Literaturgefluester

2010-04-28

Alle Tage Gedichte und auch Prosa

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:03

Vor einem Jahr ist Elfriede Gerstl gestorben. Ich habe im Literaturgeflüster darüber berichtet, war beim Begräbnis und die anschließende Gedenkveranstaltung im Cafe Korb und die Präsentation des postum erschienenen Gedichtbandes „lebenszeichen – gedichte – träume – denkkrümel“ , versäumt, weil ich mit Alfred in Italien war, in Wien wird man aber sowieso ständig an sie erinnert.
So hat Herbert J. Wimmer bei der Poet Night und der Lyrik im März Texte von ihr gelesen, der oft in der alten Schmiede zu treffen ist, im Radio gabs „Tonspuren“ zum ersten Todestags und Elfriede Haslehner organisierte im Rahmen der Frauen lesen Frauengruppe des ersten Lesetheaters am Dienstag, eine Gedenklesung im Literaturhaus, die zwar den Titel „alle Tage Gedichte“ hatte, Monika Giller, Judith Gruber-Rizy, Heidi Hagl, Hilde Langthaler, Angelika Raubek, Gabriela Schmoll und Hilde Schmölzer, trugen aber auch Gedichte aus anderen Bänden, sehr viel Prosa und das Hörspiel „Berechtigte Fragen“, das in einem dieser orangen Jugend und Volk Büchlein der Siebzigerjahre erschienen ist, vor und auch Auszüge aus dem 1977 erschienenen Montageroman „Spielräume“ und das war sehr interessant, ist mir Elfriede Gerstl hauptsächlich als Lyrikerin in Erinnerung.
So habe ich mir die Urform der „Wiener Mischung“ vor vielen Jahren gekauft, die „Alle Tage Gedichte“ von ihr zum Geburtstag geschenkt bekommen, den „papierenen Garten“ und noch ein „Freibord“ -Heft mit ihr getauscht, denn Elfriede Gerstl war eine, die gerne Bücher mit mir tauschte und auch sonst eine sehr freundliche Frau, die nicht nein sagte, wenn man sie zu einer Lesung lud, auch wenn sie dadurch überfordert wurde und die mir durch ihre charakteristischen Gedichte in Erinnerung ist.
„gemüt-licher käfig“, „von den identitäten“, „vom wünschen“, „mitunter hab ich diesen körper nicht in griff“, „vom essen gehen oder was werde ich heute wieder alles stehen lassen“, „stress muß sein“, „vom kauffaul sein“, ect, alles sehr prägnante Verse und ich habe sie auch oft gehört.
Hat es ja 1999, als sie den Georg Trakl und den Erich Fried Preis bekommen hat, auch eine Lesetheaterauffühung im Literaturhaus gegeben und ihre Sprache ist sehr einprägsam. Es ist auch interessant, daß sie, obwohl sie eine bekannte Wiener Spaziergängerin gewesen ist, die in der Innenstadt ihre Runden von Lokal zu Lokal machte, auch sehr unbekannt gewesen ist, so ist sie ja in Hilde Schmölzers „Frau sein und schreiben“ nicht enthalten und auch Cornelia Travnicek hat vor einem Jahr in ihrem Blog von einem Germanistikstudenten geschrieben, dem der Name nichts sagte.
Also eine interessante Lesung, vor allem das 1973 entstandene Hörspiel, das so markante Aussagen hatte, daß man glauben konnte, es wäre jetzt geschrieben worden, hat mich sehr beeindruckt und wurde von den Lesefrauen sehr gut vorgetragen und nachher hat mich sehr berührt, daß, während Judith Gruber mit dem Spendentopf herumgegangen ist, Silvia Bartl auf mich zukam und sich verabschiedet hat, weil es ihr letzter Tag im Literaturhaus war. Traurig, da nicht helfen zu können und ein unbehagliches Gefühl, wenn die guten Wünsche in der Luft verhallen.
Elfriede Gerstl ist jedenfalls oft ins Literaturhaus gekommen und hat auch die Erinnerungslesung an die verstorbenen GAV-Kollegen am 2. November initiiert, da habe ich mich in den letzten Jahren ja gedrückt, weil da das Nanowrimo war, aber jetzt sehr intensiv an die Dichterin gedacht, die erst in den späten Lebensjahren Anerkennung fand und, die, wie sie mir 1999 bei meinem Geburtstagsfest sagte, nicht gut schlafen konnte.

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