Literaturgefluester

2010-03-03

Flaschenpost an Josy

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:14

„Flaschenpost an Josy“ von Margot Koller ist eine nicht ganz seichte Lektüre zum Thema Wasser, wie auf dem Buchumschlag steht.
Die Schriftstellerin Sophie möchte ein Sachbuch über das virtuelle Wasser schreiben und fährt diesbezüglich, die frisch gedruckten Visitenkarten und das Manuskript in der Umhängetasche, siebenhundertfünfzig Kilometer zur berühmten Messe und stolziert von Stand zu Stand herum.
Zuerst beantwortet sie für einen imposanten Herrn mit weißer Haarmähne, die Frage eines Rundfunkreporters, was Bücher für ihn bedeuten, dann fragt sie das Verlagspersonal „Wissen Sie was virtuelles Wasser ist?, um den ratlosen Gesichtern zu erklären, daß das alles in ihrem brandneuen Manuskript „1000 Tropfen Wasser“ stehen würde.
Danach verläßt sie die Regale mit den Krimis, den Comics und den Diätratgebern und besucht einen Kopierladen, weil der neue Farb-Laserdrucker versagte, sie aber kopierte Blätter braucht und lernt den vitalen wendigen Josy kennen, den sie mit derselben Frage überrascht, um ihm zu erklären, daß man für die Produktion einer einzigen Seite Papier zehn Liter Wasser braucht, was diesen sehr beeindruckt.
Da Weihnachten naht, braucht sie Lyrik zum Verschenken, sieht also Josy wieder, der sich als Sparengel erweist und die Kunden zu doppelseitigen Kopien überredet, während die nebenberufliche Lehrerin, ihr Sachbuchmanuskript offenbar doch noch nicht beendet hat, denn sie beginnt zu recherchieren, wohl ein Trick Margot Kollers, damit wir in der spannenden Dreiecksgeschichte einen Einblick über die aktuelle globale Wassersituation kriegen.
Sophie liest Bücher über die Papiergeschichte und beginnt in ihrer Badewanne solches zu recyclen und weil sie ein paar Kilo zuviel auf der Hüfte hat, für Josy aber schlank sein will, macht sie eine Diät aus Wasser und Karotten und sündigt nur am Ende des Karnevals mit ihren Freundinnen bei einem deftigen Brunch.
Dazwischen löst sie als Kommissarin Virtuella Aqua den Wasser Krimi, um von ihrem Literaturagenten zu erfahren, daß das Themas Wasser nicht aktuell genug ist, um einen großen Leserkreis zu interessieren, um so mehr, da sie keinen durch die Medien bekannten Namen hat…
So fährt Sophie, die sich im Laufe ihres Lebens von ihrem Bernard, der sie das Wasserpaddeln lehrte, trennte, in den Osterferien zu einer Freundin, um sich bei dieser zu erkundigen, ob sie sich dem am Wasser interessierten Josy nähern soll?
Die rät ihr nachzufragen, ob er Single ist, was die Erschlankte tut, um sich mit ihm, als der Test positiv ausfällt, am Donnerstag in einem Cafe zu verabreden.
Vorher fährt sie nach Venedig, beschließt dort ihren Wasserroman umzubenennen und ihn in eine Plastikflasche zu stecken, um ihn Josy als Flaschenpost zu überreichen…
Den Zeitraum von 2005-2015 erfährt man auf der Buchrückseite haben die vereinten Nationen zur Weltdekade „Wasser – Quelle des Lebens“ ausgerufen, so daß das Buch flüßig lesbare Fakten und Daten dazu bringt. Man erfährt aber auch ein bißchen über den Frust einer Nebenerwerbsschriftstellerin, dem Literaturbetrieb und über die in Salzburg lebende Margot Koller, die eine begeisterte Wanderpaddlerin ist und schon über achtzig unterschiedliche Gewässer befahren hat und da ich sie schon lange über die GAV kenne, weiß ich noch ein bißchen mehr.
Nämlich, daß sie auch eine ist, die ihre Bücher selber macht, dieses mit einer schönen blauen Umschlagseite und zwölf Grafiken, die die Kapitel einleiten, hat sie in fünfzig Belegexemplaren herausgebracht und da ich es mir nicht verkneifen konnte, in der Badewanne mehr über das Wasser zu erfahren, ist es jetzt ein bißchen aufgelöst.
Ich weiß aber auch, daß das Thema Wasser noch andere ihrer Bücher füllt. So hat sie bei Arovell „Alles fließt wie der Fluß“ herausgebracht und da sie bei Ruth Aspöcks Donau-Rad-Karawane, ein Stückchen mitgefahren ist und in Deggendorf gelesen hat, wird sie auch in einer dieser Anthologien einen Text über das Wasser haben.
Ansonsten habe ich sie bei einer GAV-GV in den Achtzigerjahren kennengelent und gemeinsam mit ihr die GAV-Anthologie zum Selbstmord herausgegeben.
Ich sehe sie immer bei den Generalversammlungen und habe sie 2005 zu der Veranstaltung „Selbstgemacht-Die Literatur neben dem Literaturbetrieb“, die damals noch problemlos im Literaturhaus stattfinden konnte, eingeladen und besitze noch andere selbstgemachte oder fremdverlegte Bücher von ihr. Scheint sie doch viel zu schreiben und eine originelle Person zu sein, die ebenfalls unter dem Literaturbetrieb leidet, wie man auf den GAV-GVs hören kann.
Das letzte Mal habe ich sie bei der Buch-Wien getroffen, da haben wir Bücher getauscht und ich finde es sehr spannend, in einem Sachbuch über Wasser soviel über das Schreiben zu erfahren.
Und ich habe schon wieder ein Buch gewonnen und zwar bei Dietmar Füssels monatlichen Gewinnspiel und nicht bei dem des Residenz-Verlages, hätte ich da doch unbedingt geglaubt, daß das Buch das unlängst auf Hindi übersetzt wurde, von Zdenka Becker ist. Es war aber Peter Roseis „Das große Töten“.

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1 Kommentar »

  1. Liebe Eva,
    ich hoffe diesesmal klappt es mit dem Kommentar. Hatte schon einen geschrieben, der PC muss ihn „gefressen“ haben? Zunächst herzlichen Dank für Deine Besprechung. Ich finde toll, dass Du den Inhalt so genau nacherzählt hast – eine Besprechung in der Salzburger Straßenzeitung „APROPOS“ bringt mehr die sachlichen Inhalte. Das war spannend für mich und sollte auch so sein, dass man je nach Präferenzen sich das eine oder andere herausholt. Ich habe nun die zweite Fassung fertig, die sich eingehender mit dem Klima und dem Umweltfußabdruck beschäftigt. Verlagsmäßig ist da auch noch nichts weitergegangen, aber ich probiere nun noch einen Monat einen österreichischen Verlag zu kriegen, gelingt das nicht, dann eben Eigenverlag. Was die Lesung betrifft über „die mittleren“ schicke ich Dir ein Mail. Grüße Margot

    Kommentar von Margot Koller — 2010-03-09 @ 17:12 | Antwort


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