Literaturgefluester

2010-01-29

7 Tage im Februrar

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:17

Bei einem meiner letzten Buchlandungs-Ein-Euro-Käufen war auch ein Jugendbuch, das ich schnell zu mir steckte, weil ich den Namen des Autors kannte, nämlich „Sieben Tage im Feburar“ des 1949, in St. Pölten geborenen und dort lebenden Hauptschullehrers Robert Klement, das das Sprengstoffattentat auf die Roma-Siedlung in Oberwart am 4. Februar 1995 pädagogisch aufarbeitet und da sich dieser Tag demnächst zum fünfzehnten Mal jährt, war es passend das Buch zu lesen.
Noch dazu da ich mich an das politische Geschehen in Österreich vor fünfzehn Jahren gut erinnern kann. Inzwischen wissen wir schon einiges darüber und mehr als der Autor, der das 1998 bei Jungbrunnen erschienene Buch, drei Jahre nach dem Attentat geschrieben hat und dafür ein Jahr in der Roma-Siedlung am Stadtrand von Oberwart recherchierte.
So ist die Schilderung der Romafamilie auch sehr gut gelungen. Zwar wird noch sehr oft das Wort Zigeuner verwendet, was inzwischen eher als Schimpfwort und politisch unkorrekt gilt. Das Buch ist aus der Sicht des vierzehnjährigen Josef Simon, dem Sohn eines der Opfer geschrieben und versucht den anderen Vierzehnjährigen das Leben in einer Romasiedlung näher zu bringen. Von den Vorurteilen, der Arbeitslosigkeit und den Schwierigkeiten des fünffachen Familienvaters, der meist ohne Arbeit ist, finanziell über die Runden zu kommen, das Haus auszubauen, ein neues Auto zu kaufen und seine Kinder zu ernähren, wird berichtet.
Robert Klement versucht auch das dritte Reich und dessen Umgang mit den Zigeunern den Jugendlichen näherzubringen und tut das mit der Figur des Großvaters, der im KZ mit seiner Geige überlebte und einem anderen Überlebenden, der das einige Tage nach dem Attentat dem jungen Josef, der von seiner Romaherkunft nichts wissen und abhauen will, erzählt.
Dazwischen gibt es die Parallelhandlung des Anton Ehm und das ist ein konstruiertes Psychogramm, während sonst die echten Namen verwendet werden. Von Franz Fuchs wußte man damals offenbar noch nichts. So ist ein alter Mann und Einzelgänger daraus geworden, der aus seinen Minderwertigkeitsgefühlen heraus schon in der Schule Bomben bastelte, seinen Haß auf alles Fremde nach dem Tod seiner Frau weiter entwickelte und außerdem erwachsene Kinder hat. Also eine etwas andere Biografie.
In der Literaturhausbesprechung von Riki Winter steht etwas von für den pädagogischen Gebrauch aufgearbeitet und, daß sich der Stoff der guten Absicht widersetzt und irgendwie so habe ich auch empfunden und mir gedacht, daß sich die Jugendlichen, die das lesen, erstens vielleicht nicht so gern belehren lassen wollen und zweitens auf die vielen geschilderten Fehlverhalten am Ende noch neugierig werden und irgendwie erscheint es mir auch sehr genau beschrieben, was man alles machen muß, damit die Polizei zu keinen DNA- und Fingerabdrücken kommt.
Da ich nicht mehr vierzehn bin, weiß ich nicht, wie ich das Buch in diesem Alter empfunden hätte, jetzt scheint mir das Thema interessant und es ist auch sicher wichtig, sich daran zu erinnern.
Den Roma geht es, wie man weiß, inzwischen auch nicht sehr viel besser, sie landen vielleicht nicht mehr so oft in Hilfsschulen, weil es die so nicht mehr gibt. Wirkliche Bildungschancen scheinen sie aber auch noch nicht zu haben und um zur Literatur für Erwachsene zurückzukommen. Elfriede Jelinek hat sich in „Stecken Stab und Stangl“ auch mit diesem Thema auseinandergesetzt.

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