Literaturgefluester

2009-10-04

Sechzig Jahre Jeunesse und Übersetzerfest

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:07

Am Wochenende haben wir endlich auf den Hochschwab gehen wollen, deshalb habe ich am Freitag lange meinen Text korrigiert, das Buch besprochen und bin am Samstag sehr früh aufgestanden, Cornelia Travniceks „Fütter mich“ in den Rucksack gepackt, um loszufahren. Nur leider ist das Auto nicht angesprungen.
So habe ich mich auf meinen Besuch in der Augustin Schreibwerkstatt vorbereitet und die Einladungen für mein Geburtstagsfest ausgedruckt und in Kuverts gesteckt.
Im Radio gaben sie ständig durch, daß im Museumsquartier „Sechzig Jahre Jeunesse“ mit halbstündigen live Konzerten und einer großen Party gefeiert werden würde und dann war noch das Hieronymusfest der Übersetzergemeinschaft im Literaturhaus.
So bin am Nachmittag ins Museumsquartier gegangen und dort war es toll. Im Hof eine Bühne und ein Programm, bei dem es mir ähnlich, wie Frau Heidegger bei der Poet Night gegangen ist. Lauter tolle Gruppen in einem halbstündigen Rhythmus und ich habe nichts davon gekannt, da die Musik bei mir nur sekundär läuft. Ich höre zwar viel Ö1, aber da höre ich oft nicht hin und bei Konzerten denke ich mir oft meine eigenen Szenen aus und das habe ich auch am Nachmittag getan, denn ich habe schon wieder Pläne für das Nächste.
Es war aber trotzdem eine tolle Lernerfahrung. Zuerst gabs die Jazzwerkstatt, dann kam eine tolle slowenische Sängerin, ein Vokalquartet, dann spielte Johannes Maria Bogner „Bach“ auf dem Clavicord, nach dem Quadriga Consort bin ich gegangen. Nach jeder Aufführung riefen die Auftretenden „Alles Gute zum Geburtstag, Jeunesse!“, was mich an die Blog-Geburtstage erinnert hat und das Tolle waren die vielen Kinder, die vor der Bühne spielten und gelegentlich „Jö, schau, die Mama!“, riefen.
Und Literarisch war nicht nur Maja Osojnik, die die grauslichen Gedichte eines slowenischen Dichters vom Herz aus der Brust schneiden und der ewigen Mutterliebe sang, sondern auch Helmut Rizy, der eifrig fotografierte, aber, daß sich der und Judith Gruber für die Jeunesse Konzerte interessieren, war mir schon bekannt.
Ich bin nach sieben gegangen, um nicht zu spät ins Literaturhaus zu kommen. Es war auch schon ein bißchen kalt, obwohls mir sehr gefallen hat. Im Literaturhaus habe ich mich ein bißchen fremd gefühlt, denn es war die öffentliche Abschlußveranstaltung der Übersetzergemeinschaft und die haben ein Buch präsentiert und an ihrem Selbstbild gearbeitet. Daß die literarischen Übersetzer, um ihr Image kämpfen, war mir schon von den IG-Sitzungen bekannt. Das passt zum gestrigen Eintrag, obwohl ich es von der Autorenseite sehe. Nämlich ein bißchen als Gefahr, daß der Übersetzer aus dem Text nach Lust und Laune, Geschick oder Ungeschick etwas anderes machen kann und man merkt es nicht.
Ein bißchen was darüber habe ich einmal bei einem Jelinek Symposium gehört, wo die Übersetzer erzählt haben, wie sie „Gier“ oder „Die Klavierspielerin“ auf französisch übersetzt und was daran verändert haben. Und ich bin ja auf Hindi übersetzt und habe den Übersetzer Amrit Mehta kennengelernt, der auch auf dieser Jelinek-Tagung war und inzwischen „Lust“ übersetzt und was meine „Zeitungsmeldung“ in der ersten Österreich-Anthologie auf Hindi „Videsh“ betrifft, bin ich mir inzwischen nicht mehr sicher, ob ich damit zufrieden bin und dann gibts noch das Schreckerlebnis mit dem „Eine Stadt-ein Buch“, „Laßt die Bären los“ von John Irving, das so schlecht übersetzt war, daß ich den Sinn nicht mehr verstanden habe. Das wären die Schattenseiten der Übersetzung, die Übersetzer sehen das natürlich anders und leiden darunter, daß sie unterbezahlt sind, schlechte Verträge haben und oft nicht namentlich genannt werden.
Sie haben eine neue Homepage eingerichtet und dann gibt es zwei Übersetzer, die Romane sammeln, in denen Übersetzer, die Hauptrolle spielen. Einige wurden vorgestellt und das war interessant, denn da gibt es einen offenbar noch nicht auf Deutsch erschienenen Roman eines Übersetzers, der sich von den Autoren, die Romane für seine Übersetzungen nach seinen Wünschen schreiben läßt, weil er mit den Vorlagen nicht zufrieden ist und wenn sich die Autoren seinen Wünschen widersetzen, ließ er sie beseitigen. Die omnipotenten Phantasien eines begnadeten Übersetzers und ein bißchen hat mich das an die Diskussionen erinnert, die ich von den Psychotherapeutentreffen kenne. Also die andere Seite, obwohl auch viele Autoren übersetzen und ich einige bekannte Gesichter getroffen habe, Daniela Beuren zum Beispiel. Das Buffet war reichhaltig, der Wein zu bezahlen, auch etwas, was bei den literarischen Veranstaltungen nicht üblich ist. Sonst war viel los in Wien, die lange Nacht der Museen, zum Beispiel, aber da habe ich die Berichterstattung nur im Radio gehört.

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