Literaturgefluester

2010-01-18

Geschichten aus dem Kürnbergwald

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Der Debutroman „geschichten aus dem kürnbergwald, gekürzt“, des 1985 in Linz geborenen Christoph Eric Hack, zeichnet laut der Enzyklopädie PlusPedia, eine böswillige Satire der Jugend im frühen einundzwanzigsten Jahrhundert. Hacks immer wiederkehrende Motive sind sexuelle Ausschweifungen, Gewaltexzesse und soziale Verrohung, was laut Hack, die drei Säulen der Gesellschaft sind.
Das macht neugierig und so habe ich dieses Buch aus dem Resistenz Weihnachtspackerl als erstes gelesen. Es sind zwei Geschichten, die erste heißt „Die Besuche des alten Doktors“, die zweite „Im Namen des Vaters“.
Gekürzt habe ich irgendwo gelesen, hat der Verleger das umfassendere Werk. Vorher gibt es noch in einem Prolog Begriffserklärungen aus denen man erfährt, daß der „Kürnberger Wald“ ein Naherholungsgebiet westlich von Linz ist und Leonding, in dem die Geschichten spielen, eine Stadt im oberösterreichischen Zentralraum. Dann gibts noch Erklärungen zu Orgie, Swinger ect und verschiedene Hinweise, das Leondinger Menschen, wie alle anderen sind, man das Buch nicht essen soll und es für Kinder nicht geeignet ist…
Dann geht es los mit der Geschichte von der Hausfrau mit den drei Töchtern Jessica, Marie und Nicole, die sich ihre hundert bis hundertfünfzig Euro am Tag durch Herrenbesuche verdient und das Spermahandtuch extra wäscht. Zu der kommt der alte Gynäkologe mit dem vielen Geld, der fett und einsam ist und macht mit ihr und ihren Töchtern einen Deal. Er will sie zuerst für Geld untersuchen, später verspricht er dem Mädchen eine Menge Geld, das am längsten Jungfrau bleibt, dann wird die Mutter ermordet, der Doktor adoptiert die Töchter als Enkelkinder, sie vertreiben sich ihre Zeit mit den oben zitierten Gewaltexzessen und beschließen den Doktor tot zu vögeln, um sein Geld zu erben, nur leider hat er dieses in Fünfhunderterscheinen von der Bank behoben und einem gewissen Kevin geschenkt, den er vorher mit der Mutter ficken ließ.
Erzählt wird das offenbar von Martin H., der im zweiten Teil, im Monat Dezember an seinen Vater Briefe schreibt. Täglich einen und man erfährt viel dabei, nämlich, daß Martin, der in Leonding nach einigen Ansätzen maturierte, nach Graz studieren geht, es dort nur ein paar Wochen aushält, so daß er nach Leonding zurück und in die Wohnung der schönen Vanessa kehrt, mit der Gruppensex betreibt und Swingerclubs besucht. Den Vater scheint er nie gekannt zu haben, mit der Mutter gibt es die üblichen Ablösungsschwierigkeiten oder mehr. Denn die Mutter erfährt man in den Briefen ist eine Hexe, vor der er den Vater retten muß, so daß er sie in der Weihnachtsnacht, als sie ihn verführen will, mit einem Messer überfällt, ihr den Kopf abschneidet und ihn in Vanessas Wohnung trägt. Später erfährt man noch, daß auch der Vater schon gestorben ist und sich sein Kopf eingemauert in der neuen Garage des Nachbarn Hildebrandt befindet.
Martin H. zieht sich mit seinem Laptop in den Kürnbergwald zurück, schreibt dem Vater noch, daß er auch die Geschichte von dem alten Doktor erfunden hat und hängt sich, wie man im Anhang erfährt, an einem Baum auf. Vanessa gebärt im September darauf ein Kind, der Junkie Kevin ist schon im März eine Stiege hinuntergefallen und im Dezember des nächsten Jahres trifft ein Komet die Erde, schlägt am Leondinger Hauptplatz ein und den Bürgermeister auf den Kopf, was, wie wir schon vom Prolog wissen, wie alles andere natürlich frei erfunden ist.
Das gekürzte Buch enthält viele Satz- und Rechtschreibfehler, ist also nicht sehr gut lektoriert und trotzdem irgendwie interessant, wenn man über die vielen Gewalt- und Vögelszenen hinwegliest, denn die Nöte einer Jugend, die in einer Sozialsiedlung aufwächst, ist trotz aller Übertreibung nicht so schlecht beschrieben und die Geschichte von dem jungen Mann, der seiner Mutter in einer Psychose den Kopf abgeschnitten hat, hat es auch gegeben. Daß alte Ärzte trotz ihrem vielen Geld am Ende ihres Lebens einsam sind, kann ich mir vorstellen und auch, daß Hausfrauen sich ihr Geld durch Sex verdienen, gesoffen und gedealt wird auch und Gewaltorgien kommen leider ebenfalls immer wieder vor…
So weiß ich nicht recht, was ich zu dem Buch sagen soll. Vielleicht, daß es gut gewesen wäre, es noch mehr zu kürzen, weil die Leute, die einen Porno lesen wollen, sich vielleicht nicht so sehr für die sozialkritische Beschreibung einer oberösterreichischen Kleinstadt interessieren und umgekehrt.
Interessant ist auch die Biografie des jungen Autors. Er ist der Sohn eines Ringers, der 1986 bei einer Wandertour ums Leben gekommen ist. Nach dem Tod der Eltern steht bei PlusPedia, ist er bei den Großeltern in Leonding aufgewachsen, hat 2005 maturiert und studiert Geschichte an der Grazer Karl-Franzens-Universität.
Derzeit soll er an einem Gedichtband arbeiten, der ihn an den Rand des Wahnsinns und darüber hinaustreibt, mehr war über den Autor nicht zu erfahren, im Buch gibts ja keine biografischen Angaben.

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