Literaturgefluester

2010-05-12

Spätes Tagebuch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:32

„Spätes Tagebuch“, von Erika Pluhar, 2010 bei Residenz erschienen, ist ein Roman, in dem die siebzigjährige Paulina ein Tagebuch zu schreiben beginnt. Paulina, die in einem großen Haus mit einem großen Garten und vielen Bäumen lebt, ist eine erfolgreiche Frau.Tänzerin von Beruf, die eine Tanz Company führte, bevor sie sich nach dem Tod des Gatten Neblo und ihrer Tochter von der Welt zurückgezogen hat, von der portugiesischen Zugehfrau Hortensia bekocht wird, viel fernsieht und gelegentlich schwitzend Taxi fährt.
Das Tagebuch soll nur die Gegenwart beschreiben, natürlich kommt sie über die Vergangenheit nicht herum, obwohl man über das, was ihr Leben so sehr veränderte, nicht viel erfährt.
Paulina schreibt in den Computer, druckt die Seiten dann aus, um sie in schöne alte Mappen zuheften und wird anfangs von ihrer Freundin Flory, einer jüngeren Tänzerin bedrängt. Denn Flory ist sehr eifersüchtig, wird, wie sie behauptet, von ihrem Gatten grün und blau geschlagen, der später Paulina erklärt, daß das die Zuhälter waren, weil Flory behauptete, daß Vincent sie mit sämtlichen Nutten betrog. Später gibt es noch einen Selbstmordversuch Florys, der sie in die Klinik bringt, während Paulina von Vincent aufgesucht wird, der sich von Flory trennen und Kontakt zu der Älteren haben will.
Es gibt auch einen früheren Liebhaber, den Komponisten Maxime, der sich von seiner Frau nicht trennen wollte, dann lernte Paulina Antonio Neblo kennen und die große Liebe der Frau, die schon als Kind nichts als tanzen wollte, begann.
Jetzt hat sie aber ihren Beruf aufgegeben und will das Leben einer alten Frau beschreiben, während sich der alt gewordene Maxime meldet, der, nachdem seine Frau an Krebs gestorben ist, wieder eine Beziehung zu Paulia will. Sie lehnt ab, wehrt auch Vincents Besuche ab, um durchzudrehen, als die Bäume vor ihrem Haus gerodet werden. Mit Valium legt sie sich ins Bett, um nicht mehr aufzustehen, bis sie Vincent schließlich zu einer Reise ans Meer überredet kann. Dort kommt es zum sexuellen Kontakt der beiden, den Paulina nach der Rückkehr zum Fehler erklärt. Sie bekommt einen Bandscheibenvorfall und einen leichten Herzinfarkt, kommt ins Spital und will nach ihrer Rückkehr ihr Tagebuch vernichten.
Wieder hindert sie Vincent daran, der gekommen ist, um sich von Paulina zu verabschieden, da er seine Zahnarztpraxis nach Hamburg verlegt, um mit der total veränderten Flory dorthinzuziehen.
Die Physiotherapeutin ist mit der erfolgreichen Bändigung von Paulinas Bandscheiben zufrieden und schließlich ruft noch Maxime an, um sie aufzufordern, bei seinem Balletabend mitzuwirken, weil man sich auf die jungen Choreographen nicht wirklich verlassen kann. So wagt Paulina einen vorsichtigen Neubeginn und beschließt ins Leben hinauszugehen und wieder Menschen tanzen zu sehen…
So weit das „Späte Tagebuch“, der 1939 geborenen Schauspielerin, die sich 1999 vom Burgtheater zurückgezogen hat und schon viele Bücher geschrieben hat. Die 1997 erschienenen Erinnerungen an eine Jugend „Am Ende des Gartens“ habe ich in Harland zu lesen begonnen, das „Späte Tagebuch“ ist auch sehr interessant.
Enthält es sicher einige autobiografische Elemente, so ist ja auch Erika Pluhars Tochter gestorben und in einem Haus mit großen Garten am Stadtrand lebt sie, glaube ich, auch. Dennoch ist es eine fiktive Geschichte und setzt sich auch nicht so sehr mit dem Altern auseinander, wie ich nach den Interviews erwartet habe. Das Buch ist nicht linear geschrieben, einiges ist ausgespart, vieles ist nur angedeutet und passiert oder auch nicht, ein bißchen Klischee ist auch dabei.
So die Sache mit dem Sex und den jüngeren Liebhabern und bei Erika Pluhar, die ja eine ungewöhnliche Frau, mit einem ungewöhnlichen Leben ist, ist sicher interessant, wie sie sich als Schriftstellerin etablieren konnte. Als es 1999, die Libro Bestseller Aktion gab, ist gerade „Mathildas Erfindungen“ erschienen, seither habe ich ihren schriftstellerischen Werdegang verfolgt, obwohl das „Späte Tagebuch“, das erste Pluhar Buch ist, das ich ausgelesen habe.
Das Thema Altern interessiert mich sehr und man kann sicher einiges darüber und wahrscheinlich auch von Erika Pluhar erfahren.
Daß sich inzwischen viele ältere Frauen mit ihrer Biografie beschäftigen und zu schreiben beginnen, finde ich ebenfalls sehr wichtig. Da gibt es auch Schreibkurse, wo man das lernen kann, auch wenn das Veröffentlichen bei Normalbiografien sicherlich viel schwerer ist.
Es ist auch interessant, das Buch mit Anita C. Schaubs „Tanzende Rose“ zu vergleichen, die ja ein ähnliches Thema auf ähnliche Weise aus einer anderen Position beschrieben hat.
Damit lasse ich es, zur Biografie Erika Pluhars werde ich ja noch kommen, wenn ich am „Am Ende des Gartens“ bespreche.

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