Literaturgefluester

2010-04-06

Osterspaziergang des ersten Wiener Lesetheaters

Filed under: Uncategorized — jancak @ 01:14

Am Ostermontag gleich den nächsten Osterspaziergang durch den unteren Teil von Wieden, der um 13 Uhr im Otto Wagner Pavillvon am Karlsplatz begonnen hat und von Susanne Schneider liebevoll organisiert wurde. Leider war das Wetter nicht so schön, wie am Samstag und ich bin auch ziemlich knapp auf den Karlsplatz gekommen, weil wir erst am Vormittag nach Wien gefahren sind und der Anna auch noch die Osterhasen vorbeigebracht haben.
Der Otto Wagner Pavillon ist architonisch sehr interessant. Dazu haben die Szenen aus den „Letzten Tagen der Menschheit“, die Werner Grüner las, sehr gut gepasst, obwohl sie an der Sirk-Ecke spielen. Danach las Rolf Schwendter etwas von Elias Canettis „Fackel im Ohr“, nämlich die Stelle, wo er in die Kraus Vorlesung ins Konzerthaus ging und dort seine Veza kennenlernte.

Danach fragte mich ein Mann, ob ich von Ex libris sei und die nächste Station, war ein etwas regenverkürzter Rundgang über den Karlsplatz, historischen Museum der Stadt Wien, das jetzt Wien Museum heißt, Karlskirche, Resselpark mit dem Resseldenkmal und TU. Am Rilkeplatz habe ich mit Klaus Schwarz eine Kostprobe aus dem Erika Mitterer – Rilke Briefwechsel gelesen, hat ja Erika Mitterer als junge Frau Rainer Maria Rilke begeistert Gedichte geschickt, die sehr nachempfunden waren und Rilke hat begeistert geantwortet.
Manfred Loydolt hat beim Zauberflötenbrunnen am Mozart Platz, die Papagenoarie gesungen und wir sind über das ehemalige Johann Strauss Theater in der Favoritenstraße 8, wo später die neue Scala war, in den Grün Raum gegangen.
Dort mußten wir zwar etwas warten, bis uns eine Barbara aufsperrte, dafür wurden wir mit Kaffee und Tee bewirtet und Bücher gab es auch.

Und schöne Texte, befanden wir uns ja gegenüber dem Theresianum, wo Maria Theresia geboren wurde und heute die berühmte Schule ist, drinnen dürfte sich ein toller Park befinden, der leider nicht öffentlich ist. Jirsi Grusa und Franz Richter waren dort Lehrer, von denen gab es Textproben und noch Mozartbriefe. Dann ging es in die Rainergasse in den Hof der Erika Mitterer Gesellschaft, wo schon der Sohn und Nachlaßverwalter Martin G. Petrowsky wartete. Die Gedenkstätte ist in einem sehr schönen Biedermeierhaus, das der Familie gehört. Es lagen ein paar Zaunkönige zur freien Entnahme auf. Martin G. Petrowsky erzählte ein bißchen über die Erika Mitterer Gesellschaft und da war ich vor ein paar Jahren zufällig bei der Eröffnung. Ich hörte im Radio etwas von der Enthüllung der Gedenktafel, hatte an dem Tag ein Supervisionsgespräch im Prayerschen Kinderspital und ging am Rückweg an dem Haus vorbei, das sich gerade mit den Festgästen füllte. Ein wenig zögernd ging ich hinein. Eleonore Zuzak rief „Die Frau Doktor ist auch überall!“ und ich hatte ein bißchen ein schlechtes Gewissen, weil ich keine Einladung hatte, bediente mich aber trotzdem am Buffet und ich glaube mich zu erinnern, daß ich mich mit Paul Wimmer unterhielt. Und ich habe auch einen Text über Erika Mitterer, mit der ich bei „Buch und Wein“ anläßlich des Erika Mitterers Symposiums 2001 eine berührende Begegnung hatte und in der Schreibwerkstatt der Gewerkschaft zu dem Thema „Was hatten wir denn an Literatur zu Haus“ darüber schrieb. Diesen Text habe ich Herrn Petrovsky geschickt, er kam verkürzt in den „Zaunkönig“, der Zeitschrift der Erika Mitterer Gesellschaft zum hundertsten Geburtstag der Dichterin und den habe ich auch gelesen, allerdings erst im Cafe Frey gegenüber.

Im Hof wieder mit Klaus Schwarz ein Gedicht aus dem Rilke Briefwechsel und Uli Makomaski hat aus „Das Kreuz wird verhüllt – eine Schriftstellerin erinnert sich an 1938“ gelesen. Dann war ich gleich nochmals dran, denn ich habe auch meine Erinnerungen zu Helmut Eisendle und der hat auch noch in dem Haus gelebt, wo es das Antiquariat „Buch und Wein“ gegeben hat.
Ich habe mich auch mit Manfred Loydolt unterhalten, der mir sagte, daß ich, bei der Feier „Zwanzig Jahre Lesetheater“ einen Text lesen soll, den ich einmal fürs Lesetheater geschrieben hab. Franz Hütterer, der später Texte zur Wiener Gruppe las, kam auch ins Cafe Frey und lobte das Literaturgeflüster und wir gingen zur freien Bühne Wieden, die diesbezüglichen Texte hatten wir schon gelesen, also nur den Hof besichtigt und zum Jandl Park in der Schlüsselgasse, wo die Mechthild Podzeit-Lütjen wohnt, uns Ostereier brachte und einen Text verlas, den sie anläßlich der Umwidmung des Schlüsselparks in den Ernst Jandl geschrieben hat, weil Jandl einst Lehrer in der Waltergasse war.

Die nächste Station, das Cafe Classico in der Wiedner Hauptstraße, auch daran geh ich oft vorüber, war ebenfalls sehr interessant. Wurden da ja Texte von Fritz Grünbaum und Karl Farkas gelesen. Dora Schimanko las, wie es zum „Buchenwald-Lied“ kam und Sonja Henisch, die Ex-Frau vom Peter, die mir auf dem Weg erzählte, daß sie auch einen Verlag für ihre Bücher sucht, las über die Kaffeehauskultur auf der Wieden und davon, das früher bei H.C. alle an Artmann dachte, während das heute für Strache steht und auf einmal kam es zu einen Disput in dem Cafe, das eigentlich extra für uns aufgesperrt wurde. Es waren nämlich doch noch andere Leute da, offensichtliche Stammgäste, die empört das Lokal verließen, weil sie nicht soviel von Buchenwald und Widerstandskämpfern hören wollten.

„Freundschaft!“, rief ihnen Werner Grüner noch nach und da haben sie auch die Auszüge von Irene Harands „Sein Kampf“ versäumt, die eine katholische bürgerliche Dame war und sich dennoch 1935 leidenschaftlich gegen Hitlers engagierte.
Sehr interessant, daß man 2010 Widerstand erregen kann, wenn man Grünbaum, Farkas und Hugo Wiener liest, aber es kam noch viel Interessanter, nämlich im Restaurant Beograd im Freihausviertel, in das wir gingen, weil es dort für Rolf Schwendter eine gute Fischsuppe gibt und sich auch die Wiener Gruppe in den Sechzigerjahren dort traf. Deshalb stand hauptsächlich die Wiener Guppe am Programm: Konrad Bayer, Liesl Ujvary, H.C.Artmann, Oswald Wiener, Gerhard Rühm, Hannes Schneider, Elfriede Gerstl, Friederike Mayröcker, Ernst Jandl. Aber das Beograd, das heuer seinen fünfzigsten Geburtstag feiert, hat Live Musik und die schlug sich sehr mit der Wiener Gruppe. Elisabeth Chovanec hat zwar tapfer Friedrich Achleitners experimentellen Text über die gute Suppe gelesen, aber ein serbisches Lokal und die Texte der Wiener Gruppe sind schon eine wilde Mischung und man lernt viel dabei.
Zum Glück hörten die Musiker um zehn zum Spielen auf, so daß wir mit Ausnahme der Gerstl Texte, Angelika Raubek hatte schon das Lokal verlassen, weiter machen konnten. Susanne Aschner las noch eine Collage von Texten ihrer Tochter und ihrer Mutter, was ebenfalls sehr lehrreich war.

Advertisements

2 Kommentare »

  1. SUPER bericht!
    ich werde mich im internetcafe kürzer fassen müssen…
    aber in den nächsten tagen kontaktier ich deinen freund, vielleicht kann er mir mit dem hochladen helfen.

    alles liebe
    fran(cesco)z h.

    Kommentar von francesco — 2010-04-06 @ 10:47 | Antwort

  2. Es ist schon der Ehemann…

    Kommentar von Eva Jancak — 2010-04-06 @ 13:41 | Antwort


RSS feed for comments on this post. TrackBack URI

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Erstelle eine kostenlose Website oder Blog – auf WordPress.com.

%d Bloggern gefällt das: