Literaturgefluester

2010-05-30

Stadtfestliteratur

Filed under: Uncategorized — jancak @ 00:09

Vom Alltag zu den Festveranstaltungen, die dieses Wochenende besonders reichlich stattgefunden haben. So war das Highlight das Stadtfest der Volkspartei in der Innenstadt und das ist heuer mit einer eigenen Literaturbühne im Schweizerhof abgelaufen.
Das Stadtfest, das im ersten Bezirk auf verschiedenen Bühnen stattfindet, besuche ich ja manchmal, wenn ich am Wochenende in Wien bin. Da gibts immer Musik, politische Diskussionen, Straßengaukler, Stelzengeher und auch immer etwas was verteilt wurde, wie ein Gemüsedrink und Gourmetzelte gibt es auch.
Das habe ich Samstag nur rudimentär mitbekommen, hatte ich ja das Programm der Literaturbühne eingesteckt und das hat für mich ja eine Anziehungskraft. Zwar habe ich vorgehabt, mir auch das andere anzusehen, beispielsweise, wenn Andreas Unterweger aus „Wie im Siebenten“ liest, denn den habe ich ja schon im Amerlinghaus gehört und so bin an den Kindern mit den gelben Luftballons und den Windrädern vorbei in den Schweizerhof gegangen, hab mich zuerst auf den Boden gesetzt, bis einer der grauen Hocker frei wurde, mit dem man sich an einen der Tische anlehnen konnte. Thomas Glavinic hat gerade gelesen, bzw. wurde er von Klaus Zeyringer zu den Wienschauplätzen in seinen Büchern interviewt.
„Wien Schreiben“ hieß sein Thema und das war interessant, habe ich da erfahren, daß nicht alle Romane des Grazers in Wien spielen. Der „Kameramörder“ sowieso nicht, denn der spielt am Neudiedlersee, aber „Wie man leben soll“, in einer fiktiven Provinzstadt und erst die „Arbeit der Nacht“ in Wien.
Da rennt der Held Jonas in seiner Panik der letzte Mann der Welt zu sein durch Wien und das kann oder konnte man im Internet nachgehen und „Das bin doch ich“ auch. Da hatte ich ja eine Zeitlang den Verdacht, daß der Autor in der Krongasse leben könnte. Obs stimmt weiß ich noch immer nicht, hat Thomas Glavinic doch betont, daß er bei dem vordergründig so biografischen Inhalt bewußt seine Adresse nicht preis gibt und das „Leben der Wünsche“ spielt wieder in einer ungenannten Stadt, obwohl der Held ja Jonas, wie der Wiener Stadtläufer heißt.
Danach kam Andreas Unterweger, ich hatte meinen Hocker gefunden und beschloßen das Stadtfest sein zu lassen und mich mit der Literatur im Schweizer Hof zu begnügen und das war ohnehin abwechslungsreich. Zogen doch ständig Reisegruppen mit ihren Führern durch oder betraten die Schatzkammer und in der Kapelle fand eine Taufe oder etwas Ähnliches statt.
Andreas Unterweger las bis auf ein Kapitel dasselbe, wie im Amerlinghaus und hat sein Baby mitgehabt, Friedrich Achleitner war schon zu sehen, Mieze Medusa und Markus Köhle, der als nächstes an die Reihe kam.
Der Moderator von Radio Wien betonte, daß Wien liest mehr mit Wienbüchern am 27. Stadtfest angesagt sei, fragte das Publikim, ob es wegen der Literatur gekommen sei und Markus Köhle stellte „Dorfdefektmutanten“, einen Heimatroman vor, der allerdings in Tirol spielt und von einem Hausmeister in einem Raststadl handelt. Dazwischen gab es einen Literaturquiz, wo man ein Erfrischungstüchlein der ÖBB gewinnen konnte und auch ein bißchen Poetryslam. Genau, wie bei Mieze Medusa, die gemeinsam mit Jan Kossdorff unter dem Titel „Donauweiber und Sunnyboys“ als nächstes an die Reihe kam und das war ein bißchen seltsam. Stellte der Moderator doch beide als die Herausgeber des Erzählbandes „How I fucked Jamal“ vor und Mieze Medusa, die das korrigierte, deutete ihre Freude an, sozusagen als halbe Alibifrau beim Stadtfest auserkoren zu sein. Warum sie ihr „Freischnorcheln“ gemeinsam im Duett mit den Sunnyboys“ präsentierte, ist nicht klar, wenn es ein Zeitproblem gewesen wäre, hätte ein Duett Poetry Slam mit Markus Köhle ja viel besser gepasst.
Beide Bücher habe ich schon von den erotischen Nächten bei „Rund um die Burg“ gekannt. Dann wurde es immer voller und eine beherzte junge Frau schob den Tisch weg, um sich mit ihrer Familie draufzusetzen, so daß das Sitzen auf dem Hocker ein wenig schwierig wurde.
Ich blieb trotzdem, danach kam Friedrich Achleitner, der am Sonntag glaube ich seinen achtzigsten Geburtstag feierte und daher letzte Woche viel in Ö1 zu hören war und seine Texte sind sehr interessant. Hat das Mitglied der Wiener Gruppe eine sehr realistische konkrete Sprache mit einer feiner Ironie und das war in den vorgelesenen Wien Bildern gut zu spüren. Es ging immer wieder um Leberkäsesemmeln, obwohl die Spenderleber ja erst beim Star des Abends Wolf Haas angekündigt war. Da sollte es um Backhendl und um Klachlsuppe gehen. Wolf Haas las den Beginn von „Komm süßer Tod“ in Verbindung mit der Spenderleber, danach den von „Silentium“ da gings um Bier und Salzstangerln“, Wien ist auch nicht das große Thema und am Schluß „Der Brenner und der liebe Gott“. Wolf Haas erzählte zwischendurch sehr launig von den Fehlern in seinen Büchern und dem Songcontest, da hatte er ein Autogramm der Gewinnerin im Buch und zeigte es her.
Dann wurden Leberkäsesemmeln verteilt und es war ein intensives Detail des Wiener Stadtfestes, das interessanterweise von einer Grazer Agentur organisiert worden war, obwohl ich das Meiste außer Markus Köhles Roman schon gekannt habe und wieder merken konnte, welche Wirkung, die total stilisierte Sprache von Wolf Haas hat, die ja eigentlich blöd ist, denn ein Primar schaut nie wie ein Baby aus, die Leute lachen aber.
Danach traf ich den Alfred am Naschmarkt, wo im Rahmen der Wiener Festwochen eine lange Nacht im Paradiesgarten mit vielen Konzerten und einer anschließenden Reinigungsperformance mit gemeinsamen Frühstück stattfand.
Aber da brummte schon der Kopf von den vielen Veranstaltungen, so daß ich nur einen Gspritzten getrunken habe und länger die Gruppe „Ret Marut“, des ersten Punkbandgründers der DDR und etwas kürzer Ernst Molden auf der Bühne Fisch gehört habe, der am Vormittag im Klassik Treffpunkt angekündigt war.

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