Literaturgefluester

2009-11-04

Vierter Schreibetag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:45

Wie es mir geht? Abwechslungsreich. Eigentlich hätte ich ja erst morgen nach der Mayröcker Lesung in der alten Schmiede, zu der ich hoffentlich komme, ein paar Zeilen zu meinem Schreibfortschritt anmerken wollen, aber dann ist sehr viel losgewesen. Denn Schreiben ist ja etwas Intensives. Also die letzte Eintragung vor fast zwei Tagen mit fast achttausend Worten. Da war ich sehr niedergeschlagen und habe gedacht, ich kann es nicht und jeder Kritiker, der mir das sagt, hat recht.
Mit Szene fünf und sechs habe ich mich auch sehr geplagt, habe dann ein bißchen was notiert und bin ins Bett gegangen. Am Dienstag, oh Wunder, habe ich geschrieben und geschrieben, bin bis Szene zehn und ich glaube, dreizehntausend Worten gekommen, es mit den anderen verglichen, da gibt es einen, der schon bei zwanzigtausend ist und hab gedacht, wenn ich so weiter mache, bin ich in einer Woche fertig und mich damit getröstet, daß ich ab Freitag mit meinem Geburtstagsfest, der Literatur im Herbst, der Buchmesse, den Lesefestwochenveranstaltungen und der Fortbildung an der SFU ect. nächste Woche nicht wirklich weiterkommen werde. Die Buch Wien hatte mir noch nicht geantwortet, daß ich aber am Donnerstag hingehen will, habe ich mir schon vogenommen und am Wochenende nach Harland fahren, weil der Alfred dann nach Patagonien fliegt. Gestern nur bis ca elf geschrieben, aber viele Ideen im Kopf und sehr zuversichtig, vor allem Szene zehn mit Svetlana Richters Lesung und der Uni Besetzung ist mir sehr gut vorgekommen und heute nur um sechs und sieben zwei Stunden, da bin ich dann schon fast fertig, habe ich gedacht.
Aber ganz im Gegenteil, ich habe zwar jetzt wieder einen Drucker und kann das Ganze ausdrucken und durchlesen, aber das soll man ja nicht, sondern einfach drauflosschreiben und da gibt es auch einen Planer mit einem Sprüchlein für jeden Tag, aber bei achtundzwanzig Seiten, die ich zuletzt hatte, verliere ich die Übersicht. Also habe ich am Morgen zwei Szenen geschrieben und wußte dann nicht weiter, Ideen hatte ich zwar, aber zuviel Details, um richtig anzuschließen, ich habe ja sehr viele Personen und auch sehr viele Handlungsstränge, die Motivation, die sich gestern überschlagen hat, war wieder weg, nicht wirklich zwar, aber zuviel Druck im Kopf, um weiterzuschreiben. Ich dachte, ich muß es korrigieren, um weiterzukommen, obwohl das nicht Sinn der Sache ist. Ja richtig, noch eine Abweichung von meiner üblichen Schreibroutine hab ich noch nicht erwähnt, ich schreibe ja den Erstentwurf mit der Hand und übertrage dann in den Computer. Das habe ich mir zwar schon durch das Literaturgeflüster ein bißchen abgewöhnt und tue es auch hier nicht und damit habe ich auch kein Problem. Aber bei achtundzwanzig Seiten und zig Handlungssträngen weiterzuschreiben, geht nicht, weil dann habe ich zu viele widersprüchliche Details und Sachen, die ich nicht mehr weiß. Wie alt Ayten Akmaz ist und wie ihre Freundin Beser mit dem Nachnamen heißt zum Beispiel. Wie die Handlung weitergeht, weiß ich auch noch nicht. Ich hatte zu Mittag jedenfalls 16382 Worte, dann meine Mails geholt und eines von Julia Fischer von der Buch Wien bekommen, daß sie mir Messekarten schickt. Da habe ich mich ja gestern schon beschwert, daß die mir nicht antworten, aber ich kann eigentlich ohnedies nicht hin und jetzt bekomme ich wieder für jeden Tag eine Karte und noch Einladungen zur Eröffnung, was mein Programm gehörig durcheinanderbringt und dann gibt es am Sonntag noch zwei Seminare zur Verlagssuche bzw. Eigenverlagsgründung, zu denen ich mich auch noch angemeldet habe.
Aber wie soll ich das dann machen mit dem Schreiben? Je länger ich werde, desto öfter werde ich es mir durchsehen müßen und schaffe es am Ende trotz des großen Vorsprungs nicht?
Jedenfalls habe ich mich am Nachmittag hingesetzt, alles durchgegangen und bin jetzt bei 15168 Worten. Da bin ich zwar immer noch gut im Form und über dem neunten Tag, aber ich weiß schon wieder nicht, wie es weitergeht, habe nur drei Szenen im Kopf und denke, ich kann es nicht!
Lust und Frust der Schreiberin, ich bin gespannt, ob ich mich den Rest des Monats einsperre oder mich im Buchmessentrubel verliere und am Ende, wie geplant, die fünfzigtausend Worte ohne Rücksicht auf Erfolg, also vielleicht lauter as hinschreibe, um den Beifall zu bekommen. Ich kann nur sagen, dieser Schreibprozeß ist äußerst interessant und man lernt sehr viel dabei. Sonst gibt es natürlich auch einiges zu vermelden, Cornelia Travnicek hat den Lise Meitner Preis gewonnen und Mike Markart hat mir gestern geschrieben, daß sein Roman „Calcata“ erschienen ist und ich mich um das Rezensionsexemplar kümmern kann, aber zum Lesen komme ich außer zu den Blogs, bei all dem sowieso nicht. Da liegt „Atemschaukel“ schon so lange auf dem Klo. Im Oktober habe ich nur drei Bücher weniger als „Leselustfrust“, die in einer Leseunlustphase steckt, gelesen, aber im November schaffe ich wahrscheinlich gar nichts, es ist aber trotzdem intensiv und ein hoch literarisches Gefühl.

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2 Kommentare »

  1. Keine Leseunlustphase, ich bin nur schreibfaul (eine Buch- und eine Hörbuchbesprechung warten schon wieder aufs Schreiben), dazu akute Zeitnot. Ich hab momentan einfach nicht so viel Zeit zum Lesen wie ich gern haben würde…

    Kommentar von leselustfrust — 2009-11-05 @ 13:42 | Antwort

  2. Liebe Eva,
    jetzt erst habe ich mich in Deine Buchmessenreminiszenzen vertieft und über das nanowriting. Wie schaffst du dieses Pensum? Ich habe mich in der Zwischenzeit nur mit der Lesung im Salzburger Literaturhaus beschäftigen müssen – Du weißt vielleicht – diese Gedenklesung über Johann Barth. Ruth Aspöck war ja auch Vortragende. Sie hat ganz ehrlich den Barth Revue passieren lassen, wohingegen sich Christine Haidegger wieder als dessen Förderin inszenierte, – Johann würde sich im Grab umdrehen! Ansonsten korrigiere ich immer noch an meiner „Flaschenpost an Josy“ herum – ich bin so oft dran, das
    Handtuch zu werfen – bereits fertig als Buch ändere ich nun wieder das letzte Kapitel um. Aber es ist so, ich hab immer die Philosophie im Hinterkopf und die gesamte Menschheitsgeschichte bei jedem Thema das ich bearbeite und das soll dann in 5 Seiten Platz haben – Scheitern ist vorprogrammiert.
    Dann frage ich immer Leute, was sie davon halten – und was soll einer denn von Büchern halten, der sich mit seinen Freundinnen nach Abbano verzieht und das als intelligenter hält, als sich ständig am PC Bandscheiben und Blutdruck zu ruinieren.
    Jedenfalls habe ich auch mal nachgezählt wieviel Wörter in meinem Buch so stecken – beide Wasserbücher zusammen sind es an die 80.000. So kann ich ermessen, was du – und das alles so nebenbei geleistet hast. Ich wünsche Dir, dass aus dem Nanobuch eine schöne Zusammenfassung wird – mich faszinieren ja schon die Berichte im Blog. Jedenfalls wünsche ich Dir eine schöne Adventzeit – ich werde heuer vielleicht Weihnachten in Wien verbringen – es wäre das erste Mal in meinem Leben. Also weiter so – was alle rundherum so anmerken soll einen nicht stören. Liebe Grüße Margot

    Kommentar von Margot Koller — 2009-12-01 @ 17:03 | Antwort


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