Literaturgefluester

2010-02-14

Schnappschuss

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:57

Der 1988/89 geschriebene Debutroman „Schnappschuss“ von Güni Noggler ist, wie im Klappentext steht, eine pietätvolle Geschichte, um die Beerdigung eines Eigenbrötlers, nämlich dem namenlosen Jüngsten einer namenlosen Familie, die in der Aufbahrungshalle steht und jeder auf seine Art und Weise Abschied von dem Zweiundvierzigjährigen nimmt, der an seinem Geburtstag, in der Blüte seines Lebens beschließt, dasselbe zu beenden.
Begonnen wird dieser Schnappschuß an Reflektionen vom senil gewordenen Vater, der, einstmal ein strammer Konservativer und arbeitssamer Bauernbub, im Krieg so manches miterleben mußte, daß er immer noch die Toten vor sich sieht und mitten in der Hochzeitsfeier der schwangeren Tochter von Visionen geplagt wird, daß die Granaten einschlagen und die Anwesenden zerfetzt werden. Dann gibt es noch den Älteren, den Mittleren, die zweite Frau, die nach dem Tod der ersten, die Söhne aufgezogen und die Tochter geboren hat. Die Exfrau des Sohnes, die vom Vater nur als Emanze bezeichnet wird und deren Söhne.
Sie haben alle ihre Geschichte über den Jüngsten zu erzählen und ihn auf eine eigene Art und Weise gekannt, die durchaus widersprüchlich ist.
War der jüngste doch zuerst ebenfalls ein strammer Konservativer und Reserveoffizier, bis er ausgestiegen ist und mit vierzig, von dem Tiroler Städtchen in dem die Geschichte spielt, nach Italien in eine Hütte an einem Weinberg zieht und dort philosophierend, schreibend, gärtnernd, das Meer reinigend sein Leben verbringt.
Der letzte Tag desselben wird in alternativen Kapiteln zu den Reflektionen der Familie erzählt. Der Morgen, wo er die Hütte verläßt um ins Meer zu steigen und dessen Abfälle in einen Müllsack sammelt, den Garten, den er pflegt, den Käse, den er selber macht, die Gespräche mit den Freunden, z.B., dem Arzt, der ihn vierzehntägig besucht und ihm die besten Speisen bringt, um sich mit ihm in Don Camillo Manier zu zerstreiten und dann vom Einlauf, den er sich am Abend selber gibt, um das Leben gereinigt und zufrieden zu verlassen.
Vorher hat er noch den genauen Ablauf des Begräbnisses festgelegt, das die Freunde für ihn organisiert haben und die Heimatgemeinde zum Kommen eingeladen, die das auch alle tun. Neugierig, schaulustig, kopfschüttelnd und in den besten Anzügen, wie der mittlere Bruder, der in diesen schnauft und schwitzt und an dem Jüngsten kein gutes Haar läßt, wie auch nicht an dessen ehemaliger Frau, der sogenannten Emanze, die das aber ganz anders sieht, denn sie ist durch den Jüngsten zur Alkoholikerin geworden und haßt den Ex und Wunderwuzzi, der ihr alles abgenommen und alles besser, als sie wußte, so sehr, daß sie beschließt, aus lauter Freunde über seinem Tod, ab nun das Trinken einzustellen. Dann gibt es noch die beiden Söhne, den älteren und den jüngeren, verschieden wie Tag und Nacht, das Vater und das Mutterkind. Der ältere alternativ, wie der Vater und Maler vom Beruf stellt sich vor, wie der Jüngste in seinem Sarg frohlockt, während sich der Jüngere für den Vater, den Bruder und die alternativen Freunde schämt, ist er doch als Bankbeamter aufgestiegen, baut am Eigenheim und auch politisch tätig.
So wird das Bild des ausgestiegenen Jüngsten ein bißchen widersprüchig, aber doch sehr prägnant und genau, von dem 1962 in Schwaz in Tirol geborenen Güni Noggler erzählt, den ich von den Lesungen beim Linken Wort am Volksstimmefest sehr gut kenne.
2008 haben wir zwei Bücher miteinander getauscht.
„Alles Liebe Gute!“, hat er mir hinein und seine Website: www.güni-noggler.com dazu geschrieben, die ich sehr empfehlen kann, da man hier Informationen über den Autor, seine Workshops und seine anderen Bücher bekommen kann. Den Roman „Eigenbrot“ habe ich noch, es gibt aber ein paar andere und eine Lesung am 19. März in Graz, in der das neue Buch „Eine Selbstverständlichkeit“ vorgestellt werden wird.

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2010-02-13

Textmontieren, Abschreiben, Schreibwettcamp

Filed under: Uncategorized — jancak @ 13:11

Auch von mir ein Beitrag zu „Helene Hegemann“, denn mit den Themen plagiatieren, Jungstars, gehypte und übersehene Literatur habe ich mich schon lang beschäftigt und meine Erfahrungen damit gemacht.
So kann ich mich an drei Plagiate erinnern. In diesen Fällen waren es direkte Abschreibungen, das erste ist bei einem Limes-Literaturwettbewerb 1988 passiert. Ich habe auch einen Text hingeschickt, bin nicht in die engere Auswahl gekommen, einen der Anerkennungspreise hat Manfred Wieninger bekommen, der damals in aller Munde war. Von der NÖN hochgelobt, mehrere Stipendien gleichzeitig, daß das Schreibblockaden auslösen kann, ist vorstellbar.
Internet, wo man das Plagiat auf einen Blick erkennen kann, hat es damals noch nicht so gegeben, trotzdem ist man draufgekommen. Das Heft mit den Siegertexten war schon gedruckt, Alois Eder hat sehr gut reagiert, eine Stellungnahme, sowie einen Brief an Norbert Tefelski geschrieben und einen seiner Texte im Limes Nummer zwölf abgedruckt.
Manfred Wieningers Reaktion war sehr heftig, er hat alles hinschmeißen wollen und auch eine Lesung, die ich mit ihm in St. Pölten haben sollte, abgesagt. Da habe ich dann allein vor sehr wenigen Zuhörern gelesen. Inzwischen ist das berühmte Gras über die Geschichte gewachsen. Manfred Wieninger schreibt wieder, es gibt die Harland Krimis mit Marek Miert, die eigentlich in St. Pölten spielen, ein Lexikon der St. Pöltner Straßennamen, er hat auch das Nazi Lager bei den Viehofener Seen aufgedeckt und eine große Aktion geplant, wo demnächst alle St. Pöltner Haushalte eine Postkarte mit der Nachricht „Ich bin gesund, es geht mir gut!“, das, was die Häftlinge schreiben durften, bekommen werden.
Die zweite Plagiatsgeschichte habe ich selbst entdeckt und zwar in der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft, die ich einige Jahre besucht habe. Da gab es ein Ehepaar, deren Texte mir eigentlich positiv aufgefallen sind, das sehr bewundert wurde, weil es im „Augustin“ publizierte. Jetzt habe ich die Schreibwerkstatttexte des Augustins gar nicht so oft gelesen. Den Text der Frau H. aber schon, aus Interesse, wie sie schreibt und bin auf Bekanntes gestoßen. Beim zweiten, dritten Satz hatte ich gewußt, woher das ist. Wie weit es Wort für Wort von Christa Stippingers „Kress“ abgeschrieben war, wußte ich nicht, war aber doch so sicher, daß ich dem Augustin eine Karte schrieb, danach sind wir nach Frankfurt zur Messe gefahren und auf dem Rückweg habe ich in Harland, in dem Wespennest, in dem der Text abgeduckt war, nachgeschaut. Er war fast Wort für Wort abgeschrieben, der Anfang fehlte und das Wort Schnitzel wurde einmal durch Fleischleibchen oder so ersetzt. Es gab auch einen anderen Titel. Die Helden der Geschichte waren bei Frau H. ein türkisches Ehepaar und das ist lustig, denn der Kress ist ein österreichischer Arbeiter und seine Frau eine Serbin, so hat er Dialekt geredet, sie gebrochenes serbisches Gastarbeiterdeutsch. Frau H.s Türken taten das auch. Ich habe sie bei der nächsten Schreibwerkstatt darauf angesprochen, ihre Reaktion war sehr verwundert und ich habe mich gewundert, daß die Texte Wort für Wort übernommen und daher sehr leicht nachweisbar waren.
Dann gibt es noch den vorigen Ohrenschmaus, wo das Siegergedicht, zum Glück, noch bevor es auf die Zotter-Schokolade-Schleife kam, als von Astrid Lindgren erkannt wurde.
Bei „Axolotl Roadkill“ ist das anders. Das ist ja, wenn ich es richtig verstanden habe, kein echtes Plagiat, sondern die sehr junge Autorin hat, wie sie auch angab, im Stil der Nullerjahre, in denen sie aufgewachsen ist, kopiert und übernommen, „weil es ja keine wirkliche Originalität, nur Echtheit gibt…“
Dabei hat sie, wie sie angab, eine Seite Zitate aus dem Buch „Strobo“ des Bloggers Airen verwendet. Deef Pirmasens von Gefühlskonserve.de, der das Ganze vor einer Woche aufgedeckt hat, hat inzwischen mit dem Autor, noch viel mehr Zitate gefunden, es wurde auch von anderen übernommen, was die Autorin ebenfalls nicht bestritten, sondern in das Buch geschrieben hat, daß alles Lüge sei oder so.
Da stellt sich natürlich die Frage, wieso das Lektorat, das nicht vorher mit der Autorin Satz für Satz durchgegangen ist, um alle Rechte einzuholen. In der Erstauflage fehlt der Hinweis auf den Blogger Airen, in der zweiten, die noch vor der Aufdeckung erschienen ist, wird er erwähnt, inzwischen häufen sich die Entdeckungen. Ein jeder will einen bekannten Satz erkennen und auch ein Filmemacher hat sich inzwischen gemeldet und behauptet, daß der Film, der vorher erschienen ist, von ihm ist.
Vor der Entdeckung haben die älteren Männer, wie Maxim Biller, die Aussagekraft und das Talent der jungen Frau gelobt und waren begeistert und der Blogger Deef Pirmasens ist auf das Ganze gekommen, weil er sich sagte, daß eine Sechzehnjährige gar nicht an den Türstehern des Szenelokals Berghain, das in dem Buch geschildert wird, vorbeigekommen wäre. Es geht um Gewalt, Drogen und Sexerfahrungen einer Minderjährigen. Ein umgekehrter Kindesmißbrauch also, denn eigentlich sollte eine Sechzehnjährige keine solchen Erfahrungen haben. Hat sie auch nicht, denn sie hat montiert. Wer den Vertrag unterschrieben hat, scheint auch nicht so klar zu sein, denn es gibt ja einen berümten Vater, der die junge Frau in die Szene hineingebracht hat und eine schwere Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter, die bei anderen der Grundstein einer Persönlichkeitsstörung ist…
Die interessanteste und eigentlich unerträglichste Frage ist auch, wieso wollen wir das lesen?
Wenn eine Sechzehn, siebzehn oder jetzt schon fast achtzehnjährige Sätze schreibt oder übernimmt, bei denen es von Gewalt, Blut, Orgien, ect. nur so wimmelt, daß die FAZ, die beide Textstellen gegenüberreiht, die Warnung gibt: „Achtung, die Sätze sind teilweise sexuell sehr explizit und können Gefühle der Leser verletzten!“, müßte sich doch eigentlich das Jugendamt einschalten, statt, daß es zu einem sogenannten Kultroman hochgepusht wird, der die Auflagenzahl ins Unermessliche springen läßt und Frau Hegemann so und so mißbraucht überbleibt und sowohl durch den Negativ- als auch den Positiv-Hype überfordert ist. Da müßten wir uns eigentlich selber an der Nase nehmen und uns fragen, was ist los, daß wir nur noch sowas lesen wollen?
Der andere interessante Aspekt ist, daß das Buch „Strobo“, in dem der Blogger Airen, der 1981 geboren wurde und anonym bleiben will, seine eigenen Erfahrungen beschreibt, im Sommer bei einem kleinen Untergrundverlag erschienen ist und damit längst nicht so berühmt geworden ist, sondern nur seine kleine Fangemeinde hatte. Der profitiert sicherlich davon. Helene Hegemann bleibt für Leipzig nominiert, ob sie den Preis gewinnt, wird spannend sein.
Und im literaturcafe ist inzwischen eine Fälschung des Sternaufmachers von 1971, „374 Schriftsteller erklären öffentlich, wir haben abgeschrieben“, wo die Portraits von Günther Grass ect zu sehen sind, erschienen. Literaturcafe.de hat dazu geschrieben, daß das die Leute für echt gehalten und sich nur empört haben, daß Goethe darauf zu sehen ist.
Noch etwas ist interessant, es gibt inzwischen einen neuen Artikel bei literaturcafe und da geht es, um ein anderes Buch und zwar um „Möchtegern“ von Milena Moser. Da wird ein Thema aufgegriffen, mit dem ich mich auch schon lang beschäftige und zwar auf eine sehr explosive Art, nämlich mit einer Casting Show für Möchtegernautoren, wo eine ältere Autorin, die zufällig ein Buch namens „Road Kill,“ die Zufälle häufen sich, wie man sieht, geschrieben hat, in eine solche Show gehen und das beste Talent unter den hoffnungsvollen Kanditaten herausfiltern soll. In dem Roman scheint sich die Heldin Mimosa Mein, wie ich der Leseprobe entnommen habe, anders zu entscheiden, der Verlag und das Literaturcafe haben aber eine eigene Schreibshow daraus gemacht. Man bekommt eine Aufgabe, kann seinen Text dazu hinschicken und einer gewinnt ein Seminar bei Milena Moser in der Schweiz und bekommt die Reise dazu bezahlt. Bei Face book und bei Twitter kann man das Ganze auch verfolgen. Die Aufgabe dieser Woche ist: „Beschreiben Sie eine schlaflose Nacht!“
Ich machs vielleicht für meinen nächsten Text, hinschicken werde ichs, gaube ich, nicht, denn da habe ich sicher keine Chance und über das erfolglose Schreiben und über Verwechslungen habe ich schon viel geschrieben. Da das jetzt schon lang ist, nur zwei Beispiele. In der Volksstimmeanthologie 1998, gibt es die Erzählung „Die Verwechslung“, die ich geschrieben habe, nachdem es damals so ein Marktgeheimnis, um einen Peter Handke Roman gab. Da geht die erfolglose Autorin in eine Buchhandlung und findet dort ihr Manuskript in dem Buch eines berühmten Autors. In „Wilden Rosenwuchs“ kommt das in längerer Form nochmals vor.
Das Thema Schreiben hat viele Aspekte und ist sehr interessant. Der Urheberschutz ist einer davon, ein anderer, wie muß man heißen, aussehen, alt sein, schreiben, um Erfolg zu haben, der Dritte natürlich, wie geht es der jungen Frau und für mich sehr interessant, warum ist nur das (gute) Literatur, das sehr gewalttätig ist???

2010-02-12

30 Jahre Ritter Verlag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:47

Wieder alte Schmiede, wo der Ritter Verlag sein dreißig Jahre Jubeläum feierte und einen Querschnitt durch sein Programm bot. Ich sage immer, ich tue mir schwer mit den experimentellen, visuellen, konzeptuellen, sperrigen und was sonst noch Ritter Büchern und habe einige ungelesen in meinen Regalen stehen. Bei den Büchertürmen gab es immer was davon und ich habe sie mir brav genommen, nur zum Lesen bin ich nicht so recht gekommen und so habe ich Peter Veits „Geschichten vom Alpha und Omega“, Peter Enzigers „Grünes Licht“ und Günther Brus „Nach uns die Malflut“ noch nicht gelesen. Nikolaus Scheibners „Auch eine Metamorphose?“, des ehemaligen jüngsten Ritter Autors eigentlich auch nicht, aber das habe ich, als ich in der GAV Aufnahmejury war, durchgeblättert. Ilse Kilics „Rückkehr der heimlichen Zwei“ habe ich gelesen, bei „Monikas Chaosprotokoll“ bin ich mir nicht sicher, dann habe ich vor einem halben Jahr noch bei fix poetry Enno Stahls „Heimat und Weltall“ gewonnen und einmal, das muß 2002 gewesen sein, habe ich bei „Rund um die Burg“ einen alten Mann kennengelernt, Alois Haller, 1919 geboren, der aus seinem Ritter Buch „Ja, lachesis – nahezu klassische österreichische Pornograghien“ gelesen hat, den habe ich angesprochen und mit ihm ein Buch getauscht. Ich habe ihn, glaube ich „Lore und Lena“ oder „Mutter möchte zwanzig Kinder“ gegeben und Ralph Klever, der damalige Lektor hat mir viel später, als ich ihn in Frankfurt wiedergesehen habe, das Buch geschickt.
So geht es mit den Ritter Büchern. Tut mir leid, denn eigentlich bin ich eine vorurteilsfreie Leserin und der Ritter Verlag, hat Kurt Neumann, eingeleitet und den Verleger Helmut Ritter vorgestellt, ist ein sehr interessanter Verlag, der sich um die Literatur und nicht um den Markt kümmert und zweigleisig fährt, zuerst hat er sich um die Aktionisten gekümmert, seit Mitte der Achzigerjahre gibt es auch ein Literaturprogramm.
Das erste Ritter Buch, an das ich mich erinnern kann, war „Der Stadtrat“ von Franz Schuh, also durchaus etwas realistisches. Das hätte ich auch gern gelesen. Aber leider hat es der Alfred nicht mir, sondern dem Martin geschenkt. Inzwischen wird es wohl vergriffen sein und Ralph Klever hat einen eigenen Verlag, so hat der jetzige Leiter des Literaturprogramms, Paul Pechmann die Autoren vorgestellt. Beginnen hätte Franzobel sollen, der seinen gemeinsam mit Franz Nowotny entstandenen „Filz oder ein Wirtschafts-Flip-Flop-Schmier-Film“ vorstellen sollte, er hat aber abgesagt, weil er, wie Kurt Neumann vermutete, an seinem neuen Roman arbeiten würde, vielleicht war er auch mit Arigona Zogaj am Opernball…
Es hat jedenfalls Heribert Sasse gelesen und „Filz“ ist eine Politgroteske, also auch nicht unbedingt, das was man sich unter experimenteller Literatur vorstellt. Es kommen Julius Meinl V, Helmut Elsner und Karl Heinz Grasser vor und besuchen unter anderem ein Bordell und zwar mit vollen Namen. Als ich Helmut Ritter fragte, ob er nicht Angst vor einer Klage hätte, sagte er „Nein, denn das ist eine Groteske“.
Danach kam Franz Schuh an die Reihe und hielt eine Lobesrede über seine Erfahrungen mit dem Ritter Verlag, gefolgt von Ilse Kilic, die schon sechs Bücher bei Ritter hat und eine Collage davon gab. Das heißt, sie hat aus fünf gelesen. Die Lesung von „Das Wort als schöne Kunst betrachtet“ habe ich hier ja schon besprochen und aus „Vom Umgang mit den Personen“ hat sie einmal bei xxxxxxx-Small gelesen und das scheint ein interessantes Buch zu sein. Nämlich ein Schreiblehrgang auf experimentell. Ilse Kilic und ihre Bücher kenne ich ja gut, dagegen war mir der letzte Autor namens Crauss unbekannt. Denn er kommt aus Siegen und wohnt bei der älteren Dame, die ein Mayröcker Fan ist, bzw. sich ein bißchen um sie kümmert, weil sie auch in der Zentagasse wohnt und die Mayröcker Gedichte, wie sie mir erzählte, in ihren Computer tippt. Da hat sie schon ein ganzes Archiv und sie ist wegen Friederike Mayröcker von Deutschland nach Wien gezogen und den Dichter Crauss hat sie kennengelernt, weil Friederike Mayröcker über eines seiner Gedichte geschrieben hat.
Sehr interessant und es war auch eine interessante Lesung. Nachher gab es Wein und Sekt, Brot und Käsewürfeln. Ottwald John hat mir erzählt, daß er Ernst Kostal inzwischen gefunden hat.
Ich habe mich noch ein bißchen mit Karin Schöffauer und Peter Pessl unterhalten und mir jetzt meine ungelesen Ritter Bücher herausgeholt. Mal sehen, ob ich da was schaffe.
Die Nominierungen für den Preis der Leipziger Buchmesse sind inzwischen auch bekannt gegeben worden. Helene Hegemann ist darauf geblieben, außerdem stehen noch Jan Faktor, Georg Klein und Lutz Seiler auf der Liste, was die Belletristik betrifft.

2010-02-10

Widerstand im Haiderland

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:09

Der 4. Febuar hat ein zweites historisches Datum. Wurde da ja im Jahr 2000 die schwarz blaue Regierung in Österreich angelobt, die heftige Proteste und Widerstand auslöste.
Zehn Jahre ist das her. Zu feiern gibt es nicht sehr viel, obwohl wir jetzt wieder eine große Koalition haben, ist es doch recht schwarz geworden und nine elefen hat es seither auch gegeben, den BAWAG Skandal, die Wirtschaftkrise, die Uni- Proteste u. u. u.
Es gibt aber einen Film von Frederick Baker, den haben wir gerade gesehen und das gibt Anlaß über die letzten zehn Jahre nachzudenken. Denn da ist nicht nur politisch sehr viel geschehen.
Als es klar war, daß es eine blau schwarze Regierung geben wird, hat es auf einmal überall Widerstand und Demonstrationen gegeben und ich bin mit meiner Freundin Elfi noch vor dem vierten Februar zur ÖVP Zentrale marschiert. Ab da war jeden Tag was los, dazwischen habe ich sehr viel geschrieben. So meinen Beitrag für den Luitpold Stern Preis, den es leider auch nicht mehr gibt.
2000 habe ich ihn das erste Mal gewonnen, zwar nur in den hinteren Rängen mit einem dreihundert Schilling Buchgutschein, wo ich mir das Buch der Judith Hermann eingetauscht habe.
Ende Jänner, die Sanktionen wurden gerade verkündet, habe ich das „Dichterfrühstück am Himmelsgrund“ geschrieben, wo sich der junge Dichter namens Jura und der alte Professor im Cafe Wolke treffen und über die blau schwarze Koalition resumieren. Das Thema hat „Wissen ist Macht“ gelautet, da ist die Einführung der Studiengebühren gerade richtig gekommen oder nicht natürlich, aber jetzt haben wir gerade keine und sehr viel besser ist das auch nicht ….
Ich habe jedenfalls das erste Mal einen Preis gewonnen, die Preisverleihung war im Juni, da gab es einen Blumenstrauß und eine Urkunde, damit bin ich mit dem Alfred ins Volkstheater, wo es damals Widerstandslesungen nach der Vorstellung gegeben hat. Die Gerstl hat an diesem Abend gelesen.
Am 4. Februar bin ich mit der Elfi auf den Ballhausplatz, wir sind weit hinten gestanden, haben nichts gesehen und nichts mitbekommen, nur daß die Eier und die Tomaten flogen und es sehr laut war. Dieter Schrage hat ja so einen Text geschrieben von einem Beamten mit der Aktentasche, der sie verstohlen öffnet, um mit heimlicher Freude, die Widerstandstomaten herauszunehmen…
Die neue Regierung ist unterirdisch zum Bundespräsidenten marschiert und dieser hat sehr bös geschaut und wir sind am nächsten Tag zum Schifahren nach Obergail gefahren, denn es waren Energieferien und ich habe alles durch das Radio mitbekommen. Die ganze Aufregung, der Staatssekretär Morak hat etwas der Kreativität der Künstler gesprochen, daß die ja in geistigen Widerstand gehen können und das, glaube ich, eher zynisch gemeint und die Bachmanngeschwister haben überlegt dem Land Kärnten den Namen ihrer Schwester für den Preis zu entziehen. Da hat der Schindel, glaube ich, vermittelt und ich habe in dieser Woche einige politische Geschichten geschrieben. Die vom „Widerstand beim Zwiebelschneiden“ erst später. Da war der Anlaß eine „Von Tag zu Tag Sendung“, wo der Herbert Scheibner aufgetreten ist und ein Anrufer sich über die Polizei beschwerte und er ihn zurechtgewiesen hat. Der Text ist in der Milena Widerstandsanthologie enthalten, die sehr bekannt geworden und den Kreisky Preis bekommen hat.
Es gab in der ersten Februarwoche jeden Tag Demonstrationen und am 19. Februar, die große auf dem Heldenplatz, wo sich im Anschluß die Donnerstagsdemonstrationen gebildet haben und ich sehr oft mitgegangen bin und dann gabs auch die Widerstandslesungen jeden Donnerstag, die die El Awadalla und die Traude Korosa organisiert haben. Da habe ich mehrmals gelesen. Im Volkstheater nie, denn als ich mich da angemeldet habe, kam der Sommer und dann waren keine mehr. Aber die Widerstandslesung am Ballhausplatz hat es sehr lang gegeben und es waren auch sehr starke Texte, die ich da gelesen haben. Ich bin in diesem Jahr auch in die Schreibwerkstatt der Gewerkschaft eingeladen worden und da sind einige politische Texte entstanden, die man zum Teil im „Best of – Lesebuch“ nachlesen kann. „Emmas Frauenleben“ z. B., das auch in dem „..bis sie gehen, 4 Jahre Widerstandslesungen Buch“ enthalten ist, das El Awadalla und Traude Korosa herausgegeben haben.
„Das Dichterfrühstück“ ist in der Volksstimmeanthologie 2000, enthalten. Dann gab es noch die Milena Anthologie „Viechereien“, die auch sehr politische Texte enthält.
Ich habe im Frühjahr 2000 auch einen Roman über die ersten hundert Tage der Regierung geschrieben. „Die Viertagebuchfrau“, da sind alle Aufregungen und Unsicherheiten enthalten. Es war ja eine sehr starke Zeit mit vielen Demonstrationen und Kulturaktivitäten. Leider hat sich der Dampf, wie Andreas Khol in dem Film vielleicht auch ein wenig zynisch erläuterte, totgelaufen. Aber damals gab es an jeder Ecke Widerstandskultur. Im Volksstheater, im Burgtheater, in der Gruppe 80 haben sie Jandls „Humanisten“ gezeigt. Elfriede Jelinek hat für die Donnerstagslesungen ihr Stück „Das Lebewohl“ geschrieben, es gab die Schlingensief Aktion vor der Oper und eine Zeitlang auch politische Filme im Filmcasino mit live Diskussionen.
Wo ist das alles hin?, könnte man fragen. Der ganze Aufwand ist verbufft, hat sich zu Tode gelaufen, was eigentlich sehr traurig ist.
Der Film war aber interessant und hat die Erinnerungen aufgeweckt. Es hat zwar viel gefehlt. Die Lesungen wurden nicht gezeigt, wohl aber die alte Dame, die ehemalige ÖVP Wählerin, die aus Protest wegen dem gebrochenen Schüssel Versprechen, zwei Jahre jeden Donnerstag mitgegangen ist, bis auf den Gründonnerstag, da ist sie, weil katholisch, zu Hause geblieben. Robert Menasse ist aufgetreten, Marlene Streeruwitz, Doron Rabinovici und Elfriede Jelinek hat man auch gesehen, damals ist sie noch auf die Straße, bzw. auf den Ballhausplatz gegangen und hat mit Zöpfen der Ur-Aufführung ihres Stückes applaudiert.
Damals war es igendwie sehr frei, man ist sehr nahe an das Geschehen herangekommen, als vor ein paar Jahren die rot schwarze Regierung unter Gusenbauer angelobt wurde, war gerade der Aktionstag für Kunst und Kultur und ich wollte ins Museumsquartier, die Polizei hatte aber sehr viel abgesperrt…

2010-02-09

Social Web, neues Wunschgedicht und Plagiatsvorwurf

Filed under: Uncategorized — jancak @ 13:34

Hier das neue Wunschgedicht zum Thema Rosengift, das mir Richard Weihs so getreulich mailte. Zu den Wilden Worten gestern im Amerlinghaus mit Eugen Bartmer als speziell guest bin ich nämlich nicht gekommen. Stattdessen habe ich mir die Vorträge von der Lovelybook Social Web Konferenz angehört und bin da vor allem bei Marcus Raffelsbergers Facebook Präsentation seines Krimis „Menschenteufel“ hängengeblieben, den er bei der Buch-Wien präsentierte und der auch von Leselustfrust rezensiert wurde.
Intereressant die Vermarktungsstrategien mittels face book. Die face book Seite des Residenzverlages habe ich mir auch angesehen, die haben mit diversen Gewinnspielaktionen inzwischen tausend follower gefunden und ganz ohne Social Web hat Christoph Kepplinger die CDs der Eugenie Kain Gedenklesung geschickt.
Aber hier das Wunschgedicht von Richard Weihs zum Thema Rosengift, das mit „Als das Wünschen..“ beginnt und die Worte Stebehilfe, Medikamentenvergiftung und Palliativmedizin enthält.

Rosengift
Als das Wünschen auch nicht mehr geholfen hatte
griff die Gräfin zum Rosengift des Schloßgärtners
um dem Grafen standesgemäß Sterbehilfe zu leisten
Der Hausarzt konstatierte eine Medikamentenvergiftung
wie sie in der Palliativmedizin schon einmal vorkommen kann
Die Gräfin aber betete an der Familiengruft den Rosenkranz
und hauchte wehmütig: „Er hat Rosen immer so geliebt…“

Und einen Plagiatsfall gibt es auch, wie ich gerade im neuesten Artikel des Literaturcafes gefunden habe.
Die siebzehnjährige Helene Hegemann von deren Ullsteindebut „Axolotl Roadkill“ ich am 25. Jänner bei Emiliy Walton und auch sonst schon erfahren habe, soll ganze Passagen ihres Romans über Sex, Drogen ect. aus dem Netz bzw. aus einem im Verlag SuKulTur erschienenen Roman abgeschrieben haben.
Das finde ich interessant, denn am Freitag soll das auf einem Blog erschienen sein und da wurde das Buch auch in dieser ZDF Reihe „Die Vorleser“ großartig im Sinne von neuen Wunderkind und Fräuleinwunder mehr oder weniger kritisch besprochen und im Internet diskutiert man nun, ob es sich dabei um höheres Abschreiben oder niedriges Plagiat gehandelt hat?
Spannend und sicher sehr bezeichnet, da schreibt eine Siebzehnjährige über Drogen und Gewalt, wird zum Wunderkind hinaufgepusht und dann hat sie nur großzügig abgeschrieben, was jetzt das große Diskussionthema ist.
Mal sehen, ob das Buch trotzdem der große Bestseller wird? Man könnte es aber auch zum Anlaß nehmen, um wieder einmal genauer über den Stellenwert von Literatur zu diskutieren.
Nachzulesen bei literaturcafe.de

2010-02-08

Wartholz und Rauris

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:15

Jetzt ein paar aktuelle Meldungen des Literaturbetriebs, die sich am Wochenende ereignet haben oder bekannt geworden sind.
So gab es den 3. Wartholzer Literaturwettbewerb, der von Freitag bis Sonntag im Schloß Wartholz in Reichenau an der Rax abgelaufen ist.
Da gab es eine Ausschreibung, wo aus 651 Einsendungen zwölf ausgesucht und zur Lesung eingeladen wurden. Das Ganze ist wie der Bachmannpreis organisiert. Man liest am Freitag und Samstag, am Sonntag werden die Preisträger bekanntgegeben. In der Jury waren Bernhard Fetz, Konstanze Fliedl, Katja Gasser und Franz Schuh.
Ich habe vier der Autoren gekannt, nämlich den deutschen Bruno Preisendörfer, der letztes Jahr beim Bachmannpreis gelesen hat und die Österreicher Clemens J. Setz, Katharina Tiwald und Christian Steinbacher. Daher als Preisträger auf Clemens J. Setz und Katharina Tiwald gesetzt und mich wieder mal geirrt, ist doch, wie ich gerade ergooglet habe, Christian Steinbacher, den ich von den GAV Sitzungen kenne, mit seinem Text „Kaum konzernante Konzentrate“ der Preisträger geworden, weil, wie der Juryspruch lautet, bei aller Strenge der Komposition der Leser eine Vorstellung über die Freiheit des literarischen Schreibens bekommt.
Das klingt spannend, obwohl der Titel kompliziert ist. Dafür habe ich Christan Steinbacher bisher auch gehalten und so sein bei Haymon erschienenes Buch „Die Treffsicherheit des Lamas“, das ich einmal beim Bücherturm der Literatur im März bekommen habe, nicht gelesen. Das könnte Anlaß geben, das nun zu tun, während ich die zweite und dritte Preisträgerin, denn die Publikumspreisträgerin ist auch die, die den sogenannten Newcomerpreis gewonnen hat, bisher nicht kannte. Sie heißt Nellja Veremej, ist in der UdSSR aufgewachsen und lebt in Berlin. Ihr Text „Wildgras“ handelt von den menschlichen und geschichtlichen Dimensionen des Lebens und ist mit den elf anderen Texten in der Anthologie „Wartholz III“ enthalten, die bei Residenz erschienen ist.
Mal sehen, ob ich darauf stoße und während ich auf das Ergebnis gewartet habe, ich war am Wochenende ja in Harland an der Traisen und nicht in Reichenau an der Rax, habe ich nachgegooglet, ob man schon etwas über die 40. Rauriser Literaturtage weiß und Bekanntes gefunden.
Hat doch Thomas Klupp mit seinem Debutroman „Paradiso“ den Hauptpreis gewonnen und den habe ich im Dezember gelesen und der Förderungspreisträger Martin Fritz ist mir auch bekannt. Hat der ja den ersten Preis beim FM4 Wettbewerb 2009 gewonnen und da war ich bei der Lesung auf der Buch Wien, der Preisträger hat mir seinen Sony Reader gezeigt und erklärt, wie das Lesen damit funktioniert und die Anthologie mit dem Text habe ich auch.
Interessant also das Zusammentreffen der Preisgeschehen, meine Fehleinschätzungen sind das auch und wer neugierig geworden ist: Die 40. Rauriser Literaturtage finden von 7. bis 11. April in der Salzburger Berggemeinde Rauris statt. Es gibt die Preisverleihungen und Lesungen mit Julian Schutting, Marica Bodrozic, Katja Lange-Müller, Peter Esterhazy, Wolf Haas, Christoph Janacs, Gudrun Seidenauer, Peter Henisch, Michael Köhlmeier und anderen. Hubert von Goisern stellt sein neues literarisches Werk „Stromlinien“ vor. Organisiert werden die Literaturtage von Brita Steinwendter.
Außerdem fand am Wochenende im Müncher Literaturhaus eine Lovelybook-Veranstaltung zum Thema „Social WEb: Der direkte Kontakt zum Leser“ statt. Da habe ich zwar auch nicht teilbenommen, bei literaturcafe.de gibts aber Informationen, wie man sich die podcasts zu dieser Veranstaltung anhören kann. Sehr interessant und zu empfehlen.

2010-02-07

Farbe der Angst

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:09

Die Heldin von Corinna Antelmanns Roman „Die Farbe der Angst“, dem zweiten Buch aus dem Resistenz Weihnachtspäckchen, ist die in Hamburg lebende, bald dreißigjährige Drehbuchautorin Dana Kowalsky, der von ihrem Fernsehredakteur schon wieder einmal ein Treatment abgelehnt wird, weil dessen Vorstellung für die Vorabendserie, das „Wahnsinnig innovative Konzept“ ist, während Dana dieses nur für idiotisch hält, so stürzt sie auf das Klo, kotzt in die Muschel und entdeckt an ihrem Hals eine Hautveränderung in der Farbe Lila und der Strudel von Angst und Wahnsinn in ihrem Leben beginnt.
Sie läuft in die Wohnung, wo sie mit ihrem Lebensabschnittspartner Jan, einem erfolgreichen Architekten lebt und erlebt an ihm ihre eigene Erfolglosigkeit, fährt Tags drauf zu ihren Eltern, die sie einmal im Monat besucht, da das gerade soviel ist, um sie auszuhalten und auch etwas Geld zu bekommen, damit sie Jan nicht mit ihren Extrawünschen belästigen muß. Auch da flüchtet sie sogleich, da die Eltern, gepflegt wie immer, sie nur nach ihrer Karriere und ihrem Einkommen fragen, obwohl sich die Fabe Lila auf ihrem Hals inzwischen weiter ausgebreitet hat.
So geht Dana in die Praxis von Dr. Kammer und flüchtet auch aus dieser, als der Hausarzt das Potential moderner Diagnostik ausschöpfen will, um etwas Bösartiges auszuschließen.
Ab da beginnt die Angst vor dem Tod und die Erfolglosigkeit spielt vorerst auch noch ihre Rolle. Dana rennt und flüchtet, zuerst in das Cafe Feschak, ihres schwulen Schulfreundes Lukas, um dort an einem Tratment zu schreiben, das Lukas aber nicht gefällt. So geht sie zu Jan, der gerade mit Frau Veron einer Kundin und seinem Team einen Erfolg feiert. Dana zerstreitet sich mit ihm, packt einen Koffer und zieht in Lukas Gartenparzelle, wo es heiß ist und die Mäuse an alten Mehlsäcken nagen und Dana macht in dem stickigen Quadrat auf der Iso-Matte den ersten Anfall des Wahnsinns durch.
Purpurfarbene Soldaten überfallen sie, so daß sie mit ein paar Mirabellen aus dem Garten flüchtet, in der U- Bahn aber wieder ganze Armeen sieht und beim Schwarzfahren erwischt wird. So schwindet das Geld aus der Börse, Dana verkommt immer mehr, Lukas wirft sie aus der Parzelle, sie schüttet ihm die Wiener Melange ins Gesicht und fährt zu Jan, um ihn von ihrer Angst zu erzählen, der sie auch nicht versteht, so daß sie den Fernseher aus dem Fenster wirft und in den Stadtpark flüchtet. Dort hat sie einen Bekannten, den Quotenbehinderten Simon, einen Autisten, der die Entchen füttert und den Mist wegräumt, der ihre Geschichte zwar versteht, sie aber, weil er ähnliche Erlebnisse hat, anders auffaßt, so daß Dana wieder allein bleibt, denn der Hausarzt, der sie zur Untersuchung schicken will, nennt sie nur verrückt.
An den Stadtpark, wo sie übernachtet, grenzt die Villa der alten Frau Veron, der Psychotante, die Dana in ihre Villa läßt, ihr Tee kochen und ein Bad einlassen will, aber Dana erlebt sie als Hexe und flüchtet vor der Bibel, die auf einem Tischchen liegt, überlegt ob sie ihre Eltern anrufen soll und landet im Krankenhaus, wo sie Dr. Kammer zur Untersuchung angemeldet hat, dort geht der Strudel des Irrsinns weiter, während Dana eingecremt und verbunden im OP- Hemd auf der Bahre liegt, solange bis sie erwacht, die Dunkelheit und die Farben der Angst verschwinden, das sterile Weiß des Krankenhaushauszimmers die Oberhand übernimmt und Frau Veron sanft die Mitteilung macht, daß Dana bei dem kleinen Eingriff zwar weggediftet wäre, aber alles gut sei und die Gewebsproben nichts ergeben hätten.
Dann folgt der Epilog, der mit einem Bibeltital beginnt und das Treatment „Der Farbe der Angst“ schildert: eine junge Frau sieht sich mit ihrer Angst vor dem Tod konfrontiert, um sie schließlich als Angst vor dem Leben zu entlarven, als Angst vor dem Ich-Sein.
Auf Corinna Antelmanns Homepage steht noch etwas wie, die Konfrontation mit der Wahrheit ermöglicht es ihr Verantwortung für das Leben zu übernehmen und das Gefühl der Ohnmacht zu überwinden.
Das habe ich bei diesem beklemmenden Drahtseilakt zwar nicht herausgelesen, aber von meiner Freundin Elfi ihre erste Psychose genauso geschildert bekommen und als ich es aufschreiben wollte, ist mir das nicht so gut gelungen, wie Corinna Antelmann, die den Wahnsinn und die Irrwege, in die man sich dabei begeben kann, sehr eindringlich schildert, auch wenn sie dabei vielleicht ein bißchen überlädt und zuviel hineinpackt, so daß es nicht leicht ist sich auszukennen.
Ist der lila Fleck am Hals nun ein Melanom, das entfernt gehört oder geht es dabei um eine Psychose?
Ein bißchen mehr Erklärung, als die letzte Seite und ein wenig Beschränkung wäre vielleicht gut, um mit der Beklemmung fertig zu werden, in die der Roman einen wirft.

2010-02-05

Die Welt hat ihre Erinnerung verloren

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Noch einmal alte Schmiede, noch einmal Textvorstellungen. Diesmal im Saal und Angelika Reitzer hatte für ihren zweiten Abend, die Welt als verlorene Erinnerung gewählt. Angelika Reitzer steht, denke ich, für die starke Sprache und für Autoren, die schon einmal beim Bachmannwettbewerb gelesen haben oder das noch tun werden. So saß auch Andrea Grill im Publikum, die ja auch einmal dort gelesen hat, neben Barbara Zwiefelhofer vom Literaturhaus und auf dem Büchertisch lagen Bücher vom Luftschachtverlag.
Angelika Reitzer hielt ein Einleitungsreferat, das sowohl sehr poetisch als auch theoretisch war. Dann begann Hanno Millesi. Ich bin ja irgendwie ein Fan von Hanno Millesi, wenn so etwas möglich ist. Kennengelernt habe ich ihn vor Jahren bei einem dieser Wahnsinnssymposien, da hat er mich durch seinen starken Text, in dem er mit sehr beklemmenden Worten eine Kindheit, die zur Psychose führen könnte, beschrieben hat, beeindruckt. Sehr beeindruckend auch der Text, den er beim Bachmannpreis gelesen hat. Für den hätte ich gestimmt und habe ihn für den besten gehalten, aber die Österreicher gewinnen da ja nicht sehr viel, behaupte ich noch einmal, diesmal war er viel milder und ironisch sarkastisch.
Es geht, hat Angelika Reitzer eingeleitet bei „Alles Gute“, um ein Kalendarium und beginnt mit dem Geburtstag von Dorothy Parker. Denn die Ich-Figur feiert jedes Monat den Geburtstag oder auch den Todestag eines ihm sympathischen Dichters oder Dichterin und sauft sich zu dieser Gelegenheit meistens stilvoll an. Das Saufen in der Literatur ist schon überwunden, hat Gustav Ernst in seinem letzten Buch zwar erklärt, Hanno Millesis Ich-Figur tut es aber immer noch und treibt an seinen Geburtstagstagen auch die seltsamsten Aktionen. So bleibt er den ganzen Tag nackt, um dem ersten, der ihn an diesem Tag besucht, in diesen Zustand die Türe aufzumachen, es kommt aber keiner oder er rezitiert jedem der anruft, ein Gedicht von Emily Dickinson. Er geht auch in den Supermarkt, um in die Tiefkühltruhe Gedichte auszusetzen, um einen Gegentrend gegen das stumpfsinnige Konsumieren zu setzen und dann träufelt er noch im Liegen Orangensaft mit irgendeiner Sorte Schnaps in sich hinein, bis er ganz verklebt und besoffen ist, so weit, des Dichters grandiose Dichtergeburtstagshuldigungen.
Dann kam Johannes Weinberger an die Reihe, 1975 geboren, von dem ich bisher nicht viel mehr als seinen Namen kannte und der las seine „Vatertrilogie“ und da hatte ich wieder einmal eines meiner Aha-Erlebnissse, wo ich am Überlegen war, ob ich nicht den Saal verlassen soll?
Denn der Vater, um den es ging, schob im schönsten Monolog, der sprachlich gelungensten Sätze, Worte vor sich her in denen das Blut nur so um sich spritze, an der Zunge tote Fliegen im Reis klebten und der Vater das Kind in den Bauch der Mutter schieben, unter Wasser drücken oder ihm zu Weihnachten eine Bärenfalle schenken möchte, um sich von seinem knautschigen Schnarchen zu befreien. Die beklemmenste Aggression in die wunderschönsten Worten eingepackt und man sitzt da, hört zu und klatscht am Schluß und das will ich nicht. Dann dachte ich, daß das die Beschreibung einer Psychose ist und an Hanno Millesis Kindertexte, die ja umgekehrt beklemmend waren und dachte, ich werde den Autor fragen, ob er nicht fürchtet, daß er im Falle einer Scheidung, das Sorgerecht wahrscheinlich nicht zugesprochen bekommt?
Da mußte ich lachen und konnte sitzenbleiben. Der Autor erzählte in der Diskussion etwas von seiner Psychotherapie, in der viel hochgekommen wäre und, daß das Unterdrücken von Aggression auch nicht gut sein kann. Natürlich nicht. Dennoch denke ich, daß ich mir das zwar in einer Therapiestunde, aber nicht in der alten Schmiede hören will, auch wenn es noch so schön geformte Sätze sind.
Dann kam die Überraschung des Abends, nämlich die 1989 in Graz geborene Valerie Fritsch, eine schöne junge Frau mit einer hohen Stimme, die von einer Ärztin las, die früher einmal Hure war, in wunderschönen Wortkaskaden, wie Andrea Winkler oder Richard Obermayr voll von Metaphern und Bildern, aber auch mit gelegentlichen Sätzen wie, in der Dusche ist das Wasser heiß. Ohne jeden Zweifel geballte Sprachgewalt. Die Bachmannpreisleserin von übermorgen vielleicht, die dann ähnlich daneben, wie Andrea Winkler oder Angelika Reitzer stehen wird, aber viel weniger beklemmend war, als die Wortbilder der beiden Männer, die ohne jeden Zweifel auch Sprachkünstler sind.
Angelika Reitzer fragte nach der Recherche, ob sie für die Ärztin in Paris, die früher einmal Hure war, viel nachgegooglet hätte? Nein, antwortete die junge Frau mit den blonden Haaren und den Handschuhen ohne Finger, da gehe ich schon direkt an den Ort und habe zwei Tage im Bordell verbracht und dort viel geplaudert. Der Besitzer hat mich auch zum Essen einladen wollen, ich mochte aber nicht, er war mir unsympathisch. Naiv oder arrogant? Mit zwanzig kann man das vielleicht sein.
Als ich zwanzig war, habe ich auch eine Erzählung geschrieben, die in Paris spielte und von einer Hure handelte, die an den Nachmittagen in ein Kloster gegangen ist und sich dort um arme Kinder kümmerte. Ein Bordell habe ich dafür nicht besucht. Das hätte ich mich nicht getraut. Dafür war sie sprachlich nicht so schön, allerdings habe ich mit den reinen Wortschwällen meine Schwierigkeiten, aber sicher drei interessante Autoren gehört, was das aber mit verlorener Welterinnerung zu tun hat, habe ich nicht ganz verstanden?

2010-02-04

Einleben

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:53

In Ludwig Lahers „Einleben“ passiert zu Beginn sehr viel im Leben der beiden young urban citizen Johanna und Mario.
Vor allem bei Johanna, der vierunddreißigjährigen Architektin und Frau Diplomingenieur, mit dem Doppelstudium, hat sie doch zuerst das Lehramt, wie ihre Mutter, die Mathematik und Geographielehrerin, studiert, die mit dem Vater nicht zurechtkam, „denn wenn man sich auf die Männer verläßt, ist man schon verlassen!“, so verläßt Johanna ihre Heimatstadt, macht Reisen, lernt Mario kennen und wird schwanger, noch bevor sie sich für den Kinderwunsch entschieden hat.
Sie geht zu einem erfahrenen sechzigjährigen spröden Mediziner, der einen verläßlichen Fahrplan für sie entwickelt und sie zu Nackentransparenzmessung und Ersttrimesterscreening schickt. Zur Fruchtwasseruntersuchung geht sie nicht mehr, denn sie hat Angst vor dem Stich in den Bauch und so erfährt sie in der Geburtsklinik, daß die kleine Steffi schräge Augen hat. Aber die hat sie von ihrem Vater und der ist ein Meister des Verdrängens, die Kübler Ross`schen Bewältigungsphasen werden auch hier vortrefflich angewandt und sucht nach verläßlichen Fehldiagnosen, der Herzschaden fehlt, das Nasenbein ist nicht mangelhaft ausgeprägt ect…
So beginnt der Roman von Ludwig Laher, der eigentlich ein Sachbuch ist, mit einer konstruierten fiktiven Handlung in der man schrittweise in die moderne Wissenschaft der Trisomie 21 oder des Down Syndroms eingeführt wird und sowohl liebevoll, als auch sachlich sehr genau beschrieben, alles um dieses Thema und das Drumherum erfährt.
Von dem britischen Neurologen John Langdon Down beispielsweise, der in den Achtzehnachtzigern über zweihundert photographische Studioportraits von solchen Personen angefertigt und ihnen auch noch seinen Namen gegeben hat.
Es folgt die Diskussion der Namensgebung, heißt das jetzt Mongo, Downie, Trisomie 21 oder das politisch nicht mehr korrekte Mongoloidismus? Trisomiker oder Down-Syndromisten?
Johanna entscheidet sich für Nichtstandardmenschen.
Soviel ich aus der Diskussion mit Franz Josef Huainigg und Albert Brandstätter weiß, ist die aktuelle Definition der Lebenshilfe: Menschen mit intellektueller Behinderung, bzw. mit Lernschwierigkeiten, wie sie sich selber nennen. Das kommt im Buch nicht vor, wohl aber die Bezeichnung Mensch mit besonderen Bedürfnissen, was Johanna auch nicht gefällt.
Daran schließt sich das Kapitel mit der Sprachentwicklung, die dreieinhalbjährige Steffi redet von sich konsequent in der dritten Person und steckt lange im Einwortstadium, (S)teffi, Papa Papa(s)teffi, was seltsamerweise Mama bedeutet und das Wort „da“.
Liebevoll erklärt Ludwig Laher den eingeschränkten Wortschatz den Menschen mit Downsyndrom haben können und kommt zu dem Kapitel derjenigen, die es geschafft haben, den Führerschein zu machen und mit dem Auto zur Arbeit zu fahren, der Japanerin Aya Iwamoto, die den Universitätsabschluß schaffte, eine Ausbildung zur Bibliothekarin machte und Kinderbücher aus dem Japanischen ins Englische übersetzt und dem spanischen Pädagogen Pablo Pineda, dem ein ähnliches Kunststück gelang.
Es wird aber auch von Steffis Pseudokruppanfällen berichtet und davon wie Johanna allmählich zur Alleinerzieherin wird und mit Steffi zur Selbsthilfegruppe geht, während der sportliche Mario, der mit drei Freunden eine Werbeagentur gegründet hat, sich, obwohl er ein liebevoller Vater ist, viel selbstverständlicher seine Freiheiten holt, übers verlängerte Wochenende noch schnell mit den Freunden durch die oberitalienischen Weinberge biken oder am Vormittag auf einen Berg steigen will, während sich Johanna am liebsten mit einem Buch auf dem Sofa erholt.
So kommt es schließlich zur Trennung der beiden, auch das wird sachlich klar durchdiskutiert und ist wahrscheinlich das Egebnis von Ludwig Lahers Recherche, daß dreiviertel der Partnerschaften mit Kindern mit Downsyndrom noch vor deren Schuleintritt auseinanderbrechen, während neunzehntel dieser Kinder dank unserer Hochleistungsmedizin gar nicht mehr auf die Welt kommen.
Auch von den Prozessen wird in diesem Sachroman berichtet, in denen betroffene Eltern die Ärzte auf Unterhalt klagten, weil sie der behandelte Gynäkologe nicht eindringlich genug aufgeklärt hat, „Denn entscheidend ist in solchen Fällen“, erklärt die darauf spezialisierte Anwältin, „der Empfängerhorizont!“
Kapitel für Kapitel geht Ludwig Laher alle Schwierigkeiten durch, zitiert auch ein Stück aus dem Buch von Waltraud Häupl über den „Organisierten Massenmord an Kindern und Jugendlichen in der Ostmark 1940-1945“ und aus Arno Geigers „Lotta kann fast alles“.
So daß wir die Chance haben nachher ein bißchen mehr über diese Kinder zu wissen, obwohl das Buch, wie ich befürchten würde, bevorzugt in den besagten Selbsthilfegruppen gekauft und gelesen werden wird.
Es ist aber interessant und sehr zu empfehlen und wenn man wissen möchte, was und wie die betroffene Menschen schreiben, verweise ich auf www.ohrenschmaus.net.

2010-02-03

Aktueller Werkstattbericht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 20:05

Nach den vielen Lesungen der letzten Wochen, der neun im Jänner gelesenen Bücher, Leselustfrust hat mich wirklich da ein bißchen animiert, bewußter mit meinen SUBs umzugehen, wenn ich hundert Bücher im Jahr lese und noch an die fünfundzwanzig Jahre Zeit habe, könnte ich ja wirklich alles, was ich geerbt und angesammelt habe, lesen, wenn man seine Bücher nicht auch nochmals lesen sollte, ich zumindest den Ein Euro Schnäppchen selten widerstehe und mir vermehrt mit Hinweis auf das Literaturgeflüster nicht Bücher schnorren würde…., könnte man meinen, die eigene Schreibwerkstatt ist etwas in den Hintergrund geraten.
Meine liebe Kollegin Irmgard Gelter hat sich bei ihrem Besuch Anfang Jänner auch erkundigt, ob ich meine Schreibaktivitäten auf das Literaturgeflüster verlegt habe?
Entwarnung, dem ist nicht so, auch wenn das Bloggen für mich sehr wichtig ist und ich in der Gesellschaft für Literatur, gestern in der alten Schmiede und auch bei der Eugenie Gedenklesung schon darauf angesprochen werde, das eigene Schreiben steht natürlich nach wie vor ganz vorn und da bin ich auch gut unterwegs.
Habe ich 2009 ja zwei kürzere Erzählungen und die die „Krisenwelt“ verfaßt.
„Sophie Hungers Krisenwelt“ liegt immer noch auf Alfreds Schreibtisch, der es jetzt setzen oder, wie man das bei der Internetelektronik nennt, soll. Bis Seite 106 ist er, glaube ich, schon gekommen. Dann geht es wieder an das Korrigieren. Die ersten Fotoversuche für das Titelbild haben wir auch schon gemacht. Eine Messie-Wohnung wäre passend und in Harland gibt es ein paar sehr angeräumte Zimmer, den Klappentext hat mir die Andrea Stift versprochen.
Ich korrigiere derzeit an „Heimsuchung oder halb eins“ und bin mir da noch nicht ganz sicher, ob das jetzt eine Erzählung oder ein Roman geworden ist?
Wahrscheinlich ein Zwischending. Knapp achtzig Rohseiten mit derzeit 45.384 Wörtern sind es jetzt und ich denke, daß ich mit dem Korrigieren in der Endphase bin, obwohl ich mir bis März dafür Zeit genommen habe. Wenn ich mit der Rohfassung zufrieden bin, brauche ich noch ein Nachwort. Ich werde ja den Untertitel „Ein Nanowrimo-Novel“, anfügen und das Titelbild mit dem Winner oder dem Teilnehmerlogo bzw. dem Zertifikat grafisch gestalten. Da sollte ich im Anhang erklären, was der „Nanowrimo“ ist?
Dazu habe ich gedacht, fasse ich die Berichte zusammen, die ich für Jacqueline Vellguth geschrieben habe. Vom Cover habe ich also schon Vorstellungen, auch von wem ich gern den Text hätte, angefragt habe ich noch nicht und korrigiere derzeit neben meiner Praxis, den Veranstaltungen und dem Lesen fleißig vor mich.
Die Organisation des Tags der Freiheit des Wortes fällt nun ja weg, dafür hat mich Petra Ganglbauer, die das jetzt macht, vor ein paar Tagen angeschrieben und mich zu der Veranstaltung eingeladen. Der Anlaß der Bücherverbrennung scheint jetzt zu fehlen, denn die Veranstaltung wird am 9. Juni am Uni Campus sein. Themenschwerpunkte werden die Beschränkung der geistigen Freiheit, Scheinfreiheit, Sprachverrohung und Zensur sein. Dazu habe ich natürlich allgemein was zu sagen und speziell sind „Die Schmerzansichten der Kätzin Murana“ passend und mit den maximal sieben Leseminuten werde ich auch hinkommen.
Die „Mittleren Teil IV“ müssen weiter organisiert werden, das Flugblatt entwerfen, die Lesenden zu einer Vorbesprechung einladen und ich habe mir auch vorgenommen, ein neues Vorwort schreiben, bisher habe ich immer dieselbe Einleitung verwendet, da die Veranstaltung ja an anderen Orten stattgefunden hat. 2006 im Literaturhaus, 2008 in Vorarlberg, 2009 im Amerlinghaus.
Jetzt will ich mir was Neues einfallen lassen und bewerben muß ich es in ein paar Wochen auch. Wenn ich dazwischen noch meine Steuererklärung schreibe, wird sich das wahrscheinlich ganz gut so ausgehen, daß ich mich ab März an das Schreiben von etwas Neuem machen kann. Die ersten vagen Ideen gibts bereits, habe ich schon geflüstert.
Aber auch den ernstgemeinten Vorsatz, mir dazu wirklich Zeit zu lassen. Im Vorjahr war ich nach dem „Haus“ ein wenig ausgebrannt. Das ist diesmal nicht so. Ich glaube im Gegenteil, daß ich durch das fleißige Blogschreiben und mein intensives Privatstudium der Sprachkunst, einen Schritt nach vorn gekommen bin und wieder einmal optimistisch an den neuen großen Roman denke, der mich sowohl von innen als auch nach außen weiterbringen kann. Das denke ich zwar jedes Jahr, bin aber wirklich zuversichtlich.
Im März werden wir nach Leipzig zur Messe fahren und haben das mit den Hundertmarks schon ausgemacht, danach ist die Frauenlesung und bezüglich des Frauenschreibworkshops, an dem ich im vorigen November im Rahmen der Mariahilfer Frauenwochen teilgenommen habe, ist da die Idee gekommen, 2010 aus den Texten vorzulesen. Da kam vor einigen Tagen die Anfrage einer Frau vom Bezirk und ich habe zugesagt.
Es ist also viel los und ich habe noch einen Haufen anderer Pläne, was ich 2010 alles machen und gewinnen könnte, aber dazu brauchts Feedback und Unterstützung anderer und daran haperts ja bei mir. Also mich auf das, was ich geben kann, konzentrieren und heute werde ich, nach dem ich die fünfzehn Euro für den Krenek Abend doch nicht zahlen wollte, mit Ludwig Lahers Einleben in die Badewanne verschwinden und da habe ich noch einen Nachtrag.
War bei Rudi Lasselsbergers freundlichen Büchergaben, mit denen er mich gestern überschüttet hat, doch auch „Europa erlesen“ mit dem Schwerpunkt Linz, das 2008 von Ludwig Laher herausgegeben wurde und eine umfangreiche Sammlung von Linz Texten darstellt. Rudi Lasselsberger hat einiges drinnen, Judith Gruber Rizy, Ruth Aspöck seltsamerweise nicht, obwohl sie dort gelebt hat, aber natürlich Eugenie Kain, da gibt es Ausschnitte aus den „Flüsterliedern“ und dem „Hohe Wasser“.
Also sehr spannend darin zu schmökern, aber jetzt werde ich mich der starken Johanna und der kleinen Steffi mit dem Down Syndrom widmen.

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