Literaturgefluester

2010-05-04

Lyrik-Bade-Session

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:59

Nachdem ich schon lang die verschiedensten Gedichtbände vom Regal ins Badezimmer und wieder zurückräume, habe ich mich nach den beiden Lyrik im März Veranstaltungen entschlossen, die Gedichte, die ich sammle, nun endlich auch zu lesen und habe gestern mit Axel Karners bei Wieser erschienenen Lyrikbädchen „Die Stachel des Rosenkranzes – Lissabonner Gedichte“ begonnen. Den 1955 in Kärnten geborenen GAV-Kollegen, der in Wien als Religionslehrer lebt, sehe ich immer bei den Poet-Nächten, bei der Freiheit des Wortes hat er regelmäßig gelesen und schickt mir auch getreulich die Einladungen zu seinen Lesungen. So habe ich vorige Woche auch die Vorstellung seines neuen Gedichtbandes „Chanson grillee“, der ebenfalls bei Wieser erscheinen soll, gehört. Die „Lissabonner Gedichte“ sind kurze Spaziergänge durch die leere Stadt, wie man vielleicht sagen könnte. Mit einem Vorwort von Jose Saramago wird man gleich in die Spaziergänge hineingestürzt, von denen ich gar nicht weiß, ob sie wirklich stattgefunden haben. Ich war noch nie in Lissabonn, jetzt weiß ich einiges von den jubelnden Krüppeln der avenida liberdale, von den Salzrändern auf dem Vorplatz und der Brücke zwischen dem Abgrund und „unter den Stacheln des Rosenkranzes schläft das Meer.“
Ganz schnell habe ich in kleinen Happen die Kurzimpressionen in mich eingesaugt und bin auf den Geschmack gekommen. So habe ich nach meiner letzten Stunde noch mehr Lyrikbände in das Badezimmer geräumt, um mich für vier GAV-Kollegen zu entscheiden. Alles Männer, alle in den Fünfzigerjahren geboren, alles Täusche und Geschenke.
O. P. Ziers Buch, das ich schon lange lesen wollte und das dem Autor auch immer wieder ankündige, stammt noch von einem der Büchertürme. Aber da ist mir als nächstes Franz Hütterers „Glücks-Schläge“ in die Hand gekommen, eines der Podium-Grasl Bändchen, das ich bei einem Tag der Freiheit des Wortes mit den 1954 in Payerbach geborenen Autor tauschte und irgendwie vergessen habe. Franz Hütterer nicht, denn den sehe ich immer beim Lesetheater und früher bei den Wilden Worten. Jetzt bin ich ihm bei der Lyrik im März begegnet und auf seine Bärenpost gestoßen. Dadurch ergab sich sich über Ostern ein reger Blogkontakt. Jetzt ist Franz Hütterer auf Kur und die 1999 erschienenen Gedichte, haben mich, als ich sie vorhin in die Hand genommen habe, überrascht. Denn sie handeln von der Psychiatrie, die mir ja auch vertraut ist, von 5 A sogar und da habe ich vor Jahren meine Freundin Elfi besucht und ein bißchen später in der „Dora Faust“ darüber geschrieben.
„zwischen zwei warten am Gang vor dem Stützpunkt der tischtennistisch“
„eingehüllt in die segnungen der psychiatrie schwebst du zwischen nichtwollen und nichtkönnen und alle versichern dir, daß dir nun nichts mehr passieren kann, welch eine drohung!“
Sehr starke, sehr politisch, sehr realistisch. Auch die „Kindheitserinnerungen“ und dann geht es natürlich um „Liebe und andere Katastrophen.
„wenn dein lachen die depression zum teufel jagt, wird die freude wenig worte brauchen.“
Dann kommt der Vorsatz 362: „lesen was kommt schreiben was geht lieben vielleicht“ und da bin ich schon bei Dietmar Füssels „Unterwegs“, dem Bändchen, das ich vorigen November bei seinem monatlichen Gewinnspiel, an dem ich mich so eifrig beteilige, gewonnen habe. Am Tag meines Gebutstagsfest ist es gekommen, ich habe es weggelegt und erst heute den beigelegten Zettel gelesen, daß mir Dietmar Füssel, da es sich um sehr ernste Gedichte handelt, diesmal nicht viel Freude beim Lesen wünscht. Die hatte ich auch nicht, aber schon Franz Hütterers beeindruckende Lebens- und Sozialkritik gelesen und so wurde es wieder poetischer, denn das sind die Texte, des 1958 in Wels geborenen Schriftsteller und Bibliotheksangestellten wohl.
Es geht in kurzen Sätzen, um das gesamte Leben und die hilflosen Versuche darin zu recht zu kommen und so bin ich nach den Lissabonner Impressionen mit Dietmar Füssel im ganzen Leben unterwegs gewesen , um mich am Schluß mit O. P. Ziers „Vom Diesseits der Wünsche ins Jenseits ihrer Erfüllung“ zu begeben.
„Das sind starke Gedichte!“, hat mir der 1954 geborene O. P. Zier im Februar gesagt, als ich ihn bei den IG Autoren darauf angesprochen habe.
Erstaunlich poetisch, weiß ich ja, daß O. P. Zier auch dicke Krimis schreibt, wo ganze Skandalwelten aufgedeckt werden, hier geht es aber auch um viel. Bei der Bilanzbuchhaltung, Abendkurs um das stille Flitterlicht, den unmaskierten Frühling, den Spätherbst in der Sonderausgabe und dann noch die gefährliche Drohung im poetischen GegenLicht „Wenn du Hackfleisch aus mir machts, mache ich aus dir ein Gedicht!“
Aber auch Dietmar Füssel dichtet vom Schreiben, wenn auch nicht so positiv „Tausche Tinte gegen Armut zahle den höchsten Preis verkaufe Freiheit für Papier verstehe selbst nicht warum“ und auf einer anderen Seite „Du bist das Letzte vom Allerletzten, kurzum du bist ein Künstler!“
So pessimistisch sehe ich das nicht, es ist aber für eine, die keine Gedichte schreibt und gern dicke Romane liest, sehr beeindruckend zu sehen, daß man alles auch in knappen Worten sagen kann.
Vier Gedichtbände an einem Abend, eine spannende Begegnung mit vier GAV-Kollegen. Rolf Schwendter und Stephan Eibel Erzberg habe ich noch liegen lassen. Waltraud Seidlhofers „Boote in den Museen“ dazugeholt. Es ist ja sehr beeindruckend in die Welten der GAV Kollegen einzutauchen und beim schnellen Drüberlesen sehr viel mitzunehmen.

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