Literaturgefluester

2009-10-30

Reinhard-Priessnitz-Preis 2009

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:43

Den Reinhard-Priessnitz-Preis hat heuer, wie ich schon erwähnte, Michael Hammerschmid bekommen und ich habe vor einem Jahr gedacht, Cornelia Travnicek wäre die Auserwählte, weil ihn ein paar Mal junge Frauen bekommen haben, Olga Flor, Gerhild Steinbuch und Angelika Reitzer fallen mir da ein.
Aber in der Jury des Reinhard-Priessnitz-Preises, benannt nach dem 1985 verstorbenenen Dichter, der heuer, wie Robert Huez in seiner Einleitung erwähnte, das sechzehnte Mal vom BUMUK vergeben wird, sitzen Gustav Ernst und Robert Schindel und das sind die grauen Eminenzen und einflußreichen Männer des österreichischen Literaturbetriebs und haben ihren speziellen Geschmack.
Wenn ich mir die Liste der bisherigen Preisträger betrachte, fällt zwar auf, daß 1997 Lotte Podgornik, die Preisträgerin war und die habe ich bei den schreibenden Frauen im Rotpunkt kennengelernt. Aber sonst sind es die jungen Talente und eher experimentell schreibenden Kolik-Autoren und Autorinnen, die damit ausgezeichnet werden und ich verfolge den Preis, der jährlich im Literaturhaus um den Nationalfeiertag vergeben wird und inzwischen mit viertausend Euro dotiert ist, seit 1998, als ihn Sabine Gruber bekommen hat.
Seither gehe ich mehr oder weniger regelmäßig hin und lerne viel über die jungen Autoren und den österreichischen Literaturbetrieb. An die Preisverleihungen von Olga Flor und Xaver Bayer kann ich mich erinnern, bei Xaver Bayer habe ich gerade „Heute könnte ein glücklicher Tag sein“, gelesen, zur „Alaskastraße“ bin ich nicht mehr gekommen, die liegt noch immer ungelesen bei mir herum, bzw. habe ich das Buch, der Anna geborgt, die Xaver Bayer eine Zeitlang gern gelesen hat.
Ann Cotton wollte sich in einer Schachtel verstecken und war wütend, daß sie lesen sollte und Thomas Ballhausen, der sehr aktiv im ehemaligen Milena-Frauenverlag tätig ist, habe ich durch die Preisverleihung kennengelernt. Angelika Reitzer kannte ich schon vorher, Michael Hammerschmied auch. 2003 habe ich ihn bei der Kolik-Präsentation im Literaturhaus, angesprochen, weil beim Literaturquiz jemand mit ähnlichen Namen aufgetreten ist, sonst habe ich nicht viel über ihn gewußt.
Als ich vor acht ins Literaturhaus kam, war es noch ziemlich leer, nur die ältere Dame, die ich manchmal in der alten Schmiede sehe, wenn Marie Therese Kerschbaumer oder Friederike Mayröcker lesen, ist gerade die Stiege hinabgegangen. Am Büchertisch sind Michael Hammerschmids literaturwissenschaftliche Arbeiten und ein paar Anthologien aufgelegen, so habe ich erfahren, daß der 1972 Geborene, Germanist und am germanistischen Institut tätig ist. Ein paar Leute fragten nach den Gedichten, ich blätterte die „Räuberische Poetik- Spuren zu Martin Walser“ durch und Gustav Ernst erwähnte, daß er Michael Hammerschmid vor vielen Jahren im Literaturhaus kennenlernte, als er eines seiner Bücher vorstellte.
Im Programmheft steht der Satz von der Genauigkeit der Sprache und etwas von bedrohten Identitäten, dann kam Peter Waterhouse, der Fried Preisträger von 2007, mit seiner Laudatio, in der er sich hauptsächlich auf die Fehler in den Gedichten bezog, diese Wort für Wort zerlegte und so einen Crashkurs in die Lyrik Michael Hammerschmieds bot.
Durch seine Vortragsweise wurden es lustige Zeilen mit Reim, die mich teilweise an Ringelnatz und Morgenstern erinnerten und mir auf diese Art sehr nahe kamen. Ich weiß zwar nicht, wie das der Preisträger empfand, öffentlich so kritisiert zu werden, für mich war es aber die spannendste Laudatio, die ich in diesen Rahmen erlebte, die mir die Sprache näherbrachte und ihre Schönheit, obwohl Peter Waterhouse fast nur von den angeblichen oder tatsächlichen Fehlern sprach.
Er kam aber auch auf eine Hausbesetzung zu sprechen, die vor ein paar Tagen stattgefunden hat und die derzeit aktuellen Uniproteste, bei denen sich auch Cornelia Travnicek intensiv beteiligt, wie man auf ihrem Blog lesen kann und sprach von dem Jurymitglied, das jetzt Professor für Sprachkunst ist und einem seiner Interviews, in dem er meinte, daß ein solches Studium, die Zeit, in der die Autoren Fehler machen, verkürzen kann.
Eine interessante Laudatio, die Lust machte, die Gedichte weiterzulesen. Beim Umtrunk gabs ein paar Blitzlichter zu beobachten, obwohl sehr wenig Leute da waren, die ich kannte, Stammpublikum habe ich nicht viel gesehen, aber einen interessanten Lyriker, der mittleren Generation, mit sehr beeindruckenden Gedichten, kennengelernt, die viel weniger experimentell sind, als ich mit meinen literarischen Vorurteilen dachte.

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