Literaturgefluester

2010-05-17

Wo Freiheit ist…

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:06

Reiner Kunzes „Wo Freiheit ist… Gespräche 1977 – 1993“, mit einem Autogramm des Dichters, sind dreißig Interviews, denen jeweils ein oder mehrere Zitate vorangestellt sind, die Alfred bei der Reiner Kunze Lesung in Leipzig kaufte.
1976 sind im Westen „Die wunderbaren Jahre erschienen“, die zu Auschluß Kunzes aus dem DDR- Schriftstellerverband führten, 1977 übersiedelte er mit seiner Familie nach Westdeutschland. Das erste Gespräch fand daher am 17. April 1977 im ARD/ Report München statt und bezog sich auf die Ausreise nach dem Westen. Das letzte wurde am 16. August 1993 von Steffen Grabisna für die Dresdner Neuesten Nachrichten geführt. Dazwischen liegt die Wende und sehr viele Fragen, die sich sowohl auf die Dichtkunst, als auch nach jeder Art der politischen Einstellung des 1933 im Erzgebirge geborenen Dichters beziehen.
Die Interviewpartner sind das deutsche Fernsehen, Rundfunk, Presse, aber auch österreichischen Medien. Hier wird Kunze z.B. von Wolfgang Kraus und Britta Steinwendtner, aber auch von Limes St. Pölten interviewt und die Fragen sind sehr interessant. Denn die Interviewer quetschen den Dichter, der ihnen mehr oder weniger geduldig Auskunft gibt, von allen Seiten aus.
Ob es sich im Westen anders als im Osten schreibt? Oder ob er sich in den Elfenbeinturm zurückgezogen hat, weil er seinem Tagebuch von 1992 den Titel „Am Sonnenhang“ gegeben hat? Warum er gegen eine gesamtdeutsche Akademie der Künste ist? Und Michael Maier von der Kärntner Kirchenzeitung möchte am 7. Februar 1993 wissen, was er beim Anblick der Bilder von Erich Honeckers Ausreise empfunden hat?
Man erfährt vielleicht auch einiges aus dem Leben des großen Lyrikers, das man noch nicht wußte. Ich kannte ja schon einiges von ihm. So den Film „Die wunderbaren Jahre“ und habe mir wahrscheinlich 1977 oder 1978, als ich noch in der Otto Bauer Gasse wohnte, um ein paar Schilling in der Buchhandlung gegenüber der Uni, die es nicht mehr gibt, die Dankesrede zum Büchner Preis gekauft und kann mich erinnern, schon da von der Verstörung und der Traumatisierung gelesen zu haben, die die DDR in Rainer Kunze ausgelöst hat.
Das kommt auch in den verschiedenen Gesprächen immer wieder durch.
Das Gespräch mit dem Minister beispielsweise, der zuerst die Gedichtbände lobte, dann verschiedene Verlockungen von Wohnung, bzw. Haus am See aussprach und zuletzt drohte, daß er dann einen Autounfall nicht verhindern könne, was Kunze sein Auto kontrollieren ließ, bevor er darin einstieg. Mit Frau und Tochter ist er dann in einen kleinen Ort in der Nähe von Passau gekommen. Wir sind bei unserer Radtour mit der Ute vor zwei Jahren durch gefahren und hat sich dort wohlzufühlen begonnen.
Reiner Kunze erzählt von seinem Philosphie- und Journalistikstudium in Leipzig und von der Freude als Arbeiterkind dafür ausgewählt worden zu sein und der Enttäuschung als er die politische Indoktrinierung darin erkennt. Wie er seine Frau, die in der Tschechoslowakei Ärztin war, kennenlernte und wie lange warten mußte, bis er sie heiraten konnte.
Mehrmals wird er gefragt, was ein Gedicht ist? Er gibt eindrucksvolle Beispiele der Verdichtung und was es bedeutet, wenn man im Herzen barfuß ist und erzählt, wie sehr er die Frage haßt, was will uns der Dichter damit sagen?
1984 konnte er Bundeskanzler Schmidt nach Israel begleiten, der Reporter fragt, wie er das empfunden hat und Reiner Kunze meinte, daß es schwierig war, dem Bundeskanzler hinterherzulaufen, so daß er schon am zweiten Tag seine Wege gegangen ist und die judäische Wüste außerhalb des offiziellen Programms kennenlernen konnte.
Irgendwann ist dann die Mauer gefallen und Reiner Kunze konnte, dem vorher die Einreise zu seiner sterbenden Mutter verweigert wurde, wieder in das thüringische Greiz zurückkehren und hat in der Dokumentation „Deckname Lyrik“ seine Erfahrungen mit seinen Stasiakten und seinen Bespitzelungen beschrieben.
Ein interessantes Buch, wo man den Lyriker ein wenig persönlicher kennenlernt, aber auch sieht, wie blöd manche Reporter fragen und daß manche Fragen eigentlich sehr unverschämt sind, aber auch, wie wichtig Dichter sind und was man alles von ihnen wissen will.
Für mich hat es mein Rainer Kunze Wissen ein wenig abgerundet, da ich, da die Ute eine große Verehrerin von ihm ist, in Leipzig zweimal bei seinen Lesungen war.
Dann wurde ich vom Lesen durch die Absage meiner letzten Stunde ein wenig abgelenkt. Hat mich doch Elisabeth Zoumboulakis-Rottenberg als ich letzte Woche bei der Muttertagsfeier des Bezirkes Mariahilf im Haus des Meeres war, zu der Festwochenvernissage „23 Brücken“ von Jutta Waloschek mit dem Hinweis eingeladen, daß Traude Veran dazu einige Gedichte liest.
So habe ich also noch Gebrauchslyrik zum Thema Brücken und zum Thema Wasser von ihr und von Dieter Berdel hören können und ein Glas Wein und Soetti gab es auch.

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2010-05-16

31 Bücher in 31 Tagen

Filed under: Uncategorized — jancak @ 10:10

Vor ein paar Tagen bin ich in einem Bücherblog mit dem Titel „Zwillingsleiden“ auf den bemerkenswerten Satz gestoßen „Jeden Tag ein Buch, diese Aktion verbreitet sich in den Bücherblogs wie ein Buschfeuer!“ und habe „O weia!“ gedacht, denn es war ja erst der dreizehnte und ich hatte im Mai schon an die zehn Bücher gelesen und meine durchschnittliche Monatsstatistik um einiges erhöht. Zwar habe ich in der Vorwoche bei meinem Lyrik-SUB kräftig umgerührt und in zwei Tagen sieben Bücher durchgenommen, sonst wäre das Fazit normaler, aber durch den offenen Bücherschrank, den ich regelmäßig mit und ohne einen eigenen Bücherstapel besuche und immer etwas finde, hat sich die Anzahl des Ungelesenen erhöht und da sehr viel Interessantes dabei ist, das ich gelesen haben sollte, disponiere ich immer wieder um und hinke meinen SUBs sehr nach. Daß ich es auch ohne offenen Bücherschrank nicht schaffe, meine SUBs auszulesen, habe ich mir schon bei der Büchergilde Gutenberg Bibliothek gedacht, die ich vor Jahren von meinen Eltern erbte und da es inzwischen viele Möglichkeiten gibt, Bücher geschenkt, getauscht oder um einen Euro zu erhalten und ich wenigstens versuche das Unmögliche mögliche zu machen, hat sich die Zahl der gelesenen Bücher, seit ich meinen Blog betreibe, erhöht. Seit ich die Bücher bespreche, lese ich genauer und immer aus. Leselustfrust hat mich mit ihrer Lesestatistik bekanntlich schon vor einem Jahr animiert mehr zu lesen und es gibt noch andere Bücherblogs mit Lesestatistiken. Auch wenn die meistens das lesen, was mich nicht so besonders interessiert, haben die ihre Bücher Stöckchen und das „Jeden Tag ein Buch!“, wo ich spontan dachte „Ich will ja auch noch schreiben, bzw. korrigieren!“ und mich gleichzeitig wunderte, daß das bei den Bücherblogs jetzt Mode ist, da ich um mich herum überall bemerke, daß die Leute immer weniger lesen und die durchschnittliche Jahresbücherzahl bei neun liegt und nicht bei fünfzig, wie ich eigentlich dachte.
Es ist auch ein Mißverständnis, geht es dabei nicht darum seinen Bücher SUB endlich abzulesen, sondern um einunddreißig Fragen, die man sich im Mai vornehmen soll, wie: „Das Buch das du derzeit liest, das vierte Buch aus deinem Regal von rechts oder das neunte von links, dein Haßbuch, das Buch das du von deinen Freunden bekommen hast“ u.s.w. und so fort.
Lillyberry macht dabei mit, hier kann man auch die Fragen lesen und sich selbst beteiligen, obwohl heute schon der sechzehnte ist.
Evi von Zwillingsleiden hats verweigert und bespricht ihre gelesenen und ungelesenen erotischen Bücher und ich mache auch nicht mit, da die Bücher in meinen Regalen doppelreihig stehen und ich viele Antworten gar nicht weiß.
Es ist aber eine hervorragende Idee für ein Buchgeflüster, denn der offene Bücherschrank hat mich sehr begeistert und ich bin schon gespannt zu erfahren, ob die Aktion verlängert wird?
Ich hoffe schon und beobachte, daß die Unkenrufe derer, die Kommentare dazu geschrieben haben, nicht eintreffen. Es ist keine „Universität für Sandler“ und es gibt nicht nur unbrauchbar gewordene Lateinbücher, sondern manchmal rare Gustostückerln, so daß ich den Besuch wirklich sehr empfehlen kann.
Hineingespukt, geschissen und was auch immer hat auch noch niemand und das Buch ist leider, wie ich schon vorher merkte, kein so begehrter Gegenstand, daß die Leute mit den Taschen kommen, um ihr Geschäft damit zu machen.
Es gibt aber auch noch andere Kisten mit dem schönen Schild „Zur freien Entnahme – bedienen Sie sich bitte!“
So hat zum Beispiel das Wien Souvenier Geschäft in der Kettenbrückengasse, in dem Alfred einmal Anna Lindners „Wiener Literaturschauplätze“ kaufte, zugemacht und da stand diese Woche so eine Kiste. Das erste Mal, als ich vorbeigekommen bin, war sie schon leer, beim zweiten Mal lagen zwar keine Wien Bücher darin, aber ein Jean Marie Gustav Le Clezio, der Nobelpreisträger von 2008 mit einer DDR-Ausgabe seines „Protokolls“ und da ich zugebe, daß ich von ihm nichts gelesen habe, habe ich auch vor, es ziemlich bald zu besprechen. Mal sehen, ob ich es schaffe oder etwas anderes nicht noch mehr lockt?
Dagegen wird es nichts mit der „Bücherdiebin“, denn bei der Aktion des „Literatur Managements Lind“ zum Tag des Buches, die eine aktuellere Bezeichnung für Bücherwürmer suchte, habe ich nicht gewonnen. Es gibt aber einen Gewinner bei der Buchstabensuppe und zwar soll das aktuelle Wort „Büchergourmets“ heißen. Man sehen, ob es durchsetzt und nicht nur Frau Lind gefällt.
Es haben aber fünfundsechzig Leute Ideen gespendet. Andreas Unterwegers Vorschlag war, glaube ich, Bücherjunkies und der wird am Stadtfest Wien am 29. 5. ím Schweizerhof aus „Wie im Siebenten“ lesen und das ist ein Buch, das ich wahrscheinlich auch nie lesen werde.
Macht nichts, gibt es ja soviele Bücher und da man auch bei größter Anstrengung nur ein paar tausend schafft, ist die Idee des Bücherhoppings und die Kunst über Bücher zu lesen und zu schreiben, die man nicht gelesen hat, gar nicht so schlecht und da bin ich bei dem für mich Wichtigeren, bitte nicht mißverstehen, nämlich dem Schreiben und da gibt es einiges zu vermelden.
„Die Heimsuchung“ wird, da korrigiere ich schon die Endphase, so daß es demnächst zu digitaldruck.at gehen kann. Es gibt das Cover, das aus den „Nanowrimo“ Logos besteht und einen Text, den ich selbst geschrieben habe, da es Cornelia Travnicek, an die ich eigentlich dachte, bei ihren vielen Lesereisen, nicht machen konnte.
Dafür wird Otto Lambauer den Text für „Mimis Bücher“ schreiben, da Anna das, die jetzt ihren Dienstvertrag bei LOK unterschrieben hat, auch nicht schafft. Da korrigiere ich noch fleißig und hoffe bald fertig zu werden. Das Cover habe ich aber noch nicht. Ich hätte da an eine Collage aus den Ohrenschmaus-Schokoladeschleifen gedacht, vielleicht zeichnet mir die Anna auch ein paar Bücher hin.

Am Ende des Gartens

Filed under: Uncategorized — jancak @ 02:04

„Am Ende des Gartes“ – Erinnerungen an eine Jugend von Erika Pluhar beginnt mit einer Gartenszene und endet mit einer solchen.
Das 1997 veröffentlichte Buch, in der distanzierten „Sie-Form“ geschrieben, die von einer Erika berichtet, die Schauspielerin werden will und bald nach der Geburt der Tochter Anna und der nicht so glücklichen Eheschließung mit Udo Proksch ziemlich abrupt endet, beginnt mit der Schilderung des Gartens im polnischen Lemberg und von der ersten Erinnerung des kleinen Mädchen, das mit seinem Spielgefährten Dudusch in diesen einen Stahlhelm findet.
Erika Pluhar wurde ja 1939, allerdings in Wien geboren, der Vater war Nationalsozialist, die Mutter ist schwanger mit ihr und der älteren Schwester nach Wien zurückgekehrt. Es folgen Schilderungen von Bombenalarmen und einem schreienden Kind, das in den Luftschutzkeller geschleppt wird und sich dort die ersten Traumatisierungen holt.
Die Döblinger Wohnung wird zur Hälfte zerstört, die Mutter mit den Kindern nach Oberösterreich evakuiert, der Vater ist in Kriegsgefangenschaft, später kehrt die Familie nach Wien zurück und lebt länger bei den Großeltern, bevor sie in Floridsdorf eine Gemeindewohnung bekommt.
Es folgen Schilderungen der ersten Mädchenfreundschaften. Sie lernt leicht und begeistert, ist aber nicht sehr sprachbegabt und auch nicht gut in Mathematik, spielt und singt frühzeitig allen etwas vor, gerät in schlechte Schauspielschulen, bevor sie nach der Matura, die Aufnahmeprüfung ins Reinhardt Seminar besteht.
Da passierten schon einige Vergewaltigungen und eine Magersucht von der sie sich selbst befreit und noch vor der Matura wieder zu essen beginnt.
Ihre Reinhardt Seminar Klasse ist ein guter Jahrgang, Heidelinde Weis, Marisa Mell, Senta Berger, Achim Benning und noch andere befinden sich darunter. Sie wird Elevin im Burgtheater und schildert einige boshafte Bemerkungen Adrienne Gessners, die sie als verbitterte Frau erlebte, aber auch die Freundschaft zu ihrer Lehrerin Susi Nicoletti.
Freundschaften spielen in der traumatisierten Nachkriegsjugend überhaupt eine große Rolle. Nach dem ersten Mann von dem sie sich entjungfern läßt und zu dem sie ziemlich bald nach Aufnahme in die Schauspielschule die Beziehung abbricht, spielt der Dominikanerpater Diego, der am Reinhardt Seminar unterrichtet, eine große Rolle. Ausführlich werden Briefe an ihm zitiert, wie auch die frühen Texte Erika Pluhars, mit der sie das Theaterleben, aber auch ihre Beziehung zu Udo Proksch beschreibt, eine große Rolle spielen.
Die ist ihr sehr jung passiert, ebenfalls die Schwangerschaft, die die gerade angefangene Karrierre vorübergehend beendet, sie sitzt mit dem Kind und der Wirtschafterin, die ihr Udo Proksch engagiert, in der Wohnung ihrer Schwester und schreibt Briefe, in dem sie ihn mit „Herr Udo!“ anspricht und von seiner Sekretärin schreibt, mit der er eine Liebesbeziehung unterhält. Die Hochzeit wird überstürzt auf dem Standesamt vollzogen, Trauzeuge ist der Portier und die Mutter sehr böse, nichts davon erfahren zu haben und Erika Pluhar, die sich als sehr intuitiv und selbstbewußt erlebt, beschreibt sehr deutlich, wie dumm und untertan sich die jungen Frauen in den Sechzigerjahren den Männern gegenüber benommen haben.
Es gibt auch eine traumatische Nachblutung in einem Ordensspital, wo es keine Ärzte gibt, so daß Herr Udo die Blutende nach Hause holt und auch ein Haus mit einem großen Garten für sie mietet, in dem sie am Ende des Buches an einem hohen Fenster steht und ins Tullner Feld hineinschaut.
„Solange wir uns erinnern, herrscht Leben. Vergessen ist Sterben. Ist Tod vor der Zeit“, sind die Worte mit denen die Erinnerungen an eine Jugend enden, aber nachher ist noch sehr viel passiert. Hat Erika Pluhar ja an die achtzehn Bücher geschrieben, 1999 ihre Burgtheaterkarriere beendet, weil Peymann sie nicht mehr besetzte, eine zweite Ehe mit Andre Heller erlebt, die 1984 geschieden wurde, obwohl sie sich schon 1973 von ihm trennte, bis zu seinem Selbstmord mit dem Schauspieler Peter Vogel gelebt, 1999 ist die Tochter Anna gestorben, deren Sohn Ignaz sie adoptierte und vielleicht auch noch den zweiten Teil ihrer Biografie schreiben wird.
Der erste erzählt von einer bewegten Nachkriegsjugend, der Gewalt und den Traumatisierungen denen man in dieser Zeit ausgesetzt war, auch wenn man scheinbar sehr behütet und priveligiert aufgewachsen ist.

2010-05-14

Theodor Kramer Preis 2010

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:36

Obwohl heute die Wiener Festwochen eröffnet wurden, sind wir nach Krems zum Theodor Kramer Preis gefahren, weil wir das schon lange machen und das auch recht gut mit dem Wochenende in Harland zu verbinden ist.
Den Theodor Kramer Preis gibt es seit zehn Jahren. 2001 wurde er das erste Mal im ESRA an Stella Rottenberg vergeben, da hatte ich auch die Schwierigkeiten mit dem Konstantin Kaiser wegen der Freiheit des Wortes. Das hat sich inzwischen gegeben und der Theodor Kramer Preis für das Schreiben im Exil und im Widerstand wird inzwischen in Krems in Zusammenarbeit mit dem ULNOE in der Mkinoritenkirche vergeben. Wir waren meistens dort. Michael Guttenbrunner, Milo Dor, Robert Sommer, Jakov Lind, Josef Burg haben ihn unter anderen bekommen.

Heuer ist der Preisträger Elazar Benyoetz, der 1997 als Paul Koppel in Wiener Neustadt geboren wurde und 1939 mit seinen Eltern und seiner Schwestern nach Isralel auswandern mußte. Vorher gab es im ULNOE einen Vortrag zur Geschichte des Franz Zeller Platzes vor der Kunsthalle Krems bzw. die Geschichte der Kremser Widerstandskämpfer, die 1942 hingerichtet wurden. Das war sehr interessant, haben doch die Kommunisten durchgesetzt den Platz nach dem 1900 geborenen Hilfsarbeiter, der beim republikanischen Schutzbund war und verhaftet wurde, weil er sich über das Mutterkreuz seiner Mutter lustig gemacht haben soll, benannt und nun gibt es diesen Platz und keiner weiß, wer Franz Zeller ist.
Robert Streibl, der Direktor der VHS Hietzing hat die Briefe Franz Zellers an seine Eltern, Frau und Geschwister vorgelesen.
Es soll auch eine Lichtinstallation geben, wo die Worte „Nun gute Nacht“, mit denen Franz Zeller seine Briefe beendet hat, projeziert werden.
Dann war eine Stunde Pause, wir sind ein bißchen an der Donau und durch Krems-Stein gegangen und um neunzehn Uhr ging es los in der ehemaligen Minoritenkirche.
Vera Schwarzinger hat vom ULNOE und Karl Müller von der Theodor Kramer Gesellschaft begrüßt. Alexander Shevchenko, der aus der Ukrainie stammt, Akkordeon gespielt. Gerhard Jaschke hat für die GAV, die sich finanziell an dem Preis beteiligt, ein paar berührende Worte gesprochen und an Werner Herbst und Theordor Kramer erinnert. Dann hielt Daniela Striegl die Laudatio und erzählte einiges Interessantes über den Aphorismiker Elazar Benyöetz, bevor der selbst aus seinen Werken vorgelesen hat und erzählte, wie er zu dem Preis und Theodor Kramer steht, von dem er zwei Gedichtbände in Erstausgaben besitzt.
Nachher gab es wieder das bewährte Buffet bzw. Empfang des Landeshauptmannes, Schinken, Käse, Weintrauben, Nüße und Wachauer Laiberln und wir sind an einem Tisch mit einer netten Dame aus Krems, die ich schon im Literaturhaus gesehen habe und einigen jungen Leuten zusammengesessen.
Die jungen Leute waren Studenten, darunter eine sehr nette Polin, die erzählte, daß sie vergleichende Literaturwissenschaft studierte, jetzt mit ihrer Disseration begonnen hat und ab Montag ein Praktikum im Literaturhaus Wien und dann noch eines bei der Theodor Kramer Gesellschaft macht.

2010-05-13

Morgen ist alles besser

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:09

Chick Lit aus den Neunzehndreißigerjahren, nämlich Annemarie Selinkos „Morgen ist alles besser“, 1938 im Zeitbild Verlag erschienen, einer der Romane die, wie Evelyne Polt-Heinzl in ihrem Portraitband „Zeitlos“ schreibt, als Unterhaltungsliteratur für Frauen kategorisiert wurden, der 1914 in Wien geborenen und 1986 in Kopenhagen verstorbenen Autorin, deren 1951 erschienener Napoleon Roman „Desiree“ zum Weltbestseller wurde, während ihre anderen Romanen inzwischen vergessen sind.
Wenn mich nicht alles täuscht, gibt es eine in den Fünfzigerjahren spielende Verfilmung mit Romy Schneider, die zumindest eine sehr ähnliche Handlung hat.
Annemarie Selinkos Unterhaltungsroman, den ich im offenen Bücherschrank fast übersehen hätte, beginnt, wie der Schüler Gerber, nämlich in einer Lateinstunde, wo sich die Frau Professor Mikula mit ihren unwilligen Schülerinnen plagt, mit der Übersetzung der Klassenstreberin nicht mehr zufrieden ist, sondern will, daß die Toni Huber weiterübersetzt, weil die sich so auffällig mit den rinnenden Maschen ihrer Seidenstrümpfe beschäftigt. Die Schülerinnen sagen bereitwillig ein, es ist aber aussichtslos, denn die Toni hat grammatikalische Lücken, braucht aber unbedingt die Matura, da die von den meisten Büros inzwischen verlangt wird und sie ja irgendwann Geld verdienen muß, während vom Unterrichtsministerium der Wink gekommen ist, bei den Reifeprüfungen streng vorzugehen, da die Hochschulen überfüllt und es auch unnütz ist, daß jährlich tausende Mädchen auf der Universität inskribieren, vor allem, die mit den negativen Schulerfolgen und da ist die Toni Huber mit ihren nicht genügend in Latein, Mathematik und Geografie betroffen und soll deshalb ihre Mutter in die nächste Sprechstunde schicken. Sie hat aber nur mehr ihren Vater Friedl, den ehemaligen k.k Rittmeister, der sich nach dem Verfall der Monarchie als Versicherungsagent verdingt und mit dem Fräulein Anna und dem ehemaligen Burschen Fekete, den bürgerlichen Wohlstand verzweifelt aufrechtzuerhalten versucht und seine Tochter aus Gewohnheit Anton nennt. Der kann aber auch nicht in die Sprechstunde kommen, weil er plötzlich durch einen kriegsbedingten Herzfehler von höherer Stelle abberufen wird.
Hier kommt eine sehr beeindruckende Schilderung des Sterbens in den Neunzehndreißigerjahren im alten AKH. Der Vater der protektionsbedingt ein Zweibettzimmer mit dem Radioangestellten Josef Egger hat, soll zum Sterben allein gelassen werden und Toni, die sich zuerst brav nach Hause schicken läßt und sogar versucht Latein zu lernen, geht in der Nacht wieder ins Spital, um den Vater beiszustehen, wobei sie von den Ärzten mit Kampfer und mit Kognac beruhigt wird. Danach wird sie großjährig gesprochen, besteht mit aller Nachsicht eines alten Hofrats, die Matura und mietet sich um achtzig Schilling in ein Junggesellenappartement des Hochhauses in der Herrengasse ein, läßt sich privat in Stenografie, Maschinschreiben und Buchhaltung unterichten, bevor sie in die Rundfunkgesellschaft marschiert, weil ihr der Egger Josef einen Job versprochen hat, den sie auch, als Tippfräulein bei einem der Direktoren bekommt und muß dann in das Aufnahmestudio, wo der Nachrichtensprecher gerade von einer Eisenbahnkatastrophe berichtet soll, von der seine Frau betroffen ist. Dem Sprecher versagt die Stimme und das Tippfräulein rettet die Situation, in dem sie den Menschen an den Geräten etwas von den Sorgen, die sie haben und, daß morgen alles besser ist, erzählt, worauf sie vom obersten Rundfunkdirektor fristlos entlassen wird.
Verstört geht sie nach Hause und stößt im Aufzug mit einem Engländer namens Leslie zusammen, in dem sie sich prompt verliebt und entjungfern läßt. Während sie leicht betrunken einer schlechten Zukunft entgegenschläft, laufen im Rundfunk die Telefone heiß, waren alle doch von der sympathischen Stimme begeistert, so daß der Direktor sie wieder holen läßt und der neue Star geboren ist.
Bis dahin war es spannend und dicht erzählt und gibt einen sehr realistischen Einblick in die Dreißigerjahre des vorigen Jahrhunderts, ab dann wird es chick lit und unübersichtlich. Die Toni schwankt nicht nur zwischen zwei Männern, sondern auch zwischen Naivität und Gerissenheit hin- und her. So verlangt sie, obwohl sie sich doch entlassen glajubt, bei ihrem Sprecherinnenvertrag tausend Schilling, obwohl sie vorher nur hundertfünzig verdiente. Läßt sich von den Rundfunkdirektoren ihre Termine vorschreiben, kauft sich aber ein silbernes Auto mit roten Sitzen, sowie einen Silberfuchsmantel und versäumt die Ansage, nachdem sie herausbekommen hat, daß ihr Leslie verheiratet ist und um 23. 30, zu seiner Frau nach Paris fährt. Der Rundfunk hilft sich mit einer Schallplatte, während Toni in einem Vorstadtwirtshaus Bratwurst ißt und Glühwein trinkt und sich von der geschäftstüchtigen Tochter, die Rechte auf ihre Tonaufnahmen erklären läßt.
Ab da nimmt sie ihr Schicksal in die Hand und beginnt mit dem Direktor der literarischen Abteilung, dem Dichter Krapp, der ihr ihre Reden schreibt und sie „Huber Mädchen“ nennt, in der Welt herumzureisen und macht ihm, nachdem sie sich gegen Leslie, der ihr seinen Hund hinterlassen hat, entschieden hat, sogar einen Heiratsantrag.
Dafür wird sie zur Fünfzigjahrfeier in ihr Mädchengymnasium eingeladen, bekommt vom Direktor einen Strauß Rosen und klärt die begeisterten Schülerinnen auf, daß ihr Erfolg nur Zufall war, weil jede Aussicht auf eine schöne Zukunft hat, da das Leben weitergeht und morgen alles besser ist….
Danach ist, wie wir inzwischen wissen, zuerst das tausendjährige Reich gekommen, das Annemarie Selinko nach Schweden bzw. Dänemark brachte und uns siebzig Jahre später wieder überfüllte Hörsäle und Selektion der nicht geeigneten Studenten und Studentinnen, während man nur noch mit lauter sehr gut aufs Gymnasium kommt und einen Starkult mittels Castingshows gibt es auch, wo einige ausgesucht werden, die die großen Karrieren machen, während die anderen begabten überbleiben.
Ein sehr interessantes Buch, mich hat das Kapitel im Spital und auch noch einige andere Schilderungen, z. B., wo Toni Huber mit Direktor Krapp in ein italienisches Restaurant essen geht und nicht weiß, wie sie die Spaghetti, um die Gabel wickeln soll, sehr beeindruckt. Anderes wieder, wie, daß die jungen Mädchen bei ihren ersten Lieben prompt in die Hände verheirateter Männer fallen, wie es auch Erika Pluhar in ihrem „späten Tagebuch“ beschreibt und erst geläutert werden müßen, hat mir weniger gefallen, wenn man aber weiß, was später alles folgte, wird das „Morgen ist alles besser, gute Nacht!“, besonders spannend und es gab ja einen amerikanischen Film bzw. eine Fernsehsendung, die auch mit ähnlichen Worten schloß.

2010-05-12

Spätes Tagebuch

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:32

„Spätes Tagebuch“, von Erika Pluhar, 2010 bei Residenz erschienen, ist ein Roman, in dem die siebzigjährige Paulina ein Tagebuch zu schreiben beginnt. Paulina, die in einem großen Haus mit einem großen Garten und vielen Bäumen lebt, ist eine erfolgreiche Frau.Tänzerin von Beruf, die eine Tanz Company führte, bevor sie sich nach dem Tod des Gatten Neblo und ihrer Tochter von der Welt zurückgezogen hat, von der portugiesischen Zugehfrau Hortensia bekocht wird, viel fernsieht und gelegentlich schwitzend Taxi fährt.
Das Tagebuch soll nur die Gegenwart beschreiben, natürlich kommt sie über die Vergangenheit nicht herum, obwohl man über das, was ihr Leben so sehr veränderte, nicht viel erfährt.
Paulina schreibt in den Computer, druckt die Seiten dann aus, um sie in schöne alte Mappen zuheften und wird anfangs von ihrer Freundin Flory, einer jüngeren Tänzerin bedrängt. Denn Flory ist sehr eifersüchtig, wird, wie sie behauptet, von ihrem Gatten grün und blau geschlagen, der später Paulina erklärt, daß das die Zuhälter waren, weil Flory behauptete, daß Vincent sie mit sämtlichen Nutten betrog. Später gibt es noch einen Selbstmordversuch Florys, der sie in die Klinik bringt, während Paulina von Vincent aufgesucht wird, der sich von Flory trennen und Kontakt zu der Älteren haben will.
Es gibt auch einen früheren Liebhaber, den Komponisten Maxime, der sich von seiner Frau nicht trennen wollte, dann lernte Paulina Antonio Neblo kennen und die große Liebe der Frau, die schon als Kind nichts als tanzen wollte, begann.
Jetzt hat sie aber ihren Beruf aufgegeben und will das Leben einer alten Frau beschreiben, während sich der alt gewordene Maxime meldet, der, nachdem seine Frau an Krebs gestorben ist, wieder eine Beziehung zu Paulia will. Sie lehnt ab, wehrt auch Vincents Besuche ab, um durchzudrehen, als die Bäume vor ihrem Haus gerodet werden. Mit Valium legt sie sich ins Bett, um nicht mehr aufzustehen, bis sie Vincent schließlich zu einer Reise ans Meer überredet kann. Dort kommt es zum sexuellen Kontakt der beiden, den Paulina nach der Rückkehr zum Fehler erklärt. Sie bekommt einen Bandscheibenvorfall und einen leichten Herzinfarkt, kommt ins Spital und will nach ihrer Rückkehr ihr Tagebuch vernichten.
Wieder hindert sie Vincent daran, der gekommen ist, um sich von Paulina zu verabschieden, da er seine Zahnarztpraxis nach Hamburg verlegt, um mit der total veränderten Flory dorthinzuziehen.
Die Physiotherapeutin ist mit der erfolgreichen Bändigung von Paulinas Bandscheiben zufrieden und schließlich ruft noch Maxime an, um sie aufzufordern, bei seinem Balletabend mitzuwirken, weil man sich auf die jungen Choreographen nicht wirklich verlassen kann. So wagt Paulina einen vorsichtigen Neubeginn und beschließt ins Leben hinauszugehen und wieder Menschen tanzen zu sehen…
So weit das „Späte Tagebuch“, der 1939 geborenen Schauspielerin, die sich 1999 vom Burgtheater zurückgezogen hat und schon viele Bücher geschrieben hat. Die 1997 erschienenen Erinnerungen an eine Jugend „Am Ende des Gartens“ habe ich in Harland zu lesen begonnen, das „Späte Tagebuch“ ist auch sehr interessant.
Enthält es sicher einige autobiografische Elemente, so ist ja auch Erika Pluhars Tochter gestorben und in einem Haus mit großen Garten am Stadtrand lebt sie, glaube ich, auch. Dennoch ist es eine fiktive Geschichte und setzt sich auch nicht so sehr mit dem Altern auseinander, wie ich nach den Interviews erwartet habe. Das Buch ist nicht linear geschrieben, einiges ist ausgespart, vieles ist nur angedeutet und passiert oder auch nicht, ein bißchen Klischee ist auch dabei.
So die Sache mit dem Sex und den jüngeren Liebhabern und bei Erika Pluhar, die ja eine ungewöhnliche Frau, mit einem ungewöhnlichen Leben ist, ist sicher interessant, wie sie sich als Schriftstellerin etablieren konnte. Als es 1999, die Libro Bestseller Aktion gab, ist gerade „Mathildas Erfindungen“ erschienen, seither habe ich ihren schriftstellerischen Werdegang verfolgt, obwohl das „Späte Tagebuch“, das erste Pluhar Buch ist, das ich ausgelesen habe.
Das Thema Altern interessiert mich sehr und man kann sicher einiges darüber und wahrscheinlich auch von Erika Pluhar erfahren.
Daß sich inzwischen viele ältere Frauen mit ihrer Biografie beschäftigen und zu schreiben beginnen, finde ich ebenfalls sehr wichtig. Da gibt es auch Schreibkurse, wo man das lernen kann, auch wenn das Veröffentlichen bei Normalbiografien sicherlich viel schwerer ist.
Es ist auch interessant, das Buch mit Anita C. Schaubs „Tanzende Rose“ zu vergleichen, die ja ein ähnliches Thema auf ähnliche Weise aus einer anderen Position beschrieben hat.
Damit lasse ich es, zur Biografie Erika Pluhars werde ich ja noch kommen, wenn ich am „Am Ende des Gartens“ bespreche.

2010-05-10

Zweimal Amerlinghaus

Filed under: Uncategorized — jancak @ 22:31

Ilse Kilic hat heute den sogenannten Dauertisch des Amerlinghauses, der glaube ich, jeden Montag vor dem Burgtheater aufgestellt ist, für die GAV betreut und die Mitglieder aufgefordert hinzukommen. Flugzettel und Programme wurden verteilt und auf dem Tisch lagen die Ankündigungen für den „Tag der Freiheit des Wortes“ und zum „Alltäglichen Leben“.
Leider sind diese Montag-Protestveranstaltungen nirgendwo angekündigt, nicht einmal auf der Amerlinghaus-Homepage hab ich es gefunden, es sind aber trotzdem einige Leute vorbeigekommen. Rudi Lasselsberger, Mechthild Podzeit-Lütjen, Karin Spielhofer beispielsweise.
Fritz Widhalm und Helmut Rizy haben eifrig Flugzettel an die vorübereilenden Passanten, Touristen zumeist, verteilt.
Ilse Kilic tat das vor der Uni, die gerade neuerlich besetzt wurde. Lesungen gabs keine, weil kein Mikrofon, es hätte auch kaum jemand zugehört, dafür ein paar Insidergespräche. Klatsch und Tratsch aus dem GAV-Alltag, ich habe, bevor der große Regen einsetzte, meine Bücher hergezeigt, der uns vorzeitig vertrieben hat.
Kurzfristig kleine Hagelkörner und ein Waten durch die Wasserlaken von Volksgarten und Heldenplatz. Ich liebe solche Ganzkörperduschen im warmen Sommerregen, nachher bist du patschnass, aber die Stadt hat kurzfristig dir gehört!
Zwei Stunden Pause, Richard Weihs schickte mir das Wunschgedicht vom April, aber ich hatte ohnehin vor, zu den „Wilden Worten“ ins Amerlinghaus zu kommen, war ja der Südtiroler Jörg Zemmler Gast und der hat bei der Lyrik Veranstaltung der Erich Friedtage letzten November einen Text zu meinem Foto geschrieben, so daß ich ihn näher kennenzulernen wollte, wußte ich ja nur, daß er Poetry Slam Meister ist.
Das Thema war „myday mai“. Jörg Zemmler hat dazu gesungen, einen Text aus dem Jahrbuch des Liechtensteiner Literaturhauses und sehr viele Fragen in einer langsamen bedächtigen Art vorgetragen.
„Wie hieß H. C. Straches Kindergärtnerin?“ „Wozu brauchen wir den Opernball?“ ect.
Dann gabs die Wunschgedichte, Richard Weihs hat sein neues Buch vorgestellt und diesmal wieder freie Wildbahn, wo Franz Blaha eine neue Literaturzeitschrift zum Thema Sucht vorstellte und seinen Text „Rundfahrt mit Q“ vorlas.
Und weils auch das letzte Mal geregnet hat, waren viele Regenthemen bei den Wunschgedichten und der Alfred ist so spät gekommen, daß er mich versäumte.
Und am Tag der Bücherverbrennung, kein „Tag der Freiheit des Wortes“, der ja diesmal erst im Juni stattfindet, aber das genaue Datum habe ich auch in den letzten Jahren nicht geschafft.

2010-05-09

Betrachtungen zum Muttertag

Filed under: Uncategorized — jancak @ 08:38

Am Freitag ist das ecetera Viertel Jubiläumsheft zu fünfundzwanzig Jahre literarische Gesellschaft St. Pölten mit dem ausführlichen Interview und einem Bild von mir, das Robert Eglhofer im Jänner in meiner Praxis machte, gekommen.
Es ist wieder ein interessantes Heft geworden. Ein zweites Foto mit mir gibts vom Osterspaziergang, ein Interview mit Manfred Chobot und viele schöne Texte zum Thema Viertel.
Jetzt habe ich durch Robert Eglhofer mein Schulwissen, daß Niederösterreich aus dem Most- dem Wein- dem Wald- und dem Industrieviertel besteht, wieder aufgefrischt, man kann auch einiges über die St. Pöltner Stadtführungen erfahren. Emily Walton, auf deren Blog ich durch Thomas Wollinger gestoßen bin, hat einen Text mit dem Titel „Zu Viert“ drinnen.
Ich komme gleich zu mehr, will aber vorher auf die Jubiläumslesung mit Klaus Ebner, Wolfgang Mayer-König, Doris Kloimstein und Robert Eglhofer am 19. Mai im Stadtmuseum St. Pölten, Prandtauerstraße 2 hinweisen und dann zu Thomas Fröhlichs Beitrag „Betreten verboten“ hinüberschwenken, der mich veranlaßt hat, diesen Artikel „Betrachtungen zum Muttertag“ zu nennen, obwohl er mit schönen Leichen und Werwölfen beginnt, denn da wird mit Toby Barlows Debutroman „Scharfe Zähne“, der 2009 im Milena Verlag erschienen ist, eingeleitet.
Cornelia Travniceks Milena Anthologie „How I fucked Jamal“ wurde ja am Donnerstag vorgestellt und da beschreiben junge Frauen und Männer ihre multikulti Lieben und sexuellen Migrationserfahrungen, wenn ich es richtig verstanden habe. Cornelia Travnicek freuts und hat für die Anthologie Dichter, wie Clemens J. Setz eingeladen, der sicher einen schönen Text geschrieben hat, aber, sollte der Milena Frauenverlag nicht heuer das Dreißigjahrjubiläum feiern, also älter als die Lit Ges St. Pölten sein?
Natürlich, denn 1980 hat Elfriede Haslehner mit einigen anderen engagierten Feministinnen den Wiener Frauenverlag gegründet. Inge Rowhani, Hilde Langthaler ect. waren auch dabei. Es gab die erste Anthologie „Aufschreiben“. Ich habe das Ganze durch den Arbeitskreis schreibender Frauen mitbekommen, in dem sich Elfriede Haslehner ebenfalls engagierte, einen meiner ersten Texte für die Anthologie geschickt, den sie nicht genommen hat. Sie hat mir damals einen Brief geschrieben, den ich noch aufgehoben hab, daß ich an meiner Sprache arbeiten soll und in Therapie gehen, damit mir das Schreiben nicht so wichtig ist. Da hatte ich schon meine Gesprächstherapieausbildung begonnen und das Schreiben ist mir wichtig geblieben. In der zweiten Anthologie „Arbeite Frau, die Freude kommt von selbst“, war auch ein Text von mir drinnen, denn ich hatte inzwischen bei der Ausschreibung des geschlechtsneutralen Kinderbuchs „Mädchen dürfen pfeifen, Buben dürfen weinen“ gewonnen und J. u. V., die auch einen Band zur Arbeitswelt machten, haben meinen Text an den Frauenverlag geschickt.
Ein paar Jahre ging das gut, dann wurden, wie Thomas Fröhlich wertfrei schreibt, die idealistischen kapitallosen Gründerfrauen durch das professionelle Team Sylvia Treudl, Barbara Neuwirth, Diana Vogt Johanna Rachinger ect. ersetzt, das für anhaltende hohe Qualität der Veröffentlichungen sorgte.
Es gab auch eine feministische Wissenschaftsreihe in der Ruth Aspöcks „Der ganze Zauber nennt sich Wissenschaft“, erschienen ist, eine Krimireihe „Giftmelange“, Evelyn Grill wurde mit „Rahmenhandlungen“ entdeckt und immer wieder interessante Anthologien. Sylvia Treudl hat, glaube ich, einen erotischen Touch hineingebracht. Von Margit Hahn habe ich einige Bände zu Hause liegen, die ich noch nicht gelesen habe.
Ich hab immer wieder Texte hingeschickt, unter anderem für eine Anthologie mit dem Titel „Falling in love“ oder so, wo ich meine Begegnung mit Alfred, den ich durch ein Inserat kennengelernt habe, daß ich 1982 im Falter aufgegeben habe, beschrieb. Der Text ist im „Best of – Das Eva Jancak Geschichtenbuch“ enthalten und der Frauenverlag hat sich 1997 in Milena umbenannt, da das, wie mir Barbara Neuwirth einmal sagte, für die deutschen Bestellisten besser war. Mir hat das schon damals nicht gefallen. Es gab dann auch ein neues Leitungsteam und 2000 hat das Widerstandsbuch „Die Sprache des Widerstandes ist alt wie die Welt und ihr Wunsch – Frauen in Österreich schreiben gegen rechts“, den Bruno Kreisky Preis für das politische Buch erhalten. Da ist, wie schon beschrieben, mein „Widerstand beim Zwiebelschneiden“ drinnen und als für die von Sylvia Treudl herausgegebene Anthologie „Viechereien-Tiere erzählen“, Texte gesucht wurden, habe ich einen alten Text umgeschrieben, an die damals aktuelle politische Situation angepasst, ihn „Ingrids Karriere“ genannt, der auch erschienen ist.
Das wars dann, irgendwann hab ich ja aufgehört, meine Texte reihenweise rundum zu schicken und mich auch bei Auschreibungen immer weniger beworben, so habe ich die Tatsache, daß mit Thomas Ballhausen der Frauenverlag plötzlich auch Männern geöffnet war, nur am Rande mitbekommen. Der alte Milena Frauenverlag hat ja immer darauf geschaut nur Texte von Frauen zu veröffentlichen, auch wenn es Gerüchte gegeben hat, daß es trotzdem Männern gelungen sein soll, ihre Sachen unter weiblichen Pseudonymen einzureichen.
Milena wurde 2007, wie Thomas Fröhlich genau beschreibt von Vanessa Wieser übernommen, die schon ein paar Jahre vorher die Pressearbeit machte und dabei gesehen hat, daß, wie sie schreibt, die ausschließliche feministische Ausrichtung niemanden mehr wirklich interessiert. Und da auch der Rubel nicht mehr weiterrollte, hat Thomas Ballhausen, die Monster- Werwolf- Paranoia-Horrorreihe „Exquisite corpse“ übernommen, Rudolf Brunngrabers „Karl und das zwanzigste Jahrhundert“ wurde wiederaufgelegt, Cornelia Travniceks und Mieze Medusa neue „Falling in Love“ – Anthologie, herausgegeben, eben die neue zeitgeschichtliche gesellschaftskritische emanziaptorische Ausprägung, die nicht mehr Männer und Frauenliteratur trennt, wie Vanessa Wieser das neue Verlagskonzept nennt. Thomas Fröhlich hats im etcetera lang und genau beschrieben, Barbara Neuwirth hat mir vor eineinhalb Jahren auch gesagt, daß sie damit leben kann.
Ich finds trotzdem traurig, den Frauenverlag den Bach hinunterschwimmen zu sehen, um so mehr, da es durch die Frauenbewegung, viele junge gebildete Frauen gibt, die ohne vielleicht nicht so leicht studieren hätten können, jetzt aber spitze Stöckelschuhe tragen, mit denen sie sich die Füße ruinieren und kurze Röcke, wo frau sich leicht verkühlt, für ihre prekären Praktikantenverhältnisse oft keinen Dienstvertrag haben und der freie Hochschulzugang für alle ist auch nur mehr Illusion. Der Aufnahmetest für Medizinstudenten, soll ja, wie man hört, die Frauen benachteiligen. Da bin ich wieder beim Muttertag, wo die Männer den Frauen ein Blümchen und ein Milkaherz schenken und vielleicht sogar das Frühstück machen. Alfred kocht mir, der Anna und seinen Eltern Spargel, Fisch und Rindfleisch mit Charlotten und zum Nachtisch Topfenknödel mit Erdbeersauce und die AUF-Frauenbewegung feiert am 28. Mai im Rathaus mit einem großen Fest den fünfunddreißigsten Jahrestag. Da stell ich aber im Amerlinghaus beim alltäglichen Leben, fast zwei Jahre Literaturgeflüster vor und werde auf das feministische Publikum wohl verzichten müssen.

2010-05-08

wir schlafen nicht

Filed under: Uncategorized — jancak @ 21:01

„Wir schlafen nicht“ ist der zweite oder dritte Roman, der 1971 in Salzburg geborenen Kathrin Röggla. Zumindestens habe ich „Irres Wetter“, das mir Alfred einmal bei einem Thalia Abverkauf kaufte, gelesen und kenne die Autorin ebenfalls schon lang und ein bißchen persönlich.
Als ich in der Nachwuchsstipendiumsjury war, habe ich mich zum ersten Mal mit ihren Texten beschäftigt, sie wurde auch von Barbara Neuwirth vorgeschlagen.
1993 haben wir gemeinsam bei dem von Christine Haidegger organisierten Symposium „Sichten und Vernichten“ im Salzburger Literaturhaus gelesen.
Es gab, glaube ich auch, ein Lesen beim Bachmannwettbewerb, Thomas Rothschild, der ebenfalls bei diesem Symposium war, hat sie, glaub ich wieder, dazu eingeladen.
Sie ist dann nach Berlin gegangen, Preise folgten, 2000 ist „Irres Wetter“ erschienen und 2004 „wir schlafen nicht“, da war ich auf der Leipziger Buchmesse und habe die Lesung im Wiener Cafe gehört. Es gab auch eine „Tag für Tag“-Sendung, an die ich mich erinnern kann. Das Buch, habe ich 2008, bei dem Stattersdorfer Flohmarkt gekauft und nach „Business Class“ zu lesen begonnen und das passt sehr gut, denn 2010 ist ein neuer Roman „Die Alarmbereiten“ erschienen, der in Leipzig an mir vorübergegangen ist, aber wieder in „Von Tag zu Tag“ vorgestellt wurde und da habe ich mir gedacht, das passt, denn wir sind ja eine Welt der „Alarmbereiten“ und werden täglich, stündlich oder was auch immer durch die Medien und auch sonst, von Ängsten und Kathasthropenphantasien niedergebüggelt.
Aber jetzt zu dem Roman aus der Businesswelt. Roman?, hab ich gedacht, als ich beim Lesen etwa auf Seite fünfzig war. Das ist doch kein Roman, obwohl es in dem s.fischer Buch so geschrieben steht, das ist ein Endlosmonolog im Businesspeech und das Ergebnis von Interviews mit consultants, coaches, key accaunt managerinnen, praktikannten usw., wie im Klappentext steht und habe mich geirrt.
Es ist doch ein Roman, auch wenn man es nicht gleich merkt. Zumindest mir ist es so gegangen. Denn da wird in dreiunddreißig Kapiteln im besten Businesspeech sehr viel vor sich hingesprochen. Die Key Accaunt Managerin, die Praktikantin, der It-Supporter ect monologisieren über sämtliche Bereiche des Businesslebens über den Mc Kinseyismus, den Life-style, das Nichtschlafenkönnen, Konkurrenz, Erfolg usw. und so fort.
Das was man sich erwartet, wenn man auf einer Lesung war, eine Rezension gehört hat, das Umschlagbild angesehen hat.
Später kommt man darauf, es gibt doch eine Handlung, bzw. bestimmte Personen, die immer wieder vorkommen und offensichtlich erfunden wurden.
Silke Mertens 37, Key Accaunt Managerin, Nicole Damaschke, Praktikantin, 24, Andrea Bülow, ehemalige Tv-Redakteurin, 42, Sven, It-Supporter, 34, Oliver Hannes Bender, Senior Associate, 32 und Herr Gehringer, Partner, 48, die sich offensichtlich auf einer Messe befinden und in den dreiunddreißig Kapiteln mit den Themen Positionierung, Betrieb, Standard, Privatleben, Pleiten, Sicherheitscheck ect. vor sich hin reden.
Das Ganze ein Endlosmonolog mit verteilten Rollen, kleingeschrieben, mit sehr viel Business Vokabular. Es wird darüber gesprochen, wie man sich wachhält ohne zu schlafen, wie man ein Familienleben besitzt ohne diese zu sehen, wie man die Schwachen von den Starken aussortiert und wie die das möglichst selbst erkennen. Business as usal, zum Entsetzen der Leser sozusagen.
Die Praktikantin, die auch vorher nie anzutreffen war, steigt zwischenduch aus dem Szenarium aus, eine der Frauen gerät von den vielen Sektchen zwischendurch, in einen betrunkenen Zustand und eine Paranoia. Am Ende eskaliert der fiktive Kosmos und wird zu einem Jelinekschen Szenarium a la Kinder der Toten.
Die Business Typen werden zu Gespenstern, sehen ihrem eigenen Sterben zu, geraten ins Koma, verlieren das Gedächtnis und werden am Ende natürlich wiederbelebt, denn der Kosmos dreht sich weiter und es ist ja eine Realität, die wie im Klappentext steht, zugleich erschreckend fremd als auch vertraut erscheint.
Deshalb hat die sprachgewandte Autorin, die auch über nine eleven geschieben hat, 2005 den Bruno Kreisky Preis für das politische Buch bekommen und ich hab beim Lesen wieder einmal viel gelernt.

2010-05-06

Anita C. Schaub

Filed under: Uncategorized — jancak @ 23:10

Im Amerlinghaus gabs heute die von Hilde Schmözer veranstaltete Lesetheateraufführung von Anita C. Schaubs, 2008 bei Resistenz erschienener Erzählung „Tanzende Rose“, außerdem haben noch Monika Giller und Gabriela Schmoll mitgewirkt.
Von Anita C. Schaub hab ich schon einige Mal geschrieben. Kennengelernt hab ich sie bei dem von Rolf Schwendter organisierten „Tag der Freiheit des Wortes“ 2002.
Da hat sie mich, Elfriede Haslehner und andere Frauen angesprochen, daß sie eine Lesetheaterfrauengruppen gründen will. Sie ist 1959 geboren, hat in Kärnten gelebt, Philologie, Pädagogik und Psychologie studiert, kam 2001 nach Wien und hat als Beratungslehrerin gearbeitet. Vor allem hat sie sich für den Feminismus und die Frauenforschung interessiert und erschien mir da immer sehr konsequent. So ist 2004 „FrauenSchreiben“ Gespräche mit siebzehn Autorinnen entstanden. Sie hat dann auch literarisch zu schreiben begonnen und ist inzwischen GAV Mitglied.
Über das 2009 bei Arovell erschienene „Fremdenzimmer“ habe ich schon geschrieben.
„Tanzende Rose“ ist eine Erzählung in drei Teilen, im „Tag danach“ schimpft eine alte Frau im Endlosmonolog vor sich hin. Sie ist frühpensionierte Lehrerin, scheint, obwohl sie davon spricht, viel Geld zu haben, in einem Zinshaus zu leben und unter den Nachbarn und den angepinkelten, stinkenden Hausfluren sehr zu leiden und darunter, daß ihre Psychoanalytikerin, bei der sie seit achtzehn Jahren fünfmal in der Woche war, in Pension gegangen ist. Denn außer ihr scheint es nur einen Neffen zu geben, der Mann ist ihr verlorengegangen, der Vater, der Bruder, die manisch depressive Schwester haben sich umgebracht, die Mutter ist gestorben. Sehr viel Einsamkeit, Grant, Ängste und Unsicherheit und dann gibt es noch das Zigarettenkippensammeln, daß sie von ihrem Mann übernommen hat.
Neben sehr starken Bildern also ein paar Klischees und Widersprüche, berührend ist die Verzweiflung und die Abhängigkeit von der Analytikerin, aber vom Analytikerbubi wurde sie natürlich verführt.
Das zweite Kapitel heißt „Lächeln“, da ist der Erbneffe auf den Plan getreten und hat dem Tantchen, das nicht so genannt werden will, eine Reise nach Stockholm geschenkt. Dort blüht die alte Dame auf, beginnt sich für Kaffeehäuser und Menschen zu interessieren, geht zum Friseur, kauft sich einen Badeanzug und lernt zuerst einen zahnlosen Fleischhauer, dann eine Kapitänin kennen, die sie von ihren Klaustrophobien befreit und sie mit ihrer Freundin, das Glück des Feminismus lehrt. Total verjüngt kehrt sie nach zwei Wochen zu ihrem Neffen zurück, der sie gar nicht mehr erkennt, ihr aber die kleine Chris präsentiert, was das Glück der Großtante verstärkt, obwohl sie auch Sehnsucht nach Karla und deren Freundin hat. Sie ändert das Testament zu Gunsten der kleinen Nichte, um im dritten Kapitel ein paar Jahre später, selber Psychoanalytikerin zu sein, den Menschen zuzuhören, ein Häuschen im Grünen zu besitzen und lächelnd, wie eine tanzende Rose durch das Leben zu wandeln, weil doch alles so einfach ist.
Sehr widersprüchig und es ist auch sehr viel hineingepackt. Aber schöne starke Bilder, viel Feminismus, auch in der Sprache, dann gibt es wieder viele Männerbeziehungen, was ja auch in Ordnung ist.
Unglaubwürdig ist die Wandlung zur Psychoanalytikerin, scheint es sich doch, um eine alte Frau zu handeln und, daß ein Stockholmurlaub von zwei Wochen, das erreicht, was achtzehn Jahre Analyse und noch ein paar andere in Pension gegangene Analytikerinnen nicht erreichen konnten, ist wohl nur als Parodie zu betrachten, als Märchen ist es aber schön und das was man sich wünschen sollte.
Das Vorwort hat Elfriede Hammerl geschrieben, auf der Einladung steht etwas von unterhaltsamen Lesevergnügen, als das würde ich es nicht betrachten, dafür sind die Bilder zu stark und das Elend zu dicht. Ich kann mir schon das Ottakringer Zinshaus vorstellen, wo die alten Frauen grantig schauen, die Männer in den Lift pinkeln und nach der beschriebenen Lebensgeschichte sind die Ängste, Unsicherheiten, Traumen sicherlich so ausgeprägt, daß sie sich nicht so einfach verändern lassen. Ich habe, da ich Anita Schaub ja gut kenne, lange über die Geschichte nachgegrübelt und denke, das ist Stoff aus dem man mehrere Romane machen kann.
Am Heimweg habe ich im offenen Bücherschrank Elfriede Hammerls „Der verpasste Mann“ und Lisa Fritschs Gedichte „Landsat“ gefunden, sowie Ingeborg Reisner getroffen, die gerade vom Literaturhaus kam und mir von einem beeindruckenden 1912, geborenen Fotografen erzählte, der dort sein Buch präsentierte und Cornelia Travniceks Milena Anthologie „How I fucked Jamal“ wurde im Badeschiff auch vorgestellt.

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