Literaturgefluester

2010-03-27

Plan B

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:08

„Plan B“ ist der posthum erschienene Roman, des 1909 in Jefferson City geborenen, 1953 nach Frankreich emigrierten und 1984 in Spanien verstorbenen Chester Himes, der 1928 nach einem bewaffneten Raubüberfall ins Staatsgefängnis von Ohio eingewiesen wurde. Dort hat er zu schreiben begonnen, wurde aber erst in Frankreich mit seinen Kriminalromanen, die Harlem als Schauplatz hatten und in denen zwei kompromißlose schwarze Detektive namens Coffin Ed Johnson und Grave Digger Jones die Hauptrolle spielten, berühmt.
„Plan B“ der letzte Roman dieser Serie ist aber mehr als ein schwarzer Kriminalroman sondern ein sartirisch sarkastisches Szenario, des Aufstandes der schwarzen Bevölkerung Amerikas, das in die Geschichte der USA zurückgeht und in dem es von Morden, Vergewaltigungen und Schilderungen der brutalsten Szenen nur so strotzt und wie ich Wikipedia entnehme, zu einer Zeit geschrieben wurde, wo der Autor die Hoffnung aufgegeben hatte, daß die Unterdrückung der Schwarzen durch die Weißen friedlich gelöst werden kann.
So beginnt es auch ziemlich gewaltsam, daß T-Bone Smith mit seiner Frau Tang in einer Slumwohnung in der 113. Straße in Harlem bei einem Fernseher, aber ohne essen sitzt. Es klopft und es kommt ein Bote mit einer Blumenschachtel in dem sich ein Gewehr versteckt. Die beiden verlieren kurz darauf das Leben. Die Detektive treten auf und es wird noch das soziale Leben in Harlem geschildert, bevor es mit einer Reihe von Vergewaltigungen in die Sklavengeschichte hinübergeht, um dann zu der von Tomsson Black des politischen Visionär und Wunderwuzzis zu kommen, der von den Weißen gefördert wird, obwohl es verboten ist, die kommunistischen Staaten bereist und dann wegen Vergewaltigung veruteilt wird, weil Chester Himes offenbar die Auffassung vertrat, daß alle weißen Frauen von schwarzen Männern gevögelt werden wollten, die sie nackt verführten, wofür die Männer ins Gefängnis kamen. Tomsson Black war aber nur drei Jahre dort, dann setzten sich Mister und Missis Goodfeller, Barbara Goodfeller ist die Frau, die von ihm vergewaltigt werden wollte, für seine Freilassung ein und Tomsson Black trifft sich als erstes mit Barbara, um sich von ihr Geld für seinen Plan B geben zu lassen.
Das heißt allen schwarzen Männern werden nun solche Blumenschachteln mit Gewehren für den Aufstand der Schwarzen zugestellt, was in weiterer Folge zu einer Reihe von Massakern und Unterdrückung führt, währenddessen Tomsson Black das „Black for Blacks, Inc.“ gründet, dort die schönsten jungen schwarzen Männer und Frauen einstellt und ein Sozialprojekt ausheckt, in dem mittellose Schwarze einen Arbeitsplatz bekommen sollten, damit sie nicht länger Sozialhilfe und weiße Wohlfahrt in Anspruchnehmen müßten, wofür er von der Hull-Stiftung eine Million Dollar haben will und sie nach mehreren Testgesprächen auch bekommt. Inzwischen geht das Abschlachten zwischen den Weißen und den Schwarzen lustig weiter, so daß der Polizei nichts anderes einfällt, als die beiden Detektive zur Aufklärung des Falles einzusetzen, was die auch tun und von der Polizei verhaftet werden, als sie Tomsson Black als Schuldigen angeben. Der schickt aber eine Kaution durch eine schöne schwarze Frau und läßt die beiden zu sich führen, Coffin Ed will ihn daraufhin erschießen, wird aber von Grave Digger daran gehindert und schließlich von Tomsson Black erschoßen, weil das Risiko, wie er der schönen schwarzen Frau erklärt, zu groß gewesen wäre…
So weit die bissige Satire eines Hoffnungslosen, die von ihm nicht zu Ende geschrieben werden konnte, sondern vom Herausgeber aus Entwürfen rekonstruiert werden mußte.
Ein interessantes Buch, wenn auch für mich wegen der brutalen Szenen sehr schwer zu lesen, es wird aber in den Beschreibungen „Der Witz, die Tragik, die Sympathie, die Distanz und der fieberhafte Rhythmus des Gangsta Raps der 30er40er Jahre“ sehr gelobt und Eberhard Falcke vom norddeutschen Rundfunk, meint, daß es auch nach dreißig vierzig Jahren noch so beunruhigend und radikal wie am ersten Tag wirkt.
Ich muß gestehen, daß ich weder von Chester Himes noch von seinem im Unionsverlag erschienenen Harlem-Zyklus je etwas gehört habe. Das Buch lag in Leipzig zur freien Entnahme auf und hat mich in seiner brutalen Härte und seinem makabren Witz an Hans Weigels „Grünen Stern“ erinnert, der die Traumen des dritten Reiches auch auf eine sehr skurille Art verarbeitet hat.

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