Literaturgefluester

2010-04-19

Arno Geiger Lesung

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:51

Heute Abend gab es in der alten Schmiede ein Gespräch und eine Lesung über Arno Geigers im Feburar erschienenen Roman „Alles über Sally“.
Den 1968 in Bregenz geborenen, ersten deutschen Buchpreisträger, kenne ich aus einer Zeit, als er noch nicht berühmt gewesen ist. Nämlich seit Juni 1996, als er das erste Mal beim Bachmannpreis, einen Text über eine Käthe im Kornfeld gelesen hat, der glaube ich, auch in den Manuskripten erschienen ist. Damals ist er mir aufgefallen, ich habe ihn auf seinen Text angesprochen und etwas später in einer Literaturzeitschift gelesen, daß er auch Martina Schmidt vom Deuticke Verlag aufgefallen ist.
1997 ist jedenfalls die „Kleine Schule des Karusellfahrens“ erschienen und wurde im Literaturhaus vorgestellt, eine Präsentation eines Hörspiels habe ich in der alten Schmiede vor langer Zeit auch gehört. 1999 erschien „Irrlichterloh“ und 2002 „Schöne Freunde“.
Von beiden Büchern habe ich nicht sehr viel gehört und sie auch nicht gelesen, sondern mich erst wieder mit Arno Geiger beschäftigt, als er 2004 nochmals beim Bachmannpreis gelesen hat und zwar mit einem Stück aus dem Roman mit dem er ein Jahr später den deutschen Buchpreis gewonnen hat. Dazwischen kam noch der Erzählband „Anna nicht vergessen“, da habe ich bei „Rund um die Burg“ daraus gehört und auch aus „Es geht uns gut“ .
Jetzt der neue Roman, „Alles über Sally“, wo ich schon ein Stück in Ö1 gehört habe und in Leipzig ein Stückchen des Gespräches am blauen Sofa. Kurt Neumann hat ihn als dritten Roman einer Romantrilogie und „Schöne Freunde“ als Roman über die Kindheit, „Es geht uns gut“, als Beziehungsroman und „Alles über Sally“, als Eheroman bezeichnet. Oder auch als Ehebruchroman, wie es Arno Geiger nannte, der meinte, daß er ab „Irrlichterloh“ eine neue Form des Schreibens gefunden hat. Vorher war er, mehr sprachkritisch unterwegs, wenn ich es richtig verstanden habe, obwohl ich schon die Geschichte aus dem Kornfeld nicht so empfunden habe. Jetzt also mehr erzählend, es ist auch ein Roman, der ständig die Perspektiven wechselt und die Geschichte einer Ehe und des Alterns in diesen Sichtwechsel erzählt. Es geht um zwei Ehepaare oder auch um Sally oder Alfred.Sally ist zweiundfünfzig und Englischlehrerin, Alfred etwas älter und Kustode oder Kurator und die Geschichte beginnt im Sommerurlaub in England, wo sich Sally über Alfreds Stützstrumpf ärgert, der, wie in der Diskussion klar wurde, eine wichtige Rolle im Romans spielt.
Alfred liebt jedenfalls Sally über alle Maßen und führt Tagebuch, Sally liebt ihn etwas weniger, sondern mehr das Leben. Dann kommt es zu einem Einbruch in ihre Wohnung, der sie den Urlaub abbrechen läßt und zu dem Ehebruch, den Sally mit dem Mann des zweiten Paars begeht. Alfred zieht sich zurück, obwohl die beiden, die sich in den Siebzigerjahren im österreichischen Kulturinstitut von Kairo kennenlernten, eine offene Ehe führen wollten. Jetzt stellen sie fest, daß sie, wie wohl die meisten Paare, mit der Zeit verbürgert sind und am Ende der Geschichte verläßt der Freund seine Frau und Sally, um mit einer jüngeren davonzugehen. Der Roman endet, wie Kurt Neumann erklärte, mit dem faden Jahresrückblick des ORF und Sally kommt offenbar zu Alfred zurück, der inzwischen, Gag des Autors, ein Gipsbein hat und sie mit seiner Liebe erwartet.
Daran spann sich die Diskussion, ob Alfred nun ein Held oder Waschlappen ist, denn der betrogene Ehemann hat doch, wie bei Madame Bovary und Effi Briest, den Ehebruchromanen des vorvorigen Jahrhunderts, die Ehefrau zu verstoßen, um nicht als Waschlappen zu gelten. Arno Geiger ist aber stolz darauf, daß er seinen Alfred wachsen ließ und hat am Ende des Romanes seinen Lektor angerufen, um ihm „Wolfgang es ist mir doch gelungen!“, mitzuteilen.
Da ist mir zwar Hofmannsthal „Schwieriger“ eingefallen, den ich als sehr junge Studentin mit Rudi Blahout, zwanzig Jahre älter als ich, im Theater in der Josefstadt gesehen habe, der mir zuflüsterte, daß man im Verzeihen, die wahre Größe des Ehemannes der Antoinette Hechingen erkennt, aber Arno Geigers Ehebruchroman schildert das einundzwanzigste Jahrhundert und der Autor hat auch etwas über seine Art zu Schreiben erzählt, daß es nämlich eine zweijährige Konzeptionsphase gab, wo er sich Notizen zu seinen Figuren machte und den Roman danach in fünf Monaten realisierte, also aufgeschrieben hat.
Es war sehr voll in der alten Schmiede und das Buch wurde sicher gut verkauft und hoffentlich auch gelesen, während ich es höchstwahrscheinlich nicht lesen werde. Da reicht mir die Lesung und das Gespräch, um einen literarischen Eindruck zu bekommen, habe ich ja nicht nur jede Menge ungelesener Bücher, die ich langsam langsam aufarbeite, sondern heute auch zwei neue bekommen und zwar Milena Mosers „Möchtegern“ und das habe ich natürlich nicht im offenen Bücherschrank gefunden, sondern vom Alfred bekommen, der einen Amazon-Gutschein hatte und ganz unerwartet, vom GAV-Kollegen Peter Hodina, mit dem ich mich beim Abendessen bei der letzten GAV-GV lang unterhalten habe, ein Päckchen mit seinem Erzählband „Steine und Bausteine 1“ und war ansonsten sehr damit beschäftigt, mich auf Ilse Kilics Veranstaltung „Das alltägliche Leben“ vozubereiten, die am 28. Mai im Amerlinghaus stattfinden wird.

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