Literaturgefluester

2010-05-05

Lyrik Session II

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:24

Nach einem Tag intensiver Textkorrekturen, kam am Morgen eine Überraschung, nämlich ein Gewinn zu einem Gewinnspiel, an das ich mich kaum mehr erinnern kann. Aber natürlich habe ich „Compliment – Magazin für Frauen, das ich auf der Buch-Wien probeweise abonniert habe, ein Mail geschrieben, daß ich gern eins von Erika Pluhars handsiginierten „Späten Tagebüchern“ gewinnen will und offensichtlich Glück gehabt.
Bezüglich meines Lyrik Trips bin ich am Vormittag darauf gekommen, daß ich noch zwei weitere Otto Müller Lyrikbände liegen habe und zwar Ingram Hartingers „Unwirsch das Herz“ und „Amaganset“, das ist auch ein GAV-Kollege, zwar schon 1949 in Saalfelden geboren, dafür Psychologe und ist bei der GAV-Vollversammlung in Graz vor zwei Jahren auf mich zugekommen und hat mir die Bücher in die Hand gedrückt und etwas von „schuldig sein“, gemurmelt, das ich erst gar nicht verstanden habe. Dann ist mir eingefallen, daß er, als die „Hierarchien“ erschienen sind, ein Rezensionsexemplar haben wollte und dann ist keine Rezension erschienen. Ingram Hartinger hat bei die damalige Vollversammlung, wenn ich mich nicht irre, verärgert verlassen und ich habe vor kurzen seinen Bericht über „Triest und Basaglia“ im Radio gehört und bin sicher, daß seine Gedichte zu Stephan Eibel Erzberg und Rolf Schwendter passen, habe es aber nicht geschafft, sie zu lesen und muß wohl eine dritte, vierte, fünfte Lyrik Session anhängen.
Zuerst aber zu Stefan Eibel Erzberg, der mir seine „Luxusgedichte“ zum vorigen Geburtstag gebracht hat. Ich kenn den 1953 in Eisenerz geborenen schon lang. Er ist immer sehr nett zu mir und wir führen manchmal rege Maildiskussionen. Ich hab in meinem Blog schon viel über ihn geschrieben, war im Vorjahr bei seiner Lesung in der alten Schmiede, habe „Sofort verhaften“ besprochen, kenne ihn als kritischen Menschen und politischen Aktivisten.
„Seine Aktionen und Manifeste sind sehr bekannt!“, schreibt Christoph Zielinski im Vorwort der „Gedichte zum Nachbeten“.
Beide Bände sind beeindruckend. Die „Gedichte zum Nachbeten ein lyrisches Tagebuch, das Stephan Eibel Erzberg seit 1999 führt und vom 4. 10. 1999 bis Oktober 2006 immer wieder lyrische Einträge macht. Die Geburt seiner Tochter Marlene kommt darin vor, es gibt auch ein Bild von ihr, wie sie in den Kindergarten geht und eines von Gattin Bettina und ihm selbst mit offenbar blonder Perücke.
Mit „Ich sitz – seit 1953 im zug der zeit und will applaus applaus applaus“ geht es los, dann werden einige, nicht alle politische, familiäre und literische Ereignisse erwähnt. So wird am 1.1.2000 das „Aufenthaltsgesetz erwähnt, daß die Zuwanderung nach Österreich regelt“, die nächste Eintragung kommt aber erst am 2. 5. „Ich bewundere den holunder und grüß meine füß“ und nichts von „Widerstand, Widerstand!“, was mich bei einem etwas wundert, der als das Buch 2008, im Tag für Tag vorgestellt wurde, eine Klage der F-Partei bekommen hat.
Am 4. 12. 2000 hat H.C. Artmann aufgehört zu atmen und die Gedichte von ernstn jandl kommen vor „wenn ich mich an kein einziges Buch vom ernstn jandl erinnern kann und nicht schlaf, dann bin ich auch eine leich aber eine die ernstn jandl viel und so gern gelesen hat“
Und immer wieder Gedichte von und für die Tochter Hannah und das von 2003 von „sechziger jahr dusaujud – siebziger jahr dusautschusch – achtziger jahr duschatzerldu – gegenwart dusauneger“, was offensichtlich im Rundfunk den Unmut der alten Herrn erregte.
Christoph Zielinski reiht Stephan Eibel Erzberg Zeit irgendwo zwischen Helmut Qualtinger, Heinrich Heine und Bert Brecht ein und spricht von der Sehnsucht nach längst aufgegebener Gerechtigkeit, die merkt man den Gedichten stark an und und ist auch in den „Luxusgedichten“ zu finden, die mich vielleicht noch mehr beeindruckt haben. Ein sehr starker Gedichtzyklus mit einer starken Originalität
„zuerst ist einmal der wunsch mit der heirat erfüllt – super – dann ist der herr abteilungsleiter geworden – super – deine frau ist an der spitze einer größereren firma – super und dann erschießen sich alle – super“ Das sind Ausschnitte des Luxusgedicht Nummer eins und so geht es durch das Buch in allen Varianten.
„morgen hast du drei wichtige termine- schön – du kannst nicht einschlafen – sehr gut – und dann kommt aus dem radio – let it be“ und so weiter und so fort.
Dazwischen gibt es ein paar autobiografisch scheinende Dialektgedichte und man weiß sehr viel oder vielleicht auch gar nichts über Stephan Eibel Erzberg, der ja abgesehen von der Klage der F durch einige Aktionen aufgefallen ist.
Nach den GVs der GAV war es füher üblich von der Stadt Wien zu einem Essen eingeladen zu werden, ich war nie dort, denn als ich 1987 aufgenommen worde, hat Stephan Eibel Erzberg angedroht, Obdachlose mitzubringen, so daß die Veranstaltung abgesagt wurde und dann gab es noch die ORF Aktion, die im fröhlichen Wohnzimmer dokumentiert wurde, da verlangte Stephan Eibel, daß bevor er gesendet wird, seinen Texten eine Erklärung vorangestellt werden muß, daß sich der ORF von sovielen Dingen distanziert, daß er dann wahrscheinlich nie mehr gesendet werden könnte.
„Amüsiert verzweifelt!“, wie es Christoph Zielinski im Vorwort der „Gedichte zum Nachbeten“ nennt, jetzt habe ich schon länger von Stephan Eibel Erzberg nichts mehr gehört, die Gedichte sind aber sehr zu empfehlen. Dann hab ich mir noch Rolf Schwendters „Drizzling Fifties“ in die Badewanne mitgenommen, daß ich im November bei der Buchlandung Landstraße in der Ein-Euro Kiste gefunden habe und den 1939 geborenen Subkulturforscher, derzeitigen GAV-Präsidenten und Lestheatergründer und seine politschen Gesänge kenne ich auch schon lang.
Der 1996 bei Deuticke erschienene Gedichtband ist ein Streifzug in zweiundfünzig Gesängen durch die sprühenden Fünzigerjahre und das ist für eine 1953 geborene sicher interessant, auch wenn ich nicht alle Anspielungen verstanden habe und mir die Anmerkungen fehlen, an denen ich mich orientieren hätte können, passt es zu den anderen Lyrikern, die ja alle in den Fünfzigerjahren geboren sind und so habe ich die Lektüre sehr genossen und etwas Erfreuliches ist noch zu vermelden, hat mir doch Janko Ferk gemailt, daß sich das Literaturhaus auf die Besprechung von „Sophie Hungers Krisenwelt“ freut, weil es Sabine Schuster für ein aktuelles Buch hält.

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