmodern und aktuell, denn tanzen wir nicht auch gern über Wahres oder Wichtiges hinweg?“, schreibt Elke Heidenreich in ihrem Nachwort und man bleibt ein wenig betroffen zurück, denn die starken Bilder des Symbolismus und des literarischen Stils einer Virginia Woolf sind sehr eindrucksvoll, geheimnisvoll und manchmal unverständlich. Den Holocaust aus der Sicht der New Yorker Boheme zu beschreiben, die von dem Ganzen nicht viel versteht, sondern naiv und trunken ihr Partyleben feiert, erscheint mir aber auch ein bißchen pietätlos, wenn es auch sicher stimmt, daß geliebt, geprasst und gedichtet wird, während tausend oder auch nur ein paar Kilometer weiter, die Fetzen und die Bomben fliegen.

Generalversammlung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:52

Am Samstag die diesjährige Generalversammlung in der alten Schmiede, früher gab es die den ganzen Samstag und am Sonntagvormittag. Dann nur noch Samstag, jetzt wird es wieder durch den Freitagabend bzw. Nachmittag verlängert, bezüglich Kennenlernen der neuen Mitglieder, kleiner Umtrunk am Freitagabend und das ist eine gute Idee, denn die GAV wächst und wächst und wird naturgemäß immer jünger, obwohl die ganz Jungen, wie ich hörte, nicht in die GAV eintreten.
Aber dreizehn neue Mitglieder wurden diesmal problemlos in die GAV aufgenommen, darunter Anita C. Schaub und Susanne Toth und am Vormittag war ich dadurch frustriert, daß mir Christl Greller erst nach der Generalversammlung mitteilen wollte, ob sie zu meiner Geburtstagslesung kommt, zu der ich sie eingeladen habe, weil ich nach der Frauenlesung ein bißchen harsch zu ihr war und ein harmoniebedürftiger Mensch bin, der mit allen gut auskommen will. Dann gabs eine Enttäuschung, weil es wieder nicht gelungen ist, noch einmal in die Jury der Neuaufnahmen zu kommen. Da wünscht sich Ilse Kilic immer neue Mitglieder, obwohl die anderen das auch länger machen. Es macht zwar nicht wirklich was, weil ohnehin schwer zu entscheiden und man sich leicht irren kann, aber ich bin sehr neugierig auf die Texte, dadurch lernt man die neuen Mitglieder am besten kennen. Werde also nach Bedarf weiter meine Veti stellen, aber am Nachmittag bzw. am frühen Abend dachte ich fast an Austritt, denn mein Veranstaltungsvorschlag, die Mittleren IV, mit Ruth Aspöck, Andrea Stift, Susanne Schneider und Cornelia Travnicek ist problemlos durchgekommen, Christine Huber meinte zwar Cornelia Travnicek ist ein bißchen jung für eine Mittlere, aber die Idee, die mich zu dieser Veranstaltung führte, ist, die schreibenden Frauen, die ich im Laufe meines Lebens kennenlernte, vorzustellen und das sind, seit ich das Literaturgeflüster betreibe, Andrea Stift und Cornelia Travnicek, im ersten Teil waren das noch die Arbeitskreis- und Lesefrauen und mit Marlen Schachinger und Anni Bürkl hatte ich auch immer eine jüngere Frau dabei, die ein bißchen für das Mentoringsystem stehen könnte, so habe ich es jedenfalls Silvia Bartl einmal erklärt.
Die Enttäuschung kam mit dem Gerücht, daß das Amerlinghaus vielleicht geschlossen werden soll, genaueres weiß man zwar nicht, was mache ich aber dann?
Dann war es doch nicht so eine gute Idee, mich statt für die „Freiheit des Wortes“ für die Frauenlesung zu entscheiden. Petra Ganglbauer, die das erste jetzt als Vizepräsidentin macht, hat mich zwar für die Veranstaltung eingeladen, aber ich bin ziemlich abgestürzt und erst das Abendessen im Gasthaus Pfudl und das Gespräch mit den Kollegen am Tisch hat mich langsam aufgeheitert.
Bücher habe ich schon vorher getauscht, so Margot Kollers „Flaschenpost an Josy- eine nicht ganz seichte Lektüre zum Thema Wasser“ gegen „Die Radiosonate“, das ist auch ein fünfzig Exemplare Selbstdruckbuch und Dietmar Füssel hat mir das „Literarische Jahrbuch der Stadt Linz aus dem Jahr 1987“ mitgebracht und mit ihm habe ich mich intensiv über seine Bücher unterhalten. Er arbeitet immer noch an seinem historischen Ägyptenroman, schreibt ihn immer wieder um, weil ihm die Dialoge nicht gefallen und hat mit seinem satirischen Roman Verlagsschwierigkeiten. Dann habe ich Peter Hodina aus Oberösterreich, der in Berlin lebt, kennengelernt und Richard Wall hat mir viel über sein Schreiben erzählt.
Das Essen wieder gut, Leberknödelsuppe, Kalbsgulasch und Eismarillenknödel, aus lauter Frust habe ich ein zweites Übergebliebenes gegessen und viel Wasser dazu getrunken.
Ruth Aspöck hat mich am Donnerstag eingeladen zu ihr zu kommen, um mir ein paar übergebliebene Bücher der Edition die Donau hinunter auszusuchen und Alfred hat jetzt doch zwei Bücher(s)pässe gebracht, so daß ich es, wenn von der Buch Wien keine positive Antwort kommt, mit dem Niedrigeintritt versuchen kann, ich bin aber immer noch sehr betroffen, auch wenn von Andrea Stift ein liebes Mail gekommen ist, daß mein Manuskript bei ihr eingetroffen ist und ich mit Elisabeth Ernst ein nettes Gespräch führte, die mir das Katalogbild von dem nackten Mann zeigte, den sie für das Künstlerhaus gespendet hat und „Die Radiosonate“ kaufte.

2009-10-24

Ohrenschmaus und GAV-Veranstaltungen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:28

Wieder ein intensiv literarischer Tag, es gibt immer wieder solche, die ich wahrscheinlich brauche, um zehn die Jurysitzung des Literaturpreises für Menschen mit Intellektueller bzw. Lernbehinderung im Parlament, was mir, wie ich bezüglich dem Trojanov Buch diskutierte, der geforderten Sicherheitskontrollen wegen unangenehm ist, mit Eva Singers charmanter Betreuung aber zu machen war. Inzwischen gibt es nur mehr eine Restjury. Nämlich Heinz Janisch und mich. Friedl Hofbauer ist, hörte ich, ausgeschieden, Felix Mitterer übernimmt nur mehr den Ehrenschutz, Kurt Palm war verhindert und Barbara Rett wußte nichts davon, daß die Jurysitzung auf den Vormittag verlegt wurde und hat sich erst zu den Texten gesetzt, als wir uns schon getroffen haben.
Zweiundneunzig Texte waren zu beurteilen, wir hatten sie diesmal nur per Internet, was schwierig war und, daß in den Ausschreibungsbedingungen festgelegt wurde, daß nur mitmachen kann, wer lern-bzw. intellektuell behindert ist, wirkt sich natürlich auf die Art der Texte aus. Ich habe das vorausgesehen und daher auch nichts dagegen, daß sich Leute mit Psychiatrieerfahrung beteiligen. Franz Joseph Huainigg will das aber nicht, obwohl ihm Anton Blitzsteins Texte gut gefallen. So wurde heute diskutiert, den Preis nur mehr alle zwei Jahre zu vergeben und die Jury muß auch aufgestockt werden.
Trotzdem haben wir die Preisträger bald gefunden. Die Preisverleihung wird am ersten Dezember im Museumsquartier sein. Ich darf die Laudatio für den Prosatext halten und das ist auch ein toller Text, für den wir einstimmig waren und die Lebensgeschichte stammt von einer einundachtzigjährigen Frau, die die NS Zeit und ihre Schrecken beschrieben hat. Eine spannende Sache und wichtig, daß es das gibt. Danach gab es den kulturpolitischen Arbeitskreis in der alten Schmiede, den Ruth Aspöck wieder zum Leben erweckt hat.
Reinhardt Badegrubers Krimi „Die erste Geige spielt der Tod“, das Buch das ich mir von dem Schreibwerkstatt Gutschein gekauft habe, ist am Morgen auch gekommen und auf dem Weg zur alten Schmiede, habe ich mir in der Wühlkiste von „Malota“, vier books to go, das sind die literarischen Kurzfassungen, die auch im Literaturcafe beworben werden, um je einen Euro fünfzig gekauft und zwar einen Ingo Schulze, einen Alex Capus, eine Erzählung von Irene Dische und zwei von Uwe Timm.
Literatur ist eben meine Lebensform und das wollte Ruth Aspöck auch von uns wissen. Warum wir schreiben, was wir uns vom Leben und von der GAV erwarten. Am Schluß waren wir zu acht. Ilse Kilic, Erika Kronabitter, Helmuth Schönauer, Magdalena Knapp Menzel, Rolf Schwendter, Ditha Brickwell und ich. Interessant, wenn auch nichts Neues herauskam, den Literaturbetrieb werden wir sicher nicht verändern, aber ein interessantes Gespräch im schönen Rahmen des Schmiedemuseums. Cornelia Travnicek hat das einmal Folterkammer genannt und ein Buch aus der Edition die Donau hinunter, bekamen wir auch zum Geschenk, nämlich das 2004 erschienenen „Was ist Kunst? Diskussion in Permanenz“.
Dann die Lesung der 2008 aufgenommenen Mitglieder, das hat Ruth Aspöck ebenfalls vor ein paar Jahren angeregt, die Generalversammlung mit einer solchen Lesung zu beginnen und die war diesmal sehr dicht, wurden im Vorjahr doch sehr viele neue Mitglieder aufgenommen. So standen fünfundzwanzig im Programm, achtzehn haben gelesen und es war spannend, die neuen Mitglieder kennenzulernen, von denen viele durchaus realistisch schreiben. Gerhad Jaschke hat moderiert, der wohl berühmteste Neuaufgenommene, Clemens J. Setz ließ sich entschuldigen. Beeindruckend die Performance von Martina Sinowatz und Daniela Beuren, besser bekannt unter grauenfruppe, die Ausschnitte aus ihrem Montageroman „Mathilda wird angegavt“ brachten und darin ihre Erlebnisse bezüglich des Siemens Literaturpreises bzw. der GAV-Aufnahme verarbeiteten. Susanne Schneiders „Bambusfamilie“ war beeindruckend, sowie von onophon, das heißt die Darbietungen von Rainer Deutner und Werner Nowacek, aber auch die anderen Texte, Performances, Gedichte und Romanausschnitte und die alte Schmiede mit Mitgliedern vollgefüllt. Nachher gabs Brot und Wein und viele Gespräche. Mit Margot Koller habe oder werde ich ein Buch tauschen, bei Dietmar Füssels Gewinnspiel habe ich schon wieder etwas gewonnen, was er mir morgen bringen wird, mich mit Ruth Aspöck unterhalten und ein bißchen von dem Joe Berger Symposium erzählt, was gut den Unterschied vom gestern zum heute demonstrieren kann. Paul Jaeg, der einen Text von mir wollte, hat mir gemailt, daß er nicht kommen kann, ich habe ihm geantwortet, daß ich ihm die „Krisenwelt“ schicken werde. Bis 2011 werde ich aber sicher nicht warten, so geduldig bin ich nicht. Es tut aber gut zu wissen, vielleicht einen Verlag finden zu können, das hilft meine Bücher in einem anderen Licht zu sehen und besser auszuhalten, daß es Leute gibt, die nicht mit mir sprechen, weil sie mich für schlecht halten, aber die waren nicht da. Ich habe sogar zwei Einladungen für GAV-Veranstaltungen bekommen und als ich nach Hause gekommen bin, hab ich noch den Schluß der Joe Berger Tonspuren gehört.

2009-10-23

Hirnhäusl

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:33

Nun etwas anderes, nämlich der siebzigste Geburtstag von Joe Berger, der in der Wienbibliothek mit einem Symposium und der Präsentation von Prosatexten aus dem Nachlaß und verstreut Publizierten, gefeiert wurde.
Joe Berger, der 1991 an Krebs verstorbene Dichter, der im Tatort und auch wo anders als Schauspieler aufgetreten ist, in der Zeitschrift Forum publizierte, jedenfalls habe ich einen solchen Text einmal Frans Postma geschenkt, der ihn mir, als wir ihn 1997 in Holland besucht haben, zurückgegeben hat. Das Wiener Original aus Kaltenleutgeben, der in den Sechziger, Sebziger und vielleicht auch Achtzigerjahren eine ähnliche Rolle, wie Hermann Schürrer spielte.
Robert Huez hat mich in der Pause gefragt, ob ich ihn gekannt habe. Ja, habe ich gesagt, ich bin mir aber gar nicht sicher, ob ich das persönlich getan habe. Seine Texte natürlich, das inzwischen vergriffene „Plädoyer für den Alkohol“, habe ich in Harland , das Joe Berger Lesebuch, wie ich eigentlich dachte, scheine ich nicht zu haben, aber Gerhard Jaschke hat ihn im Freibord publiziert, vielleicht kenne ich ihn auch von den GAV-Sitzungen, obwohl ich mich nicht daran erinnern kann. Der Name ist aber sehr bekannt und vor zwei oder drei Jahren hat es eine Lesetheaterveranstaltung in einem Schutzhaus auf der Schmelz gegeben, bei der ich gewesen bin.
Joe Berger war sehr vielseitig und das wurde in dem Symposium genau ausgeführt. Zuerst wurde das im Ritter-Verlag erschienene Buch „Hirnhäusl“ von den Herausgebern Thomas Antonic und Julia Danielczyk vorgestellt. Thomas Antonic hat den Lebenslauf erzählt, da bin ich ein bißchen zu spät gekommen, interessant war aber, daß Joe Berger ein studierter Chemiker war und in einer Lackfabrik gearbeitet hat, ich hatte ihn von den Tatort Krimis eher als Sandler in Erinnerung, die „Märchen für Konsumkinder“ waren mir aber auch ein Begriff.
In der Pause habe ich mich mit Robert Huez unterhalten, ist mir doch der Unterschied zwischen den Siebzigerjahren und dem heute, wo man die Sprachkunst an der Universität studieren kann und von 375 Bewerbern sechzehn genommen werden, sehr aufgefallen. Heute ist alles schön und glänzend, der Jungautor will nach Klagenfurt, hat seinen Internetauftritt, seine Projektmappe und seinen Agenten, früher ist er in der Wiener Gruppe, im Strohkoffer und im Hawelka gesessen. Vielleicht gibt es doch nicht so viele Unterschiede, nur ist es heute glänzender, vielleicht auch unpolitischer.
Dann kam Irene Suchy, die Joe Berger als Musiker vorgestellt hat, obwohl Ernst Kölz seine Texte vertont hat, der sie auch am Abend gesungen hat und eine Frau vom Filmarchiv hat den Schauspieler referiert und Filmausschnitte gezeigt, zum Beispiel einen, wo er einen sadistischen Schaffner spielte.
Ottwald John war im Publikum und hat Joe Berger Anekdoten erzählt und Ulf Bierbaumer. Zu den Joe Berger Freunden zählten Wolfgang Bauer und Peter Turrini. Die Wienbibliothek hat fünf Archivboxen aus dem Nachlaß aufgekauft und eine Ausstellung gemacht, wo es siebzig Minuten Filmaufnahmen zu sehen gab, die ich mir in der Stunde zwischen Symposium und Abendveranstaltung angeschaut habe. Joe Berger ist in den Siebzigerjahren öfter in den Club 2 Sendungen aufgetreten, da ich nie ein großer Fernseher war, habe ich davon nicht viel mitbekommen und beim Zusehen sehr gestaunt, wie sehr er die mitgestaltet hat.
Dann ging es weiter mit einer Lesung von Wolfram Berger und den „Wiener Depression“, die ich gut kenne. Es war wieder sehr voll. Friedrich Achleitner habe ich gesehen, Ditha Brickwell, die schon für die Generalversammlung aus Berlin angereist ist und El Awadalla. Es gab Wein und Brot und vorher Kaffee und Kuchen.
Ansonsten gibt es von der Frauenlesung „Frauensicht auf Entwicklungen“ zu berichten, die am 17. November um 19 Uhr bei den Literaturtagen im November in der Galerie Heinrich in der Thaliastraße 12 sein wird. Ich weiß nicht, ob ich sie noch extra ankündige, ich werde jedenfalls ein Stück aus dem „Haus“ und zwar aus dem Kapitel „Mini-Mental-Status“ lesen, weil das Thema Frauensicht auf Entwicklungen ist. Außer mir werden Monika Giller, Judith Gruber-Rizy, Elfriede Haslehner, Hilde Langthaler, Marlen Schachinger und Hilde Schmölzer lesen und da man Werbung machen soll, kann ich dem, der mich dort als erster auf das Literaturgeflüster anspricht, wieder ein Buch versprechen.
Ansonsten habe ich von Paul Jaeg, vom Arovell Verlag ein Mail bekommen, daß ich ihn für 2011 ein Manuskript schicken kann. Ich weiß zwar nicht, ob ich so lange warten will, kann ihn aber, wenn er in der alten Schmiede liest oder bei der Generalversammlung, meine Bücher zeigen und die Krisenwelt habe ich Andrea Stift geschickt, die den Einleitungstext schreiben will, obwohl ich mit dem Korrigieren noch nicht fertig bin.

2009-10-22

Möglichkeit und Grenzen literarischen Schreibunterrichts

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:53

Der zweite Teil des Themenschwerpunktes zur literarischen Praxis, war sehr gekonnt zusammengestellt. Ein Kompliment an Barbara Zwiefelhofer oder wer die Idee dazu hatte, denn das ist ja ein heikles Thema, hört man doch immer noch, daß man Schreiben gar nicht lernen kann oder, daß man es, wie mir gestern eine Dame sagte, in der Schule mit den Gliederungen der Deutschaufsätze lernt.
Man muß es trotzdem tun und seit ein paar Jahren spricht sich das auch bei uns mehr oder weniger herum und so boten die zwei Abende eine sehr interessante, wenn auch hierarchisch gegliederte Zusammenfassung.
Es war voller als gestern, man sieht das Thema interessiert und das kam auch bei der Ex-Libris Diskussion am Schluß heraus.
Zuerst hielt aber Marlen Schachinger einen Vortrag in dem die kreativen Schreiblehrgänge der Universität von Iowa vorgestellt wurden. Denn das Ganze kommt ja aus Amerika, dort lernt man creativ writing schon länger an den Universitäten. Josef Haslinger, der auch dort war, hat es nach Europa oder Leipzig gebracht und das Literurhaus bot, wie Barbara Zwiefelhofer sagte, eine Informationsbörse an, wo Christa Nebenführ, Friedrich Hahn, die Volkshochschulen und das Institut für Schreibpädagogik ihre Prospekte auslegten.
Dann wurden die verschiedenen Schreibmodelle vorgestellt, die es bei uns gibt, beginnend mit der Schule für Dichtung, die Christian Ide Hintze gegründet hat.
Günther Vallaster stellte sein Buch „Das literarische Sprachlabor“ vor. Gustav Ernst die Leondinger Akademie für Literatur, Sabine Scholl den neugegründeten Lehrgang an der Angewandten und Petra Ganglbauer den Lehrgang Wiener Schreibpädagogik, alles eher experimentell und bis auf die Wiener Schreibpädagogik auch ziemlich elitär.
Man muß sich bewerben, beim Lehrgang für Sprachkunst haben das 375 Personen getan, 16 wurden genommen, bei Gustav Ernst Akademie muß man ordentlich zahlen, kann dann acht Monate studieren, wird aber auch ausgewählt, beim Lehrgang für Schreibpädagogik ist es, glaube ich, bezüglich Auswahl nicht so schwierig, zahlen muß man aber auch recht viel und wird dafür als Multiplikator ausgebildet, das heißt, man kann sein Wissen in Schreibworkshops und an Schreibwerkstätten weitergeben.
Die realistischen Ansätze, wie die Augustin Schreibwerkstatt oder auch die AGA der Barbara Neuwirth fehlten, das wurde bei der Diskussion auch angemerkt, es ist aber sicher ein interessantes Thema und in der Pause war der Tisch mit dem Infomateralien auch sehr gut besucht.
Danach wurde es noch elitärer. Es kam nämlich Peter Zimmermann um mit Josef Haslinger, Uwe Heldt und Michael Krüger eine Ex-Libris Sendung auszunehmen und da wurde als erstes beklagt, daß soviele Leute schreiben.
„Jeder will das!“, stöhnte der berühmte Autor und Verleger, dabei denke ich, daß 375 bzw. 479, die sich in Leipzig bewarben, gar keine so große Zahl ist. Ich finde es bekanntermaßen schade, daß so wenige Bewerber genommen werden, aber die dürften, wie Josef Haslinger aus der Schule plauderte, die ehrgeizigsten sein, die die drei Studienjahre zum Austausch nützen, im dritten wird der Roman oder der Erzählband geschrieben, der auch das Verlagsgutachten bekommt und die Hälfte der Leute, habe ich verstanden, schaffen es, bei großen Verlagen unterzukommen.
Verena Rossbacher ist ein Beispiel des Erfolgs. Josef Haslinger will den anderen gern eine journalistische Ausbildung anbieten, aber das wollen die Studenten nicht und Peter Zimmermann meinte, daß bei den meisten Verlagsvorschauen, schon ein Studium in Leipzig oder Hildesheim angeführt steht, das bürgt den überforderten Verlagen offenbar die Qualität.
In Österreich ist das wahrscheinlich anders, da gibt es keine großen Verlage und Österreich verschwindet, wie man in Klagenfurt merkt, auch hinter dem großen Deutschland, obwohl sich im Vergleich, viel mehr Leute für Wien, als für Leipzig bewarben.
Interessant auch, daß der sehr selbstbewußte Michael Krüger, am Schluß die Frage, was denn mit den abgelehnten anderen geschieht, stellte und der Agent Uwe Heldt verwies auf die Schreibforen im Internet, wo sich vermutlich die restlichen Autoren tummeln, was auch gut ist, denn Schreiben ist ja, soll Gustav Ernst oder H.C. Artmann gesagt haben, kein Beruf, sondern eine Lebensform und, daß die vielleicht nicht so erfolgreichen Autoren ihr Wissen in Schreibwerkstätten und Literaturworkshops weitergeben ist auch klar oder sie bloggen, wie ich und das ist auch eine interessante Nische seinen Drang zum Schreiben zu verwirklichen, über die es vielleicht ebenfalls eine Veranstaltung geben sollte und etwas fehlt noch, wie in der Diskussion angemerkt wurde, die Schreibseminare für das bessere Deutsch, der übrigen Akademiker, Michael Krüger führte die Philosophen als Beispiel an, aber da bietet ja das Writersstudio Hilfe an, das sich auch, um die Schreibblokaden der Studenten kümmert.

2009-10-21

Von Schreibstuben und Schreibschulen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:20

Zwei Abende zum Themenschwerpunkt literarische Praxis im Literaturhaus am Dienstag und am Mittwoch und da das ein sehr vielfältiges Thema ist, werde ich getrennt und nicht in einem Zug darüber berichten, auch wenn Alfred und der liebe Otto über meine Schreibflut stöhnen, aber da hat Peter Rosei gestern ja von einem Dichter erzählt, der in Wien herumgegangen ist und „Schreib nicht soviel!“, gefordert haben soll.
Am Dienstag ist es um das „Literarische Schreiben als diskreten Prozeß“ gegangen und da wurde eine Studie von Tasos Zembylas und Claudia Dürr vorgestellt, die literarische Fallstudien in actu untersucht haben. Als ich vor Beginn, das im Passagen Verlag erschienene Buch studierte, hatte ich gleich die ersten literarischen Erlebnisse. Einen sehr erzählfreudigen Peter Rosei nämlich, der von einem Berliner Fan oder einen Literaturwissenschaftler angesprochen wurde, der ihm eine volle Büchertasche zum Signieren entgegenhielt, auf dem Büchertisch lagen die neuen Rosei Bücher und der Autor stöhnte, daß man daran merken könne, wie alt man wird und schwärmte vom Nollendorferplatz, auf dem er sich öfter aufhält.
Dann gings los mit der Buchvorstellung, Peter Rosei und zwei jungen Frauen, nämlich Verena Rossbacher, die am Leipziger Literaturinstitut studierte und 2009 bei Kiepenheuer & Witsch mit „Verlangen nach Drachen“ einen fulminanten Debutroman hingelegt hat und Michaela Falkner, die ich schon bei der jungen Literatur gehört habe und die Schreibstudie, bei der die beiden Literaturwissenschaftler, den Schreibprozeß beobachtet haben, war überhaupt sehr interessant und neu für mich. Die haben nämlich nicht nur viele Interviews über das Schreiben geführt, sondern auch bei Peter Rosei, Verena Rossbacher, Michaela Falkner und Thomas Klupp, der mit „Paradiso“, als ehermaliger Literaturkursteilnehmer in Klagenfurt auch fulminant aufgetreten ist, den Schreibprozeß sehr intensiv mit einem Computersystem, wo alle Textverbesserungen beobachtet werden konnten und Schreibprotokollen, wo die Autoren mit einem Diktaphon darüber Auskunft gaben, ect., genau erforscht. Ich habe mich über diese Bereitschaft zur Offenheit sehr gewundert, gebe ich im Literaturgeflüster ja auch öfter Nachrichten über meine aktuellen Schreibprozeße und habe dabei das Gefühl ungewöhnlich offen zu sein. Aber in den Literaturinstituten lernt man offenbar genau das, denn Verena Rossmann erzählte, daß sie das zum Schreiben braucht und bedauert, daß die intensive Schreibbeobachtung nun vorüber ist.
Ganz habe ich ja nicht verstanden, wie man von den individuellen Schreiberfahrungen zu Verallgemeinerungen kommen kann und es wurde bei der Diskussion auch betont, daß jeder Schreibprozeß etwas Individuelles ist, es also Tausende, wenn nicht sogar schon Millionen Schreibprozeße gibt. Serafettin Yildiz, der im Publikum saß, hielt auch ein diesbezügliches Zusatzreferat, in dem er voller Euphorie von seinen Schreibprozessen berichtete, wo er mit dem Kind Text mißmutig schwanger bzw. spazieren geht und nachdem der Einfall bzw. die Geburt gelungen ist, voller Schwung durch die U-Bahn tänzelt, bzw. begeistert in der Nacht nach Hause schwebt.
Es ist aber interessant sich damit zu beschäftigen und dann kommen noch, darüber wurde nicht gesprochen, die literarischen Blogs dazu, die dem Staunenden ebenfalls interessante Einblicke in die literarischen Schaffungsprozesse geben können.
Beim Gläschen Wein, habe ich Christa Nebenführ gesehen, die auch viele Schreibkurse gibt und bekannter Weise ihre Schwierigkeiten mit mir hat, so daß ich ihr erzählen konnte, daß ich mein Mail Anfang September zurückbekommen habe und am Büchertisch gabs schon das Programm zur Buch Wien und Lesefestwoche und da wieder eine Enttäuschung, weil die Eröffnung diesmal nur mit Einladung zugängig ist. Ich habe am Montag ja bezüglich Gratiseintritt hingemailt, wenn ich eine Antwort bekomme, kann ich noch wegen Eröffnungseinladungen anfragen, wenn nicht, das Ganze von Außen beobachten, was auch interessant sein kann, habe ich ja ohnehin vor, mich im November intensiv dem Nanowrimo-Schreibprozeß zu widmen. Und da bin ich schon bei meiner Erfahrung mit einer Amazon Bestellung, die bei mir wieder sehr patschert abzulaufen scheint. Habe ich ja von der schreibwerkstatt.de einen Gutschein bekommen und mich für Claudia Rossbachers „Drehschluß“ entschieden, das zum Bestellungszeitpunkt noch nicht erschienen war. Also warten, als sich das verzögerte, brachte mich Jacqueline Vellguth auf die Idee, das Nanowrimobuch „No plot no problem“ zu bestellen, das auch nur 10. 50 kosten und diese Woche geliefert werden sollte, leider schrieb Amazon wieder „Verzögert sich!“ und als ich nachschaute, bekam ich heraus, daß hier das Buch plötzlich neu um 33, gebraucht um 22 Euro angeboten wird, also wieder umbestellen. Claudia Rossbacher ging nicht mehr, hat Alfred das Buch ja schon gekauft, nachdem sich die Autorin einschaltete und mitteilte, daß das Buch schon lang erhältlich und eine gute Wahl ist, so daß ich mich für einen anderen Wien live Krimi entschied, der schon erschienen und hoffentlich nicht vergriffen ist, so daß er wirklich nächste Woche kommt. Jetzt weiß ich, warum ich nicht bei Amazon bestelle, aber ich habe ja öfter Pech.

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