Literaturgefluester

2009-10-12

Das Haus am Olivenhain

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:30

Das Wochenende zweimal, trotz der Samstag beschriebenen Programmdichte, lang in der Badewanne verbracht, um in Harland und in Wien, zwei sehr unterschiedliche Bücher auszulesen.
Leselustfrust, das gerade Ilse Kilic besprach, hat mich dazu angestachelt, ein bißchen auf meine SUBs zu achten, obwohl das nicht zu schaffen ist und ich den Rest des Monats wegen Frankfurt und Ohrenschmaus, wahrscheinlich nicht mehr viel zum Lesen komme.
Aber ich habe, als ich von „Rund um die Burg“ nach Hause gegangen bin, zwei Bücher gefunden, eines war Manuela Stefanis „Das Haus am Oivenhain“ und ist wahrscheinlich das, was lillyberry als Chick-lit bezeichnet.
Das Buch ist bei der Verlagsgruppe Lübbe 2008 erschienen und wird als überzeugendes Romandebut, der Redakteurin einer italienischen Fachzeitschrift, beschrieben. Möglicherweise ist Manuela Stefani ein Pseudonym, ich weiß es nicht, lese nur gerade im Blog von Julia Kröhn, wie sie für ihre diversen Sagas und Kunstkrimis, verschiedene Pseudonyme bastelt.
Manuela Stefanis glutvolles Familiendrama spielt 1980 und beginnt damit, daß die vierzigjährige Anna Rossi, Chefsekretärin einer Förderbänderfirma zwei Monate Urlaub hat und dafür in ein Dorf nach Kalabrien fährt. Sie quartiert sich in ein Zimmer eines Olivenhofs, der Schwestern Theresa und Angela Famularo, beide zwischen fünfzig und sechzig, ein und die Geschichte beginnt. Anna Rossi, deren Leben bisher ereignislos aber gut behütet, mit einer einzigen männlichen Beziehung, in der sie eine passive Rolle spielte, verlaufen ist, geht am Strand spazieren und verliebt sich in einen, um zehn Jahren jüngeren Mann, der wie sie lange Haare hat und mit Modellschiffen spielt.
Währenddessen werden die Schwestern Famularo von ihrer Vergangenheit eingeholt. Beschrieben wird die Bruatlität der Männer in den italienischen Dörfern und die Passivität der Frauen, die sich aufs Kochen und Umsorgen beschränken und sich gegen die Gewalt nicht wehren können.
So war Teresa vor dreißig Jahren mit dem schönen Fischer Rocco verlobt, der sie vor der Hochzeit verlassen hat. Seither trägt sie schwarz, spricht wenig und schimpft nur mit der Schwester, die übergewichtig und gutmütig ist, aber vor dreißig Jahren von Rocco vergewaltigt wurde, der vorher schon Teresa geschwängert hat, als die das Kind, um nicht vor der Hochzeit in Schande zu geraten, abtreiben ließ, fällt er über Angela her, die ihn Brot und Oliven bringt, um ihr das Kind nach der Geburt zu entreißen und mit ihm, es ist der junge Mann mit den langen Haaren, nach Sizilien zu flüchten.
Dreißig Jahren später kommt er zum Sterben mit Saro zurück, weil der seine Mutter kennenlernen will. Teresa begräbt Rocco prunkvoll und schwört der Schwester Rache, dabei regt sie sich so auf, daß sie aus dem Fenster fällt. Angela bleibt allein am Hof zurück, bekocht Saro und wäscht ihm seine Wäsche, während die selbständige Anna, die in Mailand durchaus erfolgreich war und Gedichte von Neruda und Anna Achmatova zu zitieren weiß, mit Saro nach Sizilien fährt und dort in seinem ärmlichen Haus, die angebliche Haushaltshilfe Maria mit einem Kind am Arm anzutreffen.
Seit diesem Moment ist Saro, wie sein Vater, unausstehlich zu ihr. Er vergewaltigt sie am Strand, aber Anna geht zur Bank, hebt zwanzig Millionen, ihre Ersparnisse, ab, um sie ihm zu bringen, der schon längst beschloßen hat, sie um dieses Geld zu betrügen. Während er aus dem Zimmer geht, entdeckt sie das Hochzeitsbild mit der hochschwangeren Maria und sammelt ihr Geld wieder ein. Saro will es ihr zwar entreißen, aber jetzt gelingt es ihr, ihm einen Wecker an den Kopf zu schmeißen und mit dem Geld nach Mailand zurückzufahren, wo sie zehn Jahre später, im Corriere della Serra, von einem Eifersuchtsdrama in Kalabrien, liest, wo die achtundzwanzigjährige Maria, den Fischer Saro, der sie mit einer deutschen Touristin betrogen hat, der er vorher zwei Millionen Lire stahl, erstochen hat. Maria kommt ins Gefängnis, während, die beiden Kinder in die Obhut, der Großmutter Angela übergeben werden.
Man könnte es als Kitsch bezeichnen, wenn nicht die Gewalt, der Männer, die sich die Frauen einfach nehmen und die Passivität dieser, die sich das alles still gefallen lassen und trotzdem noch backen und kochen, ein beeindruckendes Sittenbild schildert, das in den kleinen kalabrieschen und sizilanischen Dörfern, vielleicht noch immer üblich ist.

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