Literaturgefluester

2010-01-19

Medien-Krieg-Kunst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:01

„Wir sind wieder vor dem Fernseher gesessen“, während der Irakkrieg lief….
„Berichterstattung über Krieg war immer ein wichtiges Mittel zur Verbreitung von Information aber auch der Propaganda und der Manipulation“, deshalb veranstaltete das Elfriede Jelinek- Forschungszentrum am 19. und 20. Jänner ein zweitägiges Symposium im Rahmen der Reihe „Totalitarismus-Fundamentalismus-Kapitalismus.“
Der erste Abend fand im ORF Kulturcafe mit einem Gespräch zu Elfriede Jelineks feministischer Medienkritik in „Bambiland“ und „Babel“ mit Katharina Pewny und Eva Kreisky statt.
Vorher wurde ein Interview mit Christoph Schlingensief gezeigt, in dem er bezweifelte, ob es eine feministische Medienkritik geben könne.
Dazu kann ich nicht viel sagen, denn ich habe weder „Bambiland“ noch „Babel“ gesehen, da ich kaum ins Theater gehe, sondern eher eine Jelinek Romanleserin bin.
Aber im Jahr 2003, als der Krieg im Irak ausgebrochen ist, bin ich im Rahmen des Ö1 Quiz zweimal mit dem Zug erster Klasse nach Graz gefahren und in der Zeitschrift „News“, die ich dabei bekam, waren, wie ich mich erinnere, Ausschnitte aus „Bambiland“ enthalten.
Ich habe bei der Diskussion also nicht viel mitbekommen, nur die Frage, ob es notwendig und wichtig ist, bei der Überschüttung vom Kriegsbildmaterial den Fenseher abzuschalten?
Eine Frage, die ich auch nicht beantworten kann, da ich keine Fernseherin bin und dachte, das Abdrehen ist es auch nicht, man müßte Gewalt und Krieg verhindern, aber wie geht das, bitte schön?
Dann kam, wie er sich selbst bezeichnete, der Opa der Medienwelt, nämlich Bazon Brock, Professor der neuronalen Ästhetik, hielt einen Vortrag über „Bilderkriege“ und ich verstand wieder nichts. Soviel ich mich auch bemühte, blieb nicht mehr hängen, als, daß der Konsument selber schuld ist, wieviel er sieht und nicht der Pornofilmer, sondern der Pornoseher bestraft werden muß. Dann habe ich noch etwas von „wildgewordenen Zicken“ aufgeschrieben und die Hypothese, daß der Feminismus in den Fünfzigerjahren entstanden ist, weil die Männer im Krieg geblieben sind und etwas von der Zwangsmusikberieselung der Flugzeugbenützer und Restaurantbesucher. Da hab ich wieder Glück, weil ich seit nine elfen nicht mehr fliege und in den Restaurants, die ich besuche, wird man nicht sehr berieselt.
Was hat das aber mit der Jelinek zu tun?, dachte ich in der Pause ratlos, in der ich mich mit einer Feministin unterhielt und sie fragte, ob sie das verstanden hätte und dem Gespräch zwischen Helga Köcher und Eva Brenner lauschte.
Dann ging es weiter mit der Diskussion über „Die Rolle der Medien im Irakkrieg“ zwischen Bazon Brock, Katharina Nötzold vom Arab Media Centre und Friedrich Orter vom ORF, den ich als Nichtfernseherin auch nicht kannte, hier fiel mir wieder Bazon Brocks Zynismus unangenehm auf. Denn es stimmt ja nicht, daß alle Amerikaner blöd und alle Österreicher Analphabeten sind. Das klingt vielleicht lustig, zeigt aber höchstens Hilflosigkeit und ist auch manipulativ zu verstehen.
So schüttelte auch eine Frau den Kopf und sagte „So ein Scheiß!“ und eine andere erkundigte sich, ob diese Art von Rhetorik nicht mißverstanden werden könnte?
Es gab aber keinen Tumult im Publikum, obwohl durchaus redegewandte Feministinnen anwesend waren. Ich dachte mir, ich sags dem Herrn persönlich, daß mir sein Zynismus nicht gefällt, worauf er antwortete, ich solle seine Bücher lesen.
Tu ich wahrscheinlich nicht, ich habe aber nachgegooglet und verstehe jetzt ein bißchen besser, denn Jürgen Johannes Hermann Brock hat das Aktions-teaching erfunden, ein Konzept das künstlerische Programmatiken und Agitprop vereint, um sie für die Rezipientenschulung nutzbar zu machen und bei Wikipedia gibt es ein Zitat von ihm, das auf einen Berliner Hinterhof ausgestellt ist.
„Der Tod muß abgeschafft werde, diese Schweinerei muß aufhören, wer ein Wort des Trostes spricht, ist ein Verräter!“
Aber Kriege lassen sich auch mit Agitprop nicht verhindern, wie ich mit Christoph Kepplinger diskutierte, den ich, wie Pia Janke fragte, warum sie einen so wortgewaltigen Agitator, aber viel leisere Feministinnenstimmen eingeladen haben, ob das im Sinn von Elfriede Jelinek ist?
Die Diskussion war aber schon interessant, die Dame, die den Kopf schüttelte, hat sich nämlich zu Wort gemeldet und von jubelnden Irakern gesprochen, als die Amerikaner ihre Inszenierung ab- und Saddam Hussein aus dem Loch zogen, worauf eine andere von der Würde des Menschen sprach, die man auch Saddam Hussein und Nicolai Ceausescu zugestehen sollte und da haben mich die Hinrichtungen auch gestört.
Ich habe also viel gelernt, auch wenn die Hilflosigkeit bleibt, bei Bazon Brock vielleicht, in dem er sich in Agiprop und Zynismus rettet, bei mir, in dem ich zwar nur Ö1 höre, aber auch nicht viel gegen die Kriege der Welt ausrichten kann und morgen geht es weiter „Gegen die babylonische Bilderflut mit literarischden Projektionen vom Irakkrieg“.
Ich habe mich aber, da es morgen die Bibliothek der ungelesenen Bücher mit einer Lesung von Ilse Kilic und Fritz Widhalm gibt, entschlossen dort hinzugehen und werde davon berichten.

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1 Kommentar »

  1. Vielleicht interessant: die Entwicklung des amerikanischen Medienmarktes.
    Da gibt es bekanntlich eine recht beachtliche Medienkrise. Die Ursachen
    sind sehr vielfältig. Allerdings fallen dabei auch reihenweise die
    „Papier – Krieger“, die einstigen Kriegshetzer jetzt durch, gehören zu
    den Entlassenen. Da gibt es nicht wenige, die mit ihrem Zynismus, mit dem
    sie vor Jahren begonnen haben, letztendlich gescheitert sind.

    Irgendwas „tun“ gegen den Krieg ist meist erfolglos. Da blosse interessierte Beobachten solcher Entwicklungen, ganz ohne grosse Ambitionen und Erwartungen, bringt wohl noch am meisten. Vor allem weil damit auch diversen Manipulationen, vorenthaltene Informationen anderswo gefunden werden. Und das allein bringt es eben auch.
    http://ivanmedienhorror.blogspot.com/2010/01/letzte-katastrophenmeldung.html

    Kommentar von Joe — 2010-01-20 @ 23:32 | Antwort


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