Literaturgefluester

2010-03-24

Lyrik im März

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:04

Die Lyrik im März ist die zweite große GAV-Veranstaltung, begründet in den Siebziger-oder Achtzigerjahren, ich weiß es nicht so genau, es gab sie jedenfalls immer, seit ich bei dem größten österreichischen Autoren Autorinnenverein Mitglied bin, die es neben dem Tag der Freiheit des Wortes gibt.
Wieder eine Massenlesung, wo an die dreißig Autoren und Autorinnen im fünf Minuten Tempo jeweils ihre Gedichte vortragen. Wie der Tag der Freiheit des Wortes hat die Veranstaltung einmal im großen Hörsaal I im neuen Institutsgebäude stattgefunden. Lange Zeit hat sie Heidi Pataki organisiert und ich erinnere mich noch gut, an ihre langen Gedichte, die sie stehend am Podium vortrug.

Traude Korosa, Krista Kempinger, Marie-Therese Kerschbaumer, Ilse Kilic, Christian Katt, Gerhard Jaschke

Traude Korosa, Krista Kempinger, Marie-Therese Kerschbaumer, Ilse Kilic, Christian Katt, Gerhard Jaschke

Eine Monsterlesung und ein Schnellkurs in die Lyrik vorgetragen von den größten Dichter und Dichterinnen Österreichs . Sehr viele sind inzwischen schon gestorben. Ernst Jandl, Gerhard Kofler, Gerald Bisinger, Heidi Pataki, Gert Jonke, Elfriede Gerstl. Im Todesjahr von Gerhard Bisinger, den auch ich sehr gern mochte und ein großer Fan seiner Gedichte war, die eigentlich immer nur aus einem einzigen Satz bestanden: „Sitze im Zug, trinke Rotwein und denke an Karl August“ und das in hunderten Varianten, so ein Satz muß einem erst einmal einfallen, hat irgendwer, vielleicht war es Gerhard Kofler, ein Gedicht von ihm gelesen, daß so makaber war, daß es mich sehr erschüttert hat und ungefähr so lautete: „Besuche zu Allerheiligen den Ottakringer Friedhof und frage mich, ob ich mich im nächsten Jahr oberhalb oder unterhalb der Erde befinden werde?“
Das Begräbnis fand, wie das von Gerhard Kofler am Ottakringer Friedhof statt. Vorher hat Gerhard Bisinger den Würdigungspreis für Literatur und ich noch die Einladungen dazu bekommen. Ich ging hin und dachte, die Stimmung ist irgendwie komisch, nicht, weil alle schwarz angezogen waren, das ist man oft bei Preisverleihungen, ich war es, glaube ich, auch und den Bisinger habe ich nicht gesehen, dann kommt der Ministerialrat Unger, der inzwischen ebenfalls gestorben ist und erklärt, daß dieser Preis auf Wunsch Gerhard Bisingers posthum an seine Eva Maria vergeben wird.

Eva Jancak, Rolf Schwendter

Eva Jancak, Rolf Schwendter

Aber ich wollte von der Lyrik im März schreiben, die seit dem Tod der Heidi Pataki von Rolf Schwendter organisiert wird. Jetzt war ich schon länger nicht dort, weil es sich ein paarmal mit Leipzig überschnitten hat, ich manchmal nicht weggekommen bin, weil ich eine Diagnostik hatte und eine bin, die Befunde ungern liegen läßt.
Seit einigen Jahren findet die Veranstaltung im Uni Campus statt und dort war ich noch nie. Es gibt ein Thema, früher gab es eine Einführung in die Lyrik, wenn es das heute auch gegeben hat, habe ich sie verpasst.
Die Veranstaltung fand nämlich, wie mir Christine Huber mailte, wegen Studentenproteste im Hörsaal d, gleich hinter der Pathologie statt und ich ging und ging den Pfeilen nach, bis mich eine junge Frau ansprach und hinführte, gleich neben dem Narrenturm und so hatte Gerhard Jaschke gerade die Einleitung beendet, als ich den Hörsaal, der noch dazu sehr verwinkelt war und ein paar Leute waren zu begrüßen und Zetteln aufzulegen, Ruth Aspöck war allerdings schon vor mir da, erreichte.
„Die Angst, der Morgen, der Winter“, lautete das Thema und das Motto, drei Begriffe, die wie man meinen sollte, nicht sehr viel miteinander zu tun haben.
Das Thema Angst ist mir in meinem Zweit- oder Erstberuf sehr vertraut. Denn da gibt es die Panikattacken, die Exsistenz- und Zukunftsangst und auch die Gewalt, die die Angst erst erzeugt. Davon hat Ruth Aspöck ein sehr beeindruckendes Gedicht von Kindern gelesen, die ihre Eltern lieben sollen, müßen, die sie schlagen, mißhandeln, vergewaltigen…
Vorher gab es noch zwei Gedenklesungen nämlich die von Herbert J. Wimmer mit Elfriede Gerstl Gedichten. Ingrid Ahers hat aus den neuen Gedichtband von Gert Jonke gelesen. Dann fing er an, der Reihen und der Marathon der österreichischen Gegenwartslyrik und es saßen einige sehr bekannte Namen und Gesichter im Publikum oder Vortragspult. Es war wieder eine sehr interne GAV- Veranstaltung, wo die meisten Zuhörer Mitglieder waren, würde ich mal schätzen. Die großen Namen und Gesichter aber durchaus sehr beeindruckend. Julian Schutting, Robert Schindel, Marie Therese Kerschbaumer, Ferdinand Schmatz und Bodo Hell in einem Saal. Es haben aber siebenundzwanzig Lyriker und Lyrikerinnen gelesen. Friederike Mayröcker, die, wie es Gerhard Jaschke erklärte, den poetischen Reigen eröffnen sollte, mußte krankheitshalber absagen und Richard Wall war ebenfalls verkühlt. Sonst sehr viele bekannte und unbekannte Autoren. Dietmar Füssel ist aus Oberösterreich gekommen, um seine lateinamerikanischen Gedichte der Leidenschaft vorzustellen. Franz Hütterer hat mich ebenfalls sehr beeindruckt: „Die alten Nazis haben damals von nichts gewußt, wie sollen sie sich heute erinnern können? Die neuen Nazis wissen noch immer von nichts. Wie sollen sie sich davon distanzieren?“

Rolf Schwendter, Fritz Widhalm, Karin Spielhofer

Rolf Schwendter, Fritz Widhalm, Karin Spielhofer

Aber auch Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Traude Korosa, Christian Katt, Mechthild Podzeit-Lütjen, Monika Giller, Ludwig Laher, Rolf Schwendter und viele andere haben ihre Gedichte zur Angst, dem Morgen und dem Winter gelesen. Ilse Kilic brachte das Kunststück zusammen einen lyrischen Comic vorzustellen. Enrique Moya hat sein Gedicht Silvia Bartl gewidmet. Bodo Hells Litanei war beeindruckend, Robert Schindels Gedichte habe ich schon vor einer Woche gehört und Rolf Schwendter hat wie üblich den Reigen mit einer Monsterballade beendet.
Es gab einen Büchertisch und in der Pause ein bißchen Wein und Brot und natürlich interessante Begegnungen und der Alfred hat ein paar schöne Fotos gemacht.

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1 Kommentar »

  1. […] *** mehr faktisches und praktisches (sogar mit fotos) wie gewohnt in eva jancaks literaturgeflüster […]

    Pingback von die angst, der morgen, der winter « ConSens — 2010-03-25 @ 20:32 | Antwort


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