Literaturgefluester

2010-01-27

Wie pünktlich die Verzweiflung ist….

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:12

Prosa, Lyrik, Biografisches von und über Christine Lavant.
Eva Dite, die ich vom Lesetheater kenne, stellte im Literaturhaus selten gelesene Werke der 1915, als Christine Thonhauser in St. Stefan im Lavanttal geborenen Dichterin vor, die wie sie in ihrer Einleitung erwähnte, eine sehr bekannte österreichische Dichterin ist, aber dann kennt man sie auch wieder nicht, bzw. gilt sie als bigott, esoterisch oder altmodisch…
Eva Dite versuchte jedenfalls sehr energisch, die kranke kleine Frau aus Kärnten, die immer ein Kopftuch trug, aus der Vergessenheit zu holen und ins Literaturhaus zu bringen und das war auch sehr voll und der Lebenslauf der Lyrikerin sehr ungewöhnlich.
Neuntes Kind einer Bergbauernfamilie, lungenkrank, durch eine Mittelohrentzündung fast taub und zu schwach für den Schulbesuch, verdiente sie sich den Lebensunterhalt bis zu ihrer literarischen Anerkennung mit Strick- und Webarbeiten und verbrachte die meiste Zeit ihres Lebens in ihren Heimatsort.
Eva Dite hat neben dem Volksteaterstar Andrea Eckert, auch eine Nichte oder Großcousine eingeladen, die 1972, eine Hausarbeit über die Bilderwelt Lavants verfaßte und Maria-Luise Stainer hat von diesen Besuchen bei der Tante viel erzählt.
Die war sehr krank und hat sich auch über einen Kommentar einer Germanistin geärgert, so daß sie ihre Zusage mit der Nichte an ihren Lyrikbänden zu arbeiten, bereute, das aber nicht sagte, sondern ihr, wie das Maria-Luise Stainer nannte, entwischte und meinte, die Nichte solle doch die Gedichte selber kommentieren oder die Leser in die Irre führen, Maria-Luise Stainer ließ aber nicht locker zu einer ernsthaften wissenschaftlichen Arbeit zu kommen. Das Durchgehen der Gedichtbände schien die alte Damen sehr erschöpft bzw. aufgewühlt zu haben, wie die Nichte ebenfalls erzählte.
Eva Dite las noch aus einem Interview, das Christine Lavant einem dänischen Radiosender gegeben hat.
Das Schreiben und das Lesen war dem kranken Mädchen neben dem Handarbeiten immer wichtig, sie hat unter dem Namen Thonhauser ein Romanmanuskript 1932 an einen Verlag geschickt, das abgelehnt wurde, so daß sie ihr Werk vernichtet hat und erst nach 1945, als sie von ihrer Bibliothekarin einen Band Rilke Gedichte aufgedrängt bekam, im Rilkerausch wieder zu schreiben begann. Diese Gedichte sind unter dem Namen ihres Heimattales, zuerst an Paula Grogger, dann an ihren Verleger gekommen und die Lyrikerin war geboren, die 1954 und 1964 den Georg Trakl Preis, 1964 den Wildganspreis und 1970 den großen österreichischen Stattspreis bekam…
Eva Dite las auch einen Prosatext, ein Märchen, das seit 1952 nicht mehr aufgelegt wurde und am Büchertisch lagen eine Reihe, der Lyrikbände, die beim Otto Müller Verlag erschienen sind, auf. Es gibt auch die Holzschnitte von Werner Berg und eine offensichtliche Liebesbeziehung der Lavant zu dem Künstler, wie sie der Nichte bei den Gedichtinterpretationen offenbarte, das sie sehr daran gelitten hat, daß Werner Berg verheiratet war, was Christine Lavant ebenfalls war, aber, wie Eva Dite erzählte, in ihrem Lebenslauf nicht oft erwähnte. Einen Briefwechsel mit Gerhard Lampersberg, den wir aus „Holzfällen“ kennen, gibt es auch.
„Die Aufzeichnungen aus dem Irrenhaus“, die posthum veröffentlicht wurden, wurden nicht erwähnt, ich habe das Buch aber einmal der Anna gekauft.
Am Schluß gab es noch ein Gedicht in Originalaufnahme und vorher ein Viedeo, das die Dichterin 1972 mit der Nichte und deren Freundin zeigte, als die in den damals üblichen VW-Käfer stiegen.
Eva Dite wünschte sich noch viele Lavantabende, die das Werk der Dichterin präsenter machen und das ist sicher interessant.
Ich habe nicht viele der Besucher gekannt, einige vom Lesetheater waren da, mich lang mit Herrn Blaha auch über Silvia Bartls Kündigung unterhalten und Ottwald John, der mich sonst eher übersieht, hat mich gefragt, ob ich etwas von Ernst Kostal weiß, dem es nicht gut gehen soll.
Da werde ich morgen anrufen, denn von Ernst Kostal, der die „Wahnsinnsymposien“ im Literaturhaus veranstaltet hat, habe ich schon lang nichts mehr gehört und Robert Huez, dem ich eigentlich erzählen wollte, daß ich das mit der Kündigung sehr schade finde, habe ich nach der Eröffnung nicht mehr gesehen, es gibt aber bei Christiane Zintzen Gerhard Jaschkes Protestbrief zu lesen, den er im Namen der GAV geschrieben hat.

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