Literaturgefluester

2010-02-20

Lange Nacht des Hörspiels

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:15

Diesmal war ich wieder bei der langen Nacht des Hörspiels, die zum siebzehnten Mal im Radio Kulturhaus stattgefunden hat. 1993, als es noch im Funkhaus war, war es ganz toll. Man ging von Studio zu Studio, konnte sich alles anhören, die Hörspiele wurden gesendet und live abgestimmt. Michael Köhlmeier hat das erste Mal gewonnen. Es gab ein tolles Buffet mit Gulasch in den Pausen und war hautnah am Geschehen. Das hat von Jahr zu Jahr abgenommen, irgendwann wurde das Buffet abgeschafft, was Konrad Zobel mit Einsparungen im Sinne der Kultur begründete.
Dann wurde nicht mehr live abgestimmt, man bekam die drei besten Hörspiele vorgespielt und vorher gab es Liveauftritte anderer Autoren. Ich erinnere mich an die von Peter Pessl und Elfriede Gerstl, die etwas gegen Handys aufführte.
Dann gab es eine Kürzung des Hörspielhonorars um die Hälfte und einen großen Protest der Autoren mit Polizeiauftritt, die Konrad Zobel zu holen müßen glaubte. Im Jahr darauf gab es ein Hörspiel von Hanno Millesi mit eben diesen Polizeiaufnahmen, die politische Bedeutung war aber weg.
Dann bin ich ein- zweimal zuspät gekommen, einmal weil ich vorher beim Thalia bzw. Amadeus auf der Landstraße bei einer Thomas Bernhard Buchpräsentation war, wo ich Burgtheaterkarten für die „Alten Meister“ gewonnen habe, ein anderes Mal war der Sendesaal so voll, daß sie mich nicht mehr hineinließen und mich statt dessen ins Radio Kultur Cafe schickten, wo die Veranstaltung übertragen wurde. Es gab immer wieder Änderungen, wie die Wahl zum Schauspieler des Jahres, jetzt gibt es einen Hörspielkritikerpreis und die lange Nacht hat sich auf eine eigentlich sehr kurze verkürzt.
Als sie mich nicht hineingelassen haben, habe ich mich beim Konrad Zobel beschwert, der mir antwortete, sie überlegen ohnehin, was sie gegen den großen Andrang machen sollen, vielleicht Eintritt verlangen?
Dann wäre ich nicht mehr gekommen und war in den letzten Jahren eigentlich auch öfter nicht dort. So war ich im Vorjahr im Amerlinghaus bei einer Lesetheaterveranstaltung und traute mich dann nicht mehr hin.
Für heuer habe ich es mir wieder vorgenommen, noch dazu, wo ich von Cornelia Travniceks Homepage wußte, die jetzt in Taiwan ist, daß das Hörspiel, das von der Wiener Hörspielmanufaktur aus einer Erzählung aus „Fütter mich“, nämlich „Der Riß am Morgen“, gemacht wurde, beim Kurzhörspiel-Wettbewerb in die engere Auswahl gekommen ist. Da wurden neun Hörspiele im Klangtheater abgespielt und man konnte live abstimmen. Dort war ich aber nicht, habe ich mich doch für das Mainstreamprogramm entschieden. War rechtzeitig da, die Jacke an der Garderobe abgegeben, auf den Einlaß gewartet, dabei Ruth Aspöck und Robert Eglhofer getroffen. Die ersten Reihen waren für die VIPS reserviert. Peter Klein hat moderiert und auf der Bühne ist ein Kasten gestanden, aus denen sich die Leute, die aufgetreten sind, ein Souvenier aus Afrika, denn das ist der Ö1 Schwerpunkt der nächsten Monate, aussuchen konnten. Die Lady Band „NETNAKISUM“ spielte auf und Alfred Treiber, der Programmchef hielt den Festvortrag, wobei er Ö1 lobte und in einer Art Publikumbeschimpfung über die sogenannten Hofratswitwen herzog, die keinen Kunstgeschmack haben, aber das Programm hören.
Daß Elisabeth Orth die Schauspielerin des Jahres ist, wurde schon bekannt gegeben und im Hörspielstudio am Dienstag gab es ein Portrait von ihr. Ex Kulturminister Rudolf Scholten hielt die Laudatio. Nach der Pause wurde das künstlerisch anspruchsvolle Hörspiel, das die Kritiker wählten, bekanntgegeben. Im Vorjahr hat Friederike Mayröcker den Preis gewonnen, diesmal war es Magda Woitzuck mit dem Hörspiel DogGod, wo es um den Krieg und eine junge Frau, die mit sieben Welpen schwanger ist, geht. Magda Woitzuck ist auch eine junge Frau, 1983 geboren und Hans Weigel Stipendiatin, die ich sozusagen mit Cornelia Travnicek im Palais Niederösterreich vor eineinhalb Jahren kennengelernt habe.
Einen kurzen Ausschnitt aus dem Hörspiel, einen Teil davon habe ich schon gehört, gab es auch und am Dienstag kommt es nochmals dran.
Dann kamen die Ergebnisse des Kurzhörspiel-Wettbewerbs, wo die Leute ihre Hörspiele sozusagen im stillen Kämmerlein selber machten und wenn sie gewinnen, gesendet werden.
Cornelia Travniceks Hörspiel hat wieder mit einem das „Canned Laugh“ heißt, den dritten Platz geschafft. Der erste ging an das Hörspiel „Igeltrauma“, wo in einem Dorf in NÖ sich aufgeschlitzte Igel in den Postkästen finden und Blumen ausgerissen werden. Das Dorf wird dadurch traumatisiert. Das Publikum hats lustig gefunden.
Dann wurde es wieder ernsthafter und dramatischer, nämlich das Hörspiel des Jahres vorgestellt, das vom Publikum gewählt wurde. Ausschnitte der zehn Finalisten wurden schon vor der Pause gebracht. Ich tippte auf die Helmut Peschina Bearbeitung von Joseph Roths „Die Geschichte der 1002. Nacht“, denn zum Hörspiel des Jahres werden meist die großen Namen gewählt, Wolf Haas, Felix Mitterer, aber auch drei andere Peschina Bearbeitungen in den Vorjahren und habe recht gehabt.
Der dritte Platz hat auch einen bekannten Namen und ist eine Überraschung, nämlich Peter Danzigers Thomas Bernhard Parodie „Bernhard“, die zum vorigen 12. Februar gesendet wurde. Da habe ich den Thomas Bernhard Monolog, aus dem der Text stammt und der zweisprachig ist, einmal mit dem Autor getauscht. Das war es. Ein wenig habe ich mich mit Reinhold Schrappeneder über den Tag der Freiheit des Wortes unterhalten, ein paar Bekannte gesehen und natürlich wieder viel erfahren, obwohl ich gar kein so großer Hörspielfan bin und keine solchen schreibe.

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3 Kommentare »

  1. Sehr geehrter Herr Jancak,
    zufällig bin ich auf Ihren interessanten Artikel über die Geschichte der Langen Nacht des Hörspiels gestoßen. Ich bin nun schon vier Jahre nicht mehr im ORF, aber die viele Arbeit, das Lampenfieber und die Freude, wenn die Lange Nacht wieder mal halbwegs erfolgreich über die Bühne gegangen war, das alles werd ich wohl nie vergessen. Und deshalb möchte ich einer Ihrer Behauptungen auch wiedersprechen: Bei jener Langen Nacht, wo es wegen der Honorarkürzungen die Demonstration gab, haben weder ich noch sonst jemand aus dem „Management“ die Polizei gerufen, sondern die überforderten Türsteher. Ich habe vielmehr versucht, die Veranstaltung, die live übertragen wurde, einigermaßen durchzuziehen, wobei ja auch die Protestgründe zur Sprache kamen (Ausschnitte daraus wurden, wie Sie richtig erwähnten, auch in Millesis ORF-Hörspiel verwendet). Nun ja, lange her. Leider hat sich die finanzielle Situation des Hörspiels (und damit auch seiner AutorInnen) europaweit weiterhin verschlechtert, so dass es fast an ein Wunder grenzt, dass nach wie vor manchmal sehr schöne Arbeiten entstehen.
    Mit besten Grüßen und nachträglich noch vielem Dank für Ihr Interesse,
    Konrad Zobel

    Kommentar von konrad zobel — 2010-07-31 @ 01:02 | Antwort

  2. Ein Mann bin ich noch immer nicht, auch keine Ö1 hörende Hofratswitwe und die Türsteher sind hoffentlich nicht an allem schuld, ansonsten vielen Dank für die Berichtigung

    Kommentar von jancak — 2010-08-01 @ 11:54 | Antwort

  3. Wie konnte mir diese Verwechslung nur passieren! Eva Jancak ein Mann? Eher werden Hofratswitwen zu Türstehern!

    Kommentar von Konrad Zobel — 2010-08-05 @ 12:24 | Antwort


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