Literaturgefluester

2010-05-18

Marlen Haushofer trifft Paul Celan

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:44

Natürlich nicht wirklich, denn die beiden sind sich, obwohl beide 1920 geboren und 1970 verstorben, soviel man weiß, nie im Leben begegnet. Also nur in einer Lesetheaterveranstaltung im Literaturhaus mit dem Untertitel „Eine Begegnung jetzt“, dafür aber mit Erni Mangold als Ehrengast, Eva Fillip, Martin Heesch, Harald Jokesch und Friedemann Kluge bestens besetzt. Helga Golinger, die auch noch mitgelesen hat, hat die Dramaturgie gemacht, Renee Kellner die Rauminstallation, Edith Leitner und Malin Joy Porzer haben musiziert und die Bezirksvorstehung hat unterstützt, also wahrscheinlich etwas Geld hergegeben.
Eine Veranstaltung bei der es sich lohnte, sehr früh hinzugehen, um noch einen Platz zu bekommen und es war auch sehr voll.
Eine Collage aus den Texten zwei berühmter Dichter, die einen Krieg und höchstwahrscheinlich sehr viel Traumatisierung erlebt hatten. Celan der Vernichtungsmachinerie des dritten Reiches gerade noch entkommen, aber trotzdem so verstört, daß er sich 1970 nach zwei Mordversuchen an seiner Frau das Leben genommen hat und Marlen Haushofer, die Tochter eines Försters, die im oberösterreichischen Frauenstein geboren wurde, in Wien Germanistik studierte, in Steyr einen Zahnarzt heiratete, sich von ihm scheiden ließ, aber trotzdem weiter in seiner Praxis arbeitete und in Wien von Hans Weigel literarisch gefördert wurde. 1970 ist sie an Krebs gestorben und in ihren Texten wie „Die Wand“, „Die Tapetentür“ oder „Die Mansarde“, ist wahrscheinlich genausoviel Verstörung, wie bei Paul Celan zu finden, auch wenn es ein wenig leiser und vielleicht nicht so auffällig ist.
So sagte mir Ingeborg Reisner auch als erstes, sie könne sich gar nicht vorstellen, wie die beiden zusammenpassen.
„Ich schon!“, antwortete ich und war gespannt auf den Abend, der hervorragend aufgebaut war. Die grande dame Erni Mangold saß in der Mitte, die drei Herren in schwarz hinter oder neben ihr, jeder vor seinem Mikrofon auf einer Bank oder vor einem Tisch und die beiden anderen Frauen an der Rampe, dann lasen sie und wiederholten auch die Texte, so daß schwer auseinanderzuhalten war, was jetzt von wem war und woraus die Texte stammten.
Marlen Haushofers „Wand“ habe ich erkannt und auch die Stelle von dem kleinen Vogel zu dem die Mutter nicht mehr kommt und vielleicht auch ein paar Zitate und die Gedichte waren von Celan, hat mir Helga Golinger später gesagt, die mir keine genauere Auskunft geben wollte.
Es war aber beeindruckend und sehr gut aufgeführt. Ein bißchen habe ich auch mitgeschrieben, wie zum Beispiel, „Ich habe nur ein begrenztes Talent zum Schreiben aber innerhalb dieser Grenzen habe ich es zur Meisterschaft gebracht“ und dann die Stelle, wo Marlen Haushofer höchstwahrscheinlich Schwierigkeiten mit dem Schlafen hat oder „Der Tod ist nichts, was man fürchten muß, nur die Schmerzen entwürdigen den Menschen!“
Eine sehr beeindruckende fiktive Begegnung der beiden großen Dichter, ein bißchen mehr Information woraus die Texte stammen, hätte zwar nicht geschadet, man kann und soll das Ganze aber vielleicht auch nachlesen und ich habe ja einen Gedichtband von Paul Celan und von Marlen Haushofer, die Biografie von der Daniela Strigl.
Danach war es noch nicht aus, obwohl sich alle verbeugten und die Ehrengästin auch verschwand, denn kurz vor der Tür, wo man zum Buffet gelangte, gingen die Schauspieler auf einmal im Kreis und begannen erneut die Texte zu rezitieren und im Hintergrund lief ein Film in dem die meisten Texte noch einmal projiziert wurden und zwei Schauspieler, ein Mann und eine Frau, sich mit Sesseln hinter eine Glasfassade zurückzogen und Menschen liefen mit schnellen Schritten eine Straße hinab.
Danach verbeugten sich nochmals alle, außer Erni Mangold und das Buffet wurde eröffnet.
Silvia Bartl ging, obwohl ja außer Dienst, mit dem Gästebuch herum, ich habe mich lange mit Susanne Schneider unterhalten, Elfriede Haslehner begrüßt, die Zetteln zu meinen zwei nächsten Veranstaltungen verteilt und Rolf Schwendter schon vorher etwas zu dem Rainer Kunze Gesprächsbuch gefragt, was sich auf ein Interview mit Wolfgang Kraus und Zitate bezüglich der Erich Fried Gesellschaft bezogen hat.

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