Literaturgefluester

2009-11-27

Vierzig Jahre Wespennest, Preis-und Leseankündigung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:54

Die Aufregung und die Anfragen auf die Radiosendung lassen allmählich nach, dafür hat mich heute das nächste literarische Ereignis beschäftigt und das ist der Ohrenschmaus – Literaturpreis für Menschen mit intellekuteller bzw. Lernbehinderung, der am ersten Dezember um neunzehn Uhr im Museumsquartier vergeben wird.
Ich halte die Laudatio für den Prosapreis und habe da zwar kein IPhone, wie Cornelia Travnicek auf dem Grafenegger Advent zu vergeben, verlese aber eine schöne Laudatio auf einen schönen Text und Sarah Lutschaunig, die Verfasserin von „Nachrichten im Fernsehen“ ist genau zehn Tage jünger als die Anna, was ja ein besonderer Bezugspunkt ist. Es gibt einen Trommelwirbel, eine schöne CD und eine Zotter Schokolade mit dem Gedicht des Lyrik-Preisträgers.
Für alle, die es sich vormerken wollen, weil es sie interessiert, was und wie Menschen, die zum Beispiel ein Down-Syndrom haben, schreiben, am Dienstag, den 1. Dezember, um 19 Uhr in der Oval Halle des Museumsquartier in Wien und am Abend bin ich in die alte Schmiede zu vierzig Jahre Wespennest gegangen, denn das ist ja eine Zeitschrift, zu der ich meine biografischen Bezugspunkte habe.
Im September 1969 wurde von Peter Henisch und Helmut Zenker ein hektographiertes Heft mit einem Packpapierumschlag als erste Zeitschrift für brauchbare Texte zur Abgrenzung der elitären „Manuskripte“ und den eher biederen „Protokollen“, die damals in der östereichischen Literaturzeitschriftenlandschaft existierten, herausgebracht.
Später sind Gustav Ernst, Franz Schuh und Josef Haslinger dazugestoßen und ich habe vor einiger Zeit Gustav Ernst in der alten Schmiede sagen hören, daß sich die damals jungen Autoren mit dieser Literaturzeitschrift Raum und Gehör verschaffen und die Produktionsmittel in die Hand nehmen wollten, um sich gegen das elitär Vorhandene, wie zum Beispiel den Pen mit den faschistischen alten Männern abzugrenzen.
Es war eine realistische proletarische Zeitschrift, die mit ihren Texten die arbeitende Klasse erreichen wollten. Ob die sie gelesen haben, ist zu bezweiflen.
Ich bin durch meine damalige Freundin Elfi, als ich noch in der Otto Bauergasse wohnte, auf ein Heft gestoßen, in dem Auszüge aus Jura Soyfers „So starb eine Partei“ enthalten waren.
Kurt Neumann hat in seiner Einleitung auf die enge Verbindung der Wespennest Redakteure mit der etwas jüngeren alten Schmiede hingewiesen.
Peter Henisch hat in seinem Roman „Der Mai ist vorbei“ darüber geschrieben. Helmut Zenker ist inzwischen gestorben und hat mich sehr beeindruckt, weil ich ihn, als ich in dieser Zeit mit meiner im Mai verstorbenen Freundin Monika Jensen in Salzburg war und mit ihr nach Wien zurück Auto stoppte, in dem Mann, der uns mitgenommen hat und uns von den Literaturveranstaltungen, die er in Salzburg besuchte, erzählte, den für mich berühmten Dichter erkannte.
Wow, war das ein Erlebnis für die schreibende schüchterne junge Frau, die, glaube ich, noch Psychologie studierte.
In den Siebziger und Achtzigerjahren war das Wespennest die Zeitschrift, der ich, sicherlich sehr patschert meine ersten Texte schickte und als ich zu den schreibenden Frauen gekommen bin, hatte Christa Stippinger gerade mit ihrem „Kress“ den Max von der Grün Preis der oberösterreichischen Arbeiterkammer gewonnen, der Text war in einem der frühen Wespenneste abgedruckt.
Als ich 1987 in die GAV aufgenommen wurde, hat Josef Haslinger, die U-Bahngeschichten darin gebracht und mir noch von einem anderen Text erzählt, für den er gewesen wäre, aber in der Redaktionskonferenz überstimmt worden war.
1995 hat Walter Famler das Wespennest übernommen und Gustav Ernst ist in die „Kolik“ abgewandert. Peter Henisch hat auch irgendwann aufgehört, Franz Schuh ist, glaube ich, noch Mitarbeiter des Wespennests.
Er saß jedenfalls am Podium und hielt das Eröffnungsreferat.
Zur Dreißgjahrfeier gab es ein großes Fest im Semperdepot, das im alte Schmiede-Programm angekündigt war, die Elfriede Gerstl hat mich mitgenommen, dort habe ich dann kapiert, welch große Rolle die Alexandra Millner damals im Literaturbetrieb spielte, die Elfriede Gerstl hat mich dem Frederic Morton vorgestellt, es gab ein tolles Buffet und viele alte Wespenneste zur freien Entnahme, ich habe mir das mit den U-Bahngeschichten herausgezogen und entweder der Millner, dem Morton oder der Gerstl geschenkt.
Jetzt gibt es das Wespennest im Hochglanzformat, essayistische Zeitschrift nannte es Franz Schuh in seinem Referat, das immer ein bestimmtes Thema, sowie Gedichte hat, aber viel weniger Texte von realistischen Wiener Gegenwartsautoren, wie Thomas Northoff, Elfriede Haslehner, Christa Stippinger, Gustav Ernst, Eva Jancak etc.
Walter Famler, der vor zehn Jahren auch eine Connection mit dem Rettberg Libro hatte, ist jetzt Generalsekretär der alten Schmiede, macht nicht mehr die Literatur im März, sondern nur mehr die im Herbst, die Redakteure heißen Ilya Trojanow und Jan Koneffke und die alte Schmiede war sehr voll.
Thomas Northoff wurde von Walter Famler begrüßt und auf einen reservierten Platz gelotst, Peter Henisch hatte einen Ehrenplatz und Friedrich Achleiter ein Portrait in der Vierzigjahrnummer, in der acht Achtzigjährige ihr Leben erzählen.
Gustav Ernst war nicht da, aber Evelyn Polt-Heinzl, Herbert J. Wimmer und der Kulturstadtrat, der allerdings nicht eröffnet hat. Nachher gab es eine Ausstellung mit Polaroidfotos von Christoph Wilhelm Aigner und ein Buffet mit Brötchen und Wein.
Eine der Stammbesucherinnen hat sich beklagt, daß sie nichts Neues erfahren hat und ihr die Bilder nicht gefallen. Ich fands interessant. Es ist ein Stück meiner Vergangenheit und das Plagiat, das ich einmal im Augustin entdeckte, war auch der bewußte Christa Stippinger Text. Robert Sommer vom Augustin war da und die Dame, die mich durch die anarchistischen Buchhandlungen führte. Robert Sommer hat mir zwei Nummern seiner Literaturzeitschrift 101 gegeben, die viermal im Jahr in 101 Exemplaren erscheint und das Wespennest ist vierzig Jahre viermal im Jahr erschienen, die nächsten zwanzig Jahre erscheint es nur zweimal, wie Walter Famler Kristina Pfoser erzählte, die ihn für das gestrige Morgenjournal interviewte.
Und die dritte Präsentation der neuen Volksstimmeanthologie „Wir retten das System“, bei der ich mit Elfriede Haslehner, Lale Rodgarkia-Dara und Philip Hautmann lesen werde, wird am Donnerstag den 14. 1. 2010, um 19.30 im read!!!ing room in der Anzengrubergasse 19/1, 1050 Wien sein.
Vormerken, denn der erste, der mich dort auf das Literaturgeflüster anspricht, bekommt die Anthologie.

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1 Kommentar »

  1. bin schon gespannt wie du die herzzeit kommentieren wirst. ich hab die 9teilige radiosendung gehört, wo briefe vorgelesen wurden mit erläuternden zwischenkommentaren. muss eine mühsame gschicht gwesen sein zwischen dem celan und der bachmann, sie ih anhimmelnd,er sie anjammernd und immer hatte ich das gefühl, dass es ein eiertanz ist, mit dem celan. also mal sehen, wie eine frau das ganze sieht.

    Kommentar von Otto Lambauer — 2009-11-27 @ 16:59 | Antwort


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