Literaturgefluester

2009-11-20

Lise Meitner Preis

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:27

Heute wurde der siebente Lise Meitner Literaturpreis im Festsaal der TU Wien an Cornelia Travnicek und Barbara Wimmer verliehen.
Ich war dort und habe mir bei einer sehr schlechten Akustik von widerhallenden Mikrofonen und knarrenden Parkettböden über den sich vielleicht langweilende Kinder liefen, die Auszüge aus den Siegertexten „Mein Schnittlauch ist ein Sumpfgewächs“ und „Nicht-Gatter“ angehört.
Cornelia Travnicek hat auf ihrem Blog sehr genau über diesen Preis berichtet, zuerst, daß sie einen gewonnen hat, dann ein bißchen später welchen und vor ein paar Tagen konnte man sich den Mitschnitt der Radio Orange Sendung anhören, bei der die Preisträgerinnen mit Helga Gartner der Organisatorin und Mitglied des TU-Frauenreferates, über die Entstehung des Preises und über die Beziehung von Frauen und Technik plauderten.
Würde ich nicht den Blog von Cornelia Travnicek regelmäßig lesen, würde ich nichts von dieser Preisverleihung wissen, dabei ist er ein sehr wichtiger Preis für mich, denn ich habe mindestens zweimal mitgemacht.
Entstanden ist er 1994 anläßlich des zehnjährigen Bestehens des TU-Frauenreferates und wird jedes zweites Jahr vergeben. Zuerst waren El Awadalla und Helga Gartner in dem Frauenreferat bzw. Jury und ich habe 1999 durch El Awadalla davon erfahren und den Text „Viermal Lisa oder MMT“ dafür geschrieben.
Da bin ich im Winter durch die TU gegangen und habe Studien dafür gemacht, denn das Thema Technik ist ja nicht gerade etwas, wo ich mich sehr auskenne oder doch natürlich, denn den Siemens Literaturpreis hat es schon ein paar Jahre vorher gegeben.
Es gibt ihn nicht mehr, aber ich habe ein paar Texte dafür geschrieben, die sich mit Technik befassen und auch bei einer Preisverleihung einen Eröffnungsredner sagen hören, wie toll er es findet, daß sich die Autoren Jahr für Jahr wegen Siemens mit dem Thema Technik befassen.
Ich habe es getan, nie etwas gewonnen, weder beim Meitner Preis, bei dem ich, glaube ich, zweimal eingereicht habe, 1999 und 2003 noch einmal mit dem Text „Voller Stolz oder Präzisionsarbeit“, wo es um eine Uhrmacherin und ein Klonkind geht.
Vier oder fünf Techniktexte sind auf diese Art und Weise entstanden, von denen einige im „Best of 2 – Eva Jancak Lesebuch“, 2005 von mir herausgegegeben wurden.
„Viermal Lisa“ ist in der ersten Lise Meitner Anthologie „Female Science Faction“ enthalten und der erste Text, den ich für Siemens geschrieben habe, in dem ich mich gegen Handies engagiere, ist in den „Donaugeschichten II“ der Ruth Aspöck enthalten.
Ich habe mich also eine Zeitlang regelmäßig mit dem Thema Technik auseinandergesetzt, den Siemens Literaturpreis gibt es nicht mehr und auch der Lise Meitner Preis ist mir entgangen, da ich mich seit einigen Jahren kaum mehr an Ausschreibungen beteilige, die Autorensolidarität nicht mehr danach absuche und auch von den Veranstaltern nicht angeschrieben wurde.
Die beiden Einreichungen, wo ich mich beteiligt habe, waren aber wichtig, 1999 hat Silke Rosenbüchler den Preis gewonnen, 1997 Doris Nussbaumer, die später auch in der Jury war, 1995 Marianne Sula, die ich von der GAV kenne, ich habe damals den Veranstaltern die Herausgabe einer Anthologie vorgeschlagen. Es gab dann eine, die 2001, bei Promedia erschienen ist und „Viermal Lisa“, in dem es um eine Maturantin geht, die Technik studiert und eigentlich nicht weiß, ob sie das will, ist für mich ein wichtiger Text, in dem ich mich mit der Biografie Lise Meitners und den Nobelpreis, den sie nicht gewonnen hat, auseinandersetze.
2003 habe ich einen Text über späte Mütter und Klonkinder, die es damals angeblich gegeben hat, geschrieben und kann mich noch gut an die Preisverleihung erinnern. Monika Vasik hat den Preis gewonnen, ich bin neben Ruth Aspöck gesessen, die sich auch beteiligt hat, es gab ein ziemlich originelles Buffet, es war Sommer und wir sind anschließend auf den Rathausplatz zum Filmfestival gegangen, wo wir die Anna und den Alfred trafen.
Seither habe ich fast nichts mehr von dem Preis gehört, es hat aber noch zwei gegeben, einen hat Marlen Schachinger gewonnen und die hat mir auch gemailt, daß es eine neue Anthologie gibt und mich zur Präsentation eingeladen und jetzt hat Cornelia Travnicek den halben Preis gewonnen und bei der Radio Orange Sendung locker über Frauen und Technik geplaudert.
Die andere Preisträgerin habe ich nicht gekannt und war, als ich heute hingegangen bin, auch erstaunt, niemanden bekannten außer Cornelia Travnicek zu treffen.
Mieze Medusa hat auch einmal mitgemacht und Cornelia Travnicek auf den Preis aufmerksam gemacht. 38 Frauen haben sich beteiligt. Helga Gartner sagte mir später, es wären viele deutsche Frauen gewesen und es war interessant, die Verjüngung der Preisträgerinnen und ihren Zugang zu dem Thema Technik zu erleben.
Interessant auch, daß in einem Hörsaal der Hochschule für Technik die Mikrofone nicht gut funktionieren und daß mir die Namen der Jurymitgliederinnen nichts sagten.
Eine Physikerin, Mag. Dr. Stadler hat die Festrede gehalten und sich dabei auf Lise Meitners Lebenslauf bezogen. Dann gabs wieder ein Buffet und die beiden Bücher als Ansichtsexemplare zu beschauen. Einen Stammbesucher, den mit dem Kapperl und der bunten Brille habe ich dann doch gesehen, mich zuerst mit Cornelia Travnicek und Helga Gartner unterhalten und später lang mit Helga Stadler und Christine Brauner, dem Jurymitlied, die Mitarbeiterin beim Institut für Schreibpädagogik ist, geplaudert, die auch meine Bücher kauften und bin ein bißchen verwirrt über die Veränderungen, die der Lise Meitner Literaturpreis seit seiner Entstehung erfahren hat. Schade, daß sich offenbar nicht viele mir bekannte Autorinnen beteiligt haben und, daß ich, wenn es Cornelia Travniceks Blog nicht gäbe, nichts darüber wüßte.
Interessant ist auch die Hierarchie der Literaturpreise, von welchen man etwas hört und von welchen nicht.
Bei www.buecher.at, der Seite des Hauptverbandes des österreichischen Buchhandels, kann man sich über die größeren informieren und so weiß ich auch, daß Clemens J. Setz den Bremer Literaturpreis gewonnen hat, der zehnmal so hoch dotiert ist. Unterstützt wird der Lise Meitner Preis aber trotzdem vom bmuk und ich denke auch, daß er sehr wichtig ist und freue mich schon auf die nächste Anthologie, die es zum neunten Preis wieder geben soll.
Bis dahin kann man, weil ja die Technik fortgeschritten ist, die Texte übers Internet lesen, am besten über frautravnicek.wordpress.com, was für mich auch notwendig ist, weil ich den Text von Barbara Wimmer kaum verstanden habe.

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3 Kommentare »

  1. Ich finde es wäre wirklich angebracht, mehr über die Literaturpreise zu berichten – aber auch zB. der Standard schweigt sich meistens aus. Da muss die Literatur noch viel mehr auf sich aufmerksam machen!!!

    Schreiben ist cool!

    🙂

    Kommentar von texteundtee — 2009-11-21 @ 09:26 | Antwort

  2. Ja genau, das ist es, was ich noch anfügen wollte, daß die Literaturberichterstattung in den Zeitungen, wie leider auch im Standard sehr unvollständig ist, da sind die literarischen Blogs wirklich eine Alternative.
    Ich verstehe es jedenfalls als eine Aufgabe des Literaturgeflüsters auf das hinzuweisen, was ich weiß, Christiane Zintzen tut es auf der eher experimentellen Linie in ihrem in/ad/ae/qu/at und wenn es texteundtee auch noch tut, sind wir schon eine nicht so kleine Intitiative, wo man erfahren kann, was im Wiener Literaturbetrieb sonst noch geschieht.

    Kommentar von Eva Jancak — 2009-11-21 @ 10:05 | Antwort

  3. […] als die Hälfte meines Textes vorgelesen. Eva Jancak war auch zu Besuch und hat einen sehr langen Blogeintrag darüber geschrieben. Auch eine Freundin von unserer Informatik-Fakultät war da um ein paar Fotos […]

    Pingback von Preisverleihung Lise Meitner Literaturpreis « FrauTravnicek in Wien — 2009-11-23 @ 20:49 | Antwort


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