Literaturgefluester

2010-05-09

Betrachtungen zum Muttertag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:38

Am Freitag ist das ecetera Viertel Jubiläumsheft zu fünfundzwanzig Jahre literarische Gesellschaft St. Pölten mit dem ausführlichen Interview und einem Bild von mir, das Robert Eglhofer im Jänner in meiner Praxis machte, gekommen.
Es ist wieder ein interessantes Heft geworden. Ein zweites Foto mit mir gibts vom Osterspaziergang, ein Interview mit Manfred Chobot und viele schöne Texte zum Thema Viertel.
Jetzt habe ich durch Robert Eglhofer mein Schulwissen, daß Niederösterreich aus dem Most- dem Wein- dem Wald- und dem Industrieviertel besteht, wieder aufgefrischt, man kann auch einiges über die St. Pöltner Stadtführungen erfahren. Emily Walton, auf deren Blog ich durch Thomas Wollinger gestoßen bin, hat einen Text mit dem Titel „Zu Viert“ drinnen.
Ich komme gleich zu mehr, will aber vorher auf die Jubiläumslesung mit Klaus Ebner, Wolfgang Mayer-König, Doris Kloimstein und Robert Eglhofer am 19. Mai im Stadtmuseum St. Pölten, Prandtauerstraße 2 hinweisen und dann zu Thomas Fröhlichs Beitrag „Betreten verboten“ hinüberschwenken, der mich veranlaßt hat, diesen Artikel „Betrachtungen zum Muttertag“ zu nennen, obwohl er mit schönen Leichen und Werwölfen beginnt, denn da wird mit Toby Barlows Debutroman „Scharfe Zähne“, der 2009 im Milena Verlag erschienen ist, eingeleitet.
Cornelia Travniceks Milena Anthologie „How I fucked Jamal“ wurde ja am Donnerstag vorgestellt und da beschreiben junge Frauen und Männer ihre multikulti Lieben und sexuellen Migrationserfahrungen, wenn ich es richtig verstanden habe. Cornelia Travnicek freuts und hat für die Anthologie Dichter, wie Clemens J. Setz eingeladen, der sicher einen schönen Text geschrieben hat, aber, sollte der Milena Frauenverlag nicht heuer das Dreißigjahrjubiläum feiern, also älter als die Lit Ges St. Pölten sein?
Natürlich, denn 1980 hat Elfriede Haslehner mit einigen anderen engagierten Feministinnen den Wiener Frauenverlag gegründet. Inge Rowhani, Hilde Langthaler ect. waren auch dabei. Es gab die erste Anthologie „Aufschreiben“. Ich habe das Ganze durch den Arbeitskreis schreibender Frauen mitbekommen, in dem sich Elfriede Haslehner ebenfalls engagierte, einen meiner ersten Texte für die Anthologie geschickt, den sie nicht genommen hat. Sie hat mir damals einen Brief geschrieben, den ich noch aufgehoben hab, daß ich an meiner Sprache arbeiten soll und in Therapie gehen, damit mir das Schreiben nicht so wichtig ist. Da hatte ich schon meine Gesprächstherapieausbildung begonnen und das Schreiben ist mir wichtig geblieben. In der zweiten Anthologie „Arbeite Frau, die Freude kommt von selbst“, war auch ein Text von mir drinnen, denn ich hatte inzwischen bei der Ausschreibung des geschlechtsneutralen Kinderbuchs „Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen“ gewonnen und J. u. V., die auch einen Band zur Arbeitswelt machten, haben meinen Text an den Frauenverlag geschickt.
Ein paar Jahre ging das gut, dann wurden, wie Thomas Fröhlich wertfrei schreibt, die idealistischen kapitallosen Gründerfrauen durch das professionelle Team Sylvia Treudl, Barbara Neuwirth, Diana Vogt Johanna Rachinger ect. ersetzt, das für anhaltende hohe Qualität der Veröffentlichungen sorgte.
Es gab auch eine feministische Wissenschaftsreihe in der Ruth Aspöcks „Der ganze Zauber nennt sich Wissenschaft“, erschienen ist, eine Krimireihe „Giftmelange“, Evelyn Grill wurde mit „Rahmenhandlungen“ entdeckt und immer wieder interessante Anthologien. Sylvia Treudl hat, glaube ich, einen erotischen Touch hineingebracht. Von Margit Hahn habe ich einige Bände zu Hause liegen, die ich noch nicht gelesen habe.
Ich hab immer wieder Texte hingeschickt, unter anderem für eine Anthologie mit dem Titel „Falling in love“ oder so, wo ich meine Begegnung mit Alfred, den ich durch ein Inserat kennengelernt habe, daß ich 1982 im Falter aufgegeben habe, beschrieb. Der Text ist im „Best of – Das Eva Jancak Geschichtenbuch“ enthalten und der Frauenverlag hat sich 1997 in Milena umbenannt, da das, wie mir Barbara Neuwirth einmal sagte, für die deutschen Bestellisten besser war. Mir hat das schon damals nicht gefallen. Es gab dann auch ein neues Leitungsteam und 2000 hat das Widerstandsbuch „Die Sprache des Widerstandes ist alt wie die Welt und ihr Wunsch – Frauen in Österreich schreiben gegen rechts“, den Bruno Kreisky Preis für das politische Buch erhalten. Da ist, wie schon beschrieben, mein „Widerstand beim Zwiebelschneiden“ drinnen und als für die von Sylvia Treudl herausgegebene Anthologie „Viechereien-Tiere erzählen“, Texte gesucht wurden, habe ich einen alten Text umgeschrieben, an die damals aktuelle politische Situation angepasst, ihn „Ingrids Karriere“ genannt, der auch erschienen ist.
Das wars dann, irgendwann hab ich ja aufgehört, meine Texte reihenweise rundum zu schicken und mich auch bei Auschreibungen immer weniger beworben, so habe ich die Tatsache, daß mit Thomas Ballhausen der Frauenverlag plötzlich auch Männern geöffnet war, nur am Rande mitbekommen. Der alte Milena Frauenverlag hat ja immer darauf geschaut nur Texte von Frauen zu veröffentlichen, auch wenn es Gerüchte gegeben hat, daß es trotzdem Männern gelungen sein soll, ihre Sachen unter weiblichen Pseudonymen einzureichen.
Milena wurde 2007, wie Thomas Fröhlich genau beschreibt von Vanessa Wieser übernommen, die schon ein paar Jahre vorher die Pressearbeit machte und dabei gesehen hat, daß, wie sie schreibt, die ausschließliche feministische Ausrichtung niemanden mehr wirklich interessiert. Und da auch der Rubel nicht mehr weiterrollte, hat Thomas Ballhausen, die Monster- Werwolf- Paranoia-Horrorreihe „Exquisite corpse“ übernommen, Rudolf Brunngrabers „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ wurde wiederaufgelegt, Cornelia Travniceks und Mieze Medusa neue „Falling in Love“ – Anthologie, herausgegeben, eben die neue zeitgeschichtliche gesellschaftskritische emanziaptorische Ausprägung, die nicht mehr Männer und Frauenliteratur trennt, wie Vanessa Wieser das neue Verlagskonzept nennt. Thomas Fröhlich hats im etcetera lang und genau beschrieben, Barbara Neuwirth hat mir vor eineinhalb Jahren auch gesagt, daß sie damit leben kann.
Ich finds trotzdem traurig, den Frauenverlag den Bach hinunterschwimmen zu sehen, um so mehr, da es durch die Frauenbewegung, viele junge gebildete Frauen gibt, die ohne vielleicht nicht so leicht studieren hätten können, jetzt aber spitze Stöckelschuhe tragen, mit denen sie sich die Füße ruinieren und kurze Röcke, wo frau sich leicht verkühlt, für ihre prekären Praktikantenverhältnisse oft keinen Dienstvertrag haben und der freie Hochschulzugang für alle ist auch nur mehr Illusion. Der Aufnahmetest für Medizinstudenten, soll ja, wie man hört, die Frauen benachteiligen. Da bin ich wieder beim Muttertag, wo die Männer den Frauen ein Blümchen und ein Milkaherz schenken und vielleicht sogar das Frühstück machen. Alfred kocht mir, der Anna und seinen Eltern Spargel, Fisch und Rindfleisch mit Charlotten und zum Nachtisch Topfenknödel mit Erdbeersauce und die AUF-Frauenbewegung feiert am 28. Mai im Rathaus mit einem großen Fest den fünfunddreißigsten Jahrestag. Da stell ich aber im Amerlinghaus beim alltäglichen Leben, fast zwei Jahre Literaturgeflüster vor und werde auf das feministische Publikum wohl verzichten müssen.

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