Literaturgefluester

2009-12-09

Vaterspiel und Schreibreflexion

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:25

Mit der Anna und einer ihrer Freundinnen war ich am Feiertag in Michael Glawoggers Verfilmung von Josef Haslingers „Vaterspiel“, das ja am 26. November Premiere hatte. Ich habe das Buch im Jahr 2000 gelesen, der Alfred hat es mir bei einer Lesung im Thalia gekauft, es hat eine Widmung „Mit besten Wünschen für die weitere Arbeit“, ich glaube, Alfred hat Josef Haslinger die „Wiener Verhältnisse“ gegeben, mein erstes Digitalbuch, das gerade fertig war.
Gelesen habe ich das Buch während meiner Fahrten ins SMZ-Ost zur Supervision, da war gleichzeitig die US-Wahl, wo es mit der Auszählung Schwierigkeiten gegeben hat und plötzlich der Falsche gewonnen hat. Sonst habe ich ziemlich viel vergessen, den Film auf jeden Fall surrealer empfunden, die Anna hat gemeint, es hat sehr viel gefehlt, was man in einer Verfilmung eines so dicken Buches auch nicht gut darstellen kann. Mir sind die Vater Sohn Konfliktstellen blasser vorgekommen und habe eigentlich nicht verstanden, warum der Sohn den Vater so haßt, weil er Minister und ein Arschloch ist? Wahrscheinlich hassen alle Söhne ihre Väter und das hat dann nichts mehr mit der NS Vergangenheit zu tun und ist auch traurig.
Josef Haslinger ist ein realistischer Schreiber und da hatte ich bei den Rezensionen, die ich damals gelesen habe, öfter das Gefühl, daß das nicht anerkannt wird und noch eine Erinnerung habe ich, daß mir beim Lesen aufgefallen ist, daß es mit einer Perspektive irgendwie nicht gestimmt hat, mehr kann ich nicht sagen, dazu müßte ich das Buch wiederlesen, aber dazu fehlt einer die Zeit, weil selber schreiben will und das habe ich in den letzten Tagen auch intensiv getan.
Eigentlich bin ich derzeit in der Korrigierphase, die bei mir einen sehr wichtigen Stellenwert einnimmt. Mit der „Sophie Hungers“ bin ich am Sonntag fertiggeworden, die liegt jetzt auf Alfreds Schreibtisch und wartet, daß er wiederkommt und dann gibts noch die kleine Zwischenarbeit, weil mich die Susanne Schneider eingeladen hat, beim Katzenfasching des Lesetheaters mitzumachen.
Die wollen zwar nicht so gern eigene Texte, ich habe mich aber einmal entschlossen, weil ich ja berufstätig bin, keine fremden Texte zu lesen. Außerdem habe ich auch keine Schauspielausbildung. Da reicht es zu Lesungen zu gehen und zuzuhören. Also einen Text dafür schreiben. Das mache ich jetzt ohnehin nur selten, seit ich mich kaum mehr an Ausschreibungen beteilige. Die Idee, da ich keine besondere Katzenliebhaberin bin, etwas Satirisches zu machen, ist mir bald gekommen, dann kam noch der Uni Streik und so habe ich am Montag, statt wie geplant, bei dem KriSu-Literatur-Aktionstag aus der „Sophie Hungers“ zu lesen „Die Schmerzansichten der Kätzin Murana“ geschrieben. Das würde für eine Uni-Protestlesung auch gut passen. Jetzt ist der Text fertig und ich kann mit dem Korrigieren meines Nanowrimo-Novels weitermachen.
Wenn schon ein kleiner Jahresrückblick erlaubt ist, ich war 2009 literarisch enorm fleißig.
Ist da in den ersten zwei Monaten ja „Das Haus“ entstanden, dann die „Sophie Hungers“ und gleich anschließend, die Rohfassung der gar nicht so kurzen Novelle über achtzig Seiten, also wahrscheinlich doch ein Roman.
Pläne für das Jahr 2010 habe ich dagegen nicht. Da ist noch alles offen und ich denke auch, daß es eine gute Idee ist, ein Monat wirklich nur auf Spurensuche zu gehen und mir etwas ganz anderes, noch nie Geschriebenes vorzunehmen, um mich auf diese Art und Weise weiterzuentwickeln.
Anni Bürkl stellte auf ihren Blog wieder einmal die Frage, soll man nur das schreiben, was man will oder sich dem Markt anpassen?
Das habe ich ja nie getan, deshalb vielleicht auch meine Erfolglosigkeit. Aber das Hinaussehen über den Tellerrand wäre schon eine gute Idee. Denn durch das Blogschreiben bin ich sehr selbstbewußt geworden und habe viel gelernt. Mal sehen, noch bin ich nicht so weit, denn noch befindet sich die „Heimsuchung“ in einem ziemlichen Rohzustand.
Ansonsten habe ich am Dienstag ein bißchen herumgegooglet, zum Beispiel über die Ohrenschmaus-Berichterstattung, die ja sehr ausführlich ist, da gibt es eigene Blogs, die darüber schreiben und ich bin auch auf eine Autorin namens Michaela König, eine zweiunddreißigjährige mit Down-Syndrom gestoßen, die literarisch sehr aktiv ist.
Otto Lambauer hat mir schon über sie erzählt, ich habe sie bei der Preisverleihung kennengelernt und sie hat in Ottos Zelt bei „Rund um die Burg“ gelesen. Sie hat schon einige Bücher und publiziert in der Zeitschrift „Ohrenkuß“, schreibt über ihr Alltagsleben, das Essen, das Abnehmen, setzt sich aber auch mit ihrer Behinderung auseinander, beziehungsweise wünscht sie sich mehr Normalität, weil ein Chromosom mehr oder weniger nicht so wichtig ist, wie man meinen könnte. Eine Rezension über „Traust du mir das zu“ habe ich gelesen und die ist interessant, da wird zuerst von dem Down-Syndrom berichtet und dann steht, daß die Autorin eine sehr einfache kindliche Sprache hat und das Buch daher nicht literarisch ist. Da habe ich mir gedacht, manche Rezensenten lernen auch nichts dazu.

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2 Kommentare »

  1. also, nicht alle Söhne hassen ihre Väter bitte sehr!

    und dann zum Schreiben noch ein Hinweis: im neuen Kolik setzt sich der Peter Landerl mit dem Schreiben heute auseinander „Im Supermarkt“ heißt der Artikel und er stellt da die These auf, dass heute kaum mehr interessante Gegenwartsliteratur entstehe, sich die Roman gleichen, das mit dem kapitalistisch organisierten Literaturmarkt zu tun hätte („Supermarktautoren produzieren Supermarktliteratur“), der Roman alle anderen Genren dominiere, das leben wollen vom Schreiben zu einer Vereinheitlichung der Stile führe, dieses Schreiben übers Schreiben öde sei und schließlich ein auch für mich wichtiger Satz: „…eine Schreibnotwendigkeit muss schon da sein. Nicht um des Schreibens willen. Eine, die aus dem Leben kommt. Eine, die es ehrlich meint.“ Tja, da hab ich dann an dich gedacht, weil ich meine, dass dein Schreiben aus dem Leben kommt und ehrlich gemeint ist, und weils da her passt zu deinem Beitrag hat es sich gut ergeben, das jetzt herzuschreiben.

    Kommentar von ofips — 2009-12-09 @ 08:46 | Antwort

  2. Erfreulicherweise, lieber Otto, da ich an diesem Wochenende aber Judith Gruber-Rizy und Thomas Klupp gelesen habe und es auch noch oft genug in meinen Stunden höre…
    Dann kam noch das Vaterabschießen und ich dachte, zum Glück habe ich meine Vater-Mutter-Traumatisierungen recht gut überwunden und wünsche das auch den anderen sehr und sonst danke für den Tip, da sollte ich wohl wieder Gustav Ernst um das neue Kolik anschnorren, dann könnte ich ihm gleich von deinen Beobachtungen berichten…
    Ich glaube ja allmählich ich wäre gern für die österreichische Gegenwartsliteratur im weiblichen Sinn soetwas, was Gustav Ernst schon ist, nur habe ich dazu leider viel zu wenig Charisma.
    P.S. Über Literatur und Markt stellt gerade Anni Bürkl interessante Fragen und ganz passen Peter Landerls Betrachtungen im positiven Sinn doch nicht auf mich, denn ich schreibe ja über das Schreiben viel und gern.

    Kommentar von Eva Jancak — 2009-12-09 @ 10:38 | Antwort


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