Literaturgefluester

2010-02-02

Männer in Schwierigkeiten

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:31

Ich weiß zwar nicht, ob das auf Kurt Neumann zutrifft, aber der war gestern in den Tonspuren in Ö1. Wiederholung gibts am Donnerstag um 16 Uhr nach dem neuen Sendeschema:
„Der Literaturmacher Dr. Kurt Neumann, Literaturvermittler, Arzt, Kritiker, Dichter, der seit 1977 das Literaturprogramm der alten Schmiede formt….“
Am 25. war die Vorpremiere im „Zauberberg“ des Klangtheaters im Radiokulturhaus. Da hieß das Feature zwar „Die Wonnen der Wörter“, wird aber dasselbe sein, obwohl ich auch das nicht so genau weiß. Denn am 25. war ich beim VocalgeStöber, aber gestern hab ich das Portrait gehört und einen Einblick in die alte Schmiede von einer anderen Seite bekommen, denn da sind die großen Literaten Robert Menasse, Robert Schindel, Franz Schuh, Friederike Mayröcker, Barbara Frischmuth, Michael Köhlmeier ect zu Wort gekommen und haben ihre Lobeshymnen auf Kurt Neumann und die alte Schmiede angestimmt. Die Assistentin Petra Meßner, die ja, was auch interessant ist, ihre erste Einführung bei den Textvorstellungen von Eugenie Kains „Schneckenkönig“ machte, erzählte von Kurt Neumanns großen Rucksack mit den vielen Büchern, die er in die alte Schmiede schleppt, bzw. kommt er mit den Fahrrad dorthin gefahren und trinkt zum Frühstück Tee mit Mannerschnitten. Gelobt wurde auch, ich glaube von Robert Menasse, daß man in der alten Schmiede lesen kann, auch wenn das Buch noch nicht erschienen ist.
Das stimmt und so hatte ich meine erste Lesung im sogenannten Literatureck und später in den Textvorstellungen, 1987, 1988, 1989 aus Manuskripten. Jack Unterweger hat mich 1990 dorthin gebracht, als die „Hierachien“ erschienen waren.
Dann dachte ich, es geht so weiter mit den Textvorstellungen, war aber nicht so. Ich habe zwar 1995 moderiert von Ruth Aspöck dort gelesen und 1997 machte ich eine Frauenlesung, die Vorläuferin der „Mittleren“, vermittelt durch Gerhard Kofler. Die nächste Lesung war aber erst 2002 und da in der Halbpreisschiene gemeinsam mit Uwe Bolius um 17 Uhr in den Energieferien in einen ziemlich leeren Raum und dann im Oktober 2007 mit dem „Wiener Stadtroman“ moderiert von Reinhard Wegerth, im vorigen März habe ich „Und Trotzdem“ vorgestellt. Das waren wieder Textvorstellungen. So gesehen, kann ich nicht bestätigen, daß es ein Einheitshonorar gibt und ich glaube auch, daß es in der alten Schmiede ein spezielles Publikum gibt, nämlich die Dichterrunden. Wenn zum Beispiel Friederike Mayröcker liest, kommen alle Großen: Angelika Kaufmann, Julian Schutting, Bodo Hell ect.
Dann gibt es Lesungen für Schulklassen, Symposien und spezielle Reihen mit klingenden Namen, wie zum Beispiel die, wo Walter Grond letzte Woche gelesen hat.
Kurt Neumann ist sehr belesen wurde gelobt, ihn haben die Literaten viel zu verdanken und ich erinnere mich an Begegnungen mit DDR Literaten, als es die DDR noch gab und an viele andere spannende Highlights, die es vielleicht auch nicht mehr gibt.
Die Textvorstellungen, wo eingeleitet von einem freien Mitarbeiter immer einige Literaten zu einem bestimmten Thema lesen, gibt es noch immer. Heute hieß das Thema „Männer in Schwierigkeiten“ und da stellte Reinhard Wegerth Ludwig R. Fleischer, Rudolf Lasselsberger und Ernst Wünsch vor.
Also mindestens zwei bekannte, denn von Ludwig R. Fleischer, der 1952 in Wien geboren, von Beruf Lehrer und Kleinverleger ist und einmal einen der kleineren Bachmannpreise gewonnen hat, habe ich schon einige Bücher gelesen. Z.B. „Der Castellaner“, „Rakotimer“ und das Weihnachtsbuch „Die Herbergsuche“. Es gibt aber noch viel mehr Bücher, bezeichnet er sich ja als manischen Schreiber, sehr oft kommen Lehrer mit Alkoholproblemen in seinen Texten vor und hintereinander gelesen ergeben die Romane ein dichtes Sittenbild österreichischer Provenienz steht in Wikipedia.
Diesmal wurde der Erzählband „Das Buch der Käuze“ vorgestellt. Die Geschichte „Der Stellvertreter“ handelt von einem Oberarzt, der bei der Feier, als er zum stellvertretenden Primar aufgestiegen ist, soviel gesoffen hat, daß er mit vergipsten Armen im Spitalsbett aufwacht.
Dann kam der 1956 geborene Rudi Lasselsberger, bestens bekannt im Literaturgeflüster durch seine launigen Kommentare und stellte den fröhlichen Wohnzimmer Band „Willi auf Kur“ vor und das ist ein genauso witziges Buch, wie der Autor selbst, nämlich handgeschrieben mit Zeichnungen, eingelegten Wirts- und Kaffeehausrechnungen und einem Autogramm vom Hermann Nitsch. Ich habe das Buch getauscht und weiß nun nicht, ob ich es rezensieren kann, werde es aber versuchen. Vor der Lesung gab es wieder eine der Lasselsberger Aktionen, die ich schon von der Szene Margareten kannte. Er warf Erdnüsse in das Publikum, zog sich das T- Shirt aus und ein Leiberl mit der Aufschrift „Willi ist brav“ an und überreichte seinem Verleger Fritz Widhalm und seiner Nichte ein Glücksschwein und das alles las er auf einem Manifest vor.
Der dritte Beitrag war etwas weniger aktionistisch, obwohl sowohl Hermann Nitsch als auch das aktionistische Kasperltheater darin vorkam. Nämlich Ernst Wünschs „Sprizz bitter“, wie Fleischers Buch bei Sisyphus erschienen und das erschien mir bekannt, habe ich ja von dem Autor vor einiger Zeit ein Hörspiel aus diesem Stoff gehört. Die Männer, die da in Schwierigkeiten sind, sind ein arbeitsloser Hobbydichter und ein alternder Theatermacher, der einen Koch, Heizer und Ghostwriter sucht und vor fünfzig Jahren das aktionistische Kasperltheater erfunden hat, das eigentlich von Ernst Wünsch selber stammt.
Es war also wieder interessant und ich bin gespannt auf Rudi Lasselsbegers Kommentar, der mir schon genauso witzige Reime und Wortspenden geschrieben hat, wie sie auch in dem Buch vorzukommen scheinen. Er hat auch seine gesammten Kolik- und Rampenveröffentlichungen auf dem Literaturtisch aufgelegt und mich nach der Lesung mit seinen Werken und Postkarten reich beschenkt, so daß ich literarisch sehr bepackt nach Hause gegangen bin, denn Morgenschtean Hefte von der El Awadalla Lesung, Helga Pankratz, Manfred Chobot und Axel Karner Lesung vom 25. sind zur freien Entnahme auch aufgelegen. Das Rezensionsexemplar von Ludwig Lahers „Einleben“ ist inzwischen auch gekommen.

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